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Im Kindesalter können rund 60% der Unfälle und Prävention, also
Unfallverhütung vermieden werden
Geschichtlicher Rückblick
Früher waren es Infektionskrankheiten, die Gesundheit und Leben
von Säuglingen und Kindern bedrohten.
Durch die Fortschritte der Medizin treten die ehemals so gefürchteten
und lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten zum Teil gar nicht
mehr auf (z.B. Pocken durch Impfung), oder sind sehr selten geworden
(z.B. Typhus, Diphterie und Tuberkulose). Die meisten Krankheiten
sind mittlerweile gut therapierbar.
Die häufigste Todesursachen bei Kindern bis 15 Jahren sind heute
nicht mehr Krankheiten, sondern Unfälle.
Häufigkeit von Unfällen im Kindesalter
In Deutschland erleidet durchschnittlich 1000 Kinder pro Jahr einen
tödlichen Unfall. Rund eine Millionen Kinder verletzen sich derart,
daß sie einer ärztlichen Behandlung bedürfen. Statistisch verunglückt
ein Kind in Deutschland vier bis fünfmal, bevor es seinen 15. Geburtstag
feiern kann. Hierbei sind allerdings auch die "harmlosen"
Verletzungen berücksichtigt. Es gibt Unfälle und Notfälle, die ähnlich
wie Kinderkrankheiten gehäuft im Säuglings-, Kleinkind- oder Schulkindalter
auftreten.
Unfallursachen sind häufig altersabhängig.
Unfälle im Säuglingsalter
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Im Säuglingsalter finden viele
Unfälle ihre Ursache in der Unachtsamkeit der Eltern oder
Betreuer. So sind Stürze vom Wickeltisch oder aus dem
Kinderwagen die häufigste Ursache für schwerste Verletzungen,
allzu häufig in Verbindung mit lebensbedrohlichen Schädel-Hirn-Traumata. |
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Unfälle im Kleinkindalter
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Der sich während des Kleinkindalters
entwickelnde Spieltrieb, sowie die zunehmende Mobilität
führen zu einer Zunahme des Gefahrenpotentials. Die Ertrinkungsnotfälle
gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern.
20% aller tödlich verunglückten Kinder zwischen
einem und vier Jahren werden Opfer eines Ertrinkungsunfalls.
Häufig wird die Gefahr unterschätzt : Schon bei einem
eine Hand breit hohem Wasserspiegel können Kleinkinder
z.B. in der Badewanne ertrinken. Kinder möchten ihre Welt
entdecken, sind neugierig und erkennen noch nicht die
Gefahren, die sich hinter den Verboten ihrer Eltern oder
Erzieher verbergen. So ist die unersättlich scheinende
Neugier vielfach die Ursache für schwerste Verbrennungsnotfälle.
Auch Freizeitunfälle (z.B. durch Grillen oder "Lagerfeuer")
spielen in Klein- und Schulkindalter eine besondere Rolle. |
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Unfälle im Schulkindalter
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Die Verkehrsunfälle stehen
im Schulkindalter an erster Stelle der grausamen Statistik.
Schulkinder sind häufig mit dem Fahrrad unterwegs undwerden
allzu häufig von Autofahrern übersehen. Aufgrund mangelnder
Erfahrung können Kinder beispielsweise die Geschwindigkeit
sich nähernder Fahrzeuge noch nicht richtig abschätzen.
Sie treten plötzlich auf die Fahrbahn. Dem Autofahrer
bleibt nur wenig Zeit, um mit einer Vollbremsung oder
einem Ausweichmanöver zu reagieren.
Schon an zweiter Stelle der Unfallstatistik für diese
Altersgruppe stehen die Sportunfälle.
Mobilität erzeugt ein zunehmendes Gefahrenpotential. Relativ
häufig natürlich dort, wo viele Kinder zusammenkommen,
also im Kindergarten, der Schule oder dem Sportverein.
Im Bereich der Kindernotfälle muß eines mit besonderer
Deutlichkeit hervorgehoben werden, was diesen von anderen
Notfallkategorien abgrenzt : Durch Prävention, also durch
Maßnahmen der Unfallverhütung könnten rund 60 % der Notfälle
im Kindesalter verhindert werden. |
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Das Kind seine eigenen Grenzen finden lassen.
