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  Moralische Frage zur Organspende

 
  Anonym

 schrieb am 16.12.2017 um 08:07:10 Uhr:


 

Guten Morgen,

kürzlich war ein guter alter Freund hier, der vor einigen Jahren nur durch eine Organspende überlebt hat.

Nun haben wir nochmal darüber gesprochen und er sagte, was für ein Glück er doch hatte, so schnell dieses Organ zu bekommen, es war eine Frage von Tagen.
Ausschlaggebend sei sicher auch gewesen, daß seine Kinder noch recht klein waren und er privat versichert sei.

Da kam ich dann doch ins Grübeln.
So sehr ich mich für ihn und seine Familie natürlich freue, stelle ich mir doch die Frage, ob dies wirklich Kriterien bei der Auswahl sein dürften?
Ein kinderloser Kassenpatient im gleichen Alter ist dann weniger "wert"?
Vielleicht sind bei einem zwar die Kinder schon groß, aber die Eltern pflegebedürftig? Wäre das kein Kriterium?

Sollte es überhaupt Auswahlkriterien geben? Wer entscheidet denn, welches Leben lebenwerter ist als das andere?

Hätte gerne eure Meinungen dazu
schönen Tag wünscht euch (heute verständlicherweise)
Anonymchen

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 Die Antworten auf diesen Beitrag
 

Daniela

(25978) Kinder: girl1: 1.01.2001 / girl2: 1.01.2004
dafa4#web.de

antwortete am 16.12.2017 um 08:50:20 Uhr:

Guten Morgen

Wir haben in unserem Verwandtenkreis jemand Älteres, der mit einer vor 15 Jahren transplantierten Leber lebt, im Bekanntnkreis ein Kind, das mit 7 ein neues Herz bekam, und eine Tochter, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Laufe ihres Lebens ein Spenderherz benötigt durchaus vorhanden ist. So ist das Thema Organspende bei uns durchaus präsent und wir haben alle Organspenerausweise.

Was die Auswahlkriterien angeht: Hier (Schweiz) und sicherlich auch in Deutschland gilt mal als erstes die Kompatibilität des Organs. Da muss ja so einiges stimmen, Blutgruppe, ungefähre Grösse, etc. Dann die Dringlichkeit. Je dringender das Organ benötigt wird, also je kranker man ist, desto weiter oben auf der Liste steht man. Und dann, wenn hier immer noch mehrere Personen zuoberst stehen, kommen die "Soft Facts" zur Anwendung. Wie das im Detail geregelt ist, weiss ich nicht. Ich denke aber schon, dass ein 40jähriger dann eher das Organ bekommt als der 70jährige. Oder derjenige, dessen Leber durch Hepatitis kaputt ist eher berücksichtig wird, als der Alkoholiker, der das Trinken nicht aufgeben will und die neue Leber auch wieder kauptt trinken wird. Und finde das zwar nicht optimal aber vertretbar. Irgendwie muss man ja entscheiden. Wie sollte man es sonst machen. Auslosen wäre eine Möglichkeit aber ob das wirklich gerechter ist? Ob es einen Algorithmus gibt, der das irgendwie in Anzahl durchschnittlich zu erwartenden Lebensjahre berechnet oder auch in zu erwartenden Lebensjahren von Personen, die unterstützt werden (da würde eben der mit den Kindern auch mehr Punkte bekommen als derjenige mit den betagten Eltern) weiss ich nicht. Was ich aber wirklich hoffe ist, dass der Versichtertenstatus keine Rolle spielt, also ob privat versichert oder nicht. Denn das würde ich einen Skandal finden.

Und am meisten gegen ungerechte Verteilung der raren Organe helfen würde natürlich, wenn es mehr Spender gäbe. Wenn sowohl für den 35jährigen mit Kindern als auch für die 50jährige, die die Eltern untertzützt, Organe gefunden werden könnten. Deshalb befürworte ich die Widerspruchslösung wie in Oesterreich, wo grundsätzlich jeder Spender ist, der sich nicht dagegen ausspricht. So wird keiner gezwungen zu spenden, aber man muss sich mit dem Thema auseinandersetzen. Bei uns gibt es sehr wenige Spender, nicht mal unbedingt, weil die meisten grundsätzlich nicht spenden wollen, sondern, weil sich viele keine Gedanken zu dem Thema machen und im Fall der Fälle die Angehörigen entscheiden müssen, ohne den eigentlichen Willen des Verstorbenen zu kennen.

