Noboby is perfect - und schon gar nicht die Medizin und die Ärzte
Ich habe Jeanette gebeten, nicht meinen Namen zu veröffentlichen, da es bei dieser, in meinen Augen, etwas heiklen Geschichte, zu so vielen Missverständnissen bereits gekommen ist und ich einfach nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden will... trotzdem will ich Euch die Geschichte aufschreiben, damit wir alle daraus vielleicht etwas "lernen".
Im übrigen würde ich mich für Frauen, die dazu auch Fragen haben, eventuell über Jeanette als "Ghostwriter" für Antworten zur Verfügung stellen.
Noboby is perfect - und schon gar nicht die Medizin und die Ärzte.
Das Baby machte sich auf den Weg und ich ins Krankenhaus... mit einer super netten Hebamme und einem jungen Arzt, die vor mir auf dem Boden lagen, kam das Kind auf die Welt. Mir ging es super gut - nur der Arzt meinte nach einem Blick aufs Baby, da wär' was, so "Stellen" am Körper, er würde mal den Kinderarzt zu Rate ziehen. Dies geschah auch, er untersuchte das Baby und fragte mich dann, ob ich Infektionen während der Schwangerschaft gehabt hätte... na ja, sicher - Schnupfen und so. Naja, ob ich Toxoplasmose gehabt hätte oder so... Nöööööö, ich nicht - weiß ich nix von. Ja, man würde das Kind jetzt mal genauer untersuchen, es war eh gerade just in dem Moment große Visite im Neugeborenenzimmer.
- Nächster Tag. Jemand in der Riege der Kinderärzte war mit mir zusammen in einer Klasse gewesen und ich fragte die AIP, was denn nun mit dem Baby wäre (das Kind war fit - da gab es nix... halt nur diese "Flecken" auf dem Körper). Och, meinte die dann, sie hätten nix gefunden und wären zu dem Schluss gekommen, dass es Hautabschürfungen wären, die sich das Kind auf dem Weg nach draußen geholt hätte. - Ja, klar - warum auch nicht.
Für mich war das Thema gegessen. Am nächsten Tag gingen wir heim - bei der Visite war nichts mehr gesagt worden.
Zeitsprung - eine Woche später!
Während ich einkaufen war, ging das Telefon. Mein Mann war am Apparat und man sagte ihm, ich solle mich doch bitte nochmal bei der Stationsärztin melden, was ich nach meiner Rückkehr auch tat. Dort wurde am Telefon gesagt, im Labor sei etwas vertauscht worden, ich möchte doch bitte nochmal kommen, um 15 Uhr am Kreißsaal. Mit dem Neugeborenen machte ich mich auf den Weg dorthin und der Arzt, bei dem ich entbunden hatte, kam zu mir... irgendwie guckte er nur auf den Boden und brabbelte was von "...geh mal den Oberarzt holen" und entschwand, um mich dann später in ein Zimmer zum Oberarzt zu führen und sich schleunigst zu verdrücken. Der Oberarzt, übrigens ganz die Marke "Gott in Weiß", fing dann etwas umständlich an. Also ja - wegen dem Baby und überhaupt... man hätte da so einen Verdacht gehabt... und eigentlich wollte man mich auf Syphillis untersucht haben. Ööööööhhhhh???? Syphillis??? Ich erinnerte mich, dass mir am Entlassungstag Blut abgenommen worden war, aber das war ja nix Außergewöhnliches. Hb, Blutzucker und so weiter wird ja immer standardmäßig gemacht. Aber - entschuldigung - Syphillis!!!! Nun... fuhr der Mensch fort, im Labor wär' dann wohl was schief gegangen... also - na ja, man hätte dann, anstatt mich auf Syphillis zu testen auf HIV getestet. Und dann wurde seine Sprache etwas schneller: Na, jedenfalls wär' der Test positiv ausgefallen und ich sollte mal schleunigst zum Hausarzt gehen, wie es denn jetzt weiter gehen soll. PUNKT!
Ich weiß noch genau, wie ich da gesessen hab und den Kerl angelächelt hab und meinte, es wär' ja wohl ein Witz und das könnte nur ein total falsches Ergebnis sein. Nun, räumte der Arzt ein - man könne nicht ausschließen, dass irgendwie die Blutproben vertauscht worden seien, und mit den vertauschten Blutproben dann auch noch der falsche Test gemacht worden wäre (lest den Satz jetzt bitte nochmal... ist es zu glauben... eine solche Schlamperei???).
Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinen Hausarzt, nur meine Frauenärztin, die ca. 100 km entfernt praktizierte. Jedenfalls bestand ich auf einer Wiederholung des Tests und im Kreißsaal wurde mir - unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen *ggg* - nochmals Blut abgenommen.
Dann der Rückweg nach Hause... ich hatte doch noch mit meinem Mann geunkt, was die wohl hätten, dass das Krankenhaus einen bereits entlassenen Patienten nochmals kontaktiert, ob ich vielleicht BSE oder AIDS hätte...
Meine Gefühle... meine Gefühle auf dem Heimweg, die kann ich hier gar nicht aufschreiben... es ging alles kreuz und quer und gleichzeitig war mein Kopf dennoch ganz leer. Auf einer hohen Talbrücke gab es sogar den konkreten Gedanken, mit dem Auto jetzt durch das Brückengeländer zu durchbrechen, dann wär' wohl alles vorbei. Aber ich hatte ja das Baby bei mir.... klein... unschuldig.
Also weiter - heim.
Wie soll ich jetzt beschreiben, was dann zwischen mir und meinem Mann hier ablief???? Es war die Hölle. Ich habe ihm gesagt, wie mir das vom Krankenhaus mitgeteilt worden war, woraufhin er schmale Lippen machte, mich anherrschte, ich solle das Baby aus dem Auto holen und dann fuhr er fort. Um es vorweg zu nehmen, er fuhr ins Krankenhaus und hat dort einen tierischen Aufstand gemacht, was denn da ablaufen würde. Man musste ihn recht gewaltsam vom Flur entfernen in ein Zimmer, damit nicht das ganze Krankenhaus alles mitbekam.
Mein Mann war noch weg, und keine halbe Stunde (!!!!!) nach meinem Verlassen des Krankenhauses rief der Arzt an und meinte, "Ja ja - es bliebe denn dabei" - POSITIV!
Ich glaub', in diesem Moment wurde ich das erste Mal so richtig stutzig. Bisher hatte ich zwar noch nie einen HIV-Test machen lassen, aber vom Hören-Sagen wusste ich, dass es 2 Wochen dauert, bis so ein Ergebnis endgültig vorliegt... oder wenigstens 1 Woche! Und jetzt teilten die mir das binnen einer halben Stunde mit?????
Er kam dann auch wieder und dann fing es an "Hast DU mich betrogen" "Wo bist Du gewesen" "Was hast Du gemacht" und ich genauso "Mit wem hast Du mich betrogen" "Wie heißt sie" und und und... Dann haben wir überlegt... ist einer von uns mal operiert worden, hat Blutkonserven bekommen??? Nein... und fremdgegangen... nein!!!!!!
ES KANN DOCH NICHT WAHR SEIN!
Es folgten noch unzählige Telefonate mit den Ärzten des Krankenhauses und dann rief ich meine Frauenärztin an und heulte ihr vor, was passiert war. Die meinte dann auch nur "Ach, was! DAS kann nicht sein - SIE doch nicht." Ich solle, wenn ich denn wieder könne, sofort runter kommen, sie würde ebenfalls einen Test veranlassen.
Irgendwann hat mein Mann seine Eltern angerufen und auf einmal saß hier die ganze Familie... es war 19.00 Uhr... gerade mal 4 Stunden vergangen seit der "Urteilsverkündung"... und es kam mir vor, als wären mehrere Tage vergangen, so lange.
Meine Schwiegermutter blieb hier, da ich nicht mehr in der Verfassung war, irgendwas zu tun.
Mein Mann hatte zum Glück Urlaub, er brauchte einige Tage, um mich wieder ansehen zu können, es dauerte über ein halbes Jahr, bis wir wieder Sex hatten.
Am nächsten Tag bin ich tatsächlich zu meiner Frauenärztin gefahren, die einen Test veranlasste - und von ihr bekam ich auch die ersten Infos. Das ein kompletter HIV-Test aus mehreren Komponenten besteht und unmöglich schon nach einer halben Stunde ein Ergebnis feststehen kann. Sie würde meine Blutprobe sofort ans Labor schicken und die sollten die allen anderen Dingen vorziehen, trotzdem würde das Ergebnis wohl erst Anfang nächster Woche vorliegen (denn günstigerweise war es Freitag!).
