Jutta wird vielleicht ihren eigenen Geburtsbericht abliefern - ich würde aber ganz gerne ein bisschen was aus Vatersicht erzählen, denn über die Rolle von Vätern im Kreißsaal hatte ich vorher zwar viel gehört, aber die Befürchtung, bei der Geburt umzukippen, ist doch wohl bei jedem Papa in spe latent vorhanden - die Versuchung, mit einem guten Freund a la Johnny Walker den Warteraum zu teilen, ist nicht nur ein Klischee. Aber der Reihe nach:
Am Sonntag, also fünf Tage vor der Geburt, haben die Vorwehen eingesetzt. Sie waren wohl gut erträglich, aber der Startschuss war abgefeuert. Am Dienstag, dem 19.08., war beim Frauenarzt auf dem CTG kaum etwas zu sehen. Am gleichen Abend sind wir - nach einem Spaziergang von rund vier Kilometern - wegen einer leichten Blutung in die Klinik gefahren, es handelte sich aber offenbar nur um eine ältere kleine Blutung des äußeren Muttermundes, so dass keine Gefahr da war.
Am nächsten Morgen wurde Jutta wieder entlassen; die Ärzte hatten sich nach monatelangem Tauziehen um einen Geburtstermin inzwischen auf den 18.08. geeinigt, so dass noch kein Grund für eine Einleitung bestand. Am gleichen Abend sind wir wieder hingefahren, weil sich der Schleimpfropf gelöst hatte, der Muttermund war allerdings noch zu. Mehr als die leichten Vorwehen waren auch noch nicht aufgetreten. Am Donnerstag war alles ruhig im Bauch, allerdings wollte die Klinik Jutta nicht mehr nach Hause lassen, sondern noch einen Tag die weitere Entwicklung abwarten. Am Donnerstagabend waren wir also beide endlich mal wieder früh im Bett, und das hat sich ausgezahlt.
In den ersten Freitagsstunden setzten Wehen ein und Jutta sagte immer, es fühle sich an, als hätte sie einen Haufen Glasscherben im Bauch. Um halb acht rief sie an und ich fuhr sofort ins Krankenhaus. Bei der Morgenvisite war der Muttermund nicht mal einen halben Zentimeter auf und die Ärzte beschlossen, jetzt eine Hormontablette an den Muttermund zu legen, um ihn weicher zu machen.
"Glauben sie bloß nicht, dass das Kind dann heute kommt, Frau Knust".
Das CTG um 10.00 h spuckte allerdings schon richtig rhytmische Kurven im Abstand von knapp vier Minuten aus und um 12.00 h wollte Jutta wegen der Wehen schon nicht mehr länger als unbedingt nötig am CTG liegen. Das nächste CTG sollte um 13.00 geschrieben werden, aber dann brach im Kreißsaal die Hölle los und vier oder fünf Babies wollten gleichzeitig auf die Welt, zwei davon mit Kaiserschnitt. Dementsprechend war nur noch ein fahrbares CTG greifbar und das wollte irgendwie nicht richtig. Das geht dann an die Nerven, wenn immer in der Wehe die Herztöne vom Kind nicht mehr hör- und sichtbar sind...
Eigentlich hätte Jutta um die Mittagszeit wieder untersucht werden sollen, aber nachdem es dem Kind augenscheinlich gut ging, waren erst mal die dringenden Fälle dran. Um 15.00 wurde sie dann untersucht und der einzige freie Arzt war ganz offensichtlich ziemlich kaputt - wem will man das nach einem Baby-Marathon auch verdenken? Jedenfalls war er fest davon überzeugt, Jutta würde nur jammern und er müsste nur eine Tablette an den Muttermund legen. Um so erschreckter hat er dann auch die Hebamme angeschaut, als der Muttermund "fünf, äh, sechs Zentimeter, sieben, oh-oh, naja der ist ja nun fast ganz auf, Frau Knust" wohl keine Tablette mehr brauchte. Mich hat das eigentlich nicht erstaunt, denn die letzte Stunde hatte Jutta eigentlich nur noch an meinem Hals hängend verbracht - das und das Massieren der Lendenwirbel war das Einzige, was half. Wir hatten andererseits aber selbst noch durch die Aussagen der Ärzte am Morgen die Sorge, eigentlich wäre am Muttermund ja sicherlich noch gar nichts passiert und das wären alles "Einleitungsschmerzen" durch die Tablette. Dass Jutta morgens um vier schon Wehen hatte, wollte ja keiner glauben.