In diesem Sinne: Bestellt euch einen Organspendeausweis und haltet darauf fest, ob ihr im Fall der Fälle eure Organe spenden möchtet oder nicht. Wenn das die meisten Leute tun würden, wäre schon viel gewonnen.

Liebe Grüsse
Daniela

Anke

(13404) Kinder: Mädchen: 1.08.1999 / Junge: 1.09.2003 / Mädchen: 1.10.2007
rotweintrinkerin#t-online.de

antwortete am 16.12.2017 um 08:53:13 Uhr:

Hallo Anonymchen,

meines Wissens werden Organe in Deutschland und einigen anderen Ländern zentral vergeben, über Eurotransplant. Dabei spielt eine Rolle, wie gut das Spenderorgan auf den Empfänger passt und wie schlecht es dem Spender geht. Kriterien wie das Alter der Kinder und die Art der Versicherung, die ja ohnehin in den verschiedenen Ländern verschieden ist, spielen keine Rolle. Ich bezweifle sogar, dass den Entscheidern überhaupt bekannt ist, wie alt die Kinder des Patienten sind. Da hat dein Freund wohl etwas nicht richtig verstanden.

Kann man auch im Internet nachlesen. Ich versuche mal, den Link anzuhängen.

Du liegst mit deinen Zweifeln also richtig und brauchst dir keine Sorgen zu machen.

LG, Anke (Kassenpatientin mit Organspendeausweis)

www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf/vergabe

Anke

(13404) Kinder: Mädchen: 1.08.1999 / Junge: 1.09.2003 / Mädchen: 1.10.2007
rotweintrinkerin#t-online.de

antwortete am 16.12.2017 um 08:55:18 Uhr:

Wie schlecht es dem EMPFÄNGER geht, muss es natürlich heißen!

Julia**

(25373)
Julia.Kugel#wir-haben-nachwuchs.de

antwortete am 18.12.2017 um 02:35:37 Uhr:

Hallo,

das ist Quatsch, Versicherungsstatus hat da keinen Einfluß.

Es muß passen und die Chancen müssen gut sein, daß es klappt.

Mich wundert, daß er so etwas von sich gibt, denn solche Gerüchte können ja die Spendenbereitschaft verringern.

Gruß Julia

Elke Elbenmädchen*07/02 Ritter*05/04 Wölfchen*9/11

(17882) Kinder: Mädchen: 0.00.0000 / Junge: 0.00.0000
familiechaosconnection#yahoo.de

antwortete am 19.12.2017 um 22:41:48 Uhr:

Hallo Ano,

ich werde jedes Mal heftig angegangen wenn ich folgendes sage oder schreibe, ich tue es aber trotzdem: Ich hatte mit 16 auch einen Organspendeausweis. Mein Vater (Arzt) sah ihn zufällig einmal in meinem Portemonnaie stecken und hat sich unheimlich aufgeregt und mich gebeten, den wieder zu zerreißen. Er würde niemals einer Organspende zustimmen, es wäre nicht sicher, vertrauenswürdig etc. pp.
Zunächst habe ich ihn nicht, dann aber irgendwann doch zerrissen. Das ist jetzt sehr lange her, aber es hat mich doch geprägt. Vielleicht ist heute auch einiges anders.

Mein Vater hat lange in Krankenhäusern gearbeitet und viele Kollegen von ihm, mit denen ich mich im folgenden über dieses Thema unterhalten habe, auch. Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied macht, ob man Kassen- oder Privatpatient ist, aber ich glaube, dass in Krankenhäusern doch was gedreht werden kann, um das System zu manipulieren. Frag doch mal Ärzte und Krankenschwestern, die du eventuell privat gut kennst, ob sie Organe spenden würden.

Es gab solche Manipulationsfälle auch an deutschen Krankenhäusern in der Vergangenheit, was auch durch die Presse ging -> systematische und nachgewiesene Falschangaben, um auf der Liste nach oben zu rücken.

