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Monia***

(13227)
Ameise04#freenet.de

antwortete am 22.10.2017 um 17:55:49 Uhr:

Hallo,

mag sein, dass es tatsächlich andere Länder gibt, in denen das Schulsystem noch schlechter ist. Aber sollte man sich wirklich an Schlechteren orientieren?

Was sagen die dazu, die es täglich betrifft -die Leher nämlich?
In meinem Bekannten- und Verwandtenkreis habe ich viele Lehrer. Sie sind fertig, fühlen sich "am Anschlag", schreiben Brandbriefe.
Der Lehrer meines jüngeren Sohnes fällt jetzt schon seit Monaten aus wegen Burnout.
Und das, laut eigener Aussage nicht, weil die Kinder schlimm oder anstrengend wären, sondern wegen den ganzen anderen Dingen, die nicht gut laufen.

Mag es regionale Unterschiede geben, aber hier gibt es für einzelne Fächer mittlerweile keine Lehrer mehr im gesamten Bundesland, auch keine Sozialarbeiter mehr.

Das sind doch Probleme, die nicht totgeschwiegen werden sollten!
Auch nicht, dass jetzt in jeder Klasse 4-5 Kinder sitzen, die die deutsche Sprache noch nicht beherrschen (Flüchtlingskinder, die 2015 nach Deutschland gekommen sind) und die einfach zusätzlich auf die Klassen aufgeteilt wurden. Unser Lehrer sagt: "Wir haben Glück. Unsere sind ruhig, gucken nur zu und lächeln immer mal ein bisschen. Das ist nicht in allen Klassen so..."

Ich glaube nicht, dass wir kulturhistorisch eine falsche Vorstellung von Kindheit entwickelt haben. Dagegen spricht, wie lange sich die Vorstellung in den Köpfen gehalten hat, dass "mal ein Klaps ja nichts schadet". Zu diesen Verhältnissen wollen wir ja wohl nicht wieder zurück kehren.

Wenn so viele Kinder, Eltern und Lehrer Probleme mit der Schule haben, scheint es doch den Bedarf zu geben, dass sich auch in den Schulen was ändert.

Viele Grüße
Monia

Friederike

(14769) Kinder: L.: 0.00.0000
mail-an-amber#gmx.de

antwortete am 23.10.2017 um 09:14:24 Uhr:

Hallo Monia,

nun sprichst Du aber ein anderes Thema an, nämlich die personelle Unterbesetzung, die insbesondere angesichts der neuen Herausforderungen hochgradig problematisch ist.
Völlig richtig. Habe ich übrigens auch in meinem Post geschrieben. Wogegen ich mich aber entschieden wende, ist die Vorstellung, gute Schule wäre nicht anstrengend, so wie es in diesem Zitat von Dir zum Ausdruck kommt:

"Selbst meine Eltern, mittlerweile hochbetagt, erzählen wie anstrengend und kompliziert die Schule für sie war, für mich selbst ebenfalls und für meine Kinder eben auch noch."

Schule IST anstrengend, weil Lernen anstrengend ist. Daran ändern auch die buntesten Lernarrangements nichts. Ist aber auch nicht schlimm, weil man Kindern diese Anstrengung zumuten kann. Genau darauf wiederum bezog ich mich bzgl. der kulturhistorischen Vorstellung von Kindheit, und zwar in durchaus differenzierte Weise. Selbstverständlich habe ich damit nicht ALLE diesbezüglichen Vorstellungen gemeint.

Auch schreibst Du, man solle sich nicht am Schlechten orientieren. Auch völlig richtig. Aber nicht alles, was Gold ist, glänzt. An konkreten Beispielen, wo es wirklich gut läuft, fällt mir nur eins ein, nämlich Finnland. Aber Finnland hat VÖLLIG andere Voraussetzungen als Dtl, das fängt bei der Bevölkerungszahl an und hört bei der Heterogenität der Schülerschaft auf.

