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  1. #1

    Standard halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    ...und siehe da: direkt danach ging es mir sowas von gut *hüpf und freu*
    blutdruck runter, papierkrieg gern gemacht, fast durch mit dem abarbeiten von altlasten: mensch: wieso ist ein mensch manchmal nicht in der lage, selbstverständliche alltagsdinge zu erledigen?????
    woran liegt es, dass man keine briefe mehr haben mag? dass man sie geradzu fürchtet?
    gut: das leben ist nicht immer nett und briefe dementsprechend auch nicht immer.

    nun gibt es ja menschen, wie eine freundin von mir, die JEDEN brief sofort aufmachen kann, sogar allein im haus und dann wie ein löwe kämpft.
    ich hatte bisher immer die taktik: bloß nicht angucken: ab in eine kiste und ruhe ist.
    dass das auf die dauer keine lösung ist, war mir so ganz innerlich schon klar, aber die erstmal kurzfristige ruhe gab mir einen pseudofrieden, der sich langfristig auf die gesundheit auswirkte.
    denn: es bleibt ein pseudofrieden, der einem irgendwie doch im nacken sitzen bleibt.

    aber JETZT: jetzt hab ichs zum erstenmal geschafft, mit einem absolut beängstigenden amt zu telefonieren, den sachverhalt darzustellen und:
    da muss man echt die beamten mal loben: sie versuchen wirklich, menschlich zu sein, nicht so wie früher.
    thema ist vom tisch.

    nun meine frage an euch:

    ich muss MICH ändern, eine andere einstellung bekommen, solche dinge als normal und nicht krankmachend empfinden lernen, irgendwie souveräner werden.
    aber so ganz allein schaffe ich es nicht, diesen teufelskreis von wegschieben plus darunter leiden zu durchbrechen.

    wo geht man da hin?

    gute psychologen sind selten und eh so teuer, dass man sie kaum privat zahlen kann.
    gibt es coaches für sowas?
    sonstwas?

    ich danke euch schon mal fürs mitlesen und bin momentan eh schon glücklich, einen ersten schritt aus dem (nur persönlich empfundenen) chaos getan zu haben.

    lg halleluja-ano

  2. #2

    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    Hallo Ano,

    genau WEIL diese Aufschieberitis krank macht, zahlt in dem Fall den Psychologen durchaus auch die Krankenkasse. Ich rate zu einer Verhaltenstherapie.

    Coaches gibt es auch, aber ein guter Coach kostet kaum weniger als ein Therapeut.

    Alles Gute und vor allem Glückwunsch zur frühzeitigen Suche nach Hilfe. Viele schaffen den Schritt erst, wenn schon bis zum Hals im Ärger stecken.
    Gruß,
    Elisabeth.

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Kinder:
    Fumi (Mädchen): * 1996
    Temi (Junge): * 2001

  3. #3
    Kugelnummer 7685
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    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    Hallo Ano,

    warum ist das Finanzamt ein beängstigendes Amt? Ich erlebe es täglich auf Arbeit, das Leute mit Mißmut bei mir anrufen,
    dabei bin ich weder ein Monster noch ein Unmensch - aber: man muss mit mir reden!! Das ist das wichtigste heutzutage.
    Sonst werde ich auch zum Unmenschen und setze Zwangsgelder fest. Und dann fällt derjenige, der diese Briefe bekommt,
    immer tiefer.

    Such dir einen "guten" Therapeuten - ich weiß, das ist nicht einfach. Ich denke mal auch, dass die Krankenkasse diesen
    dann bezahlt. Soetwas hat auch mit Lebenqualität zu tun.

    Liebe Grüße
    Dani
    Sohn: * 23.04.1993 Tochter: * 24.03.2000

  4. #4

    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    Liebe Dani,

    Ich denke das hat nicht so viel mit Dir und anderen als Mensch zu tun.
    Es hat damitzu tun, dass die Last, die auf uns Otto-Normal-Menschen liegt, viel zu hoch ist.
    Je mehr du strampelst, je mehr du leistest, je mehr zahlst du.
    Und kommst du tatsächich in die position mal etwas zu haben. Dann bekommst du keine Zinsen, die Steuergelder dafür sind immens hoch.

