Vielen Dank Deli für den tollen Bericht :-))
Wir waren Ende Juli/Anfang August für einige Tage in Irland.
Die Flüge gibt es zu halbwegs zivilen Preisen, wenn man rechtzeitig ordert, ich habe sie vier Monate zuvor gebucht.
Last minute kann man für solche Flüge vergessen, die Maschinen waren ausgebucht.
Am ersten Abend kamen wir in Dublin an und übernachteten bei einem Freund, mit dem wir am nächsten Tag in Richtung Westküste aufbrachen, nach Galway.
Das liegt im Westen ziemlich in der Mitte der irischen Atlantikküste. Es ist sehr beliebt bei Touristen und als wir ankamen, war gerade das Galway Arts Festival.
Es war heiß. In Deutschland war kühlstes Herbstwetter und wir hatten den Sommer, was man Irland ja nicht unbedingt nachsagt.
Galway (City) ist hübsch, bietet als Universitätsstadt und Eingangstor nach Connemara vieles: in den historischen Straßen mit den vielen typischen Pubs war überall Live-Musik (und die irische Musik kann man sich tatsächlich gut anhören, es hat nie genervt) und Leute, die irgendwas vorführten (oft Studenten, die sich was dazu verdienen).
Lynch's Castle sahen wir auch, ihr habt es vielleicht gehört, Lynch war der Bürgermeister und Richter der Stadt, der 1493 seinen eigenen Sohn wegen Mordes zum Tode verurteilte und dann selbst aufknüpfte, weil die anderen sich nicht trauten. Seitdem gebe es den Begriff Lynch-Justiz, sagen die Iren.
Am nächsten Morgen dann Weiterfahrt Richtung Leenane mit Abstecher zu Aughnanure Castle bis nach Maam Cross, wo wir auf das Peacockes Hotel & Restaurant stießen. Das erinnerte mich an das bookhouse bei Twin Peaks. Nach einer Pause dort und Souvenirkauf bogen wir an der nächsten Kreuzung ab und - da war nichts mehr. Nix. Bis Leenane kilometerweit nur Landschaft. Wir fuhren an den twelve bens (auch twelve pins) vorbei, das ist eine Bergkette in Connemara.
So gut wie ganz Connemara ist 'Gaeltacht'. Das sind Gebiete, in denen Irisch (eine Form von Gälisch) die erste Sprache und Englisch nur die zweite Sprache ist, diese Regionen sind steuerbegünstigt.
In Leenane war es irisch, wie es irischer nicht geht. Dort wurde der Film "The Field" gedreht (kenn ich nicht, guck ich mir aber jetzt mal an, ob ich was wiedererkenne), wir saßen in Hamilton's Bar und gewannen einen Eindruck, wie das Leben im ursprünglichen Irland so ist. Wobei die Bauern sagen, "die Landschaft kann man nicht es sen" und das ist natürlich auf das harte Leben dort gemünzt. Es ist schon schwer sich vorzustellen, wie das Leben dort ist, wenn das nächste Haus kilometerweit weg ist, das Wasser selbst geschöpft wird und das Heizmaterial (Torf) erst selbst hergestellt werden muss.
Da hat das Auto echt noch Funktion, es mildert diese Unwägbarkeiten. BTW: wir standen da so in der unendlichen Weite der Connemara, sinnierten über die Ursprünglichkeit des Leben und *wusch* brauste ein Langnese-Eis-LKW an uns vorbei. Soviel dazu *gg*.
Von Leenane aus fuhren wir ein Stück die Küstenstraße entlang, wo es zu einer Begegnung mit einer deutschen Touristin kam.. Die drängte uns nämlich fast von der Straße ab, weil sie nicht in der Lage war, ihren Mietwagen über die engen und steilen Straßen zu bugsieren, sondern mitten über beide Spuren fuhr. Unser Fahrer hatte daher die Wahl an der Felswand entlang zu schrappen oder draufzuhalten, was wahrscheinlich dazu geführt hätte, dass die*zensiert* den Wagen verrissen hätte und über die Minimauer gesegelt wäre.
