Mit Adoption zum Wunschkind: Ablauf, Gesetze und Vorschriften

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  • Die Adoption ist nicht in der ganzen Europäischen Union einheitlich geregelt. Jedes EU-Land hat ein eigenes Gesetz zur Adoption.
  • Die biologischen Eltern müssen einer Adoption aus freien Stücken zustimmen.
  • Adoptiveltern haben die gleichen Rechte und Pflichten gegenüber dem Kind wie andere Eltern auch.

Die Adoption eines Kindes ist immer noch ein sehr aktuelles Thema, das viele beschäftigt. Dabei wissen die meisten Menschen gar nicht, worauf sie sich damit einlassen. Natürlich ist die Adoption kein rechtsfreier Raum. Sie ist in Deutschland durch das Gesetz nach strengen Vorschriften geregelt, die das Kindswohl in den Vordergrund stellen.

Was eine Adoption laut Definition ist, wie der genaue Ablauf aussieht, was die Unterschiede bei einer Adoption in Deutschland und im Ausland sind und wie die Dauer etwa anzusetzen ist, lesen Sie in diesem Artikel. Auch erfahren Sie, in welchem Alter Sie sein müssen, ob es eine Altersgrenze bzw. ein Höchstalter gibt und weitere Fakten.

1. Eine Adoption ist die rechtliche Annahme als Kind

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Zwei Väter sind glücklich mit ihrem Sohn – durch Adoption.

Zwar gibt es Tipps, wie man endlich schwanger werden kann, aber wenn es mit der Erfüllung des Kinderwunsches langfristig nicht geklappt hat, stellt sich oft Verzweiflung ein.

Viele Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, lassen sich auf Unfruchtbarkeit untersuchen. Oft kann sich kein biologischer Nachwuchs einstellen. Die Zeugungs- und Gebärfähigkeit kann nach Krebs oder durch andere Erkrankungen vermindert sein. Auch homosexuelle Paare bzw. gleichgeschlechtliche Paare verspüren oft einen Kinderwunsch.

Die Adoption wird auch „Annahme als Kind“ oder „Annahme an Kindes statt“ genannt. Sie begründet im rechtlichen Sinne ein Eltern-Kind-Verhältnis zwischen dem Annehmenden und dem Kind, wobei die leibliche Abstammung bzw. Verwandtschaft außer Acht gelassen wird.

Man kann nicht nur Menschen, die nicht biologisch verwandt sind, sondern auch leiblich Verwandte adoptieren. Das nicht biologisch verwandte Adoptivkind nimmt dann im juristischen Sinne die Rolle eines leiblichen Kindes ein.

Die auf das Familienrecht gründende Beziehung zwischen dem Adoptivkind und seinen leiblichen Eltern wird dadurch meist aufgegeben. Ausnahmen hierzu bestehen vor allem dann, wenn Volljährige adoptiert werden oder nahe Verwandte. Dann können anderslautende Regelungen gelten.

Wenn nur einer der beiden Partner leiblicher Elternteil des Kindes ist, kann der andere als neuer Partner es als Stiefkind adoptieren, wenn bei leiblichen Elternteile einverstanden sind und das Kindeswohl gewahrt bleibt. Eine Adoption lässt sich nur unter ganz bestimmten Umständen rückgängig machen. Hierfür braucht man den Rat von einem Rechtsanwalt.

2. Die EU ist für die Adoption meines Wunschkindes nicht zuständig

Adoption ja oder nein? Für viele Betroffene ist die Adoption der einzige Weg aus der Kinderlosigkeit: Wie wäre es, wenn wir einem Kind, das niemand will, ein sicheres und liebevolles Zuhause und alle möglichen Chancen geben würden?

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Eine Familie wird glücklich durch Adoption – auch in Rom.