Davon ab, danach hast du zwar nicht gefragt: Im organspendefähigen Zustand ist man meiner Meinung nach nicht tot, denn ein Toter kann keine Organe spenden. Man ist auf dem Weg dorthin, tot zu sein und man kann auch nicht wieder umkehren, aber man ist ein Sterbender und kein Toter. Sonst gäbe es eine Sterbeurkunde, ein Todesdatum etc. pp. Das gibt es aber nicht.

Genau so wie man noch nicht geboren ist, wenn man im Geburtskanal steckt. Man kann nicht wieder zurück, muss aber noch ein Stückchen gehen, um ein "ganzer Mensch" zu sein, man muss noch "geboren werden". Der Gehirntod ist nur ein Teil des Sterbens, zumindest für mich.

Viele Grüße
E lke

Anke

(13404) Kinder: Mädchen: 1.08.1999 / Junge: 1.09.2003 / Mädchen: 1.10.2007
rotweintrinkerin#t-online.de

antwortete am 20.12.2017 um 07:12:01 Uhr:

Hallo Elke,

warum du für diese Meinung heftig angegangen wirst, verstehe ich nicht, so denken offensichtlich viele Menschen und es ist ok, diese Meinung zu vertreten.

Natürlich gibt es Manipulationen im Organspendesystem. Ging ja durch die Presse. Das ist für mich kein Grund, meinen Organspendeausweis zu vernichten. Natürlich sind Manipulationen absolut nicht in Ordnung und müssen juristisch verfolgt werden, aber trotzdem wird ja mit dem gespendeten Organ ein Mensch gerettet.

Die Frage mit dem Tod wird ja auch immer wieder diskutiert. Oft wird ja auch behauptet, dass noch lebensfähige Menschen als Organspender missbraucht werden. Ich persönlich glaube, dass man sich hier in Europa mit relativ großer Sicherheit darauf verlassen kann, nicht einfach wirklich noch lebend als Organspender benutzt zu werden. Absolute Sicherheit gibt es natürlich nie. Aber ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Aber das hast du ja auch nicht gemeint.

Ich persönlich erkenne den Hirntod als Tod an. Ich glaube, dass ich, wenn mein Hirn tot ist, nie wieder zurück kommen werde. Und ich lege keinen Wert darauf, von Maschinen am Leben erhalten zu werden. Insofern bin ich bereit, dann meine Organe zu spenden. Für mich gibt es eine entscheidende Frage: möchte ich, wenn mein Herz/Leber/Niere versagt und mein Leben nur mit einem neuen Organ gerettet werden kann, möchte ich dann ein Organ erhalten? Oder mein Kind? Wenn ich diese Frage für mich mit ja beantworte, führt für mich kein Weg an einem Organspendeausweis vorbei. Ich kann doch nicht sagen, ich will ein Organ haben, aber keines abgeben. Ich wäre ebenfalls ein Befürworter der Widerspruchslösung. Das muss aber jeder selbst entscheiden. Insofern kein Grund, dich anzugreifen.

LG, Anke

Annette-*-

(5702) Kinder: H.: 0.00.0000
annette.u.henrik#nexgo.de

antwortete am 20.12.2017 um 12:30:49 Uhr:

Hallo,

ich denke auch, dass der Kassenstatus keine Rolle spielt, aber dass immer wieder manipuliert wurde, wissen wir doch! Es hat ja genug Fälle in der Presse gegeben. Und dass das in Zukunft nicht mehr passieren wird,diese Versprechen erinnern mich an das Doping - wer's glaubt, wird selig.

Auch dass der Spender noch nicht tot ist, ist so. Daher hat jeder das Recht, sich das zu überlegen, ohne dafür kritisiert zu werden.
LG Annette

Beatrix

(13307) Kinder: Paul: 29.06.1990 / Maximilian: 7.07.2001
bea-web#gmx.de

antwortete am 21.12.2017 um 10:58:52 Uhr:

Ich sehe es genauso wie Anke.

Natürlich kann es immer Möglichkeiten der Manipulation geben.
Aber das wäre für mich kein Grund, die Organspende deswegen abzulehnen.

Beatrix


 

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