    Zu allem Ueberfluss gibt es dann noch so Gutenberger und Wulffmänner, die meinen in einem eigenen rechtsfreien, bzw. rechtsbeugsamen Raum zu leben.

    Ich mag da schon verstehen, dass so mancher, der immer kämpft und kämpft und dann für das sauer verdiente Geld nochmal dran muss, ein Problem mit dem Finanzamt bekommt.

    Liebe Grüsse
    Heike

  5. #5

    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    Liebe Dani,

    schade, dass du nicht meine zuständige Sachbearbeiterin bist.
    Dieses Jahr mache ich zum ersten mal meine Ek-Steuererklärung alleine, ich wusste nicht, dass ich eine machen muss aber da ich Elterngeld bezogen habe ist das wohl obligatorisch.
    Das Augenrollen beim Abnehmen des Hörers kann man quasi hören, nach der zweiten (kurzen!) Nachfrage sagte sie mir, ich würde doch bestimmt wissen, dass sie nicht dazu verpflichtet sei Auskünfte zu geben und ich solle mir doch bittedanke einen Steuerberater suchen, wenn ich nicht klarkäme.

    Wohlgemerkt ging es nicht um eine Steuerberatung sondern um 2, sich beim Ausfüllen der Formulare entstandenen Fragen.

    Wenn eine BZ-Kugel mir nicht ihre Hilfe angeboten hätte (schon alleine das Wissen, ich könnte jemanden fragen hat mich um Lichtjahre weitergebracht) wäre ich komplett ausgeflippt und verzweifelt.


    flo

  6. #6

    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    hallo dani,

    heute hörte ich von "meiner" zuständigen kioskbesitzerin, dass sie beim selben finanzamt wie ich ganz anders behandelt wurde: sie meldete, dass sie es terminlich nicht schafft, am 12.2. (über steuerberater) und bekam trotzdem genau einen tag später die schätzung ins haus geschickt: das macht einfach angst, dann geht man lieber auf hartz4, als mit einem viele-kleine-cent-betrieb sich durchzuschlagen, erst recht, wenn man eh schon älter ist und die nerven dünner werden.

    @hannchen(heike): nagel auf den kopf getroffen: die kleinen werden mehr und mehr in die enge getrieben, kleine selbständigkeiten durch die bürokratie kaputt gemacht: lieber hartz4 beziehen als diesem druck standhalten müssen, ist dann die logische konsequenz.
    sooo schade. aber nicht zu ändern.

    wer weiß: vielleicht bin ich dadurch auch bald auch auf hartz4. ist dann aber egal: bin ja schon älter und die verpflichtungen und wünsche werden weniger.
    eine beruhigung hab ich zumindest: ich bin dann nicht schuld: ich hatte alles getan, um auch noch in höherem alter für mich selber zu sorgen, aber es wurde mir ( noch nicht, kommt aber sicher) unmöglich gemacht, meinen kleinstladen weiterzuführen. amen.

    lg nur noch halb-halleluja-ano

  7. #7

    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    Ähm, normal macht das der Steuerberater, das mit der Verlängerung.
    Und wenn du schreibst, sie bekam einen Tag später die Schätzung - ich behaupte mal, die war schon in der Post als deine Freundin angerufen hatte - sonst wäre die definitiv nicht am nächsten Tag da gewesen ...

    Zu den Briefen nicht öffnen:
    ich finde das sehr bedenklich, sehr!! Du weißt doch selber, dass sich der Inhalt nicht verändern wird - warum also nicht gleich öffnen (und gleich reagieren) - viele Probleme würden dann von vornherein gar nicht entstehen.

    Dein Text hier hört sich sehr niedergeschlagen an - du solltest dir psychologische Hilfe holen - einerseits wegen deiner Ängste, andererseits auch wegen der gedrückten Grundstimmung.

