von
Eva-Maria
So langsam kommt wieder etwas Ordnung in mein Leben, nachdem am 17.2.1998 meine beiden Mädel auf die Welt gekommen sind, elf Tage vor dem errechneten Termin, und wie geplant zuhause.
Sophie Hildegard, 2900g, 49 cm, 17.48 Uhr und
Selma Elisabeth, 2050g, 47 cm, 18.38 Uhr
Eindeutig zweieiig.
Zunächst hatte ich ja das Gefühl, dass die beiden es sich bis zu ihrem Lebensende in mir gemütlich machen wollen. Aber dann geht es plötzlich ganz schnell. Um 15.45 habe ich einen Blasensprung, schnappe mir die Telefonliste, Rainer, Hebammen und Sarah-Betreuung anrufen. Da ich noch keine Wehen habe, meint Ina, meine eine Hebamme, sie würden sich so in ein bis zwei Stunden wieder melden, es könnte sich noch hinziehen.
Ich beziehe mit Sarah die Betten frisch, allerdings ist das etwas schwieriger, als ich das von Sarahs Geburt in Erinnerung habe. Während ich noch rätsele, woran das wohl liegt, habe ich eine Erleuchtung: Das sind Wehen, und zwar alle vier Minuten, recht kurze, aber ganz eindeutig und schrecklich heftig. Wir lassen das Bettenbeziehen sein, es sind sowieso nur noch die Plumeaus übrig, und die brauche ich für die Geburt eh' nicht. Dafür rufe ich nochmal Ina an, und die meint, sie fahren sofort los.
Mittlerweile verkürzen sich die Pausen zwischen den Wehen auf zwei Minuten, und als Rainer endlich da ist, ist mir klar, die Hebammen schaffen das nicht mehr. Meine Sophie Hildegard hat es deutlich eilig. Als der Pressdrang einsetzt (bei Sarah waren es von da bis zur Geburt immer noch zwei Stunden), rufe ich nochmal Ina auf ihrem Handy an, in 20 Minuten seien sie da, ich solle die Wehen überatmen. Das versuche ich, aber die Große will raus.
Die ganze Zeit über knie ich auf dem Fußboden, halte mich an meinem frisch bezogenen Bett fest. Der eigens installierte Pezi-Ball ist mir zu hoch, zu kalt, zu doof. Irgendwie will ich ihn noch in das Geburtsgeschehen miteinbeziehen, aber drauf setzen, wo ich doch so schön knie? Nein, er darf nur zugucken. Rainer kniet sich hinter mich und nimmt mich in den Arm, leider bin ich während so einer Geburt nicht sehr zärtlich, weil ich die Körperkontrolle verliere, aber ich genieße es trotzdem.
Als ich zu Rainer sage, jetzt tritt der Kopf durch, gerät er verständlicherweise in Panik. Ich versuche, ihm zu erklären, dass alles in Ordnung sei, aber offensichtlich kommt das Gestöhne und Geschnaufe nicht so klar bei ihm an. Mit der nächsten Wehe rutscht Sophie Hildegards Kopf in meine Scheide, Rainer fängt an die Telefonliste durchzurufen, und ich fühle mit den Fingern nach dem Kopf meiner Tochter: wie eine glitschge Pflaume, ganz eindeutig das Gesicht nach vorne, nicht nach hinten, wie das brave Babies machen. Darüber mache ich mir zwar die wenigsten Gedanken, aber es ist schon ein übles Gefühl, so ein Schädel zwischen den Beinen, einen nervösen Ehemann neben sich, und die Hebamme am anderen Ende des Telefons. Kein Wunder, dass ich etwas verwirrt bin. Und mit dieser Verwirrung ist Ruhe. Keine Wehe, nichts, ich habe Zeit, mich zu fassen. Nach vier Minuten fälle ich die Entscheidung, ich kriege jetzt das Kind, das kann ja nicht bis zu Volljährigkeit da stecken bleiben. Kaum ist das fertig gedacht, da kommt auch schon die nächste Wehe und mit ihr der Kopf. Mit der rechten Hand bremse ich etwas, und als ich eine Schulter spüre, da fällt mir ein, was uns Angela in der Geburtsvorbereitung erzählt hat: "Wir Hebammen heben das Kind nur ein bisschen an, dann entwicket sich die zweite Schulter". Das mache ich und mit einem Flutsch ist die ganze Sophie Hildegard auf der Welt. Sie ist rosig und schreit. Rainer holt vorgewärmte Handtücher aus dem Backofen und wickelt sie darin ein, ich kann mich endlich in mein frisches Bett legen, mein Mädchen auf dem Bauch. Keine Wehen, wieder Ruhe.
