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  Noch mehr Privatsphäre: posthum Geheimnisse verraten?

 
  Katrin (8058)
 supermungo68#hotmail.com
 Kinder:

 schrieb am 27.11.2017 um 18:42:36 Uhr:


 

Hallo zusammen,

neulich kam eine Sendung mit und über eine recht bekannte Schauspielerin.
Darin ging es auch um ihre (nicht ganz einfache) Kindheit und die schwierige Beziehung zur Mutter - die wohl ein gut gehütetes Geheimnis mit sich trug.

Nach deren Tod erfuhr die Tochter davon (Mißbrauch der Mutter durch deren Stiefvater) und machte es öffentlich.

Nun habe ich mich gefragt, ob das richtig sei?
Sicher, die Mutter ist tot. Aber sie hatte zu Lebzeiten nicht gewollt, dass jemand davon erfahren sollte.
Müsste man das nicht respektieren? Oder kann man mit solchen Geheimnissen (die oft auch das eigene Leben prägen) verfahren wie man es für richtig hält?
Gilt Privatsphäre nicht auch über den Tod hinaus?

Voll im Thema grade grüßt euch
Katrin

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Mrs. Long-haired³, E LLA -*-----

(164) Kinder: J.: 15.06.1998
xdergel#t-online.de

antwortete am 27.11.2017 um 22:04:54 Uhr:

Hallo Katrin,

das ist ja bei Dokumentationen -mit Blick auf die Familie / Generation davor- keine Seltenheit.

Grundsätzlich war mein erster Gedankengang: Die Würde des Menschen ist unantastbar...auch nach seinem Tod.
1 Abs. 1 GG ....

Wo da die Grenze ist, weiß ich nicht.

Gruß
E.l.l.a

Ursel

(7068) Kinder: Die Große: 0.00.0000 / Die Jüngste: 0.00.0000
ursel-mrohs#salldata.dk

antwortete am 27.11.2017 um 22:37:28 Uhr:

Hej!

Ich verstehe oft nicht, wo zu es gut sein soll, daß sowas nachher rauskommt - und an alle.
Ich mache das Weitergeben von privaten Informationen davon abhängig, ob einer Sache dient oder nur so der Tratsch- und Klatschlust dient.
Z.B. sollte eben ein Arzt wissen, daß ein Kind nicht das leibliche seiner Eltern ist, wenn sich Verdacht auf Erbkrankheiten ergibt.
Oder bei psychischen Problemen kann eine Adoption fürden immerhin ja auch zur Schweigepflicht vergatterten Psychologen / Therapeuten wichtig sein.
Der Lehrer, die Nachbarschaft und schon gar nicht die Nachwelt muß sowas nicht wissen.

Nach dem Tod eines Menschen ist das für die Nachwelt doch ziemlich egal, ob er in der Ehe treu war, ob er(sie als kind mißbraucht wurde, ob jemand Vorstrafen hatte oder aus sozial schwachen/reichen Verhältnissen stammte.
Und in sofern verstehe ich eben nicht, wieso sowas überhaupt an die Ömuß.
Also, Privates sollte da schon privat bleiben, und sowas ist in meinen Augen privater als die Einrichtung meines Wohnzimmer für Klassenkameraden/Lehrer oder die Wohnverhältnisse etc.

Wobei ich zugebe, daß ich die Briefe Kafkas an seine beiden Verlobten u.ä. durchaus (in Buchform) gelesen habe und sehr schön fand --- keine Ahnung, ob die erst aus seinem Nachlaß sind und ohne sein Einverständnis veröffentlicht wurden.

Gruß Ursel, DK

Romy***

(21756) Kinder: : 0.00.0000 / J: 1.01.1999 / F: 1.01.2004 / N: 1.01.2013
romy.schatz777#googlemail.com

antwortete am 28.11.2017 um 05:28:35 Uhr:

Hallo,

Grundsätzlich ja,gerade für die Öffentlichkeit.

Allerdings gibt es zum Beispiel in unserer Familie Dinge,über die die omas nie gesprochen haben,die aber Auswirkungen auf Kinder haben. Da finde ich schon richtig und wichtig,dass diese es auch posthum erfahren/ erfuhren.
Früher wurde ja auch oft einfach nicht über unbequeme Dinge gesprochen.

LG Romy

Friederike

(14769) Kinder: L.: 0.00.0000
mail-an-amber#gmx.de

antwortete am 28.11.2017 um 11:26:21 Uhr:

Hallo Katrin,

zwar finde ich, man muss sehr gründlich überlegen, was 'Öffentlichkeit' heissen kann, aber es gibt sehr gute Gründe dafür. Zum Einen ist inzwischen bekannt, dass sich Traumata über Generationen weitervererben; Missbrauch, aber auch Kriegs- und/oder Fluchterfahrungen können somit eine Familie für eine sehr lange Zeit belasten. Zum anderen hat eine öffentliche Besprechung auch eine ganz wichtige Signalwirkung für andere Betroffene oder Kindern von Betroffenen, dass es nämlich wichtig und nötig sein kann, darüber zu reden.
Schließlich aber: wenn es dem Kind hilft, die etwaigen durch das Elternteil hervorgerufenen Verletzungen besser zu verarbeiten, ist das m.E. Grund genug.

viele Grüße
Rike

Ursel

(7068) Kinder: Die Große: 0.00.0000 / Die Jüngste: 0.00.0000
ursel-mrohs#salldata.dk

antwortete am 28.11.2017 um 12:54:11 Uhr:

hej Rike!