Ein weiteres Gespräch mit den Krankenhaus brachte dann an den Tag, dass das Fremdlabor noch gar kein Ergebnis habe (also auch noch nicht von der ersten Probe!) - und im Laufe der nächsten Woche würde man dann von dort das Ergebnis kriegen (ähäm... wieeee? Noch gar kein Bestätigungstest gelaufen????)
Freitagabend rief meine Gynäkologin an und "entwarnte"... so ein HIV-Test besteht im Groben aus einem ELISA-Test sowie den Westernblot 1 und 2. Bei mir sah es jetzt im Groben so aus... ELISA-Test: Da gibt es einen Wert - einen Cut-off-Wert, der wohl bei 0.142 liegt... mein Wert lag bei 0.132 bis 0.139 und somit 15 % unter dem Wert und war "grenzwertig". Westernblot 1 und 2 negativ. Das Labor meiner Gyn schickte die Blutprobe auch noch nach Stuttgart zum Labor von Prof. Enders... das Ergebnis kam erst ein paar Wochen später zurück... alles negativ, auch kein grenzwertiger Wert (hier lag mein Wert bei 0.098).
Aber noch war ich nicht über jeden Verdacht erhaben.
1 1/2 Wochen nach dem Ergebnis meiner Frauenärztin wurde ich wiederum ins Krankenhaus gebeten. Vor dem Gespräch musste ich noch warten; und ich traf auf dem Krankenhausflur einen weiteren Schulkameraden, AIP in der Gyn. Wir "smalltalkten" und er fragte, was ich hier so machen würde und ich meinte, er solle sich mal meine Krankenakte ziehen, durchlesen und dann schleunigst wieder vergessen, was er da gelesen hätte. Er rollte nur mit dem Augen und meinte "Du bist der Test, der nicht hätte gemacht werden dürfen????" und zog mich beiseite. Er meinte dann, das Fremdlabor hätte nichts feststellen können!
BINGO!
Die Stationsärztin kam und der Schulkamerad und ich taten so, als würden wir uns nicht kennen und hätten auch nicht miteinander gesprochen, was fraglos das Beste war. Diesmal waren es schon 2 Ärzte... die Stationsärztin und ein weiterer Oberarzt... die mich zum Gespräch baten. Beide guckten ziemlich auf den Boden als sie mitteilten, dass das Fremdlabor nach Vollendung der Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen sei, dass keine HIV-Infektion vorliegen würde und dass die Reaktion im ELISA-Test wohl eine "unspezifische Reaktion" - "evtl. schwangerschaftsbedingt" gewesen sei. Denn schließlich sei die Reaktion des ELISA-Testes hier im Krankenhaus auch nur schwach gewesen.
Ach neeeeee? In der Tat?
Aber - wieso wurde mir dann schon eine Enddiagnose gestellt --- nämlich die HIV-Infektion, wenn a) die Reaktion im ELISA nur schwach war und b) noch gar keine Bestätigungstest vorgenommen waren?
Darauf bekam ich keine Antwort.
Auch als ich Zweifel anmeldete, dass die Story mit dem angeblich vertauschten Syphillis-Test ja wohl nur eine Schutzbehauptung wäre (und überhaupt - mich hat auch niemand um die Genehmigung für diesen Test ersucht), da wurde auf einmal meine Krankenakte geholt und (es dauerte wohl einige Minuten), mir ein Blatt unter die Nase gehalten, wo also doch der TPHA angekreutzt wäre, aber na ja - das Blatt wäre etwas unübersichtlich... und man hätte den Vorfall zum Anlass genommen, das Formular übersichtlicher zu machen... (bla bla bla)
Ja - aber glaubt Ihr vielleicht, es hätte sich mal jemand entschuldigt????? Nö! Als "geheilt" wurde ich dann entlassen!
Danke!!! liebes Krankenhaus - beschissener Laden (sorry) Und dann ging es bei mir erst richtig los... ich hatte vielleicht eine Wut --- eine gottverdammte Wut! Und DAS wollte ich nicht einfach so abhaken.
Ich hab' mir über eine befreundete Anwaltskanzlei meine Krankenakte kommen lassen... und siehe da! Der GESAMTE HIV-Vorfall beschränkte sich auf einen handgeschriebenen Zettel "Fremdlabor rief an, Ergebnis negativ". Kein einziges Laborergebnis existierte! Aber - Entschuldigung ... man hatte doch mindestens 3 Laborergebnisse schriftlich haben müssen??? Nix. Kein Gespräch mit mir über die Diagnose bzw. über die Entwarnung... nix war schriftlich vermerkt worden.
