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Stillen von Babys mit Down-Syndrom

 
 

Stillen von Babys mit Down-Syndrom
 
   
 

 

Anonym

Tobias ist unser viertes Kind. Vor vier Jahren wurde er, wie seine Geschwister auch, in einem stillfreundlichen Krankenhaus geboren. Direkt nach der Geburt sah ich ihm an, dass er das Down Syndrom hat.

Nachdem er dazu bereit war, legte ich ihn an, und er saugte sofort an der Brust. In den ersten Tagen war er noch ein wenig schläfrig. Es war aber keine andere Nahrung außer Muttermilch nötig.

Am zweiten Tag nach der Entbindung fuhren wir zusammen in die Uni-Klinik, um das Herz untersuchen zu lassen. Es wurde kein Defekt gefunden, wir sollten aber in vier Wochen wieder kommen, weil sich durch die Umstellung der Fließverhältnisse des Herzens noch etwas ändern könnte.

Tobias trank ganz normal an der Brust, lediglich seine Oberlippe war nicht immer richtig umgestülpt. Dem konnte ich aber abhelfen, indem ich sie mit dem Finger nach außen stülpte.

Bei der zweiten Untersuchung in der Kardiologie wurde dann festgestellt, dass er ein Loch zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens hatte, ein ASD II.

Wir mußten immer mal wieder zu Kontrollen kommen, bei denen festgestellt werden sollte, ob das Loch größer oder eventuell auch kleiner werden würde. Tobias wurde nach Bedarf gestillt, er wurde auch nachts mal mehr, mal weniger wach. Da er als ganz Kleiner mit bei uns im Bett schlief, konnte ich ihn bequem im Liegen stillen, ohne aufzustehen. Als er größer wurde, stellte ich ein Kinderbett direkt neben mein Bett, ohne Gitter an meiner Seite.

Er zeigte kein anderes Stillverhalten als seine Geschwister. Er liebte es, am Abend mit der Brust einzuschlafen.

Mit einem halben Jahr vollstillen, ohne Tee oder andere Nahrung aus der Flasche, bekam er Beikost angeboten. Er lehnte sie zwar nicht ab, war aber auch nicht unbedingt begeistert davon. Muttermilch war noch seine Hauptnahrungsquelle. Der Kinderarzt war bei den Vorsorgeuntersuchungen zufrieden mit seiner Entwicklung. Auch die Krankengymnastin war sehr angetan vom Stillen, da es bei Kindern mit einer Muskelschwäche besonders gute Auswirkungen auf die Mundmotorik hat.

Als Tobias 19 Monate alt war, wurde er dann doch operiert. Er war in der Zwischenzeit öfters an Bronchitis und einmal auch an einer Lungenentzündung erkrankt. Ich begleitete Tobias ins Krankenhaus und war, bis auf die OP immer bei ihm. Oder der Papa.

Als er wieder soweit war, dass er trinken durfte, fragte ich, ob ich ihn stillen könnte. Tobias hatte auch schon bei mir danach "gefragt", mit einem Zeichen, dass er für das Stillen hatte. Der Arzt sagte, nein, ich dürfte ihn noch nicht aus dem Bett nehmen, wegen diverser Schläuche und Kabel. Aber das war kein Problem für mich, ich "hängte" mich einfach über das Bett und bot ihm so die Brust an. Er guckte erst ungläubig, ob er denn wirklich dürfe, dann aber strahlte er über das ganze Gesicht, das erste Lächeln nach der Operation!

Als er dann fitter wurde, langte er ordentlich zu beim Essen, das war vor der OP noch anders. Man konnte auch sehen, das die Waage täglich mehr Gewicht zeigte. Nach der Entlassung wurde das Stillen dann so langsam zur Beikost und die Beikost zur Hauptkost.

Mit zwei Jahren ungefähr schlief Tobias dann durch. Gestillt wurde er immer noch bei Bedarf, das heißt, wann er wollte.

Inzwischen, man staune, wird er immer noch gestillt! Ungewöhnlich, aber nur für Europa, in anderen Ländern ist eine längere Stillzeit das "Normale". Zur Zeit bekommt er noch eine Einschlafstillmahlzeit und morgens nach dem Aufwachen ein paar Schlucke. Natürlich nur, wenn er das möchte. Wenn er tagsüber trinken will, und es passt mir nicht, kann ich ihm ohne weiteres sagen, jetzt nicht. Oder, hier nicht, zu Hause darfst Du.

Natürlich kann er auch beim Papa oder bei der Oma einschlafen, ohne Brust. Ich bin schon gespannt, wie lange er noch seine "Mi(l)ch" verlangt. Sicherlich haben nicht alle Mütter von Babys mit Down Syndrom soviel Glück mit dem Stillen, aber ich wünsche ihnen, dass sie die richtige Unterstützung einfordern, oder, noch besser, sie ohne Nachfragen auch bekommen. Auch Kinder, die nicht in die Norm passen, haben ein Recht auf so viel Normalität wie möglich. Und dazu gehört auch das Stillen, mit dem Mutter und Kind einen guten Start bekommen!

