Eierstockentzündung: Wenn es im Bauch schmerzt

Eierstockentzündung
  • Eierstockentzündungen werden in den meisten Fällen durch Bakterien verursacht, die über den Scheideneingang in die Eierstöcke und Eileiter gelangen.
  • Hauptursache ist die Übertragung von Bakterien über vorliegende Scheidenentzündungen, häufig wechselnde Sexualpartner und medizinische Eingriffe wie das Einsetzen der Spirale.
  • Die Eierstockentzündung während der Schwangerschaft kann mit Antibiotika behandelt werden.

Es kann nur ein leichter Druck im Unterbauch sein. Die Eierstockentzündung kann sich aber auch durch krampfartige Schmerzattacken bemerkbar machen. Bakterien und Viren, die in die Eierstöcke gelangt sind, können dort durch Entzündungen großen Schaden anrichten.

Frauen droht bei einer unbehandelten Infektion die Unfruchtbarkeit, die Eierstockentzündung in der Schwangerschaft kann Folgen für Mutter und Kind haben. Lesen Sie hier nach, wie sie die bedrohliche Entzündung erkennen und wie die Erkrankung behandelt wird.

1. Eierstockentzündung: Wenn Bakterien sich einnisten

rauchende frau

Das Rauchen begünstigt die Entstehung einer Eierstockentzündung.

Bei einer Eierstockentzündung handelt es sich um eine bakterielle Infektion. Sind nur die Eierstöcke (Ovarien) befallen, spricht man von einer Oophoritis.

Liegt dazu auch eine Eileiterentzündung (Salpingitis) vor, heißt der medizinische Begriff Adnexitis. Da die Kombination beider Erkrankungen der Normalfall ist, wird die Eierstockentzündung sehr oft umgangssprachlich Adnexitis genannt.

Zumeist gelangen die Bakterien von außen über die Scheide in die Eierstöcke. Sehr oft handelt es sich bei den Bakterien um Chlamydien oder Gonokokken. Es können einer oder beide Eierstöcke infiziert werden. Sobald eine Frau die Symptome einer Eierstockentzündung erkennen kann, sollte sie sich medizinisch untersuchen lassen. Die Krankheitsverläufe können milde sein, aber auch in lebensgefährlichen Situationen münden, wenn nicht rechtzeitig die notwendige Behandlung durchgeführt wird.

2. Symptome einer Eierstockentzündung: Schmerzen im Unterbauch

abtasten unterleib frau

Beim Abtasten kann der Schmerz lokalisiert werden.

Die Anzeichen für eine Eierstockentzündung sind diffus und können auch andere Erkrankungen anzeigen. Erst eine Untersuchung bringt Aufschluss und kann die Entzündung diagnostizieren. Nahezu immer kommt es zu einseitigen oder beidseitigen Schmerzen in der Leiste – je nachdem, ob einer oder beide Eierstöcke betroffen sind.

Abhängig vom Erreger und dem Verlauf der Eierstockentzündung sind die Schmerzen dabei leicht und durchgängig oder sie verlaufen in Schmerzschüben. Sie können auch starke Krämpfe hervorrufen.

Weitere Beschwerden bei einer Entzündung der Eierstöcke:

  • Fieber
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Scheidenausfluss
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Bei jeder Frau können die Symptome unterschiedliche Ausprägungen zeigen, so dass nur ein Arzt feststellen kann, ob es sich tatsächlich um eine Eierstockentzündung handelt. Für eine möglichst schnelle Gesundung und geringe Komplikationen sollte die Therapie so schnell wie möglich erfolgen.

3. Ursachen: Infektion über operative Eingriffe möglich

Bei einer Untersuchung durch den behandelnden Arzt wird festgestellt, welches Bakterium, und in seltenen Fällen, welcher Virus, für die Eierstockentzündung verantwortlich ist. Etwa 70 Prozent der Entzündungen gehen auf den Befall von Chlamydien oder Gonokokken zurück. Seltener sind Staphylokokken, Steptokokken, Koli-Bakterien oder Clostridien dafür verantwortlich.

