Herpes bei Kindern erkennen, vorbeugen und behandeln

kinder herpes
  • Es gibt 3 Haupterkrankungsformen, wobei es bei Kindern fast ausschließlich zu Herpes an Lippen und Augen kommt.
  • Um Komplikationen und Folgekrankheiten zu vermeiden sowie Symptome zu bekämpfen, ist ein Arztbesuch unbedingt zu empfehlen.
  • Verschiedene Hausmittel können die Beschwerden lindern, sollten aber ebenfalls sicherheitshalber mit dem Arzt abgeklärt werden.

Fast 95 % aller Menschen tragen die Herpesviren in sich, doch nur bei den wenigstens bricht die Infektion aus. Ist Ihr Kind einmal an Herpes erkrankt, kann die Infektion immer wieder ausbrechen. Manchmal sind die Krankheitsanzeichen weder spür- noch sichtbar, in anderen Fällen treten bestimmte Symptome auf. Wir sagen Ihnen, woran Sie eine Herpeserkrankung erkennen, welche Behandlung sinnvoll ist und wie Sie Herpes vorbeugen können.

Gürtelrose und Windpocken zählen ebenfalls zu den Herpeserkrankungen. Sie werden durch Varizella-Zoster-Viren (VZV) ausgelöst.

1. Herpes bei Kindern hauptsächlich an Lippen und Augen

Komplikationen bei Herpesinfektion:

Schon beim Verdacht einer Herpeserkrankung beim Kleinkind wird der Arzt umgehend mit der Behandlung beginnen. Denn bei kleineren Kindern ist das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet, so dass es zu Komplikationen kommen kann. So kann eine Erstinfektion mit Herpes mit schwereren Symptomen verlaufen und mit Kopfschmerzen und Fieber einhergehen.

Herpes ist eine Virusinfektion, die von zwei unterschiedlichen Erregern ausgelöst wird: Herpes-simplex-Virus 1 (HSV 1) und Herpes-simplex-Virus 2 (HSV 2). Beim HSV 1 kommt es hauptsächlich zu  Herpes an Lippen und Augen, aber auch im Mund oder in der Nase. Dagegen tritt HSV 2 fast ausschließlich im Genital- oder Analbereich auf.

Bei Kindern mit Herpes handelt es sich meist um das HSV 1. Zum HSV 2 kann es in seltenen Fällen kommen, wenn die Mutter an einem Genitalherpes erkrankt ist. Dann wird die Infektion bei der Geburt durch Kontakt des Babys mit der mütterlichen Schleimhaut übertragen. Ist der Virus bei der Schwangeren bekannt, wird der Arzt in der Regel einen Kaiserschnitt durchführen.

Die Ursachen für den Ausbruch von Herpes bei Kindern können sein:

  • geschwächtes Immunsystem, z. B. nach Erkältung
  • Übermüdung
  • Stress
  • Ansteckung
  • Ekel
  • starke Sonneneinstrahlung

Hinweis: Wenn die Bläschen nicht nur die Lippen und Mundwinkel befallen, sondern auch im Mund auftreten und dort die Schleimhaut und das Zahnfleisch infizieren, wird dies als Mundfäule bezeichnet.

2. Sorgfältige Hygiene und kein Kontakt mit Infizierten

Herpes wird vor allem mittels Schmierinfektion über die Schleimhäute übertragen – beispielsweise beim Küssen oder beim Trinken aus dem gleichen Behältnis. Auch bei engem Körperkontakt kann es zur Übertragung kommen, wenn Kinder beispielsweise im Kindergarten miteinander spielen. Um eine Ansteckung zu verhindern, sollten Sie sich an folgende Tipps halten:

Spielende Kinder

Wenn Kinder im engen Körperkontakt miteinander spielen, kann der Herpesvirus übertragen werden.

  1. Jeder an akuter Herpesinfektion Erkrankter sollte Familien mit Neugeborenen und Kleinkindern nicht besuchen, bis die Symptome abgeklungen sind.
  2. Menschen mit Lippenherpes sollten Kinder nicht küssen.
  3. Elternteile mit Herpes sollten die Bläschen mit einem Herpespflaster abkleben und die Hände häufig waschen.
  4. Erkrankte dürfen nicht aus den Gläsern anderer trinken oder das gleiche Besteck mit anderen benutzen.
  5. Ab 4 Jahren geht Ihr Kind vielleicht schon in den Kindergarten, der ebenfalls eine Quelle der Ansteckung mit Herpes sein kann. Deshalb sollte das Thema von Erzieherinnen und Eltern beachtet werden.

3. So erkennen Sie die drei Erkrankungsformen

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt sich eine Erkrankung Ihres Kindes an Herpes nicht immer vermeiden. Die drei Haupterkrankungsformen von Herpes beim Kind erkennen Sie an folgenden Symptomen bzw. Verläufen. Auch auf die möglichen Folgen machen wir in dieser Übersicht aufmerksam:

Erkrankungsform Symptome Verlauf/Gefahren
Lippenherpes

herpes mundwinkel lippe

  • Bläschen im Mundbereich
  • Juckreiz
  • wunder Mund
  • Gaumen und Lymphdrüsen im Nacken geschwollen
  • Appetitlosigkeit
  • Bläschen verkrusten
  • Abheilung innerhalb von ca. 10 Tagen
  • kann sich zur Hand-Fuß-Krankheit ausweiten
  • Gefahr von Mundfäule
Augenherpes