Dabei gibt es kein EU-weit einheitliches Adoptionsrecht, sondern jedes Land stellt eigene Vorschriften auf, die das Verfahren der Adoption regeln. Jedes Land erteilt auch einer eigenen Vermittlungsstelle die Zuständigkeit. Es gibt aber europäische Verträge, die Folgendes vorsehen:

  • Die leiblichen Eltern des Kindes müssen es aus freiem Entschluss zur Adoption freigeben.
  • Die Adoption muss von einem Gericht oder einer zuständigen Verwaltungsbehörde genehmigt werden.
  • Die Zustimmung zur Adoption von seiten der Vermittlungsstelle oder vom Jugendamt muss am Wohl des Kindes ausgerichtet sein.
  • Die Adoptiveltern haben dieselben Rechte in Bezug auf das Kind und dieselben Pflichten zu erfüllen wie biologische Eltern. Die leiblichen Eltern geben ihre Rechte dauerhaft auf.
  • In den meisten Ländern der EU ist es möglich, dass das Kind die Staatsangehörigkeit und den Nachnamen der Adoptiveltern bekommt (Namensrecht) und demselben Erbrecht unterliegt wie ein biologisches Kind.

Beim Vornamen des Kindes wird meist ohne Namensänderung adoptiert, es sei denn, der Name ist schwer auszusprechen und würde die Integration in das neue Umfeld behindern.

Nicht nur Ehepaare adoptieren Kinder, sondern auch Menschen in unverheirateter Lebenspartnerschaft oder Alleinstehende als Single.

3. Wer im deutschen Adoptionsrecht für eine Adoption zuständig ist

In Deutschland gibt es eine klare Regelung, wem es erlaubt ist, eine Adoption zu vermitteln:

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    Der Gesetzgeber und die Jugendämter haben das Kindswohl im Blick.

    Die Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter

  • Die zentralen Adoptionsstellen der Landesjugendämter
  • Anerkannte Adoptionsvermittlungsstellen von freien Trägern

Zu den freien Trägern zählen bestimmte Vereine, die sich der Adoption aus bestimmten Ländern widmen und dort dafür zugelassen sind. Diese Auslandsvermittlungsstellen sind dabei auch von deutscher Seite für die Adoption zugelassen. Ihr Auftrag ist es, für jedes Kind die Eltern zu finden, die am besten zu ihm passen. Mit ihnen ist eine Adoption auch ohne Jugendamt möglich.

4. Wie der genaue Ablauf einer Adoption aussieht

Es muss zunächst eine Adoptionsbewerbung beantragt werden. Dann wird geprüft, ob die potenziellen Eltern die Bedürfnisse des Kindes angemessen zufrieden stellen können. Relevant sind dabei folgende Aspekte:

  • Persönlichkeit
  • Gesundheit
  • Vorstellungen von Kindeserziehung
  • Wohnverhältnisse
  • Finanzielle Verhältnisse

Auch die individuellen Umstände des Kindes (Alter, bisherige Entwicklung, Interessen u. v. m.) werden berücksichtigt und mit den Voraussetzungen der Eltern abgeglichen.

Die Dauer der Adoptionsvermittlung ist verschieden. Allerdings wird die Eignung der Eltern durch die Behörde überprüft, was ein halbes Jahr bis zu einem Jahr dauern kann. Man muss sich also auf eine lange Wartezeit einstellen, die oft noch dadurch verlängert wird, dass nicht sofort ein geeignetes Kind zum Adoptieren offen steht.

Natürlich kann man auch Zwillinge adoptieren, wenn man vermeiden will, das sie getrennt werden.

Wer in Mutterschutz gehen will, kann Elternzeit in Anspruch nehmen und zwar für drei Jahre bis maximal zum achten Geburtstag des Kindes.

Im Islam gilt traditionell das Adoptieren als etwas, das die göttliche Ordnung durcheinander bringt. Daher sind Adoptionen in islamischen Ländern nicht so häufig.

5. Der lange Weg zu den eigenen Wurzeln: Erfahrungen von Adoptivkindern

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Adoption: Eine junge Frage stellt sich die Frage nach Herkunft und Zugehörigkeit.

