Elternzeit beantragen – alles, was Sie wissen müssen

familie im park
  • Die Elternzeit müssen Sie sieben Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber beantragen
  • Ihnen stehen 36 Monate Elternzeit zu
  • Sie müssen die Elternzeit bis zum 8. Geburtstag des Kindes nehmen

Viele Eltern möchten sich nach der Geburt freinehmen, um sich zu erholen und das erste Lebensjahr des Babys besonders intensiv erleben zu können. Typischerweise ist es die Mutter, die die Elternzeit nimmt, aber mit zunehmender Gleichberechtigung ist es inzwischen auch für Väter möglich, sich zur Babybetreuung eine Auszeit zu nehmen.
In seinen ersten 36 Lebensmonaten braucht ein Baby besonders viel Betreuung und Aufmerksamkeit. Unzählige wertvolle Momente und „erste Male“, wie etwa die ersten Schritte, die ersten Worte und die ersten Zähne passieren in dieser Zeit und viele Mamas und Papas möchten diese Meilensteine nicht verpassen.

Damit Sie die Elternzeit richtig beantragen, erhalten Sie in diesem Artikel Tipps und Tricks rund um die Baby-Auszeit.

1. So beantragen Sie die Elternzeit

mutter spielt mit sohn

In der Elternzeit genießen Sie viele wertvolle Momente mit Ihrem Baby.

Sie können Ihre Elternzeit bis zu sieben Wochen vor gewünschtem Beginn beim Arbeitgeber beantragen. Da zudem der Mutterschutz sechs Wochen vor dem Stichtag beginnt, empfiehlt es sich für Frauen, den Antrag in Ihrer letzten Arbeitswoche zu stellen, um sich darüber nach der Geburt keine Gedanken machen zu müssen. Da der Mutterschutz allerdings eine Dauer von 14 Wochen hat, können Sie auch nach der Geburt den Antrag  noch stellen. Die Vorlage für die Unterlagen finden Sie online.
Sie haben Anspruch auf 36 Monate Elternzeit pro Elternteil. Im ersten Antrag müssen Sie bereits verbindlich festlegen, wann Sie die ersten 12-24 Monate der Betreuungszeit nutzen möchten. Sie können diese beispielsweise über einen Zeitraum von 2 Jahren oder drei Jahren splitten. Jede Phase der Elternzeit hat eine Mindestdauer von 2 Monaten. Die verbleibenden Monate dürfen Sie unter Berücksichtigung einiger Vorgaben bis zum 8. Lebensjahr des Kindes nehmen.

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Arbeitgeber schriftlich quittieren, dass dieser Ihren Antrag erhalten hat.

Diese Punkte sind zu beachten, wenn Sie den Antrag stellen:

  • Sie müssen den Antrag schriftlich und mit Ihrer Originalunterschrift beim Arbeitgeber einreichen. Muster hierfür finden Sie auf den Seiten der zuständigen Behörden.
  • Sie müssen dabei Geburtstermin (genaues Datum) und Geburtsurkunde mit einreichen
  • Sie haben einen Rechtsanspruch auf 36 Monate Elternzeit, allerdings sind diese nicht bezahlt
  • Im ersten Antrag müssen Sie bereits die Verteilung der ersten 12 bzw. 24 Monate Elternzeit verbindlich festlegen
  • Der Mutterschutz beginnt bereits davor und muss nicht beantragt werden

Natürlich sollten Sie Ihren Arbeitgeber rechtzeitig über die anstehende Schwangerschaft informieren. Eine mündliche Absprache über den Beginn der Elternzeit reicht allerdings nicht aus. Übrigens dürfen Sie währenddessen auch weiterhin in Teilzeit, das heißt bis zu 30 Stunden pro Woche, arbeiten. Dies müssen Sie nur beim Antrag im Formular entsprechend angeben.

1.1. Das beste Timing für die Elternzeit muss abgepasst werden

Normalerweise haben Sie bis zum Ende des dritten Lebensjahres Ihres Kindes den Anspruch auf Elternzeit. Die Berechung beginnt nach  Mutterschutz, was bedeutet, dass der reguläre Elternzeitanspruch nach dem 3. Geburtstag Ihres Kindes abläuft. Diese Dauer verkürzt sich also in manchen Fällen um den Mutterschutz. Je nachdem, wann Ihr Kind geboren wurde, gelten allerdings verschiedene Regeln dafür, wie Sie einen gewissen Anteil auch auf die Zeit nach dem 3. Lebensjahr des Kindes übertragen und ab wann Sie die Betreuungszeit dadurch verlängern können:

  • Ist Ihr Kind vor dem 30. Juni 2015 geboren, können Sie bis zu 12 Monate der Elternzeit zwischen dem 3. und 8. Geburtstag Ihres Kindes nehmen
  • Ist Ihr Kind nach dem 30. Juni 2015 geboren, dürfen Sie sogar bis zu 24 Monate Elternzeit zwischen seinem 3. und 8. Geburtstag nehmen

Zudem kommt das beste Timing auch darauf an, ob Ihr Mann sich ebenfalls Betreuungszeit nehmen kann. Zur Übersicht sehen Sie hier noch einmal alle wichtigen Daten:

Zeitraum Mögliche Elternzeit
Vor der Geburt Der Mutterschutz beginnt 6 Wochen vor der Geburt und die Elternzeit beginnt frühestens ab dem Stichtag
Geburt bis 3. Geburtstag des Kindes Je nachdem, ob Ihr Kind vor oder nach dem 30. Juni 2015 geboren wurde, müssen Sie zwischen 12 und 24 Monate der Elternzeit in seinen ersten drei Lebensjahren nehmen
3. bis 8. Geburtstag des Kindes In dieser Zeit dürfen Sie, je nach Geburtszeitpunkt, weitere 12 bis 24 Monate Elternzeit nehmen; diese sollten Sie 13 Wochen vor gewünschtem Beginn anmelden

Diese und viele weitere Regeln sind im Gesetz zum Mutterschutz festgelegt. Zudem gilt das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz.

