Daumenlutschen: Was Sie als Eltern beachten sollten und tun können

Immer dabei: Am Fingernuckeln beruhigt Kinder.
  • Bereits der Fötus nuckelt im Mutterleib an seinem Finger, wie 3D-Scans eindrucksvoll beweisen.
  • Daumenlutschen ist angeboren, wird im ersten halben Lebensjahr von vielen Babys praktiziert und wird meist weniger, sobald sich das Baby mehr für seine Umwelt interessiert und beginnt, nach Dingen zu greifen.
  • Extremes Daumenlutschen führt zu Schäden an Gebiss und Kiefer des Babys. Ganz verhindern lässt sich Daumenlutschen selten, das ist aber auch nicht nötig. Als Alternative gilt der Schnuller.

Daumenlutschen und am Finger nuckeln sind angeborene Verhaltensweisen und kommen nicht nur beim Menschen vor, sondern auch bei anderen Primaten. Ein Neugeborenes kommt hilflos auf die Welt und ist ganz und gar auf seine Umwelt angewiesen. Weil es im ersten Lebensjahr daher buchstäblich ums Überleben geht, sorgt der angeborene Saugreflex für Nahrungsaufnahme. Genuckelt wird vor allem an der Brust, an der Milchflasche oder eben am Daumen, der immer zur Verfügung steht. Hinter dem Daumenlutschen steckt aber noch mehr. Wir erklären Ihnen die Hintergründe und wie Sie das Daumenlutschen unterbinden können.

1. Daumenlutschen beruhigt und vermittelt Geborgenheit

Mit Daumenlutschen beruhigt sich Ihr Neugeborenes selbst. Ihr Baby stillt mit Nuckeln am Finger auch das Bedürfnis zu saugen, außerdem scheint Daumenlutschen mit Wohlgefühlen verbunden zu sein – was Wissenschaftler vor allem daraus schließen, dass es bereits im Mutterleib vorkommt. Häufig hält das Daumenlutschen nicht über das erste Lebensjahr hinaus an beziehungsweise wird es danach deutlich weniger.

Mit etwa sechs Monaten brechen die ersten Zähne durch – und dann dient Daumenlutschen unter anderem auch der Schmerzbewältigung. Je gestresster ein Baby ist, desto stärker wird am Finger genuckelt. Hier reicht es oftmals, eine Alternative anzubieten, beispielsweise einen Beißring. Oft kann dieser sogar leicht gekühlt werden und unterstützt damit das Zahnen.

Übrigens: Dass die ersten Zähnchen mit sechs Monaten kommen, ist nur ein Durchschnittswert. Auch mit vier Monaten können erste Zähne kommen, genauso wie erste Zähne mit einem Jahr.

2. Das erste halbe Jahr mit Ihrem Baby – wichtige Meilensteine

Das Daumenlutschen hängt auch mit dem Entwicklungsstadium des Kindes zusammen. Je älter es wird, desto mehr erkundet es die Umgebung und wird so vom Daumenlutschen abgelenkt. Nach Dingen zu greifen und die Umwelt zu entdecken wird mit zunehmendem Alter interessanter, als sich den Daumen in den Mund zu stecken.

Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht, ab wann es ungefähr auch bei Ihrem Kind so weit sein könnte, dass es sich das Daumenlutschen abgewöhnt.

Alter Entwicklungsstadium Merkmale
Bis 4 Wochen Neugeborenes Hebt den Kopf und reagiert auf Geräusche
2 Monate Säugling Macht Geräusche, verfolgt Bewegungen und kann den Kopf kurz hochhalten
3 Monate Säugling Lacht, kann Gesichter erkennen
4 Monate Säugling Hält den Kopf oben, antwortet auf Ansprache mit Krähen
5 Monate Säugling Kann sich herumrollen, greift sich selbst an die Füßchen
6 Monate Säugling Kann mit Beikost zugefüttert werden, beginnt zu greifen und sich Dinge in den Mund zu stecken, erste Zähne brechen durch

Daumenlutschen ist kulturabhängig: Beobachtungen zeigen, dass Daumenlutschen bei Naturvölkern kaum vorkommt. Eine Erklärung lautet, dass hier viel mehr und länger gestillt wird, so dass der Daumen nicht als “Ersatz” gebraucht wird.

