Veröffentlicht: 9. March 2011 10:42
Hallo,
ich habe extra 2 Jahre gewartet, um meine Erfahrungen darzulegen. Vor, während und nach der Schwangerschaft gibt es immer wechselnde Gefühle und Ansichten.
Wir haben lange über ein 2. Kind nachgedacht. Der Große war sehr aufmerksamkeitsbedürftig, hochsensibel, extrem in seinen Trotzanfällen etc. Es war schlichtweg schön/anstrengend. Wir waren froh, wenn wir ihn guten Gewissens mal bei den Großeltern für eine Nacht abgeben konnten und einfach Ruhe in den vier Wänden hatten, Luft holten oder Essen gingen etc.
Damals waren uns diese Freiräume sehr wichtig. Ich wollte den Abstand zwischen beiden Kindern, so denn es uns vergönnt wäre, nicht zu groß werden lassen, aber er musste erst mal selber größer und verständiger werden. Außerdem hatte ich mir die Grenze gesetzt, dass ich mit 40 nicht mehr Mutter werden wollte. Das war für mich meine eigene persönliche Ansicht in Bezug auf meine Kraft, da ich nicht 100%ig gesund bin.
Oftmals waren wir mit dem Thema durch und dachten "nie", "auf keinen Fall"... wenn der Große uns wieder derart forderte. Irgendwann wurde es ruhiger und der Wunsch intensiver. Wir waren sicher, dass es auch dem Großen gut tun würde. Alleine aufzuwachsen empfand ich gerade auch für ihn als nicht förderlich. Das war allerdings nicht ausschlaggebend. WIR waren überzeugt von dem Wunsch nach einem 2. Kind.
Heute weiß ich mehr denn je, dass unbedingt beide gleich davon überzeugt sein müssen. Einer alleine reicht in keinem Fall. Es wird, es ist anstrengend.
Es hieß immer so schön, dass 2. Kind läuft neben her, der Unterschied von einem aufs zweite sei nicht groß. Haha! Es ist toll, es ist unbeschreiblich, es war richtig, aber es ist durchaus klar eine Doppelpackung. Doppelt anstrengend und doppelt schön. Es fängt alles wieder von vorne an. Es sind immer zwei. Die Stunden für einen selber sind rar geworden, es dauert, bis auch der Kleine selbstständig wird. Es ist hart. Er war ein Schreibaby und wir dachten in so mancher Nacht, wir würden durchdrehen.
Nach vielen Monaten war er fit. Er ist ein offenes, ausgeglichenes, pflegeleichtes, kleines, super tolles Kerlchen! Ich möchte ihn niemals missen. Die beiden Geschwister sind knapp 5 Jahre auseinander. Früher wäre es bei unserem Großen für alle nicht gut gewesen. So ist es so, dass sie sich heiß und innig lieben (meist...) und viel miteinander spielen, trotz des Altersunterschiedes. Der Kleine klebt dem Großen am Hintern, und der Große sonnt sich in der Anbetung *g*. Er ist viel selbstbewusster geworden.
Es ist eine lange Überlegung, es ist eine doppelte Sache, es ist toll, es ist hart, es ist nicht einfach! Er läuft nicht nebenher, obwohl er derart in sich ruht und nicht viel fordert. Er ist da! Wir lieben ihn und würden es immer wieder so machen aber unsere Zeit für uns ist sehr knapp geworden. Das muss man für sich auch wissen und akzeptieren. Manchmal fehlt die Luft, aber dann sieht er mich an und ich bin verloren.
Es ist nicht eine "einfach-so-Sache".
Dies ist meine Erfahrung. Ein klares "Ja" aber mit langen nötigen Überlegungen und der Wahrnehmung der Anstrengung/Belastung, die dazu gehört. Wie oft habe ich hier gelesen, es sei keine Umstellung... puh!