Bim, Bam die Hebammen sind da.
Sophie Hildegard wird abgenabelt und begutachtet, alles dran, die wichtigste Frage: Gabt ihr auf die Uhr geguckt? Das ist offensichtlich nach dem Apgar das Entscheidenste. Routiniert wie wir sind, war der Blick auf die Uhr schon fast ein Reflex.
Noch liege ich im Bett, da geht es schon wieder los. Wir kriegen nämlich noch ein Kind, auch wenn ich schon genug habe. Selma Elisabeth will auch noch raus. Diesmal ist alles viel professioneller, ich sitze auf dem Gebärhocker, Rainer hinter mir, an ihm kann ich mich festhalten. Die Herztöne werden immer wieder überwacht, sind in Ordnung. Martina, die andere Hebamme, untersucht meinen Muttermund, ja, die Kleine kommt mit dem Hintern zuerst. Zwischen den Wehen trinke ich Fencheltee, endlich kommt auch meine Schwester Gertrud, um auf meine Allerälteste aufzupassen. Sarah hat sich ins Wohnzimmer zurückgezogen, allerdings kommt sie gelegentlich rauf und sieht nach uns:
"Ich war blau bei der Geburt, Sophie war rosa, Selma wird weiß sein". Das sagt Sarah. Während der gesamten Schwangerschaft hatte sie ein besonderes Verhältnis zu Selma, mit ihr hat sie viel gesprochen, das ist ihr Baby, Sophie gehört mir.
Endlich erscheint der Hintern, dann der Kopf. Schlapp, schlapp, beide Plazentas sind auch schon da. Selma Elisabeth ist ganz blass und sie atmet nicht, sofort beatmen Ina und Martina die Kleine mit dem Sauerstoffbeutel - Hausgeburt ohne Technik? Getrocknete Fledermausflügel? Von wegen. Nach 20 Minuten hat sie endgültig kapiert, was wir wollen und atmet ganz selbstständig. Der Neugeborenen-Notarzt kommt mit dem Hubschrauber, unser Dorf ist in heller Aufruhr, die Feuerwehr muss leuchten. Der Arzt stellt fest, dass es besser ist, sie in eine Kinderklinik zu verlegen, der Neugeborenen-Notdienst rollt mit einem Brutkasten an, ich verabschiede mich von meiner Selma, die ganz eindeutig nicht so glücklich über ihre Geburt ist. Rainer begleitet sie.
Danach gehe ich ersteinmal unter die Dusche, begutachte meinen Bauch. Himmel, der hängt so vor, da wird doch wohl kein drittes drin sein?
Sauber, aber erledigt gehe ich zu meinem Bett zurück, die ersten Fotos werden gemacht. Ich bin froh, dass ich Zwillinge habe, wenigstens ist Sophie Hildegard bei mir. Ab morgen beginnt der neue Alltag, was auf mich zukommt, weiß ich noch nicht...
AW: würdet ihr euren kindern heute einen anderen vornamen geben?
Hallo,
Patzi Heute, 04:14im Prinzip wuerd ich die Namen wieder auswaehlen. Ich mag alle drei Namen noch sehr und die Kinder moegen ihre Namen auch noch :-)
Aaaber es gibt auch immer etwas Schwierigkeiten mit der...