von
Christiane
(Notkaiserschnitt)
Meine zweite Schwangerschaft mit Lea verlief ziemlich problemlos, bis auf die Rückenschmerzen, die ich auch schon beim ersten Mal ab dem 5. Monat ziemlich heftig hatte. Als sie sich in der 32. SSW noch nicht gedreht hatte, fing ich an, mir langsam Gedanken zu machen und mich mit dem Thema Kaiserschnitt auseinanderzusetzen. Alle um mich herum lachten mich mehr oder weniger aus, daß ich mich so früh schon verrückt machen würde. In der 35. Woche lag sie immer noch falschrum und mein Gyn versuchte andeutungsweise in der Praxis, ob die Kleine sich auf Drehversuche von außen einlassen würde. Tat sie aber nicht, sie hat sich kein Stück bewegen lassen. Da die Plazenta vorderwandig lag, schied eine richtige äußere Wende aus. Wir fingen dann mit Moxa an und ich merkte auch, daß Lea aktiver war während und nach der "Behandlung".
Da unser örtliches Krankenhaus "nur" eine Belegklinik ist, lehnen es unsere Gyns ab, eine Beckenendlagengeburt spontan, d. h. mit dem Po voran zu versuchen und machen auf jeden Fall, also auch beim 2. Kind, einen Kaiserschnitt.
Ich wollte auf keinen Fall einen Kaiserschnitt unter Vollnarkose, wenn überhaupt, dann wollte ich schon "dabeisein", also mit PDA. Ich hatte Angst vor der Zeit nach dem Kaiserschnitt - Bauchoperation, tagelang nichts tun können, auch nicht selbständig mein Baby stillen oder mich überhaupt im Bett umdrehen. Außerdem hatte ich Angst, mich nach der Zeit im Krankenhaus (auch doppelt so lang wie normal) immer noch nicht ausreichend bewegen zu können, um unseren Großen zu versorgen. Da mein Mann noch in der Probezeit war, konnte er auch nicht - wie damals bei Lars - 4 Wochen Urlaub nehmen und mich unterstützen. Und eine fremde Person ins Haus holen, wo der Große doch sowieso schon eifersüchtig genug sein wird...! Und wie soll ich ihm erklären, daß er nicht auf Mamas Schoß darf, daß Mama nicht mit ihm spielen kann und ihn nicht hochheben kann?
Ich fühlte mich mit der Entscheidung unheimlich alleingelassen, niemand riet mir, was ich tun sollte, man gab mir nur die Fakten, die Entscheidung mußte ich treffen.
Als aber in der 37. Woche auch mein Blutdruck hochging, im Urin Eiweiß gefunden wurde und ich zudem auch noch Restzucker im Urin hatte (alles allerdings nicht im beunruhigenden Bereich, sondern gerade knapp über normal), empfahl mein Arzt, daß wir uns in Freiburg umschauen und in einer der dortigen Kliniken vorstellen sollten - sicherheitshalber, falls die Werte sich verschlechtern sollten.
In der Uniklinik schloß man eine Gestose aus (die Werte hatten sich wieder normalisiert) und dort hat man mir auch zum ersten Mal gesagt, daß das Risiko, bei einer Spontangeburt doch noch einen Kaiserschnitt zu bekommen, eigentlich nicht wesentlich höher sei als bei normaler Lage. Daraufhin - nach wieder mal langem Hin-und-Her-Diskutieren - haben wir uns entschlossen, es "normal" zu probieren. Ich dachte, dann hätte könnte ich mir nie vorwerfen, es nicht versucht zu haben und das Schlimmste, was mir passieren könnte, wäre halt der Kaiserschnitt.
Wir haben uns dann die Kreißsäle in der Uni angeschaut und ich war schlichtweg entsetzt. Mag ja sein, daß alles dort technisch auf dem besten Stand und die Versorgung erstklassig ist, aber eigentlich war ich auf unser örtliches Krankenhaus abonniert, das sehr alternativ ist. Die Kreißzimmer sehen eher aus wie Wohn- oder Schlafzimmer, überall bunte Stoffe, Duftlampen, Bücher. Und hier war alles Chrom oder Fliesen, kein bißchen Farbe, alles total steril. Überall die schmalen Kreißbetten, wie man sie früher überall hatte, und zwar eine tolle Gebärwanne, aber "die benutzen wir nicht, das will unser Chef nicht". Die Hebamme, die uns die Entbindungsstation zeigte, versuchte alles, um mir das Ganze schmackhaft zu machen, aber ich muß immer entsetzter geschaut haben. Zumal in einer Universitätsklinik halt immer die Gefahr besteht, daß zusätzlich zu dem Aufgebot an Personal (bei einer Beckenendlage auch Chefarzt, Narkoseärzte und -schwestern) auch noch AIPler oder Hebammenschülerinnen dabeisein wollen, weil man eine Steißgeburt ja nicht jeden Tag zu sehen bekommt.
