Gehirnerschütterung bei Babys und Kindern: Was tun?

Blutungen im Gehirn können für Kinder und Babys gefährlich werden.
  • Bei Babys und Kleinkindern müssen Sie besonders auf entsprechende Zeichen einer Gehirnerschütterung achten, da sie sich selbst nicht äußern können.
  • Zeigen sich Symptome, ist es aufgrund besserer Diagnosemöglichkeiten unbedingt empfehlenswert, sofort ins Krankenhaus zu fahren.
  • Kinder mit Gehirnerschütterung benötigen danach viel Ruhe, um ungewünschte Folgen zu vermeiden.

Auch wenn Sie noch so sehr aufpassen: Es lässt sich nicht immer vermeiden, dass das Köpfchen des Babys versehentlich härter anstößt oder Ihr Kind beim Klettern und Toben auf den Kopf stürzt. Nun heißt es, ruhig Blut bewahren und handeln. Denn kommt es dabei Baby oder größeren Kindern zu einer Gehirnerschütterung, ist damit nicht zu spaßen. Erfahren Sie, woran Sie eine Gehirnerschütterung und eventuelle Komplikationen erkennen, was man in dieser Situation machen kann und welche Folgen möglich sind.

Achtung: Bei Kleinkindern können die Symptome einer Gehirnerschütterung erst nach 6, 12 oder mehr Stunden auftreten. Bleiben einige der genannten Anzeichen weg, kann dennoch bei Ihrem Kind oder Baby eine Gehirnerschütterung vorliegen.

1. Gehirnerschütterung von anderen Verletzungen unterscheiden

Was ist eine Gehirnerschütterung? Wissenschaftlich wird die Gehirnerschütterung als Commotio cerebri bezeichnet. Dabei handelt es sich um die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Zu einer Gehirnerschütterung kommt es, wenn – verursacht von einem heftigen Anstoß des Kopfes – das Gehirn von innen gegen die Schädelwand prallt. Dabei ist das Gehirn für kurze Zeit in seiner Funktion gestört. Auch Platzwunden oder Beulen können entstehen, aber es müssen nicht unbedingt äußere Verletzungen sichtbar werden.
Bevor wir darüber sprechen, anhand welcher Zeichen Sie bei Kindern eine Gehirnerschütterung erkennen, möchten wir Sie kurz auf etwas hinweisen: Ein Baby kann sich nicht über seine Beschwerden äußern. Deshalb sollten Sie es mindestens über die Dauer des restlichen Tages gut beobachten: Jammert es viel, ist es ruhelos, fühlt es sich sichtlich unwohl und hat Schmerzen? Ihr größeres Kind können Sie fragen, ob es irgendwo schmerzt oder es sich unwohl fühlt.

Bei folgenden Beschwerden oder Anzeichen handelt es sich um eine Gehirnerschütterung beim Baby oder Kind:

  1. Bewusstlosigkeit: Nach dem Unfall kann das Kind kurz bewusstlos sein. Dies hat allerdings nichts mit der Schreckstarre nach einem Sturz zu tun.
  2. Übelkeit und Erbrechen: Direkt nach dem Sturz oder erst nach Stunden kann es zu Übelkeit, mehrmaligem Erbrechen und Schwindel kommen.
  3. Gedächtnislücken: Falls Ihr Kind schon sprechen kann, erinnert es sich möglicherweise nicht mehr an den Sturz bzw. Unfall. Was noch passieren kann ist, dass es kurzzeitig seinen Namen vergisst oder wo es sich gerade befindet.
  4. Nackenschmerzen: Achten Sie darauf, ob das Kind Schmerzen hat, wenn es seinen Kopf bewegt. Auch eine ungewöhnliche Kopfhaltung deutet auf Nackenschmerzen hin.
  5. kinder mit gehirnerschütterung

    Kopfschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung bei einer Gehirnerschütterung.

    Kopfschmerzen: Wenn die Kopfschmerzen sehr stark sind und länger anhalten, ist das ein Zeichen für eine Gehirnerschütterung Ihres Kindes. Wie lange die Kopfschmerzen andauern, kann recht unterschiedlich sein – meist verschwinden sie nach einigen Tagen, manchmal können sich die Beschwerden auch über mehrere Wochen ziehen.

  6. Empfindlichkeiten: Aufgrund einer vorübergehenden Gehirn-Funktionsstörung reagieren manche Kinder und Babys nach Gehirnerschütterung empfindlich auf laute Geräusche oder Licht. Zeitweilig kann auch der Geschmacks- und Geruchssinn durcheinander kommen.
  7. Wesensveränderungen: Das Kind kann sich plötzlich sehr ungewohnt verhalten – entweder sehr aufgedreht und sogar aggressiv oder auch extrem ruhig und müde. Auch kann es teilweise abwesend, verwirrt und desorientiert wirken.
  8. Pupillenreaktion: Sind die Pupillen unterschiedlich groß, also verschieden geweitet, weist dies darauf hin, dass Kopf bzw. Gehirn verletzt sind.

Fieber gehört normalerweise nicht zu den Symptomen einer Gehirnerschütterung. Nur ein Einzelfällen kommt es zu einer Temperaturerhöhung. Noch seltener kann Fieber auf eine bakterielle Infektion des Gehirns hinweisen – dies tritt bei einem Schädelbruch auf und wäre ein großes Warnsignal.