3. Daumenlutschen kann Schäden am Gebiss verursachen

Daumenlutschen kann einen offenen Biss begünstigen.

Offener Biss: Die verbliebene Lücke ist beim Abbeißen hinderlich.

Ist Daumenlutschen schädlich? Darüber wird viel gestritten, weil es wie so oft auf das Ausmaß ankommt. Tatsache ist aber, dass spätere Fehlstellungen an Zähnen und Kiefer oft auf übermäßiges am Fingernuckeln zurückgehen.

Experten sind sich nahezu einig, dass in den ersten beiden Jahren Daumenlutschen noch relativ unproblematisch ist. Wenn also Ihr drei Monate altes Baby besonders viel am Daumen lutscht, brauchen Sie sich nicht verrückt zu machen.

Allerdings: Je mehr der Daumen als Nuckelhilfe und “Trost” gewohnt ist, umso schwerer kann Ihr Kind später darauf verzichten.

Ob Hunger, Ärger, Langeweile oder Trotz – nicht selten kommt der Daumen in solchen Situationen routinemäßig zum Einsatz. Häufiges Daumenlutschen kann dann das Kieferwachstum beeinflussen und fördert Zahnfehlstellungen speziell der vorderen Schneidezähne. Bei einem so genannten offenen Biss bleibt eine Lücke der Schneidezähne zwischen Ober- und Unterkiefer und verhindert ein problemloses Abbeißen. Auch die Sprachentwicklung kann dadurch betroffen sein. Kieferchirurgen schätzen, dass etwa zwei von fünf behandlungsbedürftigen Fällen auf übermäßiges Daumenlutschen zurückgehen.

4. Die bessere Alternative ist definitiv der Schnuller

Schnuller oder Daumen? Der Schnuller ist die bessere Alternative

Der Schnuller wird oft heißgeliebt, kann aber abgewöhnt werden.

Neigt Ihr Baby zum (übertriebenen) Daumenlutschen, ist ein Schnuller die bessere Alternative. Ihn kann man mit wenig Aufwand wieder wegnehmen, was beim Daumenlutschen viel schwerer umsetzbar ist. Aber: Selbst extreme Daumenlutscher lassen sich auf den Schnuller umtrainieren, allerdings mit Zeit und Geduld.

Wenn sich Ihr Säugling als Daumenlutscher herausstellt, können Sie dieses Verhalten mit Geduld abgewöhnen. Dazu den Schnuller immer wieder anbieten und die Hand, an der normalerweise gelutscht wird, sanft festhalten. Probieren Sie es immer wieder und geben Sie nicht zu früh auf – in einigen Fällen kann es Wochen dauern, bis sich Ihr Baby an den Schnuller statt den Daumen gewöhnt hat.

Das Gute am Schnuller: Kindern kann man meist problemlos beibringen, wieder auf ihn zu verzichten, was spätestens mit drei Jahren erfolgen sollte. Wichtig dabei sind Vorbereitung und ein kleiner Trick, mit dem Sie als Eltern Ihr gutes Image behalten.

Tipp: Ab wann darf der Schnuller eingesetzt werden? Im besten Fall nicht vor dem Alter von zwei Monaten. Davor das Neugeborene im besten Fall erst einige Wochen lang stillen, sofern möglich. Manche Babys entwickeln ansonsten eine Saugverwirrung, die aber in der Regel auch nicht von Dauer ist. Dabei wird die Brust verweigert oder nicht mehr so gut getrunken. Grund ist das viel einfachere Nuckeln am Schnuller oder der Flasche, wohingegen sich Babys an der Brust viel mehr anstrengen müssen.

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