    Alles Gute!
    Gruß,

    Nina

  8. #8
    KG-Nr. 5220 *(weibl.,01) Avatar von Susanne5220
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    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    Hallo,

    mal von Steuerberaterseite aus geschrieben:

    Man muss hier sicher trennen - zum einen Anos grundsätzliche Angst, Telefonate zu führen und Briefe zu öffnen, von denen sie nicht weiß, wie es ausgeht (was vermutlich auf der psychologischen Schiene anzugehen ist) und zum anderen das böse Finanzamt.

    Vorweg: ich finde es TOLL, wenn jemand den Schritt in die Selbständigkeit wagt anstatt zu resignieren. ABER ich sehe es immer wieder - viele Menschen (und damit meine ich nicht Ano, ich weiß ja gar nicht, was ihr Problem ist/war) machen das leider mal eben so ohne sich auch nur die geringsten Informationen zu beschaffen - dabei bekommt man die durchaus auch kostenlos oder für kleines Geld. Wer mit einem bestimmten Familienstand ein bestimmtes Einkommen erwirtschaftet - ob nun als Arbeitnehmer, als Vermieter oder als Selbständiger - muss dafür eine bestimmte Steuer bezahlen. Das Problem ist, der Arbeitnehmer bekommt selbige wegen des Lohnsteuerabzugs gar nicht erst ins Portemonnaie (bei uns! eigentlich ein komfortables System für Arbeitnehmer - ist es nicht schon in Österreich so, dass es keinen Lohnsteuereinbehalt gibt?). Der Selbständige muss selbständig (sic!) daran denken, dass die Forderung auf ihn zukommen wird und dass er entsprechend was zurücklegen muss. Letzteres je nach Tätigkeit und Umfang nicht nur für die Einkommensteuer, sondern auch für andere Steuerarten (von Sozialversicherung gar nicht zu reden). Mangels entsprechendem Wissen gehen aber gerade die Kämpfer gerne mal unter - weil sie alles, was sie einnehmen, für sich oder fürs Geschäft verbrauchen oder einplanen. Wenn dann die Büroarbeiten noch mangels Zeit und/oder Lust immer wieder auf später verschoben werden, dann kommt der Steuerbescheid tatsächlich als große Überraschung - und dann wird es auch finanziell schnell sehr eng. Wer regelmäßig guckt, wo er steht, der muss durchaus keinen Schock bekommen. Ich hab natürlich leicht reden, weil ich weiß, wie das geht - aber mit Vorbereitung geht das auch ohne Steuerberater, Buchhaltung ist KEIN Hexenwerk.

    Schon hier im BZ gab es ab und zu mal Fragen bezüglich Steuern zu einer geplanten Selbständigkeit, die von so wenig Ahnung zeugten, dass ich es vorgezogen habe, die Fragen gar nicht erst zu beantworten, sondern nur in aller Dringlichkeit auf Existenzgründerseminare zu verweisen. Ich will mir nämlich später nicht vorwerfen müssen, dass ich mit Antworten auf unwichtige Einzelfragen ein Halbwissen geschaffen habe, welches dann auf direktem Weg in die Insolvenz geführt hat.

    Die Schätzung der Kioskbesitzerin - von der ich auch vermute, dass sie bereits unterwegs war - ist übrigens kein SuperGAU. Gegen einen geschätzten Bescheid kann man Einspruch einlegen. Dann allerdings muss man in die Hufe kommen, denn die einzig mögliche Begründung für diesen Einspruch ist, dass dann doch die (bei einer Schätzung in der Regel LÄNGST überfällige) Steuererklärung abgegeben wird. Sie hat es terminlich nicht geschafft - klar, kann passieren, aber mal ehrlich: Ein Gewerbetreibender hat EIN JAHR Zeit, seine Steuererklärungen abzugeben. Sie hat also ein ganzes Jahr lang 'terminlich keine Zeit ' gehabt? Liegen in der Person des Sterupflichtigen spezielle Gründe (z. B. Krankheit) , kann man Fristen verlängern. Aber Finanzbeamte sind keine Hellseher - man muss es ihnen schon sagen, dass man krank ist.