Ursache für Entzündung Beschreibung
Chlamydien
  • Erreger Chlamydia trachomatis Serotyp D-K führt zu Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane
  • Ansteckung erfolgt über ungeschützten Geschlechtsverkehr
  • häufigste sexuell übertragbare Erkrankung
Gonokokken
  • Bakterium, das in Harn- und Geschlechtsorganen angesiedelt ist
  • Auslöser für Geschlechtskrankheit Gonorrhoe
  • Anzeichen für Infektion: Brennen beim Wasserlassen, Eiter im Urin oder symptomlos
Staphylokokken
  • befinden sich auf der Haut und den Schleimhäuten von Menschen und Tieren
  • können symptomlos überleben oder kleinere Entzündungen hervorrufen
  • findet das Bakterium seinen Weg in die Blutbahn oder in das Gewebe, können sie schwere Entzündungen hervorrufen

Es lässt sich eher selten feststellen, wie die Bakterien in die Eierstöcke gelangt sind. Unterschieden wird jedoch zwischen einer auftsteigenden, absteigenden und hämatogenen Infektion.

3.1. Aufsteigende Infektion

In den meisten Fällen dringen die Bakterien über die Scheide ein. Frauen, die häufig den Sexualpartner wechseln, können sich so mit Bakterien wie Chlamydien anstecken. Dazu bedarf es jedoch einiger weiterer Voraussetzungen, damit die Bakterien den Muttermund passieren können (Monatsblutung, Verletzungen des Muttermundes, Schwangerschaft etc.).

Weitere Gründe für aufsteigende Infektion:

Kolibakterien

Die Kolibakterien leben im Darm von Mensch und Säugetieren. Sie lösen Durchfälle bis schwere Magen-Darm-Erkrankungen aus. Gelangen sie in die Scheide, kann dies zu einer Eierstockentzündung führen.

  • Eingriffe bei Frauenarzt: Bei der Behandlung und dem Abtasten der Gebärmutter können Bakterien bis zu den Eierstöcken gelangen.
  • Spirale als Verhütungsmittel: Insbesondere in den ersten Monaten können vermehrt Bakterien den Weg über die Spirale in die Eileiter finden.
  • Scheidenentzündungen: Häufiger Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern begünstigt die Entzündung, über die Bakterien in die Eierstöcke gelangen.
  • Rauchen: Nachweislich verändert das Rauchen die Zusammensetzung des Gebärmutterschleims. Sie fungiert als Barriere für Krankheitserreger. Wird sie durch starkes Rauchen geschädigt, gelangen Bakterien und Viren leichter in die Eileiter.
  • Scheidenspülungen: Sie sollen eigentlich reinigend wirken, bewirken jedoch auch, dass Bakterien tiefer in den Scheideneingang gespült werden könnten.
  • Operative Eingriffe im Genitalbereich: Bei Schwangerschaftsabbrüchen oder Ausschabungen nach Fehlgeburten oder Eileiterschwangerschaften sowie dem Einsetzen der Spirale können Bakterien in die Gebärmutter oder in die Eileiter gelangen.

3.2. Absteigende Infektion

Eine Eierstockentzündung kann durch primäre Erkrankungen anderer Organe ausgelöst werden. Die verantwortlichen Bakterien werden dann direkt über den Kontakt mit dem betroffenen Organ übertragen. Besonders häufig ist diese Art der Ansteckung bei einer Blinddarmentzündung. Dabei kommt der entzündete Blinddarm mit den Eierstöcken in Berührung, wodurch die Erreger übertragen werden.

3.3. Hämatogene Infektion

modell einer gebärmutter

Über die Spirale können Bakterien in die Eierstöcke gelangen.

Besonders selten ist die Ansteckung über die Blutlaufbahn des menschlichen Körpers. So kann bei einer Tuberkulose das ursächliche Mycobacterium tuberculosis die Eierstöcke entzünden. Grundsätzlich möglich ist auch die Ansteckung bei Erkrankungen wie einer Virusgrippe oder schweren Infektionskrankheiten wie Mumps oder Scharlach.

Zumeist erfolgt die Ansteckung jedoch durch den Scheideneingang. Da hierbei die sexuelle Aktivität, die Verhütung mit der Spirale und gegebenenfalls operative Eingriffe eine ursächliche Wirkung haben können, sind von der einer Eierstockentzündung vornehmlich junge Frauen zwischen 16 und 39 Jahren betroffen.

4. Behandlung der Eierstockentzündung: Antibiotika töten Bakterien ab

mann und frau unter decke im bett

Insbesondere junge, sexuell aktive Frauen sind von der Eierstockentzündung betroffen.

Zu Beginn wird der behandelnde Arzt nach Vorerkrankungen und anderen möglichen Ursachen für die vorliegenden Symptome fragen. Beim vorsichtigen Abtasten des Genitalbereichs tritt bei einer Eierstockentzündung zumeist der Portioschiebeschmerz auf, wenn der Finger gegen den Muttermund drückt.

