In Zusammenarbeit mit
Bobby Brederlow, 41, Schauspieler mit Down-Syndrom,
wollte berühmt sein und ist es geworden. Er drehte mit
Senta Berger, Friedrich von Thun und Veronica Ferres, bei
ihm zu Hause stehen der Bambi und die Goldene Kamera. Und
die Hochglanzmagazine schreiben davon wie "Bobby Mutmacher",
der "Star zum Umarmen", auf Filmpartys die Nächte
durchtanzt und mit blonden Frauen flirtet.
Es gibt aber auch Bobby Brederlows anderes, viel weniger
auffälliges Leben. Das Leben mit den geregelten Arbeitszeiten
in der Weberei der Münchner Behindertenwerkstatt und
das Leben zu Hause im "Männerhaushalt bei Herrn
Bredi und Mister Herr Bendel". Denn seit dem Tod der
Eltern sorgen Bruder Gerd Brederlow und dessen Lebensgefährte
dafür, daß sich Bobbys Träume erfüllen
und er trotz allem auf dem Teppich bleibt.
In einem sehr persönlichen Buch erzählt Gerd Brederlow
Bobbys oft harte, vor allem aber herzliche Lebensgeschichte.
Ein beeindruckendes Beispiel dafür, was möglich
ist, auch mit Down-Syndrom, und zugleich das Porträt
einer außergewöhnlichen Familie.
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Rezension:
Ein Mann wie kein anderer: der Schauspieler Rolf
„Bobby“ B.
Die Stichworte „Fernsehen“ und „Down-Syndrom“
(über Jahre hinweg durch „mongoloid“ ersetzt,
ein von allen Betroffenen sehr ungeliebter Begriff, von dem
man sich, zumindest in den Medien, wenn auch noch nicht in
allen Köpfen, zum Glück so gut wie definitv getrennt
hat) wurden in der Vergangenheit lange mit „Unser Walter“
(einer „Doku-Soap“ aus den 60ern und frühen
70ern über eine Familie mit Down-Kind) assoziiert. Heute
fällt dazu spontan nur ein Name ein: Bobby Brederlow.
In der vorliegenden Autobiografie berichtet sein Bruder Gerd
unaufdringlich, unspektakulär und gerade darum so beeindruckend
über das Schicksal der Familie und das Zusammenleben
mit Rolf, der sich den Künstlernamen „Bobby“
gewählt hat.
Der wesentlichste Punkt bei all den geschilderten Episoden
und Anekdoten ist wohl die Erkenntnis, auf die Designer Brederlow
so viel Wert legt: „Mein Bruder „leidet“
nicht am Down-Syndrom. Ihm geht es sehr gut mit seiner Entwicklungsstörung.“
Die ganz besondere Männer-WG
Vieles hätten sie in der Tat nicht erlebt, die Geschwister
Brederlow und Gerds Lebensgefährte Udo Bandel (aufgrund
eines falsch angefertigten Türschildes zu Herrn „Bendel“
geworden), wenn Bobby nicht diese ungerade Chromosomenanzahl
aufweisen würde.
Keine Filmrollen, keine intensiven und sehr persönlichen
Begegnungen mit berühmten Schauspielern, keine Autogramm-Anfragen
von Fans, kein Bambi und keine Goldene Kamera.
Wobei natürlich ganz klar zu sehen ist, dass allein schon
durch die Lebenssituation von Bobbys „Zieh-Eltern“,
einem Schwulenpaar in München Schwabing, ganz andere
Voraussetzungen gegeben sind als wenn der junge Mann beispielsweise
bei einem Versicherungsvertreter und einer Supermarkt-Kassiererin
in einem kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen
wäre. Denn der Friseur und der Mode-Designer zählten
auch in ihrem Leben „vor Bobby“ Künstler,
Medienschaffende, Regisseure und Angehörige ähnlicher
Berufsgruppen zu ihren Freunden, was den Einstieg des behinderten
Schauspielers in die Szene sicherlich erleichtert hat.
Lustige, packende und alltägliche Geschichten
aus dem Leben
Wie der 1961 geborene Bobby es aber immer wieder schafft,
aus jeder Situation das Beste zu machen, wie seine Familie,
seine Freunde, ihm beistehen und dadurch ihr eigenes Leben
bereichert, wenn nicht sogar gerettet wird (wie damals, als
nur das geistesgegenwärtige schnelle Handeln seines Bruders
Gerd nach einem Schlaganfall davor bewahrte, länger als
unbedingt nötig auf Reha-Maßnahmen angewiesen zu
sein), das alles macht den sympathischen Gameboy-Fan so einzigartig
– und liest sich dabei spannend, ohne reißerisch
zu sein.
Wer also auf die „wahre Geschichte“ jenes Bruderzwists
aus „Bobby, der Film“ wartet (in dem es um die
Sorgerechtsfrage nach dem Tod der Eltern Brederlow und die
diesbezügliche Auseinandersetzung mit dem dritten Bruder,
Horst, geht), der wird enttäuscht sein – schmutzige
Details haben auf den 210 Seiten keinen Platz.
Wer sich aber in den Bann ziehen lassen möchte von vielen
Alltagserlebnissen im In- und Ausland, bei Arbeit und Freizeit,
privat und in der Öffentlichkeit, wer schmunzeln, laut
lachen und dann wieder zu Tränen gerührt sein möchte
– der tut gut daran zu diesem Buch zu greifen.
Gerd Brederlow ist es ein Anliegen, seinen Bruder und andere
mit demselben Handicap aus einer Ecke zu holen, in die sie
Ignoranz und Leistungsdenken lange genug gestellt haben. Dies
ist ihm, und seiner Co-Autorin Heike Neumann, ebenfalls Geschwister
eines Menschen mit Down Syndrom, außerordentlich gut
gelungen.
Michaela
Pelz
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