Blutbild im Allgemeinen und während der Schwangerschaft

mit blut gefüllte röhrchen.
  • Das Blutbild (Hämogramm) ist das standardisierte Verfahren für eine Zusammenstellung von Befunden aus einer Blutprobe. Es verschafft eine Übersicht über die zellulären Bestandteile im Blut.
  • Ein Blutbild beinhaltet Daten über die Quantität zellulärer Blutbestandteile und deren Morphologie (der äußeren Form). Hierbei wird zwischen dem kleinen und dem großen Blutbild (Hämogramm) unterschieden.
  • Während der Schwangerschaft werden im Zuge der Erstuntersuchung noch zusätzliche Blutuntersuchungen durchführt. Darunter fallen die Bestimmung der Blutgruppe, der Rhesusfaktor, Rhesus-Antikörpersuchtest und Tests auf Antikörper auf Infektionen.

1. Das kleine Blutbild verschafft einen Überblick über die wichtigsten Werte

Schwangerschaft im Blutbild erkennen

Es gibt auch einen Blutwert, der ein Indikator für eine Schwangerschaft ist – der HCG-Blutwert. Dabei handelt es sich um das sogenannte humane Choriongonadotropin. Dieses Hormon sorgt im Körper der werdenden Mutter dafür, dass der Säugling mit Nährstoffen versorgt wird.

Innerhalb der ersten 3. Monate erreicht der HCG-Blutwert seinen Höhepunkt, während dieser Zeit entscheidet sich der Körper der Schwangeren, ob das Kind angenommen und ernährt wird.

Wenn Sie ein „normales“ Blutbild zu diagnostischen Zwecken machen lassen möchten, wird meist ein „kleines Blutbild“ durchgeführt. Durch ein kleines Blutbild können mit Hilfe von nur wenigen Millilitern Blut folgende Werte zu verlässlich angezeigt werden:

  • Hämatokrit – Der Anteil der festen Blutbestandteile im Gesamtblut wird durch den Hämatokrit-Wert aufgezeigt. Hierbei gilt: Je höher der Wert ist, desto schlechtere Fließeigenschaften besitzt das Blut und umso höher ist die Gefahr für Blutgerinnsel oder Thrombosen.
  • Erythrozyten (rote Blutkörper) – Zeigt den Wert von roten Blutkörperchen, welche den Sauerstoff in alle Organe und das Gewebe transportieren. Ist dieser Wert erhöht, ist meist ein Sauerstoffmangel vorhanden und es wird vom Körper versucht, diese Unterversorgung auszugleichen. Wenn der Wertjedoch niedrig ist, liegt ein Hinweis auf Blutverlust oder Versorgungsmangel vor.
  • Hämoglobin (Hb) – Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin bindet im Blut zum einen den Sauerstoff und zum anderen auch Kohlendioxid. Beim kleinen Blutbild wird die Gesamtmenge des Hämoglobin (Hbe) und die an die roten Blutkörper gebundene Hämoglobinmenge (MCH) angezeigt. Ein niedriger Wert entsteht z.B. in der Schwangerschaft fast ausschließlich durch Eisenmangel.
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen) – Die weißen Blutkörperchen sind wesentlicher Bestandteil des Immunsystems. Sie bekämpfen Viren, Bakterien sowie körperfremde Gebilde. Die Leukozyten Werte bilden den Allgemeinen Zustand des Immunsystems ab und geben Rückschlüsse auf Entzündungen oder Infektionen.
  • Thrombozyten ( Blutplättchen) – Thrombozyten sind zuständig für die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Gravidität kann dafür sorgen, dass die Zahl der Blutplättchen nach oben oder unten schwankt. Bei auffällig niedrigen Werten oder körperlichen Symptomen werden vom behandelnden Arzt weitere Untersuchungen angeordnet, um Komplikation gänzlich auszuschließen.

Zusätzlich können je nach Situation drei weitere Bestandteile in die Auswertung einfließen:

  • Retikulozyten – Sie sind die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen. Normalerweise sind nur sehr wenige Retikulozyten im Blut vorhanden. Wenn diese jedoch erhöht sind, spricht das für eine erhöhte Blutneubildung, beispielsweise durch einen größeren Blutverlust.
  • Mittleres Thrombozytenvolumen – Wird zur Differenzierung von Störungen der Anzahl und Form der Thrombozyten genutzt.
  • Erythrozytenverteilungsbreite – Sobald ein erhöhter Wert vorliegt, kann dies verschiedene Anämieformen anzeigen.

Tipp: Wenn die Untersuchung auf Wunsch des Patienten ohne begründeten Krankheitsverdacht durchgeführt werden soll, müssen die Kosten selber getragen werden. Diese sind von Labor zu Labor unterschiedlich und davon abhängig, welche Werte gemessen werden sollen.

Meistens bewegen sich die Kosten in einem Bereich zwischen 85,00 € bis 100,00 €. Gesetzlich Versicherte tragen die Kosten selber. Privatversicherungen erstatten in der Regel die Gesamtkosten lediglich für ein großes Blutbild.

2. Das große Blutbild enthält mehr aussagekräftige Werte

Blutentnahme für Blutbild

Zur Durchführung eines Blutbildes werden nur geringste mengen Blut benötigt.

Das große Blutbild enthält alles, was das kleine Blutbild enthält, geht aber in einigen Bereichen tiefer ins Detail.