Ja - steh ich denn im Wald? Es wurde ja immer lustiger.
Ich hab' dann der AIDS-Hilfe den Fall geschildert und denen haben sich die Haare aufgestellt - von denen habe ich eine Adresse eines Anwaltes mitgeteilt bekommen, der sich der Sache annahm. Es folgten viele "schöne" Briefe... und es hätte letztendlich nur gefehlt, dass das Krankenhaus bestritten hätte, dass ich überhaupt dort entbunden hätte. Es war ein einziger Hohn, was von Seiten des Krankenhauses kam. Ich hab den Ordner hier noch liegen. Jedenfalls dürft Ihr mir glauben, dass ich ALLES drangesetzt hab, um dem Krankenhaus wenigstens einen Bruchteil des Ärgers zurückzugeben, den die MIR und meiner Familie gemacht hatten. 10 Monate hat sich alles hingezogen - es würde den Rahmen sprengen, hier alles beschreiben zu wollen. Natürlich wurde alles abgestritten und MIR wurde versucht, den schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben. Als Beispiel nur einen Satz aus einem Schreiben: Schließlich könne sich jede Person auf ungalante Art und Weise eine solche Infektion zuziehen. Ungalante Art und Weise!!! Danke!
Es ging um so Vieles - und es wurde so viel "schmutzige Wäsche" gewaschen...
Noch war es "nur" die außergerichtliche Verhandlung, aber ich war wild entschlossen, notfalls gegen das Krankenhaus zu klagen... leider hatte ich ja keine handfesten Beweise (leere Krankenakte). Unterstützt hat mich dabei immer die Aids-Hilfe - an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an alle, die dort ihre Arbeit verrichten!!!
Um es kurz zu machen... plötzlich kam ein Schreiben der Versicherung des Krankenhauses, dass man "unter Zurückstellung erheblicher rechtlicher Bedenken" bereit wäre, mir ein Schmerzensgeld i. H. v. 1.500 DM anzubieten (Anmerkung: Dieser Betrag wurde vom LG Köln in einem Präzedenzfall festgesetzt, wo ebenfalls ein Arzt ohne Wissen und Einverständnis einen HIV-Test durchgeführt hat)
So so --- 1500 DM... weil der HIV-Test ohne mein Wissen gemacht worden war... und was war mit der Fehldiagnose?
Ich könnte hier noch stundenlang jede kleine böse Kleinigkeit aufschreiben... es würde wohl ein Buch werden. Beschränken wir uns also drauf, dass mein Anwalt riet, den Vergleich einzugehen, da es uns in einem Klageverfahren an handfesten Beweisen fehlte und in Anbetracht dessen, dass eine Armada von Ärzten gegen eine einzige Patientin stand.
...Es fehlen, wie gesagt, in dieser Beschreibung hier noch viele Dinge... die in sich auch wichtig sind.
Als Nachbemerkung sei angemerkt, ich bin noch bis ein Jahr nach dem Vorfall wie eine "Blöde" in regelmäßigen Abständen von 8 Wochen in die Uni-Klinik gefahren und hab dort HIV-Tests vornehmen lassen, die wirklich bis aufs allergenaueste auseinander gepflückt worden sind. Das Ergebnis lautete zum Glück immer wieder: keine HIV-Infektion.
Was aber letztendlich diese unsägliche Reaktion kurz nach der Entbindung im ELISA-Test hervorgerufen hatte, das haben wir auch leider nie herausgefunden.
Noch eine Nachbemerkung: Ich hab nach dem Vorfall noch ein Baby bekommen... und hatte den Gynäkologen gewechselt... dort fand ich eines Tages in meinem Mutterpass "HIV-Test durchgeführt am...".
Wieder einmal ein Test ohne mein Wissen und ohne mein Einverständnis - auf meine Nachfrage hin zeigte man mir das Laborergebnis... alles negativ, keine außergewöhnliche Reaktion!!!
AW: würdet ihr euren kindern heute einen anderen vornamen geben?
Hallo,
Patzi Heute, 04:14im Prinzip wuerd ich die Namen wieder auswaehlen. Ich mag alle drei Namen noch sehr und die Kinder moegen ihre Namen auch noch :-)
Aaaber es gibt auch immer etwas Schwierigkeiten mit der...