Mit einem Abstrich der Schleimhaut kann festgestellt werden, ob und wenn ja, welcher Erreger vorhanden ist. Schließlich kann der behandelnde Arzt bei einer Ultraschalluntersuchung erkennen, ob sich Eiter oder andere Flüssigkeiten in den Eierstöcken oder Eileitern angesammelt haben oder diese verdickt sind.

Hinweis: Eine Eierstockentzündung ähnelt in ihren Anzeichen einer Eileiterentzündung oder einer Blinddarmentzündung. Um die richtige Therapieform zu wählen, muss unbedingt die Ursache klar auszumachen sein.

Besteht nach den Untersuchungen noch immer keine eindeutige Diagnose, kann eine Beckenspiegelung vorgenommen werden. Liegt eindeutig eine Eierstockentzündung vor, wird die Betroffene mit Antibiotika behandelt. Um die Schmerzen zu stillen, können zusätzlich schmerzstillende Medikamente verschrieben werden.

Schlägt die Behandlung nicht wie gewünscht an oder nimmt sie einen schweren Verlauf, kann auch eine stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus notwendig werden. Dies trifft besonders dann zu, wenn die Eierstockentzündung während der Schwangerschaft auftritt. Während der durchschnittlich dreiwöchigen Dauer der Therapie sollten die Betroffenen keinen Geschlechtsverkehr haben und sich bestmöglich schonen. Hausmittel wie Tees aus Kamille und Thymian unterstützen den Heilungsprozess.

Achtung: Wird die Eierstockentzündung nicht ausgeheilt, kann sie chronisch werden.

5. Auswirkungen: Eierstockentzündung während der Schwangerschaft

frau beim frauenarzt auf stuhl

Bei medizinischen Untersuchungen können Erreger in die Scheide gelangen.

Eine Eierstockentzündung während der Schwangerschaft ist möglich. Hier spielt der häufige Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern weniger eine ursächliche Rolle, sondern eher die häufigeren ärztlichen Untersuchungen im Genitalbereich. Auch bei einer Schwangeren wird zunächst festgestellt, welcher Erreger die Infektion hervorrief. Nach der Diagnose werden die notwendigen Schritte eingeleitet. Schwangere Frauen werden in der Regel mit einer Antibiotika-Therapie behandelt.

Achtung: Bei einem schweren Verlauf der Eierstockentzündung kann eine Früh- oder Fehlgeburt begünstigt werden.

Je nachdem, um welches Bakterium oder welchen Virus es sich handelt, kann dieser dem ungeborenen Kind gefährlich werden oder nicht. Harmlose Bakterien sind zumeist nicht gefährlich, denn sie können die Plazentaschranke nicht durchbrechen.

Ausnahmen bei Ansteckung mit aggressiven Bakterien:

  • Gonorrhoe-Erreger: Sie können die Plazentaschranke durchbrechen und bei dem ungeborenen Kind eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen.
  • Ansteckung mit Gonokokken während der Geburt: Gelangen die Erreger in die Augen, kann dies zu einer raschen Erblindung des Kindes führen.
  • Ansteckung mit Chlamydien während der Geburt: Eine Infektion kann zu schweren Lungen- und Augenentzündungen beim Kind führen.

Indem die Betroffene ihre Eierstockentzündung während der Schwangerschaft umgehend behandeln lässt, soll verhindert werden, dass es zu Komplikationen vor der Geburt oder eine Übertragung der Bakterien während der Geburt kommt. Kann die Ansteckung des geborenen Kindes nicht verhindert werden, wird es zumeist nach der Geburt umgehend mit Antibiotika behandelt.

6. Unfruchtbarkeit durch Eierstockentzündung

schwangere mit tabletten

Auch Schwangere Frauen können bei einer Eierstockentzündung mit Antibiotika behandelt werden.

Wird eine Eierstockentzündung nicht rechtzeitig bemerkt und werden die Eileiter stark angegriffen, kann es nahezu unbemerkt zu einer Unfruchtbarkeit der Frau kommen.

Durch die Entzündung bilden sich Verdickungen, die die Leiterfähigkeit der Eileiter stark einschränken oder komplett verhindern. Auch deshalb ist es wichtig, dass Frauen sich regelmäßig gynäkologisch untersuchen lassen.

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