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Stillen in der Schwangerschaft

 
 

Stillen in der Schwangerschaft
 
   
 

 

Beatrix** 38

Von Mutter zu Mutter!
Stillen in der Schwangerschaft? Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich nur, um Gottes Willen, das kommt ja nun gar nicht in Frage. Aber dann wurde ich tatsächlich selber zum zweiten Male schwanger, Annika war gerade 20 Monate alt und dachte GAR NICHT ans abstillen. Was nun? Hier ist also mein Erfahrungsbericht einer weiteren Lehrstunde in Sachen "Sage niemals nie".

In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich überhaupt keine Schmerzen mit der Brust oder den Brustwarzen. Aber leider war das dann beim 2. Mal anders. Ungefähr vom 2. Monat an begannen die Brustwarzen zu schmerzen. Es liegt eben an der hormonellen Umstellung. Nicht an falschen Anlegen beim Stillen, zu starken Saugen... die Brustwarzen sehen weiterhin "normal" aus, sind nicht verletzt. Daher hilft auch leider nichts von den ansonsten bei wunden Warzen genannten Mittelchen. Hatte Lansinoh ausprobiert, aber es half absolut NICHTS (half später aber wunderbar, als ich Blasen wegen falschen Anlegens beim Stillen im Liegen bekam). Laut "Wir stillen noch" (das Buch hat ein sehr schönes Kapitel zum Thema Stillen in der Schwangerschaft) haben wohl 75 % aller Frauen, die in einer Schwangerschaft stillen, mehr oder weniger starke Schmerzen dabei. Bei manchen kommen und gehen sie nach den ersten Monaten, bei anderen bleiben sie die ganze Schwangerschaft. Hinzu kommt oft auch sowas wie ein "antsy feeling" - als ob man auf Kohlen sitzt, von Ameisen gebissen... ein ganz merkwürdiges Gefühl der Unruhe. Während sonst das Stillhormon hilft, sich beim Stillen schön zu entspannen, fühlen sich in der Schwangerschaft viele beim Stillen auf einmal total gereizt. Ich hatte beides, die Schmerzen beim Anlegen und das Gefühl der Unruhe. Zum Glück wollte Annika meist nur kurz stillen. Nach spätestens 3 - 5 Minuten waren wir fertig. Solange konnte ich es auch mit meiner Gereiztheit noch schaffen. Aber die Schmerzen waren was anderes. Irgendwo hoffte ich ja auch, dass Annika sich vielleicht waehrend der Schwangerschaft von alleine abstillt. Geschieht doch schliesslich bei vielen anderen Kindern. Z.B. wenn die Milchproduktion zurueckgeht. Oder weil sich der Geschmack veraendert, wenn im weitern Verlauf der Schwangerschaft schon Kolostrum fuer's neue Baby gebildet wird. Aber dazu kam es bei uns nicht.

Da half es mir mit der Methode "take it day by day", immer schön einen Tag nach dem anderen nehmen. Nicht soweit in die Zukunft schauen. Mal sehen, wie lange es geht. Leider wurden die Schmerzen bei mir nicht besser. Und so entschloß ich mich, zumindest teilweise abzustillen.

Die erste Mahlzeit am Morgen hatte Annika am liebsten. Ich dachte, die eine kann ich aushalten, aber alles andere wird gestrichen. Mit Tips zum Abstillen eines Kleinkindes, wiederum aus "Wir stillen noch", habe ich dann über die nächsten 2 - 3 Wochen diese Mahlzeiten abgestillt. Interessanterweise ging Annika problemlos darauf ein und verweigerte dann sogar die Morgenmahlzeit! Sie war damit wenige Tage nach ihrem 2. Geburtstag (da war ich inzwischen am Ende des 4. Monats) komplett abgestillt. Allerdings hatte sie dann noch für den Rest der Schwangerschaft die Angewohnheit, vielleicht einmal die Woche wieder meine Brust auszuprobieren. Sie schleckte für 3 Sekunden, grinste breit und das war's dann. Nach der Geburt fragte ich sie auch nochmal. Aber dann sagte sie mir, es schmecke nicht "YUCKY!!!" Ich hatte in der Zeit mit anderen Frauen gesprochen, die in der Schwangerschaft stillten. War es schmerzhaft, so konnte keine Frau die Schmerzen "abstellen", sondern nur die Zähne zusammenbeißen und unterschiedliche Lösungen suchen, damit fertig zu werden. In manchen Fällen würde dann teilweise abgestillt: weniger oder kürzere Stillmahlzeiten. In anderen Fällen wurden die Atemtechniken für die Geburt beim Stillen geübt. Meine Brustwarzen blieben übrigens empfindlich, auch nach dem Abstillen. Aber das war bei weitem nicht so schmerzhaft wie während des Stillens.

