Die Wassergeburt von Tim am 20. Mai 2000
Veröffentlicht: 22. April 2011 09:26
Vorab muss ich sagen, dass ich wahrscheinlich die schönste Geburt der Welt hatte.
Bereits in der 26 .SSW wurde ich mit vorzeitigen Wehen stationär im Krankenhaus aufgenommen. Das war mehr als unangenehm, da ich aufgrund des Durchfalls, auf der Isolierstation alleine lag. Aber nach Aufstellung eines medikamentösen Tagesplanes, wurde ich mit strikter "Bettruhe-anweisung" nach Hause entlassen. Man wird es kaum für möglich halten, aber ich musste täglich 21 Tabletten zu mir nehmen.
Der voraussichtliche Geburtstermin war der 19.06.2000.
Am 18.05.2000 waren wir zur nächsten Vorsorgeuntersuchung, wo uns der FA sagte, dass ich die Wehenhemmer absetzten solle, da sonst die Geburt am Ende noch eingeleitet werden müste. Das sagte ebenfalls unsere Hebamme und der Chefarzt in unserem für die Geurt auserkorenem Krankenhaus. Nun gut. Ich nahm am Abend des 18.05.2000 also meine letzten Wehenhemmer und den Tag darauf war ich zwar unsicher, aber es ging mir, abgesehen von der Hitze, doch relativ gut. Jedoch am Abend bekam ich ein seltsames Ziehen im Bauch. Aber ich dachte natürlich, das dass ebenfalls vorzeitige Wehen wären, nur das sie sich ohne Wehenhemmer etwas anders anfühlen. Wir sind dann auch ins Bett gegangen. Aber halb eins war meine Nacht dann ´rum. Ich dachte immer noch an vorzeitige, aber diesmal etwas schlimmere Wehen. Meinen Mann wollte ich auch noch nicht behelligen, da er zeimlich kaputt war. Obendrein stand er ja wegen meiner Gefechtsunfähigkeit momentan auch noch zu Hause im Stress.
Also bin ich gewandert, habe Fernsehen geschaut und Verrenkungen im Bett ausprobiert. Aber gegen 6:30 Uhr war es dann doch ziemlich schlimm und so wirklich glaubte ich nicht mehr, das dass vorzeitige Wehen waren. Instinktiv sagte ich meinem Mann, dass er wahrscheinlich heute Vater würde. Als wir den Wehenabstand gemessen haben, kamen sie bereits aller 5 Minuten. Ich wollte auf jeden Fall noch duschen, bevor wir ins KH fahren, doch mein Mann befürchtete eine Sturzgeburt unter der Dusche. Ich hab´mich dann letztendlich doch noch durchgesetzt, so dass wir erst um 8:30 Uhr in der Klinik ankamen. Da war mein Muttermund 1 cm offen und die Ärztin wollte die Geburt mit allen Mitteln aufhalten und zumindest in die 37. SSW ziehen. Also verabreichte man mir wieder Wehenhemmer und die ganze Palette der Medikamente. Und das war das, was an der Geburt weh tat. Die Wehen drückten nach unten, wobei unser Kind schon sehr weit unten lag und dementsprechend auf den Beckenboden drückte, und die Wehenhemmer hielten dagegen. Nach Unendlich langen 3 Stunden war dann zum Glück der Schichtwechsel da, so dass der jetztige diensthabende Arzt sagte, dass die Geburt sowieso nicht mehr aufgehalten werden könne und die Medikamente wieder abgesetzt wurden. Und das war das Beste, was mir passieren konnte. Von nun an taten die Wehen halb so weh.
"Schwester Rabiata", wie wir eine Hebamme nnnten, mit der ich schon während meines ersten Aufenthaltes Probleme hatte, mir, dass das Kind sowieso heute nicht mehr kommen würde. Frühestens morgen, wenn es nicht noch länger dauern würde.
Es war ca. 12:30 Uhr und der Muttermund war auf 3-4 cm geöffnet. Ich war auf dem Ball, hielt mich nebenbei am Seil fest und war super lustig drauf. Meine Eltern kamen noch vorbei und wir haben während der Wehen ordentlich Spass gehabt. Dann kam unsere Hebamme (übrigens die Weltbeste) und bot mir an, in die normale Badewanne zu gehen. Und als ich drin war, spürte ich die Wehen fast gar nicht mehr. Ich sagte ihr, dass ich hier nicht mehr rausgehen würde. 17:45 Uhr musste ich aber leider raus, da sie kontrollieren wollte, wie weit sich der Muttermund geöffnet hätte. Da waren es bereits 8-9 cm und zu meinem Bedauern sagte sie mir, dass ich nicht mehr in die Badewanne könne. Auch könnten wir keine Wassergeburt machen, da ich ein Frühchen bekäme. Doch nachdem die Fruchtblase gesprengt wurde und keinerlei Anzeichen von Käseschmiere zu sehen war, entschied der Arzt, dass wir es mit einer Wassergeburt versuchen könnten, da ich in der normalen Wanne mich so gut entspannen konnte. Da das Kind während der Geburt schlief, wurde es lustiger Weise mit einer Eieruhr, die man mir auf den Bauch hielt, geweckt. Aber er lies sich nicht sonderlich davon beeindrucken und schlief auc sogleich wieder ein.