Herpes am Auge

  • gerötete Augen
  • Gefühl von Fremdkörper im Auge
  • Augen morgens verkrustet und verklebt
  • Flüssigkeit bzw. gelbliches Sekret tritt aus den Augen
  • verbreitet sich über Augenlider und Hornhaut
  • kann zu Hornhauttrübungen oder Narben auf der Hornhaut führen
  • Gefahr der Verminderung des Augenlichts
Genitalherpes

Herpes im Genitalbereich

  • brennende Schmerzen
  • Lymphknoten geschwollen
  • Fieber
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • äußerst selten bei Kleinkindern und Kindern
  • kann sich aufs zentrale Nervensystem ausbreiten

Tipp: Sollte Ihr Kind über ein Kribbeln im Mundbereich klagen, können Sie mithilfe von Cremes einem Ausbruch effektiv vorbeugen oder eine größere Ausbreitung verhindern. Bewährt haben sich dabei beispielsweise Salben mit dem Wirkstoff Aciclovir.

4. Bei Jucken und Schmerzen: Medikamente für Kinder mit Herpes

Beim Lippenherpes ist normalerweise keine Behandlung notwendig. Dennoch ist es empfehlenswert, zum Kinderarzt zu gehen, um Folgekrankheiten bzw. Komplikationen zu vermeiden. Zudem sollten die Schmerzen und das Jucken behandelt werden, damit sich Ihr kleiner Liebling wieder wohler fühlt. Bitte bedenken Sie dabei, dass Medikamente für Erwachsene nicht immer für Kinder geeignet sind. Lesen Sie also unbedingt die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Kinderarzt, was er zur Behandlung der Symptome empfiehlt.

Kind trinkt mit Strohhalm

Da das Trinken aus dem Glas aufgrund der Bläschen im oder am Mund unangenehm sein kann, können Sie Ihrem Kind das Getränk mit Strohhalm „servieren“.

Es gibt verschiedene äußerlich bzw. einzunehmende Medikamente, die Ihrem Kind bei Herpes helfen können. Bei starken Schmerzen sind beispielsweise lokale Schmerzgels oder die Wirkstoffe Paracetamol bzw. Ibuprofen hilfreich. Zur Schmerzlinderung eignen sich aber auch kühle Lebensmittel und Getränke. Damit das Kind ausreichend trinkt, kann es einen Strohhalm benutzen. Die betroffenen Stellen können Sie zur Schmerzlinderung auch vorsichtig kühlen.

Vermeiden Sie Lebensmittel mit viel Säure oder Schärfe, denn diese können den empfindlichen Mundraum zusätzlich reizen. Versuchen Sie zudem, die Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Kinder kratzen sich häufig an den Bläschen und fassen sich danach ins Gesicht bzw. reiben die Augen oder die Nase. In der Folge kann es zu Augen- bzw. Nasenherpes kommen. Zur Linderung des Juckreizes und verhindern von häufigem Kratzen können Sie vom Arzt verschriebene Salben auftragen. Lindernd wirken u.a. Cremes mit Zink oder Gerbstoffen.

Achtung: Kommt es zu schmerzenden Bläschen im Mundraum und/oder Schluckbeschwerden und Zahnfleischbluten (Mundfäule), bitte sofort zum Arzt! Die Folge kann eine Infektion mit dem Virus von Hirnhaut und Augen sein. Gefährdet sind vor allem Babys bis 1 Jahr, aber auch ein 2 jähriges oder älteres Kleinkind kann sich infizieren. Auch die Therapie von Augenherpes oder Genitalherpes beim Kind gehört unbedingt in die Hände eines Arztes.

5. Herpes bei Kindern: Wirksame Hausmittel

Zur Behandlung von Herpes beim Kind haben sich auch einige Hausmittel bewährt. Doch bevor Sie Ihr Kind zum „Versuchskaninchen“ machen, sollten Sie das Ganze mit dem Kinderarzt abklären. Probieren können Sie dann u.a. folgendes:

  • Melissentinktur

    Mit Melissenöl können Sie dem kleinen Patienten Linderung verschaffen, denn es verringert den Juckreiz und trocknet die Bläschen leicht aus.

    Honig wirkt antibakteriell und verhindert die Ausbreitung der Herpesviren. ACHTUNG: Nicht bei Kindern unter 1 Jahr anwenden, denn das kann schlimme Nebenwirkungen nach sich ziehen.

  • Melissentinktur bzw. -öl wirkt sehr gut gegen den Juckreiz und trocknet die Bläschen leicht aus. Ein Melissentee am Abend beruhigt das Kind und lässt es besser schlafen.
  • Mit seiner stark antibakteriellen Wirkung bekämpft Teebaumöl die schädlichen Viren. Aufgrund des Geschmacks wird der kleine Patient aber weniger davon begeistert sein. Zudem sollte das Öl nicht auf die gesunden Stellen kommen, denn diese trocknen dadurch leicht aus und geben den Viren so neuen Nährboden.
  • In der Homöopathie werden u.a. Rhus toxicodendron, Causticum Hahnemanni, Sepia oder Arsenicum album eingesetzt.

Von der früher häufig empfohlenen Zahnpasta als Hausmittel für Kinder mit Herpes wird heute meist abgeraten. Denn sie trocknet die Hautstellen so stark und rasch aus, dass kleinere Wunden und Risse entstehen und sich der kleine Patient schnell wieder infizieren kann.

 

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