2. Elternzeit und Elterngeld – worin besteht der Unterschied

Während Ihrer Elternzeit haben Sie kein Einkommen, es sei denn, Sie arbeiten Teilzeit oder in einem Nebenjob. Allerdings muss Ihr Arbeitgeber Ihnen Ihren Arbeitsplatz mit den gleichen Bedingungen wieder zur Verfügung stellen, sobald diese Zeit endet. Somit gibt diese Regelung Ihnen eine Sicherung Ihres Jobs und Schutz vor Kündigung – auch dann, wenn Sie die Elternzeit zwischendurch verlängern.

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Besonders die ersten 12 Lebensmonate des Babys stecken voller Überraschungen, weshalb sich fast alle Eltern diesen Zeitraum freinehmen oder die Zeit untereinander aufteilen.

Recht neu ist die Einführung des Elterngelds in Deutschland. Elterngeld wird für eine Dauer von 14 Monaten nach Geburt des Kindes ausgezahlt und sollte sich mit der Elternzeit decken. Wie viel Geld erhalten Sie? Je nachdem, ob und wie lange Sie vor der Geburt bereits berufstätig waren, erhalten Sie als Elterngeld mindestens 300 Euro im Monat. Bis zu 1.800 Euro können es maximal pro Monat werden, denn das Elterngeld zahlt Ihnen bis zu 65 Prozent des vorherigen durchschnittlichen Gehalts pro Monat. Den genauen verkürzten Betrag können Sie online berechnen.
Das Geld für Eltern wird auch an Selbständige ohne Arbeitgeber gezahlt, die allerdings keine Elternzeit beantragen können. Als Selbstständiger stellen Sie sich selbst frei und erklären bei der Elterngeldstelle, wie lange Ihre Betreuungszeit andauern soll. Zudem sollten Sie natürlich Ihre Kunden rechtzeitig darüber informieren.

2.1 Beamte und die Elternzeit – gibt es Unterschiede zum Arbeitnehmer?

Für Beamte gelten die gleichen Regeln, was Elternzeit und Geld für Eltern angeht. Auch sie dürfen während der Zeit bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten. Viele Eltern im öffentlichen Dienst entscheiden sich aus finanziellen Gründen dazu, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu verkürzen, nachdem sie den Zuverdienst berechnet haben. Zudem entsteht dadurch keine Lücke im Lebenslauf und Sie haben weiterhin Urlaubsanspruch. Gleichzeitig besteht die Beihilfeberechtigung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst.

2.2. Bei Arbeitslosigkeit können Sie keine Elternzeit beantragen

Allerdings können Sie in manchen Fällen trotz Arbeitslosigkeit und Hartz 4 durch die Schwangerschaft in eine Familienversicherung eintreten, was finanzielle Vorteile mit sich bringt. Während Sie Elterngeld beziehen, sind Sie übrigens kostenfrei versichert. Das Arbeitslosengeld beziehen Sie auch in der Zeit nach der Geburt weiter. Zudem können Sie sich beim Arbeitsamt kostenlos über weitere Unterstützungsmöglichkeiten informieren.

3. Elternzeit beantragen in Sonderfällen wie Frühgeburt oder Adoption

vater sitzt mit baby auf der couch

Immer mehr Väter entscheiden sich dazu, ebenfalls Betreuungszeit zu beantragen, um die sogenannten Partnermonate in Anspruch zu nehmen.

Wenn bei Ihnen ein Sonderfall vorliegt, wie etwa eine unerwartete Frühgeburt oder die Adoption eines Kindes bzw. die Aufnahme eines Pflegekindes, ist laut Gesetz auch ein kurzfristiger Elternzeitantrag möglich. Diesen können Sie zum Beispiel nach der Geburt schreiben. Generell gilt, dass Sie auch bei verspätetem Antrag den Anspruch nicht verlieren. Im schlimmsten Fall (Formular zu spät eingereicht) verschiebt sich der Beginn um die Verspätung nach hinten, wenn Sie die Frist versäumt haben. Die meisten Arbeitgeber sind allerdings kulant und viele verzichten sogar auf die 7-wöchige Anmeldefrist.
Sie sollten also auf jeden Fall Ihre Elternzeit beim Arbeitgeber beantragen. In Absprache mit Ihrem Partner sowie mit Familie können Sie berechnen, wie Sie die 36 Monate verteilen möchten. Bei Zwillingen gilt, dass Sie pro Kind Anspruch auf die Betreuungszeit haben, was der Arbeitgeber auch nicht ablehnen darf.

In dieser Übersicht sehen Sie noch einmal die Vor- und Nachteile der Elternzeit:

  • Sie können sich ganz Ihrem Kind widmen
  • Frauen haben viel Zeit, sich von Schwangerschaft und Geburt zu erholen
  • Auch Männer können die Elternzeit in Anspruch nehmen und so eine engere Bindung zu ihrem Kind genießen
  • Zudem erhalten Sie Elterngeld
  • Ihre Arbeitsstelle bleibt Ihnen erhalten
  • Bei Bedarf dürfen Sie trotzdem bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten
  • Die 36 Monate stehen Ihnen rechtlich zu
  • Kein Gehalt
  • Bereits beim ersten Antrag müssen Sie verbindlich festlegen, wann spätestens und für welches Datum Sie die ersten 12 bzw. 24 Monate nehmen wollen
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