Nun waren die Wehen doch etwas mehr zu spüren, aber immer noch sehr gut wegzuatmen. Als dann die Gebärwanne voll war, durfte ich reinsteigen. Meine Hebamme hielt mir die linke Hand und half mir beim Einsteigen und mein Mann die rechte. Ich war super konzentriert und gerade als ich den Fuss zum Einsteigen heben wollte, ertönt aus dem CD-Spieler das Lied "Titanic". Da war meine ganze Konzentration auf die Wehe weg und dementsprechend tat sie auch weher als die anderen. Ich dachte nur mit einem Lächeln: wissen die denn nicht, dass die Titanic am Ende sinkt?
Tja und dann ging alles ziemlich schnell. Es war 19:20 Uhr als ich in der Gebärwanne sass und draussen schien die Sonne und es regnete gleichzeitig. Und da kamen auch schon die Presswehen. Entgegen meiner Erwartungen hatte ich nicht unbedingt das Bedürfnis zu pressen. Aber ich gab natürlich mein Bestes. Ich hielt mich an den Haltegriffen rechts und links fest und drückte bzw. schob. Dann kam nach ca. 20 Minuten eine Phase, da dachte ich, nee, nicht mit mir. Der Kopf steckte direkt in der Scheide und ich dachte, er ginge nicht vor und nicht zurück. Ich dachte, ich müsste zerreissen. Und um den Damm zu dehnen, wurschtelte die Hebamme auch noch dranrum. Meine Hebamme bot mir an, den Kopf zu fühlen, was ich völlig schockiert ablehnte, denn ich wollte endlich, dass das Gefühl der Spannung endlich weg ging. Heute ärger ich mich masslos darüber. Dann musste ich nur noch zwei mal pressen und 20:10 Uhr kam unser Sohn Tim wie eine Rakete rausgeschossen, was noch mal richtig weh tat, da ich einmal komplett von oben bis unten gerissen war.
Da er sehr klein war, legten sie ihn mir nur wenige Sekunden auf den Bauch und nabelten ihn dann sofort ab, um zu sehen, ob mit ihm alles in Ordnung war. Gott sei dank atmete er relativ schnell eigenständig, so dass er nicht in die Kinderklinik verlegt werden musste. Mittlerweile lag ich auf dem Bett, wo ich nur noch mal kurz pressen musste, dass die Nachgeburt rauskam. Ich habe kaum etwas von der Wehe gespürt. Aber das schlimmste war, dass Tim immer noch keinen Laut von sich gegeben hat. Ich dachte schon das schlimmste und mein Mann und meine Mutter, die während der gesamten Geburt dabei war, sagten, dass er sehr müde von der Geburt wäre, es aber alles in Ordnung sei. Und endlich kam ein zaghaftes, leises UÄH und alle Angst fiel von mir. Man legte ihn mir dann gebadet in den Arm und ich werde wohl nie wieder so glücklich in meinem Leben sein, wie in diesem Augenblick.
Tim wog 2.230 gramm und war 49 cm groß. Kopfumfang 31cm. Obwohl er die ersten Tage zu schwach zum Saugen war und deshalb per Magensonde ernährt werden musste, habe ich das große Glück, immer noch zu stillen. Während die anderen Mütter mit ihren Kindern an der Brust im Stillzimmer sassen, hatte ich meine Pumpe mit der Flasche an der Brust. Aber so hat es dann doch mit dem Stillen geklappt. Ich denke, dass ich seinen 1. Geburtstag als Stichtag nehmen werde, um mit dem Stillen aufzuhören.
Heute hat er von dem ganzen Frühchendasein nichts mehr zurückbehalten und er hat sehr gut auf die zum Termin geborenen Kinder aufgeholt.
Auch wenn die Wassergeburt ganz ohne Schmerzmittel von statten geht, kann ich nur dazu raten. Das Wasser nimmt sehr viel von dem Geburtsschmerz weg. Ich wünsche allen noch Schwangeren eine glückliche und gesunde verbleibende Zeit und eine ebenso traumhaft schöne Geburt, wie ich sie hatte.
Es ist das größte WUNDER AUF ERDEN.
Kati
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