Du hast, Traumata vererben sich, habe neulich auch erst wieder einen sehr interessanten Bericht überdie Kriegsgeneration in Dtld. gesehen.
ABER wenn es etwas innerhalb der Familie ist, dessen Aufarbeitung sichger oft genug den Kidnern hilft, dann muß es deshalb trotzdem nicht an die große Öffentichkeit, sondern dafür reicht die Familie und / oder der Therapiebereich.

Was die Signalwirkung betrifft:
Auch öffentliche Personen sind Opfer und habe nein Recht darauf, als solche behandelt und respektiert zu werden.
Wenn sie selber mit ihrem Leid an die Öffentlichkeit gehen wollen, eben um zu informieren und aufzurütteln: schön, das ist ihr eigener Wunsch.
Wenn es Angehörige oder Hinterbliebene sind, dann finde ich das respektlos gegenüber der betreffenden Person, die sich auch nicht mehr selbst äußern,w ehren, verteidigen, richtigstellen kann.
Das ist unfair - und darin sehe ich auch kein Ziel.

Ich habe ganz zufällig gestern irgendwo irgendwas anscheinend über Rosa v. Praunheim gesehen; hab auch schnell wieder weggeschaltet,
Hängenblieb aber, da ich auch ma leien Stellungnahme von Hape Kerkeling dazu im Kopf hatte, daß er z.B. ohne dessen Einverständnis Hape Kerkeling als homosexuell geoutet hatte.
Sowas geht eben gar nicht - egal wie heer das Anliegen v. Praunheism gewesen sen mag.
Was er mit seiner Person macht, iste ine Sache, andere sollte er in Ruhe leben lassen, egal wie positiv die Wirkung auf andere, die sich dann evtl. mehr trauen, zu ihrem Leben zustehen, sein mag.
In dem jetzigen "Me-too"- Hype ist es für mich okay, von sich selbst zu reden - aber nicht andere als Beweis anzuführen!
Und da ist es ziemlich wurscht, ob es Lebende oder Tote sind, die da als (als Opfer) "enttarnt werden.

Jeder - vor allem auch jedes Opfer - hat das Recht, mit seinem Leben zu umzugehen, wie er es möchte - und nicht wie andere es gut und richtig, warum auch immer, finden.
So weit sollten wir schon gekommen sein.
Und da könnte man dann sogar überlegen, ob man wirklich über so manches in der Familie reden MUSS, um Probleme aufzuarbeiten -schließlich mag es ja Verständnis wecken, wenn man weiß, daß die Oma Angst vor Vergewaltigungen hatte und einen deshalb nie aus dem Haus ließ, weil sie selber mal ... --- aber ob ein guter Therapeut eine Aufarbeit der "eingeschlossenen" Kindheit nicht auch ohne dieses Wissen bearbeiten könnte?
Muß Therapie zugunsten des einen auf den Rechten (und Gefühlen) der anderen herumtrampeln?


Gruß Ursel, DK

Andrea B *98 *02 -05 -08

(84)
FrauB.84#web.de

antwortete am 28.11.2017 um 16:31:59 Uhr:

Hallo,

Ursel, manchmal kommt ein Psychologe ohne dieses Wissen eben nicht weiter ...
Solche Dinge wurden deswegen früher nicht weiter verbreitet, nicht nur, weil sich das Opfer geschämt hat. Man hat einfach nicht über Familiendinge geredet, auch nicht mit Nachbarn oder Freunden. Ausserdem gab es begründete Angst, dass einem als "kleines, dummes Ding" sowieso keiner glaubt. Im Zweifelsfall hatte der Täter seine eigene, glaubwürdigere Version parat :( - So gesehen wäre das Opfer vielleicht sogar froh, wenn die Tat endlich ans Licht kommt. Man weiss es nicht ... für betroffene Kinder/Enkel oft eine Erleuchtung!

LG, Andrea

Ursel

(7068) Kinder: Die Große: 0.00.0000 / Die Jüngste: 0.00.0000
ursel-mrohs#salldata.dk

antwortete am 28.11.2017 um 23:14:01 Uhr:

Hej!

Naja, ich verstehe zwar die Pointe, ich kann auch, wie bereits geschrieben, gut nachvollziehen, daß es erleuchtend und hilfreich ist, sowas zu wissen, und letztendlich habe ich ja auch geschrieben, in einem derart geschützten, durch Schweigepflicht sowieso, Raum kann ich sowas auch NOCH gerade vertreten.
Wobei eben Therapeuten durchaus auch weiterkommen und es müssen, weil ja gar nicht alle Dinge aufgedeckt werden, oft gar nicht aufgedeckt werden können etc.
Und nicht nur, weil sie aus Scham, Angst u.a. verschwiegen wurden, sondern weil sie oft ja auch gar nicht als Trauma erkannt werden, wurden etc.
Auch da kann eine Therapie absolut sionnvoll sein, ohne daß man allen Dingen auf den Grund geht, auf den Grund gehen kann.
Denn letztendlich geht es ja (auch) darum, die eigene Einstellung und Verhalten zu aktuellen Dingen und sich selbst zu #ändern - DAS geht zur Not auch durchaus ohne Ursachenforschung bis ins letzte Detail.

Wie gesagt, ich bestreite absolut nicht, daß es umso besser für jede Therapie ist, je mehr man weiß.
Und DA hat es ja auch seinen Platz - denn da dient es einem Zweck.
Aber eben nicht in der Öffentlichkeit, nicht im Nachbarhaus, nicht beim Kaffeekränzchen.
Nichts anderes schrieb ich schon im ersten Beitrag, nichts anderes meine ich.
Und das hat eben bei mir auch was mit Respekt zu tun.

Gruß Ursel, DK


 

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