Familientherapie: Wann sie helfen kann

hände mit rotem herz.
  • Manche familiäre Probleme sind kaum oder gar nicht mit einem klärenden Gespräch oder vergleichbarem Ansatz zu lösen. Eine Familientherapie kann helfen, wenn die Probleme so schwer wiegen, dass Ihr gesamtes Familienleben auseinanderzubrechen droht.
  • Es gibt eine wahre Flut an Gründen, warum eine Familientherapie in Anspruch genommen werden kann. Kommt es immer mehr zu Verwerfungen und Konflikten im familiären Zusammenleben, ist eine Therapie manchmal das letzte Mittel.
  • Während einer Familientherapie ist es wichtig, niemanden für die Schwierigkeiten verantwortlich zu machen. Stattdessen sollte das Augenmerk darauf liegen, welche Aktionen innerhalb der Familie kontraproduktiv sind und wie kann man sie vermeiden beziehungsweise gänzlich lösen kann.

1. Eine Familientherapie hat viele verschiedene Ansätze

Eine erfolgreiche Familientherapie braucht Zeit

Ist eine Familientherapie Sitzung zu Ende, sollten sich die daran beteiligten Familienmitglieder die Zeit nehmen und die Erfahrungen in Ruhe verarbeiten. Jedes Mitglied der Familie sollte dafür die Chance haben. Manchmal kommt es schnell zu positiven Veränderungen und manchmal eben nicht. Deswegen sollten Sie sich nicht zusätzlich belasten und Ruhe bewahren.

Die Familie wird bei dieser Therapie als soziales System angesehen und in einem psychologischen Verfahren behandelt. Die Eingriffe erfolgen hierbei auf System- oder auf Beziehungsebene, man könnte die Familientherapie auch als eine Gruppenpsychotherapie bezeichnen.

Nebenbei werden noch Familienberatungen angesetzt. Diese sollen keine „heilende“ Wirkung haben, sondern eher als Coaching verstanden werden und bei akuten Problemen eine direkte Anlaufstelle bieten.

Um Spannungen zu überwinden und eine Lösung zu finden, ist es notwendig, die gesamte Familie oder einen bestimmten Teil der Familie in den Prozess der Problemfindung und -lösung einzubeziehen.

Oftmals ist dieser Schritt manchmal eine große Hilfe. Der von außerhalb kommende Therapeut soll als eine Art neutrale Instanz angesehen werden. Dieser erfasst die Beziehungen innerhalb der Familie, analysiert sie und zeigt, wo Veränderungen für das Verhalten innerhalb der Familie angebracht wären.

1.1. Es gibt verschiedene Gründe für eine Familientherapie

Es bestehen vielfältige Gründe, welche die Notwendigkeit einer Familienberatung auslösen können. Eventuell hat sich die Beziehung der Eltern nach der Geburt des Kindes massiv verändert.

Schwere Krankheiten sowie der Tod eines Familienmitgliedes oder Haustiers belasten die Familie. Möglicherweise hat jemand Essstörungen wie Magersucht oder das Kind leidet an ADHS.

Besonders nach der Trennung der Elternteile kann es zu solchen Problemen kommen. Im schlimmsten Fall gibt sich Ihr Kind die Schuld für die Trennung, worunter die Psyche des Kindes leidet und der Alltag der Familie immer mehr mit Spannungen belastet wird.

2. Es gibt verschiedene Definitionen für Therapiekonzepte

Im Regelfall werden Familientherapien durch einen Psychologen, Psychotherapeuten oder von Ärzten mit einer psychologischen Zusatzqualifikation durchgeführt. Die Therapiekonzepten können in drei wesentlichen Methoden unterschieden werden, die jedoch einzeln noch in weitere Ansätze unterteilbar sind.

  • Tiefenpsychologisch (psychoanalytisch): Dieses Konzept geht davon aus, dass Konflikte und psychische Probleme ihren Ursprung in unbewussten Prozessen haben. die den Betroffenen oftmals in der Kindheit widerfahren sind. Während der Therapie kommt es zur Aufdeckung dieser Prozesse. Empfohlen wird die tiefenpsychologische Behandlung vor allem dann, wenn langfristige Verletzungen oder Traumata der Grund für familiäre Fehlentwicklungen sind.
  • Humanistische Psychologie: Hier liegt der Fokus des Therapeuten im gegenwärtigen Verhalten der Familie untereinander. Gesprächs und Fragetechniken, Meditationen, psychologisch basierte Rituale und Konzentrationsübungen gehören hierbei zu den angewandten Methoden. Die klassische Aufstellung der Familie, die Familienskulpturen, gehören ursprünglich in diesen Therapiebereich, mittlerweile werden die aber auch in systemischen Familientherapien verwendet.
  • Systemische Therapie: Diese Therapieform wird immer bedeutender in der Aufarbeitung von psychologischen Problemen innerhalb der Familie. Sie ist sehr stark mit den Ansätzen der humanistischen Psychologie verbunden. Auch tiefen- und verhaltenspsychologische Teile sind, je nach Therapeut, ein wichtiger Bestandteil des Verfahrens. Sie gilt zwar als eigenständiges Therapie-Mittel, ist dabei aber auch gleichzeitig ein Oberbegriff für diverse Familien- und Paar-Therapie-Konzepte. Hier zählen ebenfalls Gesprächs sowie Fragetechniken, Rituale, Familienaufstellungen und auch Metaphern oder selbstreflexive Dialoge zu den üblichen Methoden.