Und schließlich noch zum Anekdotischen, das ja immer besonders schwer zu widerlegen ist, weil es eine ganz eigene Wahrheit hat: Auch ich kenne Lehrer und Schulleiter und klar wird mal geklagt, aber das in meinem Bekanntenkreis nun alle reihenweise wegen Burnout ausfallen, kann ich nicht behaupten. Meine Freundin, die in der Schulleitung arbeitet, versteigt sich sogar zur These, dass viele Lehrer wenig Resilienz und Belastungsfähigkeit mitbringen, weil sie den Beruf aus falschen Gründen wählen (Beamtenstatus, viel Ferien) und deshalb wegen Krankheit ausfallen. Das würde ich mich nie trauen zu sagen :)

Viele Grüße
Rike

Monia***

(13227)
Ameise04#freenet.de

antwortete am 25.10.2017 um 05:48:32 Uhr:

Hallo Rike,
jetzt möchte ich Dir doch nochmal schreiben.

Ich möchte meine Aussage "die Schule ist anstrengend und kompliziert" gerne präzisieren:
Das die Kinder lernen müssen, dazu manchmal keine Lust haben und dann ein bisschen stöhnen und schimpfen meine ich damit gar nicht. Das empfinde ich genau wie Du als normal.

Was ich aber nicht normal empfinde ist, dass selbst bei größtem Willen und Fleiß eines Kindes es diesem nicht möglich ist, sich ausreichend auf Klassenarbeiten vorzubereiten. Da wird manchmal tagelang gelernt, wirklich auch mit Fleiß und dann kommt doch nur eine Vier oder sogar Schlechteres raus. Warum? -Weil entweder plötzlich doch ganz andere, teilweise Neue! Lerninhalte mit in die Klassenarbeit gepackt wurden, einzelne Dinge gar nicht verstanden waren oder die Arbeit so umfangreich war, dass es schlichtweg gar nicht möglich war, diese in der zur Verfügung stehenden Zeit zu lösen. (Letzteres vor allem gerne in den Mathearbeiten. Jetzt erst wieder geschehen in der Klasse meines jüngeren Sohnes, da fiel die Arbeit tatsächlich mal wieder so schlecht aus, dass sie wiederholt werden musste).

Ich glaube, wenn nicht so viele Eltern versuchen würden, ihre Kinder mit Hilfe von Nachhilfeinstituten wie Lernoase, Schülerhilfe u.s.w oder -so wie wir- mit privater Nachhilfe immerhin dahin zu bekommen, dass wenigstens noch ein Ausreichend bei den Klassenarbeiten raus kommt, würde das ganze System völlig zusammen brechen. Und das kann ja so eigentlich nicht richtig sein. Schließlich hat nicht jeder den finanziellen Hintergrund, mehrere Hundert Euro oder bei mehreren Kindern sogar bis zu Tausende Euros im Jahr locker zu machen, nur für die Nachhilfe.

Ganz ohne Nachhilfe durch dieses Schulsystem zu gelangen scheinen aber nur noch jene "Überflieger", von denen es nach meiner Beobachtung (zumindest hier) nur noch so 2-3 Kinder in einer Klasse gibt. Meine Kinder gehören leider nicht dazu. Und deshalb ist für uns das Schulsystem eben nicht "gut". Sicher verständlich, oder?

Viele Grüße,
Monia

Yvonne * (Fabian 04.06.01)

(10176)
yvonne71_w#yahoo.de

antwortete am 25.10.2017 um 10:36:40 Uhr:

Hallo nochmal,

Ich möchte doch noch mal was zu Monias Text schreiben, weil ich es nicht so empfinde, dass nur Überflieger es in diesem Schulsystem ohne Nachhilfe schaffen. Das kommt in Deutschland sicher sehr stark darauf an, in welchem Bundesland man wohnt. Mein Sohn ist sicher kein Überflieger, aber gut in der Schule und brauchte noch nie Nachhilfe. Ich kenne nur sehr wenige Schüler hier, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, und wenn, dann deshalb, weil sie auf der falschen Schule sind (mein Sohn erteilt Nachhilfe in Fremdsprachen, womit einige Probleme haben, die aufs Gymnasium gehen).

Wir hatten hier noch keine Klassenarbeit, in der neue Themen drankamen oder die Zeit nicht ausgereicht hätte. Allerdings habe ich generell das Gefühl, dass Schule hier in Rheinland-Pfalz lockerer ist als in anderen Bundesländern - für den Übergang auf die weiterführende Schule zählte hier schon immer nur der Elternwille und auch solche Experimente wie G8 gab es hier nicht.

LG
Yvonne

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