Wie sieht es nun mit den gesundheitlichen Fragen aus? Das ist oft, wo die meiste Kritik herkommt - und was am einfachsten zu bewältigen ist. Gute Ernährung ist in jeder Schwangerschaft wichtig, ob gestillt wird oder nicht. Die Natur hat es so eingerichtet, daß immer zuerst der Fötus versorgt wird. Als zweites kommt das gestillte Kind dran und dann Du selbst. Die gute Ernährung ist in Deinem Fall also wichtig, um bei DIR SELBST Mangelerscheinungen zu vermeiden. Bei mir kamen die dummen Fragen, da ich im ersten Schwangerschaftsdrittel nichts zunehme. Ich solle doch abstillen, damit ich zunehme - dabei hatte ich auch bei Annikas Schwangerschaft erst ab dem 2. Drittel zugenommen. Das war diesmal nicht anders. Mein Arzt war da sehr neutral. Und so konnte ich immer ohne schlechtes Gewissen sagen: "Der Arzt sagt aber, alles ist ok, ich darf weiter stillen" und damit war den Kritikern Kontra gegeben. Hätte ich aber auch einfach gesagt, wenn der Arzt anderer Meinung gewesen wäre :-) Manche Leute sagen, Stillen sei gefährlich, da es Wehen auslösen kann. Nun, das gleiche gilt für Sex und Orgasmus. Und sogar dabei noch viel stärker als bei der Brustwarzenstimulation durch's Stillen. Ich denke, da kann man mit der Faustregel gehen, daß Stillen in der Schwangerschaft mindestens solange ok sein sollte, wie der Arzt auch Sex erlaubt.

Mein Arzt ist allerdings dem "Tandem-Stillen" nicht so aufgeschlossen. So wird's nämlich genannt, wenn man nach der Geburt des Babys zusätzlich das ältere Geschwisterchen weiterstillt. Das hatte ich zwar nicht unbedingt vorgehabt, aber auch da galt für mich dann: Abwarten, was geschieht - "we cross the bridge when we get there". Na ja, es kam nicht dazu und ich bin im Prinzip auch glücklich darüber. Ich kenne ein paar Frauen, die Tandem-Stillen gemacht haben. Alle hatten zumindest zeitweise Schwierigkeiten damit, die meisten bereuten es aber nicht und empfanden diese Zeit insgesamt als sehr schön. Meine Bekannte hatte ihr Baby 2 Wochen nach Zoe und stillte auch im Tandem. Hatte deswegen zum ersten Male in ihrem Leben Probleme mit Brustentzündungen (die Milchproduktion ging bei beiden Kindern total durcheinander). Sie bereute ihre Entscheidung trotzdem nicht, es gab ihr eine sehr schöne Zeit mit den zwei Kindern. Aber sie war doch auch sehr froh, als die ältere dann abgestillt war.

Mehr, als Du wissen wolltest? Ich hoffe ich habe Dich jetzt nicht überrollt. Eines möchte ich Dir auf den Weg gehen, daß wohl allen Frauen in dieser Situation geholfen hat: Gehe die Sache einen Tag nach dem anderen an. Informieren, ja, den Kopf über alle möglichen "Was, wenn..." zu zerbrechen, nein!

Hier ist übrigens ein Link wo Du bei Interesse "Wir stillen noch" von Jane Bumgarner über die LLL online bestellen kannst.

http://home.t-online.de/home/0823278212/literat.htm



Beatrix

 

 

 

 

 

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