Eine Adoption birgt zwar die Chance auf ein behütetes Leben in einer liebenden Familie, kann aber auch psychische Folgen bis hin zum Trauma haben. Wer als Säugling adoptiert wird, wird oft später überraschend über die Adoption informiert. Andere Adoptivkinder machen schon früher die Erfahrung des Andersseins und fragen sich: Wer bin ich? Wer wäre ich, wenn ich bei meinen leiblichen Eltern geblieben wäre?

Einerseits tragen sie die genetischen Voraussetzungen ihrer biologischen Eltern und verspüren möglicherweise das Bedürfnis, sich mit ihren Umständen zu identifizieren: Herkunft, Sprache, Interessen, Eigenschaften, Religion etc. Andererseits sind sie sich der Prägung durch ihre Adoptiveltern bewusst und bleiben meist auch in ihrer Identität Teil dieser neuen Familie. Dies sorgt nicht selten für Verunsicherung. Wo gehöre ich hin? Wo liegen meine Wurzeln?

Die Gründe, warum eine Mutter bzw. die Eltern ihr Kind zur Adoption freigeben, können verschieden sein. Viele werdende Eltern fühlen sich zu jung, finanziell nicht gut genug abgesichert oder wollen das Kind einfach nicht. Auch ein behindertes Kind wird nicht immer behalten.

Das folgende Video berichtet über die Folgen von Adoptionen für die Adoptivkinder und die leiblichen Eltern:

6. Die Kosten einer Adoption

Eine Adoption innerhalb Deutschlands ist nicht gebührenpflichtig, allerdings muss man folgende Dokumente dem Antrag beifügen:

  • Beglaubigungen
  • Führungszeugnis
  • ausgefüllter Fragebogen
  • Gesundheitszeugnis
  • ein ärztliches Attest
  • Geburtsurkunde
  • und weitere Unterlagen.

Auch ein Notar verursacht Notarkosten. Wenn Eltern aber die Adoption als das schönste Geschenk ihres Lebens ansehen, zahlen sie diese Geld meist gerne.

Bei einer Adoption aus dem Ausland muss man 800 Euro bezahlen und je nach Land der Herkunft können verschiedene Kosten anfallen. Wie teuer diese sind, richtet sich nach den dort üblichen Standards.

7. Die übliche Altersgrenze für Adoptionen

Dem Alter der Adoptivkinder sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Natürlich werden meist Kinder, also Minderjährige adoptiert, wobei viele Eltern sich ein Baby wünschen. Es gibt aber auch das Adoptieren von Erwachsenen. Dies hat meist erbrechtliche Gründe oder wenn das verwandtschaftliche Band zwischen zwei Menschen enger gefasst werden soll.

Die Adoptiveltern von Kindern müssen jedoch ein Mindestalter von 25 Jahren erfüllen. Bei Ehepaaren muss der jüngere Teil dabei mindestens ein Alter von 21 Jahren haben. Eine offizielle Höchstgrenze im Alter gibt es nicht, aber eine Empfehlung der Bundesarbeitgemeinschaft der Landesjugendämter: Adoptierte Kinder sollen nicht mehr als 40 Jahre jünger sein als die Adoptiveltern. Eine Liste der Landesjugendämter gibt Auskunft, wo Sie Ansprechpartner finden.

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2 Gedanken zu „Mit Adoption zum Wunschkind: Ablauf, Gesetze und Vorschriften

  1. Neeltje Forkenbrock

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel zu den Kosten und der Bürokratie bei Adoptionen. Mein Lebenspartner und ich denken über eine Leihmutterschaft nach. Wir fragen uns. Ob dies dann für den eingetragenen Lebenspartner auch so ein Adoptionsverfahren gäbe, oder ob vielleicht doch kein Notariat notwendig ist?

    Antworten
  2. Mailin Dautel

    Eine Freundin von mir kann keine Kinder bekommen. Sie haben schon einiges versucht und denken nun über eine Adoption nach. Ich habe ihr empfohlen, sich mit den Familienrechten und Adoptionsrechten auseinander zusetzten. Bekannte von mir hatten einige Probleme mit den Eltern des Adoptierten Kindes.

    Antworten

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