    Ich leide - zum Glück - nicht unter Ängsten und kann das sicher nur teilweise nachvollziehen, warum man keine Briefe öffnet. Das ist aber in allen rechtlichen Dingen - nicht nur steuerrechtlichen - leider besonders fatal, denn überall im Rechtssystem werden Fristen gesetzt, und wenn sie abgelaufen sind, wird es deutlich schwieriger.

    Liebe Ano, ich wünsche dir die Kraft, auf diesem Weg zu bleiben und ich wünsche dir, dass du Unterstürzung und Hilfe findest.

    Lg Susanne
    Lebe lang und erfolgreich.

  9. #9

    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    hallo susanne,

    du hast völlig recht! aus der sicht des finanzamts ist alles klar. und auch klar ist, wie blauäugig die meisten in eine selbständigkeit stolpern, ohne auch nur einen dunst von den nebenkosten haben, die auf sie zukommen. all das hab ich zu verhindern versucht, indem ich mit ausgaben extrem vorsichtig war.
    nur: mich hat das tempo überrollt, mit dem der "erfolg" relativ sofort kam: alle seiten um mich herum sahen im vorfeld eher ein frauchen, dass sich ein paar euro dazu verdient und fertig: nun sind wir schon, wenns der teufel will, über paragraph 19 ustg raus: viel schneller, als je gedacht. nicht viel drüber, aber mit folgen, die da heißen: so bald wie möglich buchführungskurs, verlust von ca 9% gewinn, immenser aufwand.
    und wehe, wehe, wenn dann noch eine gesundheitsstörung dazu kommt, die es über monate nicht möglich macht, stabil mit ämtern zu agieren:
    dann beginnt ein teufelskreis.

    und jetzt kommt das, was ich wirklich in unserem fall toll fand: eine beamtin, die sachlich, aber menschlich reagierte. ich geh da auch noch persönlich hin, auch wenn der steuerberater (ein sehr guter) den kram, den ich hoffentlich endlich gut sortiert habe, zuständig ist:
    mir tun nämlich manchmal auch die beamten leid, die genau wie in der arbeitsagentur von ihrer kundschaft nur höchst selten eine positive rückmeldung bekommen.

    übrigens: die ängste schwinden mit jedem geöffneten brief, mit jedem abgehefteten beleg immer mehr und ein richtiges hochgefühl stellt sich immer dann ein, wenn irgendwann ein schrieb auftaucht, der genau DER ist, den ich noch brauche ;-)

    leider wird es mittelfristig notwendig, diese existenz mit absicht zu verkleinern: unter ihr potential zu bringen, damit die kleinunternehmerklausel noch greift. soooo schade: aber der aufwand, der darüber hinausgeht, steht in keinem verhältnis zum ertrag. nicht, wenn es nur um 2000 euro drüber geht.

    ansonsten war allein schon die arbeit an dieser einen steuererklärung ne menge therapie: sich stellen; die ollen kisten mit den briefen in angriff zu nehmen.
    damit mir sowas nie wieder passiert, wäre ein bißchen professionelle hilfe schon gut: es war diesmal marter pur! überwindung bis an die grenze.

    anbei: ich hoffe, dass zukünftige existenzgründer sich frühzeitig darauf einstellen, dass ihre existenz aus versehen auch schnell wachsen könnte und nicht in so ein loch wie ich fallen.

    und nochmal @susanne: du als fachfrau hast natürlich ein ganz anderes verhältnis zu form- und fachbriefen: die klingen für dich nur logisch und ok. der empfänger sieht das hochemotional totaaaal anders. da kann aber kein beamter was für.....

    was solls: es wird vorbei gehen. und vielleicht kann ich bald stolz sein: darauf, einiges ganz allein überstanden und ganz viel dazu gelernt zu haben.

    lg halb halleluja-ano

  10. #10
    KG-Nr. 5220 *(weibl.,01) Avatar von Susanne5220
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    Standard AW: halleluja: ich hatte mich getraut, das finanzamt anzurufen

    Liebe Ano,

    danke für deine Rückmeldung.

    Und wenn du jetzt auf offene Fragen stößt - dann mail mich an...

    LG Susanne
    Lebe lang und erfolgreich.

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