Beispielsweise wird beim kleinen Blutbild lediglich die Gesamtleukozytenzahl angezeigt, während im großen Blutbild das Differentialblutbild ausgewertet werden kann. Dabei werden die Leukozyten genau aufgeschlüsselt und zugeordnet, zu welcher Untergruppe von weißen Blutkörpern sie exakt gehören.

Das Differentialblutbild kann entweder maschinell oder manuell (mikroskopisch) erstellt werden. Mit einer mikroskopischen Auszählung des Blutes oder mit einem automatisierten Zählgerät ( Coulter-Zähler) wird der prozentuale Anteil der einzelnen Blutzellarten ergründet.

Obwohl die mikroskopische Auszählung quantitativ weniger präzise und aufwendiger ist, ist sie für die qualitative Auswertung der Blutzellentypen unerlässlich. Die Qualität kann maschinell nicht ausreichend präzise bewertet werden.

So können zum Beispiel pathogene Zellformen, wie atypische Lymphozyten (Virozyten), durch den Coulter-Zähler nicht richtig zugeordnet werden und gehen somit für eine genaue Diagnose verloren. Die Form der roten Blutkörper, die sogenannten Erythrozyten, wird ebenfalls mit einem Blutausstrich beurteilt.

3. Spezielle Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft sind unerlässlich für die Gesundheit des Kindes

schwangere Frau formt herz mit den händen.

Während der Schwangerschaft ist ein Blutbild zu diagnostischen Zwecken von besonderer Wichtigkeit.

Im Verlauf der Erstuntersuchung wird ein kleines Blutbild erstellt, die Blutgruppe bestimmt und das Blut auf verschiedene für die Schwangerschaft bedeutende Eigenschaften überprüft. Dazu gehören:

  • Rhesusfaktor – 85 % der Menschen haben einen Rhesusfaktor. Sie sind somit Rhesus (Rh)+ positiv. Wenn jetzt allerdings eine Rh-negative Mutter erstmals ein Rh-positives Kind bekommt und es zu einem direkten Blutkontakt kommt, entwickelt die Mutter Antikörper gegen das Blut des eignen Babys. Dadurch kann es bei einer darauf folgenden Schwangerschaft zu Komplikationen aufgrund von einer Rhesusunverträglichkeit kommen.
  • Rhesus-Antikörpersuchtest – Bei Schwangerschaften von Rh-negativen Müttern wird bereits zum Beginn der Schwangerschaft geprüft, ob etwaige Rhesus-Antikörper vorhanden sind. Im Falle eines negativen Ergebnisses wird ab der 28. Schwangerschaftswoche und direkt nach der Geburt eine Prophylaxe mit Anti-D-Immunoglobulinen durchgeführt. Der Rhesus-Antikörpertest wird zum Ende des zweiten Schwangerschaftstrimesters noch einmal absolviert.
  • Tests von Antikörpern gegen Infektionen und Krankheitserreger – Während einer Schwangerschaft sind Erstinfektionen von einigen Krankheitserreger besonders problematisch für das noch ungeborene Kind.Zur Vorsorge in der Schwangerschaft gehört eine Untersuchung zu Röteln Antikörpern sowie eine Kontrolle auf Syphilis. Standardmäßig wird allen Schwangeren ein HIV-Test angeboten. Diese Leistungen werden von der Krankenkasse übernommen.

Etwa um die 24. Schwangerschaftswoche herum, wird der Mutter ein „Oraler Glucose Toleranztest“ angeboten, um eine eventuelle Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen.

Jedoch selbst zu bezahlen sind Antikörpertests zum Nachweis von früheren Infektionen wie Toxoplasmose, Listeriose und Zytomegalie. Vier bis sechs Wochen vor dem vermuteten Geburtstermin wir das Blut der Schwangeren auf Hepatitis-B untersucht. Ist der Befund positiv, wird das Kind direkt nach der Geburt geimpft.
Weitere Informationen zur Blutuntersuchung während der Schwangerschaft finden Sie hier.

4. Es wird zwischen qualitativen und quantitativen Störungen des Blutbildes unterschieden

Hier eine Erklärung zum besseren Verständnis von eventuellen Störungen des Blutbildes mit einem kleinen Auszug der möglichen Veränderungen. Der Großteil der möglichen Störungen ist bei den Erythrozyten zu finden.

Quantitative Veränderungen:

  • Erythrozyten
  • Polyglobulie (Blutfülle) – zu viele rote Blutkörper
  • Anämie (Blutarmut) – Verringerung der Hämoglobinkonzentration im Blut aufgrund von zu wenig Erythrozyten und/oder Verringerung der MCHC (Mittlere Korpuskuläre Hämoglobinkonzentration)
  • Dakrozyt– Tränentropfenform; bei Osteomyelosklerose
  • Leukozyten
  • Leukopenie – zu wenige Leukozyten
  • Leukozytose – zu viele Leukozyten
  • Rechtsverschiebung – stärkeres Vorhandensein älterer Granulozyten
  • Thrombozyten
  • Thrombopenie – zu geringe Anzahl an Thrombozyten
  • Thrombozytose – zu hohe Anzahl an Thrombozyten

Qualitative Veränderungen:

  • Erythrozyten
  • Anisozytose – unterschiedlich große Erythrozyten
  • Makrozytose – zu große Erythrozyten
  • Poikilozytose – unterschiedlich geformte Erythrozyten
  • Thrombozyten
  • Thrombanisozytose – unterschiedlich große Thrombozyten ( erhöhte Verteilungsbreite des Thrombozytenvolumens)
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