Also haben wir uns noch im Ev. Diakoniekrankenhaus umgeschaut und waren angenehm überrascht. Es war zwar immer noch nicht Breisach, aber unter den gegebenen Umständen doch ein annehmbarer Kompromiß. So habe ich mich am nächsten Tag zur Untersuchung in der Schwangerenambulanz angemeldet und nachdem dort die nötigen Untersuchungen und ein Doppler-Ultraschall gemacht wurden, wurde ich gebeten, mich sofort bei Wehenbeginn im Kreissaal einzufinden, damit die nötigen Sicherheitsvorkehrungen rechtzeitig getroffen werden könnten.
Am 7. April, eine Woche vor dem errechneten Termin, hatte ich schon ab mittags alle 5 bis 7 Minuten ganz leichte "Wehchen", die zwar regelmäßig kamen, aber eigentlich fast nicht zu spüren waren (so ähnlich wie Übungswehen). Sie hielten auch den ganzen Abend an und gegen 22:30 Uhr bin ich dann in die Badewanne gestiegen, um zu sehen, ob sie stärker werden oder weggehen. Gingen nicht, wurden aber auch nicht stärker. Also habe ich im Kreissaal angerufen, was ich machen soll. Die Hebamme hörte BEL und meinte, ich solle mich auf den Weg machen. Ich rief Lars' Patentante (Babysitter) an, sie kam 20 Minuten später. In der Zeit richtete ich noch Kaffee für Gerald und dann fuhren wir nach Freiburg. Gegen 00:30 Uhr waren wir im Kreißsaal und der diensthabende Arzt fragte mich, ob er gleich den Zugang legen dürfe, damit das im Notfall schon passiert wäre. Durfte er, aber das Ding tat ziemlich weh! Nachdem das CTG nur ein paar kleine Hügelchen verzeichnete, richtete uns die Hebamme den Kreißsaal und brachte auch ein zweites Bett, auf das ich mich dann legte. Gerald hat auf der hochmodernen Gebärlandschaft übernachtet! Da war's dann schon 3:30 Uhr. An Schlafen war allerdings kaum zu denken, da ein Zimmer weiter eine Frau schon ziemlich vernehmlich arbeitete.
Man hatte uns schon nachts gefragt, ob wir eventuell an Einleiten dächten, weil man dann natürlich beste Bedingungen hätte und das Ganze einigermaßen kontrollieren könnte. Ich hatte mich immer mit Händen und Füßen gegen eine Einleitung gewehrt, weil beim ersten Kind Wehenbelastungstest und Prostangladingeleinlage im Muttermund - und die damit verbundenen Wehen - gemacht wurden und dann wurde doch abgebrochen, weil Lars einfach nicht wollte. Aber ich habe dann gegen meine Überzeugung zugestimmt, weil ich an die Kleine dachte. Morgens war dann gar nichts mehr auf dem CTG und wir gingen nach Hause.
Die nächsten Tage waren nicht so besonders toll, unsere Nerven lagen ziemlich blank. Genauer will ich darauf gar nicht eingehen, aber es war ziemlich sch..
Immer, wenn wir im Auto unterwegs waren, hatte ich diese leichten Wehen. Am Sonntag morgen hatten wir dann so die Nase voll und wollten nur noch raus. Wir sind dann ca. 90 km in den Schwarzwald gefahren, nach Furtwangen ins Uhrenmuseum. Und ich hatte wieder - immer noch - leichte Wehen. Abends waren wir dann mal wieder am diskutieren, ob fahren oder nicht. Ich schickte Gerald ins Bett und habe ihm gesagt, daß ich ihn eh' wecken muß, wenn's stärker wird. Wenn nicht, dann kann er am nächsten Tag arbeiten und wenn's so bleibt, dann fahren wir ins Krankenhaus und lassen einleiten.