Die Diverse zur Verhütung von Kinderunfällen darf aber nicht als
"das Kind in Watte einpacken" mißverstanden werden. Sinnvoller
ist es, dem Kind in einer entsprechend sicher gestalteten Umgebung
zu erlauben, unter Aufsicht seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen
auszutesten. Wenn sich Eltern auf mögliche Unfälle ihrer Sprößlinge,
bzw. Betreuungspersonen auf die Fehltritte ihrer Schützlinge vorbereiten
möchten, so sollten sie diesen präventiv begegnen, aber auch in
der Unfallsituation adäquat reagieren können. Letzteres bedeutet
: sicheres und besonnenes Handeln, fähig sein, selbständig die notwendigen
Erstmaßnahmen zu ergreifen und abzuschätzen, ob das Kind vom Rettungsdienst,
dem Haus- oder Kinderarzt behandelt werden muß. Das Schicksal eines
Notfallpatienten entscheidet sich häufig schon am Ort des Unfalls
oder der akuten Erkrankung.
8 bis 10% dieser Patienten könnten gerettet oder vor weiteren Schäden
bewahrt werden, wenn zu diesem Zeitpunkt der unmittelbare Zeuge
des Ereignisses durch Erste-Hilfe-Maßnah-men dazu beitragen würde,
den fatalen Ausgang zu verhindern oder den geschädigten Organismus
vor einer weiteren Verschlechterung zu bewahren.
Spezielle Erste Hilfe Maßnahmen
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Dies gilt insbesondere für
die Erste Hilfe Maßnahmen.
Der Basischeck (Bewußtsein, Atmung, Kreislauf) ist vom Grundsatz
der gleiche, bei den Erste Hilfe Maßnahmen, speziell den Lebensrettenden
Sofortmaßnahmen sind aber wichtige Unterschiede zu beachten.
Hier spielt z.B. die besondere Anatomie der oberen Atemwege bei
Säuglingen eine wichtige Rolle.Säuglinge haben einen relativ großen
Kopf und einen kurzen Hals.Der Kehlkopf eines Säuglings liegt höher
als bei älteren Kindern und Erwachsenen. So in Höhe des dritten
bis vierten Halswirbels.Der Kehldeckel (Epiglottis) bei Säuglingen
sitz so hoch im Rachen (Pharynx), daß er den weichen Gaumen berührt.Deswegen
können Säuglinge anfangs gleichzeitig Atmen und Muttermilch schlabbern.
Hieraus ergibt sich aber auch ein wesentlicher Unterschied in den
Erste Hilfe Maßnhamen. Vielen ist der Lebensrettende Handgriff (das
Überstrecken des Kopfes in den Nacken) bekannt.Führt man diese Maßnahme
bei Säuglingen durch, so kann es zu einer Atemnot bis hin zum Atemstillstand
kommen. Deswege darf man diese Maßnahme nicht bei Säuglingen
durchführen.
Viele Kinderkrankheiten sind ausschließlich für Kinder bedrohlich,
weil die Schleimhäute eines Kleinkindes viel schneller anschwellen
als bei Erwachsenen. Außerdem ist der Durchmesser der Atemwege (
z.B. der Luftröhre) bei Säuglingen.Neugeborene und Säuglinge sind
"Nasenatmer". So kann schon ein "einfacher"
Schnupfen bei einem Säugling zu einer massiven Behindeung der Atmung
führen.
Der Sauerstoffverbrauch eines Kindes ist rund zwei- bis dreimal
so hoch wie bei Erwachsenen. D.h. bei Säuglingen und Kleinkindern
steht ein hoher Gasaustausch einem kleinen Sauerstoffreservoir der
Lungen (kleine Lungen) gegenüber. Deswegen gehen akute Notfälle
bei Kinder häufig aus einer Bedrohung der Atmung hervor.
Das Anatmen von Fremdkörpern, die Erstickung z.B. durch eine Plastiktüte,
Pseudokrupp, akute Kehldeckelentzündung, Asthma Bronchiale, Schreiweinen,
Vergiftungen, Sonnenstich, Brustkorbverletzungen, beinah Ertrinken
und das trockene Ertrinken sind typische Unfall- / Notfallsituationen
im Kindesalter, die spezielle auf Kinder ausgerichtete Maßnahmen
bedürfen.
Ein ähnliches Verhalten trifft das Herz - Kreislaufsystem bei Kindern.Scheinbar
kleine Blutverluste können Säuglinge und Kleinkinder in den Schockzustand
fallen lassen. Auch die Verbrennungen / Verbrühungen, das massive
Schwitzen und der "Brechdurchfall" sind als Ursachen des
Volumenmangelschocks in ihrer gefährdung nicht zu unterschätzen.
Diese speziellen Kenntnisse um die "Erste Hilfe am Kind"
lassen sich nur nach entsprechend umfangreicher Fortbildung und
praktischer Übung sicher beherrschen. Deswegen macht eine Ausbildung
für Eltern sinn, die auch in einer Unfall- oder gar Notfallsituation
ihrem Sprößling Hilfe bieten wollen.
Reaktion des Kindes auf eine Unfall- /Notfallsituation
Wie Kinder selbst, so sind auch die Reaktionen von Kinder in Unfall-
oder Notfallsituationen unterschiedlich. Sie reichen von einem sich
zurückziehenden bis hin zu einem unruhigen, Hilfe fordernden Verhalten.Kinder
interpretieren die Schmerzen möglicherweise als Strafe für "falsches"
Verhalten. Dem können die Eltern nur mit deutlicher Zuneigung begegnen.
Besonders bei Unfällen von Kindern ist neben einer dem Alter angepaßten
Erstversorgung wichtig, auf das Kind einzugehen, es zu beruhigen
und ihm die Notwendigkeit der Erste Hilfe Maßnahmen verständlich
zu machen.
Das Kind erleidet neben den körperlichen Verletzungen einen psychischen
Schock, dieser ist um so größer, je schwerer es dem Kind fällt,
sich zu orientieren.
Bei einem Unfall erfährt das Kind, daß sich die Eltern zwar mit
aller Kraft um das Kind bemühen, aber auch, daß die sonst so kompetenten
und Schutz bietenden Eltern selbst hilfslos sind.
Um die nonverbalen Botschaften eines verunglückten Kindes verstehen
zu können, bedarf es einer entsprechenden Sensibilisierung.Um das
Kind zu beruhigen, empfiehlt es sich, den Lieblingsteddy, die Puppe
oder das Kuscheltier mit in die Erste Hilfe Maßnahmen einzubeziehen.
So kann man z.B. zusammen mit der Puppe nach Verletzungen suchen,
oder dem Teddy mal einen Verband anlegen.
Um einen Kind in einer Unfallsituation, oder bei einem akuten Krankheitsverlauf
helfen zu können, bedarf es speziellen Kenntnissen.
Diese vermitteln die Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund,
Deutsches Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst und die Johanniter in
speziellen Fortbildungen für Eltern.
Die Inhalte der Ausbildungen der oben genannten Hilfsorganisationen
sind als einheitliche Lehrmeinung abgestimmt und werden ständig
auf den aktuellen Stand der medizinischen Entwicklungen gebracht.
Deswegen kann ich speziell diese Fortbildungen empfehlen. Bei privaten
und kommerziellen Anbietern solcher Fortbildungen wird die Qualität
der Ausbildung doch recht individuell sein. Insbesondere werden
solche Referenten keine Erfahrungen aus der Tätigkeit im Rettungsdienst
vermitteln können.
Abschließend kann man (werdenden) Eltern nur wärmstens ans Herz
legen, einen Bruchteil ihrer Freizeit für eine fundierte Erste Hilfe
Aubsildung zu investieren.
Bernd Schleimer
Kreisausbildungsleiter
Johanniter - Unfall - Hilfe e.V.
Kreisverband Bochum
EMail : Bernd.Schleimer@JUH.de
Westenfelder Straße 155a
44867 Bochum
Das Copyright für diesen Text liegt beim Autor Bernd Schleimer.
Der Text darf nicht ohne seine Genehmigung veröffentlicht werden!
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