3. Es gibt verschiedene Voraussetzungen für eine erfolgreiche Familientherapie

therapie runde

Bei einer Therapiesitzung kann es leicht zum Ausbruch von Emotionen kommen. Darauf sollten Sie sich einstellen.

Eine Familientherapie soll die Wurzeln von Problemen innerhalb der Familie freilegen und in Zusammenarbeit mit allen Familienmitgliedern und dem Therapeuten mögliche Lösungsansätze finden.

Wesentlich als Arbeitsgrundlage für eine funktionierende Therapie ist:

  • Ein dem Kontext entsprechendes Verständnis von individuellen und zwischenmenschlichen Problemen, Defekten oder Symptomen.
  • Die Einsicht darüber, dass sich Schwierigkeiten in der Familie meistens darüber äußern, dass kommunikative Prozesse gestört werden und sich weiter verschärfen.
  • Die Therapie soll nicht von außen Veränderungen des Verhaltens innerhalb der Familie bewirken, sondern nur den Anstoß für eine Veränderung der Dynamik innerhalb der Familie sein.
  • Der Wunsch, selber etwas innerhalb des Gefüges der Familie zum positiven zu verändern und sich dafür einsetzen zu wollen.
  • Eine liebevolle und auch wertschätzende Haltung gegenüber jedem Familienmitglied oder Teilnehmers der Therapie.

Ausschlaggebend für ein gutes Ergebnis einer Familientherapie ist es, die Familienmitglieder wieder in eine Dialog miteinander zu bringen, um Probleme zu lösen und diese für die Zukunft gänzlich zu meiden.

Es darf niemals einer einzelnen Person im Familienkreis die Schuld an einer Fehlentwicklung gegeben werden. Familiäre Probleme entstehen immer aus den verschiedensten Faktoren heraus, die von allen Mitgliedern der Familie beeinflusst werden können. Ein absoluter Großteil der Therapien bewegen sich über einen längeren Zeitabschnitt, immerhin sind diese Probleme meist auch über Jahre hinweg aufgebaut wurden.

4. Die Auswahl des richtigen Therapeuten ist entscheidend

familie macht eine therapie

Ist das Familienleben gestört, können möglicherweise festgefahrene Verhaltensmuster durch eine Therapie wieder gelöst werden.

Sind Sie zu dem Entschluss gekommen, dass nur noch eine Familientherapie Ihnen und Ihrer Familien helfen kann, stellen Sie sich natürlich die Frage, wo Sie einen passenden Therapeuten mit den nötigen Erfahrungen finden. Sie können sich beispielsweise Empfehlungen von Ihren Hausarzt, Verwandten, Bekannten aber auch vom Jugendamt, Kliniken, Kur Einrichtungen oder Krankenkassen holen.

Online bestehen auch einige Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapien, Beratung und Familientherapie oder dem Bundesverband Psychoanalytische Paar- und Familientherapie dort erhalten Sie Bundesweit Kontaktdaten von qualifizierten Therapeuten.

5. Die Kosten einer Familientherapie variieren stark zwischen den einzelnen Therapeuten

Die Kostenübernahme als Kassenleistung von AOK und Co. ist nicht immer gewährleistet. Bei einer tiefenpsychologischen Behandlung oder einer Verhaltenstherapie der von den Krankenkassen zugelassenen Therapeuten ist eine Übernahme der Kosten die Regel.

Eine systemische Therapie wird nicht übernommen, wenn sie ambulant durchgeführt wird. Die Ausnahme bilden hier systemische Therapien in den Psychosomatik-Sprechstunden von stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern. Jugendämter aus vielen Städten übernehmen die Kosten von Therapien nach einer Einzelfallprüfung.

Die Verschreibung einer Familientherapie erfolgt, wie bei allen Psychotherapien, beim eigenen Hausarzt über ein Rezept. Den eigentlichen Therapeuten, ob spezialisierter Psychiater oder Facharzt für Psychotherapie, suchen Sie sich selbständig aus.

Zuerst wird von den Krankenkassen ein bestimmter Satz an Stunden der Therapie genehmigt. Wird es medizinisch notwendig, ist eine Verlängerung üblich. In jedem Fall sollte die Kostenübernahme durch die Krankenkasse vorab von Ihnen geklärt werden.

Die Kosten für eine Stunde Therapie, die auf Sie zukommen, falls die Krankenkasse nicht einspringt, variieren zwischen 60-120 €. In seltenen Fällen berechnen Therapeuten die Kosten auch entsprechend dem Einkommen Ihrer Patienten.

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