Um 4:15 Uhr morgens wurde ich wach, weil meine Nase total verstopft war. Eine Viertelstunde später bekam ich dank einer halben Flasche Nasentropfen zwar wieder Luft, war aber auch so wach, daß ich - mit inzwischen spürbaren Wehen - nicht mehr einschlafen konnte. Gerald ließ ich noch 1 ½ Stunden schlafen, bis sein Wecker sowieso klingelte und ging dann unter die Dusche. Danach rief ich mal wieder Petra, unseren Babysitter an, daß sie kommt und Lars holt. Während Gerald duschte, versuchte ich noch, einen Kakao zu trinken, hatte damit aber schon leichte Probleme - die Dusche war ein Fehler, die wirkte nämlich wie ein heißes Bad ;-)).
Ich habe nie Wehen im 20-Minuten-Abstand, sondern immer gleich alle 5 bis 10 Minuten, auch schon bei der ersten Geburt. Und so mußte ich mich doch alle paar Minuten am Tisch abstützen, wenn wieder eine Wehe kam. Eigentlich wollte ich mir noch die Haare fönen, aber dazu hatte ich dann keinen Nerv mehr. Bis wir dann im Auto saßen, war's inzwischen 6:50 Uhr. Um 7:15 Uhr saßen wir im Kreißsaal am CTG und nach 5 Minuten sah man schon ganz deutlich, daß die Herztöne unserer Kleinen zu hoch waren, ständig bei 170 - 190. Der Muttermund war ca. 4 cm weit auf. Die Ärztin sagte auch sofort, daß ein Kaiserschnitt nötig sei und spritzte mir einen Wehenhemmer. Ich fragte, ob ich eine PDA bekommen könne, wußte aber schon, daß keine Zeit mehr war. So war's dann auch. Während mir die Hebamme noch auf dem Kreißbett die Stützstrümpfe und das OP-Hemd anzog, mich rasierte und den Blasenkatheder legte, stand auf der anderen Seite die Narkoseärztin und las mir den Aufklärungsbogen vor. Ich bat darum, daß Gerald mit in den OP darf (ist in der Diakonie auch bei Vollnarkose erlaubt), aber "unsere" Ärztin meinte, daß er dann die Kleine nicht so schnell bekommen könnte, weil er durch die Schleuse zurück müßte; es wäre besser, er würde im Kreißsaal warten. Ich war total fertig, ließ nur noch heulend alles über mich ergehen und mußte dann vom Kreiß- auf ein normales Bett umsteigen. Man hat sich allerdings sehr viel Mühe gegeben, uns trotz der inzwischen aufkommenden Hektik alle noch aufkommenden Fragen zu beantworten und alle haben versucht, mich zu beruhigen und mir die Angst zu nehmen. Die Narkoseärztin, die mit Gerald hinter mir herging, redete beruhigend auf mich ein und erinnerte mich immer wieder daran, tief zur Kleinen in den Bauch zu atmen, damit sie noch möglichst viel Sauerstoff mitbekommt. Sie sagte immer wieder: "Sie müssen jetzt an Ihr Baby denken!" Das hat mir allerdings ziemlich Angst gemacht, auch wenn sie es sicher ganz anders gemeint hat. Ich bekam dann noch mit, wie gesagt wurde, man könne nicht mehr durch die Schleuse, dafür sei keine Zeit. Dann lag ich für ein paar Minuten in einem Vorraum vor dem eigentliche OP, schon mit der Sauerstoffmaske auf dem Gesicht. Hier habe ich auch noch eine Uhr gesehen, es war 2, 3 Minuten vor 8 Uhr morgens. Im OP hat man mich dann umgebettet und dann war das Chaos um mich herum perfekt: Ca. 10 Leute standen um mich herum und jeder machte irgendwas an mir, was ich nicht mitbekam. Am rechten Oberarm war die Blutdruckmanschette, die sich immer wieder aufblies, am linken Finger hatte ich diese "Wäscheklammer" für den Sauerstoffgehalt, eine Schwester zog an meinem linken, eine andere an meinem rechten Bein und schnallten diese fest. Irgendwas kaltes schweres wurde auf meinen Bauch gelegt (man hat mir auch erklärt, was das war, aber ich kann mich nicht mehr erinnern) und dann habe ich noch mitgekriegt, wie mein Bauch mit der Desinfektionslösung eingepinselt wurde. Inzwischen muß man mir das Beruhigungsmittel gespritzt haben, denn auf einmal sah ich die OP-Lampen doppelt. Und dann war ich wohl weg.