Während dieser Untersuchung waren die Schmerzen dann auch wohl fast unerträglich; Jutta bekam zwei Zäpfchen, aber ob die noch irgendwas geholfen haben, wissen wir beide nicht. Jutta sagte dann, sie würde die Schmerzen nicht mehr aushalten und ich habe dann den Arzt gefragt, ob er eine PDA in Betracht ziehen würde. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, grundsätzlich im Kreißsaal die Klappe zu halten, aber Jutta war schlichtweg nicht mehr zum Reden zumute und wir konnten uns kürzer und besser verständigen als sie mit dem Arzt hätte reden können. Arzt und Hebamme haben dann klargestellt, was ich schon vermutete - eine PDA hätte zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts mehr gebracht, aber was hilft diese Aussage wirklich, wenn man seine Frau im Arm hat, die sich vor Schmerzen windet?
Der Arzt fühlte nach der Fruchtblase und dem Köpfchen und sagte laut: "Ach, die ist ja schön fest" - daraufhin war seine Hose nass. Es war mir eine richtige Freude... Ein paar Minuten später waren die Eröffnungswehen vorbei; die Presswehen waren dann offenbar nicht mehr ganz so schmerzhaft wie die Eröffnungswehen, sondern eher harte Arbeit. Als Partner ist man aber in beiden Phasen unbedingt gefordert. Während der Eröffnungswehen konnte ich Jutta eigentlich nur mit ganzer Kraft in meinen Armen halten, mit ihr sprechen und einfach da sein; in den Presswehen kann man der Hebamme aber einen Teil der Arbeit abnehmen - die Hebamme achtet auf das Kind und der Partner auf die kontrollierte Atmung seiner Frau. Die Wehen lassen sich auf dem CTG gut beobachten, so dass man absolut sofort weiß, wenn die Wehe kommt und geht. Dementsprechend kann man sofort reagieren, wenn seine Frau hechelt, statt zu atmen oder die Luft außerhalb des Pressens anhält. Das muss wohl auch sein, denn man kann über dieses "gemeinsame Atmen" im Geburtsvorbereitungskurs lachen, so lange man will, aber im Kreißsaal weiß man, dass das kein Quatsch ist, sondern bitter notwendig. Der Arzt war während der weiteren Wehen nicht mehr im Raum, aber das ist wohl bei einer normalen Geburt auch nicht notwendig. Weiter weg als zehn Sekunden war allerdings wohl nie ein Arzt.
Als die Presswehen dann in die letzte Phase gingen, tauchte dann wieder ein Arzt auf, ein Riesenkerl, den ich schon aus der Zeit kannte, als Jutta im dritten Monat im Krankenhaus lag. Ich war total froh, dass ausgerechnet er kam, denn er war mir rundum sympathisch und unglaublich gelassen. Obwohl die Hebamme da war und offensichtlich alles plangemäß lief, war es für mich eine riesige Erleichterung, dass er dablieb, denn so ein fröhlicher, gelassener Typ verbreitet richtig Zuversicht und Sorglosigkeit. Aus seinem Mundwinkel baumelte das Schläuchlein, mit dem man dem Kind die Atemwege freisaugen kann und das sah richtig zum Grinsen komisch aus. Urplötzlich war dann das Köpfchen da und der kleine Mann begann sofort - um 17.01 Uhr - zu brüllen. In dieser einen Presswehe kam dann auch der Rest vom Baby, das habe ich allerdings nicht mitbekommen, weil ich Jutta nur noch drückte und wir beide der Brüllerei zuhörten. In der gleichen Sekunde schlug auch die ganze Atmosphäre um und alles wurde ruhig und entspannt; die Wehen hörten auf und der kleine Kerl lag auf dem Bett und brüllte wütend durch die Gegend.
Ich habe mich zuerst total erschrocken, wie er so dunkelrot und nass dalag, denn so richtig gesund sehen Neugeborene nicht aus - der Kiefer zittert beim Brüllen ganz erschreckend und alles ist auf den ersten Blick so merkwürdig proportioniert. Freunde hatten mich allerdings vor diesem Eindruck gewarnt, so dass ich eigentlich wusste, dass ich mir keine Sorgen machen musste. Eigentlich...
Nachdem alles so ruhig war, begann dann meine Aufregung - während der Geburt war ich instinktiv total ruhig, denn ein aufgeregter Partner ist sicher keine Hilfe - mein Puls raste und ich habe mir einen Augenblick auch nicht zugetraut, die Nabelschnur zu durchschneiden - in dem Moment sagte Jutta, sie würde es gerne tun und ich war so verblüfft, dass sie dann geschnitten hat und ich ihren Arm gehalten habe. Als die Klemme angelegt war, kam Lars erst mal bei Jutta auf den Bauch.
Von Chris Knust
perfekt organisierte Geburtstagsparty?
Hey ihr lieben!
Sabine2 Heute, 13:23Wie organisiert ihr eine Geburtstagsparty?
Wie plant ihr die Menge der Getränke und der Nahrungsmittel?
Gibt es Luftballons und Luftschlangen? Was für Spiele spielt ihr mit den...