 

Anke und Mathilde

Leider kommt es immer noch vor, daß Müttern von Neugeborenen mit Down-Syndrom gleich nach der Geburt gesagt wird, daß Stillen habe bei ihrem Baby sowieso keinen Zweck. Kinder mit DS könnten nicht saugen, seien einfach trinkschwach.

Dabei ist gerade für diese Babies das Stillen ganz besonders wichtig: Durch das intensive Saugen wird die oft schwächere Mundmuskulatur gestärkt. Der Aufbau des Immunsystems, oft auch ein Problem bei Kindern mit DS, wird unterstützt. Darüber hinaus kann das Stillen auch sehr helfen, gerade nach einer überraschenden Diagnose direkt nach der Geburt, von vornherein eine gute Mutter-Kind-Beziehung aufzubauen. Das heißt, die Vorzüge, die das Stillen ja sowieso für ein Kind hat, sind bei Babies mit DS eher noch bedeutender.

Und es klappt (fast) immer! Manchmal ganz ohne Probleme wie bei jedem anderen Baby auch, manchmal mit ein paar Hindernissen, die man aber überwinden kann. Das sollen auch unsere zwei Erfahrungsberichte belegen:

1) Anke mit Elias:
Direkt nach der Geburt habe ich Elias angelegt. Er hat auch fast sofort getrunken, obwohl sein Saugen vielleicht etwas schwächer und weniger energisch war als bei seinen Geschwistern. In den ersten etwa zwei bis drei Wochen war Elias allerdings recht schläfrig. Gut, daß die Hebamme uns so toll unterstützt hat und uns riet, ihn alle 2-3 Stunden energisch zum Trinken zu wecken. Manchmal reichte es, ihn hochzunehmen, ab und zu mußten wir ihm auch die Füßchen waschen, um ihn wachzubekommen. Nach dieser ersten Zeit hat sich das Stillen eingespielt wie bei meinen anderen Kindern auch.
Zweimal hatte ich in der ersten Zeit allerdings eine Brustentzündung, aber das hing wohl eher mit meiner etwas hektischen und angestrengten Informationssuche am Anfang zusammen als mit Besonderheiten von Elias beim Stillen.

Ich habe Elias ein halbes Jahr voll gestillt und dann langsam andere Nahrung eingeführt. Auch das war wichtig, denn manchmal kann es Probleme beim Übergang auf feste Nahrung geben, wenn man die sensible Phase dafür verpaßt. Hier hatten wir eine kompetente Krankengymnastin, die uns aufmerksam gemacht hat auf diesen Zusammenhang.

Jetzt, mit 18 Monaten, trinkt Elias noch etwa einmal täglich an der Brust. Ich glaube, ich werde mir eine Grenze bei zwei Jahren setzen, aber vielleicht stillt er sich ja schon vorher selber ab...

2) Mathilde mit Felix:
Felix mußte nach einem Notkaiserschnitt in der 35. SSW auf die Intensivstation eines anderen Krankenhauses verlegt werden. Durch den Kaiserschnitt war ich ans Bett gefesselt und konnte mein Kind 10 Tage lang nicht sehen. Die einschießende Muttermilch habe ich abgepumpt. Der Muttermilchbote brachte sie dann zur Sondenernährung zu Felix. Am 2. Tag nach der Geburt wurde mir dann auch die Diagnose "Down-Syndrom" mitgeteilt.

Als ich Felix am 11. Tag endlich besuchen konnte, setzte die Klinik zwar die Sondenernährung fort, aber ich versuchte gleichzeitig, ihn anzulegen. Nach einigen Wochen, in denen er auch von Sondenernährung auf die Flasche überging, machte er eigene Saugversuche an der Brust. Wir stellten fest, daß er mit einem Stillhütchen besser zurecht kam. Da ich mit dieser Methode auf Dauer nicht zufrieden war - zu unpraktisch -, versuchte ich immer wieder, Felix richtig anzulegen. Mit 6-7 Wochen war er dann kräftig genug! Dann klappte es einfach immer besser.

Felix wurde bis zum 8. Monat voll gestillt.

Unsere zwei Berichte machen vielleicht schon deutlich, daß gerade der Anfang des Stillens bei Babies mit DS ganz unterschiedlich verlaufen kann. Sie sind eben genau solche kleinen individuellen Personen wie andere Kinder auch! Wir möchten damit aber auch Mut machen, das Stillen auf keinen Fall zu schnell aufzugeben!

Anke und Mathilde



Nursing Mothers Association of Australia:
http://www.nmaa.asn.au/bfinfo/down.html
Das ist wohl die beste Website zum Thema Stillen mit Down-Syndrom. Leider wieder mal nur auf englisch.



 

 

 

 

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