Ihr Kind trägt in der Regel von einer leichten Gehirnerschütterung keine Folgeschäden davon. Schwere Gehirnerschütterungen können Konzentrationsstörungen oder eine Neigung zu Kopfschmerzen nach sich ziehen, wenn sich der kleine Patient zuvor nicht ausreichend erholt hat.

1.2. Kopfplatzwunde, Schädelbasisbruch oder Hirnblutung erkennen

In der Tabelle haben wir einige Verletzungen und deren Symptome aufgelistet, um diese von einer Gehirnerschütterung abzugrenzen:

Verletzung Symptome Was kann man als Eltern machen
 Kopfplatzwunde
  • blutet stark
  • Schmerzen
  • Kind ist aber voll da und nimmt seine Umgebung wahr
  • es zeigen sich keine der o.g. Symptome einer Gehirnerschütterung
  • erste Hilfe leisten und Blutung stillen
  • sauberes Tuch oder ähnliches auf die Wunde drücken
  • Druckverband anlegen
  • Arzt aufsuchen zur weiteren Behandlung
 Schädelbasisbruch
  • Blut läuft aus Nase oder Ohr, ohne dass diese direkt verletzt sind
  • die Beule am Kopf fühlt sich weich und gelartig an
  • um die Augen bilden sich Blutergüsse
  • befühlen Sie die Beule und achten Sie auf die genannten Symptome
  • bei Anzeichen sofort ins Krankenhaus
 Hirnblutung
  • immer stärkende werdende Apathie und Schläfrigkeit
  • unsichere Bewegungen
  • Bewusstlosigkeit
  • bei Verdacht sofort in die Klinik
  • ansonsten: mindestens die erste Nacht Ihr Kind dreimal wecken
  • beobachten, ob es normal reagiert
  • wenn es nicht nur schlafen sollte, sondern bewusstlos ist, legen Sie das Kind in Seitenlage und rufen sofort den Notdienst

2. Ins Krankenhaus, zum Arzt oder zuhause bleiben?

Pupillenreaktion wird geprüft

Der Arzt überprüft bei Verdacht auf Gehirnerschütterung u.a. die Pupillenreaktion.

Es wird empfohlen, bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ins Krankenhaus zu fahren. Denn im Gegensatz zu den meisten Kinderärzten sind hier die notwendigen Gerätschaften und Diagnostikverfahren vorhanden, um schnell herauszufinden, ob bei Ihrem Kind oder Baby eine Gehirnerschütterung vorliegt:

  • Besteht der Verdacht auf einen Schädelbasisbruch, wird das Köpfchen geröntgt. Ansonsten wird aufgrund der Strahlenbelastung bei Kindern heutzutage meist aufs Röntgen verzichtet.
  • Um Schäden am Gehirn zu erkennen, nimmt der Arzt neurologische Tests vor.
  • Wird eine Hirnblutung befürchtet, bleibt der kleine Patient für wenigstens eine Nacht in der Klinik. Dabei werden u.a. Puls, Blutdruck, Pupillenreaktion sowie Blutdruck überwacht. Außerdem kann eine Hirnblutung bei Babys und Kindern bis einem Jahr mittels Ultraschall und bei älteren Kids mit einer Computertomographie festgestellt werden.

Hinweis: Die Natur hat vorgesorgt: Der Schädel eines Kindes ist enorm elastisch und kann Stöße besonders gut abfangen. Das zeigt sich beispielsweise bei der Geburt, bei der das Köpfchen sehr stark verformt wird. Geschützt wird das Gehirn außerdem vom knöchernen Schädel, von dem es rundherum umgeben ist. Zudem ist das Gehirn in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit gelagert und wird dadurch zusätzlich “abgefedert”.

3. Bettruhe, Schonung und leichte Kost

Kind ist Suppe

Eine Suppe ist eine geeignete leichte Kost nach einer Gehirnerschütterung.

Wird nur eine leichte Gehirnerschütterung beim Kind bzw. Baby festgestellt, ist ein Krankenhausaufenthalt nicht unbedingt notwendig. Je nach Alter und Zustand des kleinen Patienten wird der Arzt Schmerzmittel und/oder ein Medikament gegen Übelkeit verschreiben. Wie lange die Bettruhe dauern soll, hängt vom Zustand Ihres Kindes ab. Manchmal reichen 12 Stunden aus, oft sollte es sich aber auch bis zu einer Woche schonen. Sollte Ihr Liebling nicht krankgeschrieben werden und wieder in die Kita gehen, bitten Sie auf jeden Fall die Erzieherinnen, auf verspätete Symptome zu achten.

In den ersten Tagen bis zu einer Woche nach einer Gehirnerschütterung sollte das Baby bzw. Kind zudem grelle Lichtbestrahlung bzw. helles Sonnenlicht, Fernsehen, Computerspiele und lesen meiden. Bieten Sie ihm leichte Kost an und achten Sie auch ohne verordnete Bettruhe darauf, dass es eine Zeit lang nicht rennt oder hüpft.

Tipp: Eine gute erste Hilfemaßnahme bei Kopfverletzungen kommt aus der Homöopathie: Arnika C30 lindert die Schmerzen und wirkt zudem blutstillend, was vor allem bei Verletzungen am Kopf wichtig ist. Hinzu kommt, dass Arnika das Gehirn bei der Regeneration unterstützen soll.

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