Die Fahrerei in Irland ist ohnehin abenteuerlich, jede Überlegung, mit unserem eigenen Wagen dorthin zu fahren ist hinfällig. Jedenfalls nicht mit einem Neufahrzeug. Die Straßen sind eng, steil, kurvig, manchmal holperig, oft uneinsehbar, die Iren fahren relativ schnell, aber es passiert wenig, weil sie es gewöhnt sind, auf alles zu achten. Aber die Fahrzeuge sehen auch alle entsprechend aus.
Weiter ging es durch Connemara bis nach Westport. Wir hielten immer wieder unterwegs an.
Westport selbst ist ein hübsches altes Städtchen, leider sehr voll. Alle haben Ferien, die Engländer, die Amerikaner, die Iren...Wir suchten uns ein Hotel und landeten diesmal einen echten Treffer. Wir bezogen für 130 Euro incl. FS einen Premier Room mit Klimaanlage und einem italienischen Badezimmer, in dessen Dusche drei Personen passten (eine Badewanne gab es aber auch). Mein irisches Frühstück wurde mir vom General Manager des Hotels serviert, frei nach dem Motto "o ur job is our passion" immer dicht am Geschehen dran. Überhaupt diese Namen - abends bediente uns Mr O'Grady - irischer geht es nicht mehr.
Nächsten Tag weiter durch Connemara, Stopps an Seen, Flüssen, Fjord, Aasleagh Falls, Supermac's (irische Fastfoodkette mit genialem Angebot *schlemm*

)
Der mitreisende Mann wollte für zwei Tage in der Landschaft ausgesetzt werden, zog sich dann den Stich eines Blinden Kuckucks zu (Bremse, Horsefly), aus dem ein Arm resultierte, der aussah wie der von Popeye, was erst nach einer Woche wieder verschwand. Soviel zum selbsternannten Naturburschen. ;-)
Nach der Reise durch Connemara blieben wir noch eine Weile bei unserem Freund und zogen dann um nach Dublin.
Der Dubliner Süden gilt als die bessere Wohnlage als der Norden und so hatten wir uns dort ein Hotel ausgesucht, viel Auswahl gab es leider nicht mehr, zu diesem Zeitpunkt war in Dublin schon sehr viel ausgebucht, Hauptreisezeit halt. Wir hatten uns dann für ein kleines Hotel in der Nähe der Dublin Bay entschieden.
Eine kleine Enttäuschung war für mich das Trinity College. Es war weder ruhig dort (Touristen, Baulärm) noch optisch so wirklich hübsch durch diese drumherumgebauten 70er-Jahre-Betonbauten. Irgendwo müssen die Studenten wohl bleiben.
Das Book of Kells und die Library haben wir nicht besichtigt, denn der Eintritt kostete 18 Euro und wegen der Menge an Touristen wird man da nur zackzack durchgeschleust. Das holen wir zu einem ruhigeren Zeitpunkt nach.
Irland ist sehr teuer in der Lebenshaltung und Dublin erst recht. Wer sich zwischendurch mal preiswert verpflegen möchte, setzt sich am besten in das Finn McCool's Café im Tourism Office in der ehemaligen St. Andrew's Church. Auf einmal war es ruhig, leer und entspannend.. Und das mitten im vollen Dublin ;-)
Es war, glaube ich, das einzige Mal, dass wir unter zehn Euro für alle wegkamen.
Einen Tag waren wir dann auch im Dubliner Zoo, der schon 1830 gegründet wurde. Davon ist aber fast nichts mehr zu bemerken. Der liegt mitten im Phoenix Park, wo auch der irische Präsident residiert.
Am letzten Tag machten wir eine Tour zum Malahide Castle und zur Halbinsel Howth, außer uns taten das noch tausende andere, einen Parkplatz zu bekommen gestaltete sich schwierig. Schön war es trotzdem.
Wir werden Irland auf jeden Fall wieder besuchen, allerdings nicht mehr in der Hauptreisezeit.
Man kann sich dort richtig wohlfühlen. Landschaften, Leute, Shopping, Musik, Historisches, für alle was dabei und das angeblich schlechte irische Wetter sehe ich nicht als solches.
Zeit für Gemütlichkeit
Man sollte ja immer das Beste aus allem machen...
Gemäß diesem Motto möchten wir Euch mit dem Bild von Svenja ein wenig Wärme in Eure vier Wände bringen! So überstehen wir die lausigen Regentage auch noch...