Das erste, an was ich mich erinnere, ist eine Uhr. Sie zeigte 4 Minuten nach 9 Uhr. Ich hatte einen total trockenen Mund und flüsterte "Durst". Die Schwester, die hinter einem Tisch saß (ich hatte sie noch gar nicht wahrgenommen) sagte: "Nein, Frau Gondorf, zu trinken bekommen Sie die nächsten 6 Stunden nichts", gab mir aber ein Zitronenstäbchen (bäh, pfui Teufel). Dann fragte ich, wo ich denn sei und sie sagte mir, auf der Wachstation. Ich brauchte immer einige Minuten, um mich zu sortieren. Ich war zwar wach, aber irgendwie noch nicht ganz da. Noch mal ein paar Minuten später fragte ich, wo mein Mann und mein Kind seien. Sie fragte, ob ich denn schon wach sei, dann würde sie sie holen lassen.
Ca. 9:20 Uhr kam Gerald mit Lea, die schon fertig angezogen war, zu mir auf die Wachstation, gab mir Lea in den Arm und begleitete uns auf unser Zimmer. Er erzählte mir dann, daß Lea um 8:16 Uhr geboren sei, 56 cm groß und 4.320 g schwer. Ich dachte, er hätte sich verhört, da sie 3 Wochen zuvor in der Uni per Ultraschall auf ca. 3.200 g geschätzt wurde und man von einer Gewichtszunahme von 100 - 200 g pro Woche ausgeht, das wären dann 3.500 - 3.800 g. Aber 4.320 g stimmte ;-))
Im Zimmer fragte ich die Schwester, ob ich was trinken dürfte. Sie meinte, jetzt noch nicht, aber sie würde mir etwas Wasser geben, damit ich wenigstens den Mund ausspülen kann. Das war eine absolute Erleichterung. Eine halbe Stunde später hatte ich dann eine Kanne Tee und eine Schnabeltasse am Bett.
Lea schlief fast den ganzen Tag und ich durfte abends eine Kleinigkeit essen und aufstehen sollte ich auch - Horror! Aber es ging wider Erwarten ziemlich gut, obwohl ich natürlich schon Schmerzen hatte. Die Infusionsflasche hatte ich auch am späten Nachmittag los und die Nadel wurde am nächsten Tag nach der Visite gezogen, ebenso wie der Katheder. Und die Anti-Thrombose-Strümpfe durfte ich auch ausziehen!! Inzwischen stand ich auch allein auf und konnte auf die Toilette. Nur husten und lachen war gemein.
Am Dienstag abend habe ich dann schon in der Cafeteria zu abend gegessen und Lea im Bettchen mitgenommen.
Am Mittwoch mittag bin ich dann unter die Dusche - auch allein (ich war richtig stolz). Und ab da wollte ich nach Hause - mir fiel doch die Decke auf den Kopf, unserem Großer war im Krankenhaus doch absolut langweilig und außerdem war ich ja nicht krank.
Am Donnerstag sagte mir der Chefarzt bei der Visite, daß er eigentlich dafür wäre, wenn ich noch übers Wochenende dableiben würde, aber wenn ich partout wolle...! Aber nur, wenn bei der Visite am Freitag alles in Ordnung ist.
War's dann auch und so sind wir dann am Freitag gegen Mittag nach Hause gefahren. Die ersten Tage war's natürlich ein bißchen streßig - ich hab' dann auch prompt am Samstag hohes Fieber (fast 40°C) und furchtbare Kopfschmerzen bekommen. Aber unsere liebe Hebamme hat mich ins Bett geschickt und am nächsten Morgen war alles wieder okay.
Ich bin im Nachhinein froh, daß es so gelaufen ist, denn ich glaube (und das haben mir auch die Ärzte bestätigt), daß Lea zu groß war für eine "normale" Geburt in der Position; ich wäre mindestens um einen Riesen-Dammschnitt nicht herumgekommen. Außerdem war ich absolut überrascht, wie gut und schnell ich mich nach dem Kaiserschnitt erholt habe. Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal beim gesamten Personal des Ev. Diakoniekrankenhauses in Freiburg bedanken, ich würde jederzeit wieder dahin gehen.
Und allen Noch-Kugeln wünsche ich eine unbeschwerte Schwangerschaft und eine wunderschöne Geburt - und: Manchmal läuft es eben einfach nicht so, wie man sich das erhofft/erwünscht hat. Dann sollte man es einfach so annehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen.