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Geburtsberichte
 

Julian Björn's Geburt

von Uli & Jörg

spontane Geburt, Im Krankenhaus, Vom Vater geschrieben

Seit etwa Ende Februar 1999 hatte sich bei Uli jemand eingenistet, der von ihrer Schwester Meike schon kurz nach seinen ersten Ankündigungen ‚Lurchi' genannt wurde.

Donnerstag abend, 18. November 1999 - ca. 22 Uhr
Während in der ARD in der Fernsehsendung ‚Wunder der Erde' Walhaie durch das Riff um die maledivischen Inseln zirkeln, entschließt sich Lurchi die Stabilität der Fruchtblase zu testen. Und siehe da: Es gibt offensichtlich doch so was wie einen Ausgang. Die Plazenta war in den letzten Tagen irgendwie nicht mehr so gut drauf, die Magnesiumzufuhr hatte von außen auch schon nachgelassen - also Grund genug sich bei der Verwaltung mal persönlich zu beschweren. Als erstes Signal schickt Lurchi mal ein bisschen Fruchtwasser nach draußen - das schafft Stimmung. So ein paar kleine Wehen als Begleittakt sind auch nicht schlecht...

23.15 Uhr
Trotz Wehen noch einmal ein Versuch, schlafen zu gehen, der für Uli allerdings nicht viel Nachtruhe bringt. Dagegen kann ich dann doch noch mal ein bisschen schlafen, wenn auch nur sehr leicht. Schon seit drei Tagen ist die Programmierung irgendwie auf ‚Standby', weil es ja jede Sekunde losgehen kann und dann eine werdende Mutter von ihrem Partner auch hundertprozentige Dienstleistungsbereitschaft fordern können sollte. Schon in den Nächten zuvor deutete ich jeden zweiten nächtlichen Toilettengang meiner Bettnachbarin als bevorstehendes Zeichen zum Aufbruch. Was für eine Horrorvorstellung, gegen ein Uhr nachts sich in die Klinik zu begeben, ohne zu wissen wie lang es dort geht. Vaterschicksale, die natürlich für das Gesamtereignis unbedeutend sind, wenn weibliche Urgewalten dabei, sind sich Bahn zu brechen. Ein gnädiges Schicksal verschob das Signal zum Aufbruch jedoch auf...

Freitag, 19. November 1999 - 4.45 Uhr
Wer schon mal versucht hat, mich um diese Uhrzeit zu wecken, wird wissen wie schwer das sein kann. Ich hasse früh aufstehen wie die Pest. Uli gelang es. Wie ich später erfuhr hat sie wohl so gegen 4 Uhr noch mal das Buch ‚Die Hebammensprechstunde' zu Rate gezogen, wonach ein Blasensprung den Weg in die Klinik ratsam macht. Nachdem die Wehen jetzt öfter auftauchten - so alle 5 Minuten, wollten wir dann doch zur Frauenklinik. Kurz geduscht, Tee und Vesper gerichtet und in der Hoffnung, nichts vergessen zu haben ab durch die dunkle Nacht gen Krankenhaus. Es hatte ein bisschen geschneit, die Strassen aber abgestreut und so kamen wir um 5.30 Uhr in der Frauenklinik an.

5.40 Uhr
Willkommen im Kreißsaal. In der Klinik wird Uli gleich an den Wehenschreiber angeschlossen. So was dauert immer mindestens 30 Minuten. Man bekommt seismographische Ausschläge zu sehen, die ein bisschen Interpretationsspielraum lassen. Ablesbar: Lurchi geht's gut, aber wo sind eigentlich die bitte hier Wehen zu sehen? Wer hätte es gedacht... Allerdings pennt Lurchi und spielt die ‚Ätsch-hab-ich-Euch-ausgetrickst-Nummer'. Die Wehen gehen in den Soft-Zustand über und glücklicherweise sagt uns niemand, dass noch einige Stunden bevorstehen. Aber immerhin kommt die diensthabende Hebamme zum Ergebnis, dass der Muttermund schon fünf Millimeter weit offen sei. Unwissenenden Vätern sagt man in dieser Situation besser nicht, dass das etwa nur fünf Prozent der benötigten Öffnung sind. Jetzt beginnt erst die sogenannte ‚Eröffnungsphase'. Was sich so ein bisschen wie Schach anhört, ist allerdings weitaus dramatischer. Weil die Fruchtblase geplatzt ist, wird auch eine Blutprobe genommen. Ulis Blutdruck: 95 zu 60. Meiner ist wohl niedriger. Kein Wunder - ist ja noch sooo früh, gähn.

7.15 Uhr
Befund: "Tja, dann gehen Sie mal auf Station. Sie können ruhig auch noch ein bisschen rumlaufen". Auf Zimmer 218 wird für Uli nach einer halben Stunde ein Bett parat gestellt, außerdem gibt's Frühstück: Wasserweckchen mit Käse und Marmelade. Aber mehr als ein viertel trockenes Brötchen ist für Uli nicht drin. Und auf Rumlaufen hat sie nach einer durchwachten Nacht auch keine Lust. Lurchi hat gemerkt, dass der blöde Wehenschreiber weg ist und wieder Lust bekommen, die Wehen zu aktivieren. Mal sehen was geht. Grund genug für Uli, doch liegen zu bleiben und mal den Massageservice fürs Kreuz zu bestellen. Ich versuche mein möglichstes. Angeblich hilft es während einer Wehe am Rücken zu massieren. Und offensichtlich ist es so.

9.00 Uhr
Erste Infos per Handy ans Büro, von wo Chefsekretärin Gisela ein aufmunterndes ‚Ich drück Dich' schickt und an den Werbegrafiker Marschall, der ebenfalls Mut zuspricht. Anschließend neue Infos für die Großeltern in spe. Bei beiden wird es der erste Enkel sein. Lurchi weiß um seine Prominenz und macht's spannend. Zurück in die nächste Massagerunde. Die Wehen kommen jetzt wieder so alle fünf Minuten.

10.30 Uhr
Wieder Vorreiten im Kreißsaal. Plug-In am Wehenschreiber. Na also, die Wehen schlagen doch ein bisschen stärker aus. Uff, hat's wohl was gebracht. Lurchi kam richtig in Stimmung. Mal sehen was dieses Herzschlagmessgerät so hergibt: 160, 170, 180 - ey stark. Trotzdem: Der Muttermund hat sich bis Mittag auf fünf cm geöffnet. Dafür konnten wir eine erneute Blutabnahme noch mal abwiegeln. Schließlich kannten wir noch nicht mal die Ergebnisse von sieben Uhr - später stellte sich heraus, das diese ohne infektiöse Anzeichen waren.

12.00 Uhr
High Noon. Irgendwie aber nicht die Zeit für Lurchi. Also noch mal zurück aufs Zimmer. Aber irgendwie will Lurchi das auch nicht. Mitten im Gang bremst er Uli aus. Unsere nächste Idee auf dem Zimmer findet er genauso bescheuert. Getreu einer alten Lenzschen Familientradition Kinder durch Bananen zu erschrecken und aus dem Bauch zu jagen (Gerlindes Mittel gegen Spätzünder Jörg) drückt Lurchi bei Uli die Return und Eject-Taste gleichzeitig und schickt das Obst wieder zum Auswurf. Das verursacht heitere, abwechslungsreiche Betriebsamkeit "da draußen". Aber der Bananen-Wirkstoff scheint trotzdem zu wirken. Vielleicht ist ja auch nur Vodoo, dass man Schwangeren eine Banane reichen muss und schon beginnt bei den Wehen eine Dynamik wie sie mit den jährlichen Steigerungsraten bei Versicherungstarifen nur unzureichend zu vergleichen ist.

12.30 Uhr
Der Schmerzt nervt. Oder schmerzen die Nerven? Egal - jetzt beginnt der Spaß aufzuhören. Uli ist nach Schmerzlinderung. Die Klinik hat für solche Fälle eine gewitzte Taktik. Wer Schmerzbremsen will, muss kreiseln (nicht zu verwechseln mit rotieren). Also retour Richtung Kreißsaal, auch wenn's schwer fällt - aber da müssen wir eh irgendwann hin, warum also nicht jetzt? Vor dem eigentlichen Kreißsaal kommt man jedoch schon wieder in die Qualifikationsrunde. Die findet jeweils am Wehenschreiber statt und erfordert gewisse Mindestanzahl von Ausschlägen. Ohne die hat man keine Chance hier irgendwie weiter zu kommen. Praktisch ist, wenn man dazu unterstützend noch etwas akustische Elemente vokaler Natur einsetzt - sogenannte Dehnungs Aaaaaaahs, Ooooooohs und Uuuuuuuuuuuhs. Von männlichen Teilnehmern wird in dieser Stufe zum einen ein ‚Mitatmen' erwartet, die Beachtung des Hyperventilierungs-Minimums und ein gezielter Einsatz von Motivationselementen der Kategorie ‚Das machst Du sehr gut', 'Ja, Du schaffst es' und ähnliches. In leichter Abwandlung hört man(n) dies auch von den Hebammenschülerinnen. Sie formulieren sensibler und irgendwie klingt es noch kompetenter wenn es heißt: ‚Sie machen das wirklich sehr gut.' Für Uli traf das wirklich zu. Lurchi schien nun auch langsam zu der Überzeugung zu kommen, dass Uli nun wirklich genügend gearbeitet hat - der Muttermund wurde von offizieller Seite für eröffnet erklärt. Wir schaffen jetzt die Qualifikation für den Kreissaal. Allerdings verbunden mit der dringenden Bitte von Uli jetzt doch mal ein schmerzstillendes Mittel anzulegen. Diese wird dann auch erfüllt.

13.50 Uhr
Ein netter, kleiner Kreissaal ohne allzu viel Technik empfing uns, Nummer 5 in der Frauenklinik. Den kannten wir schon von der Führung von ein paar Monaten und der wurde uns damals als der ‚privateste Kreissaal' genannt. Stimmt, ich konnte mir ein paar Klamotten überziehen und in einem Doppelbett neben Uli Position beziehen - vom Händchenhalten über das Massieren bis zum Wasserglaszubringerdienst. Bevor allerdings solche erlösenden Sätze wie "Der Kopf ist schon zu sehen" fallen, kommt Lurchi noch eine Idee wie der Geburtsvorgang noch eine interessante Facette zu bereichern ist: Der Kopf liegt nicht ganz gerade, was Uli ein paar gemeine Bonus-Wehen beschert. Eine Phase, die nicht unbedingt als schön zu beschreiben ist. Die alte Hebammenweisheit "Jede Wehe, die vorbei ist, ist ein Schritt weiter zur Geburt," sollte sinnigerweise nie mit der Gegenfrage versehen werden: "Wie viele Schritte sind's noch?" Es gibt einfach darauf keine vernünftige Antwort. Und irgendwann hofft man(n) einfach nur noch es möge sich jetzt endlich was markantes bewegen. Am besten Lurchi, sichtbar und greifbar. Unsere Hebamme war die meiste Zeit dabei, auch eine Hebammenschülerin. Nur ein paar Minuten waren wir hin und wieder alleine, weil wir offensichtlich einen Tag erwischt hatten, an dem in der Klinik der Teufel los war.

15.40 Uhr
Die letzten Minuten stehen bevor. Uli sind nur noch kurze Momente der Entspannung zwischen den Wehen gegönnt. Ich kann mich nicht so ganz entschließen, ob ich es nicht gut finden soll, wenn Uli einfach sich noch intensiver bemerkbar macht, weil so was auf eine starke Wehe hinweist. Endlich fällt der erlösende Satz. Das Köpfchen wird sicht- und schließlich fühlbar. Hat er also doch noch den richtigen Dreh herausbekommen. Allerdings bremst jetzt noch ein Damm die letzten Millimeter in die Freiheit. Uli bleibt der Dammschnitt nicht erspart. Der "ganz kleine" Schnitt hat dann doch ein paar Zentimeter und für Menschen, die kein Blut sehen können ist das auch nichts. Möchte nicht dran denken, wo mein Kreislauf wäre, wenn das bei mir passieren würde.

15.48 Uhr
Ciao Lurchi! Jetzt ist es unwiderruflich soweit: Die Zeit des Aliasnamen ist vorbei. Julian Björn Döhl hat's gepackt und Mama erst recht. Augen zu und durch und am besten ganz schnell mal ganz laut Signal gegeben.

3740 Gramm verteilen sich auf 50 Zentimeter Länge und 34 Zentimeter Kopfumfang. Die Haarfarbe ist zur Zeit irgendwas mittelbraunes (noch nicht eine richtige Spur rötlich); Hauttyp: derzeit Baby-like, offensichtlich gut bei Stimme (erste Stimmprobe von 15.50 h bis 18.30 h perfekt bestanden) und auch sonst ganz fit. Auf gut deutsch: Eine echte Herausforderung für Uli &Jörg.

Wir sind gespannt - und glücklich.

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