Was tun, wenn Kinder unter Heuschnupfen leiden?

heuschnupfen kinder
  • Heuschnupfen bei Babys und Kindern entsteht durch eine allergische Reaktion auf unterschiedliche Pflanzenpollen.
  • Zur Behandlung der Symptome gibt es chemische Heuschnupfenmittel sowie natürliche Methoden, wobei stets das Alter des Kindes zu beachten ist.
  • Durch verschiedene Maßnahmen und Verhaltensweisen können Sie zudem die Pollenbelastung von Kindern mit Heuschnupfen verringern.

Wenn die Pollen wieder fliegen, leiden die Kleinen an den typischen Symptomen des Heuschnupfens. Wie Sie diese erkennen, was Sie dagegen tun können und warum ein Arztbesuch wichtig ist – das erfahren Sie jetzt.

1. Laufende Nase und juckende Augen bei Pollenflug

Häufigkeit und Verteilung
Knapp 9 % der deutschen Kinder leidet unter Heuschnupfen – Tendenz steigend. Betroffen sind etwa 5 % der Drei- bis Sechsjährigen, beinahe 11 % der Kinder zwischen 7 und 10 Jahren sowie 18,4 % der 14- bis 17-Jährigen. Jungen trifft es häufiger als Mädchen. Meist ist auch ein Elternteil erkrankt, während Kinder mit älteren Geschwistern seltener mit Heuschnupfen zu kämpfen haben. Das Allergierisiko sinkt außerdem beim frühen Besuch der Krippe oder Kita sowie beim Aufwachsen auf dem Bauernhof.

Kinder und Babys mit Heuschnupfen reagieren allergisch auf schon geringste Mengen bestimmter Pflanzenpollen. Aus diesem Grund tritt die Erkrankung meist saisonabhängig auf, nämlich während der Blütezeit der entsprechenden Pflanzen. Auf diese reagiert das überempfindliche Immunsystem des betroffenen Kindes mit einer Entzündung der Nasenschleimhaut. Dabei werden diese Stoffe fälschlicherweise von der Immunabwehr als „Feinde“ identifiziert und mit der Freisetzung des Botenstoffs Histamin bekämpft.

Kinder und Babys mit Heuschnupfen leiden unter einem oder mehreren dieser Symptome:

  • angeschwollene Nasenschleimhaut
  • laufende oder verstopfte Nase
  • Dauerschnupfen und behinderte Nasenatmung
  • häufiges Niesen
  • gerötete, tränende und juckende Augen
  • geschwollene Augenlider
  • Hautekzem am Naseneingang
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Schlafstörungen und körperliche Unruhe
  • leicht erhöhte Körpertemperatur
  • Gliederschmerzen

Kinder mit Heuschnupfen können zusätzlich an Asthma, Nahrungsmittelenergie oder Neurodermitis erkranken. Zudem kann es beim Kind oder Baby mit Heuschnupfen auch zu entzündeten Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder einer Mittelohrentzündung kommen.

2. Mit Pricktest die auslösenden Pollen herausfinden

Weidenpollen

Wer allergisch auf die Pollen der Weide reagiert, sollte den Baum vor allen Dingen in den Monaten März bis Mai meiden.

Die Beschwerden zeigen sich in der Regel zu Jahresbeginn bzw. im Frühjahr, erreichen häufig im Mai und Juni ihren Höhepunkt, können aber auch im Sommer und Herbst auftreten. Die Erkrankung verschwindet wieder, sobald die Blütezeit der allergieauslösenden Pflanze beendet ist. Unter dem Link finden Sie den ausführlichen Pollenflugkalender für Deutschland.

Auf welche Pollen der kleine Patient allergisch reagiert, kann nur der Kinderarzt feststellen. Diesen sollten Sie bei o.g. Symptomen auch schon deshalb aufsuchen, um endgültig zu erkennen, ob Ihr Kind oder Baby unter Heuschnupfen leidet oder ob es sich um einen allergischen Dauerschnupfen mit anderen Ursachen handelt.

Tipp: Neben der Allergie gegen Pollen gibt es weitere allergische Stoffe, die zu Dauerschnupfen führen können. Dazu zählen beispielsweise Hausstaub, Milben, Tierhaare oder auch bestimmte Arzneistoffe. In jedem Fall führt die Allergie zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut. Deren genaue Ursache muss immer vom Arzt abgeklärt werden, damit die passenden Verhaltensweisen und die richtige Therapie eingehalten werden können.

pricktest auf unterarm

Pricktest: Bei einer Allergie reagiert die entsprechende Stelle mit Juckreiz, Rötung oder Schwellung.

Der Arzt stellt anhand des sogenannten Pricktests fest, welche Pollen den Heuschnupfen auslösen. Dabei werden die in Wasser gelösten unterschiedlichen Pollen-Arten mithilfe kleiner Kratzer an der Innenseite des Unterarmes in die Haut eingebracht und beobachtet, ob Ihr Kind sensibel darauf reagiert. Der Arzt kann zudem das Blut nach entsprechenden Antikörpern untersuchen und wird sich zudem Augen, Nase und Rachen des Kindes anschauen.

3. Hilfe bei Heuschnupfen: chemisch, natürlich und vorbeugend

3.1. Medikamente müssen für Kinder geeignet sein

nasenspray baby

Nasensprays sollten bei Kindern nur bei stark behinderter Nasenatmung und nicht länger als eine Woche am Stück angewandt werden.

Bevor Sie eigenmächtig den Heuschnupfen bei Baby oder Kind behandeln, sollten Sie auf jeden Fall einen Kinderarzt aufsuchen. Dieser kann Ihnen verschiedene Medikamente empfehlen bzw. verordnen, die es in unterschiedlichen Darreichungsformen gibt. Manche davon können Sie bei Bedarf anwenden, andere wiederum sollten Sie sparsam einsetzen.

Heuschnupfenmittel hemmen allergische Reaktionen oft schnell und zuverlässig. Allerdings ist deren Wirkweise unterschiedlich stark und sie können teilweise bei Kleinkindern nicht angewandt werden bzw. nur bei Kindern ab einem bestimmten Alter. Lesen Sie dazu immer die Packungsbeilage und lassen Sie sich vom Arzt bzw. Apotheker beraten. Beispielhaft eine kleine Übersicht über die Möglichkeiten der rezeptfreien medikamentösen Therapie von Heuschnupfen bei Kindern – immer vorausgesetzt, dass die Präparate für das Alter Ihres Kindes zugelassen sind:

Darreichungsform bzw. Wirkstoff Anmerkungen
Augentropfen mit Loratidin oder Cetirizin
  • bei juckenden Augen
  • kann bei Bedarf angewendet werden
  • für Kinder ab 2 Jahren
  • in seltenen Fällen kann es zu Schwindel, Kopfschmerzen und Nervosität kommen
Nasensprays mit Azelastin oder Levocabastin
  • bei stark behinderter Nasenatmung
  • nicht länger als 1 Woche am Stück anwenden
  • für Kinder ab 1 Jahr bzw. ab vier Jahren
Tabletten mit Loratidin oder Cetirizin
  • bei juckenden Augen bzw. juckender Nase sowie Niesattacken
  • für Kinder ab 2 Jahren
  • in seltenen Fällen kann es zu Schwindel, Kopfschmerzen und Nervosität kommen
Augentropfen oder Nasensprays mit Cromoglicinsäure
  • lokale Wirkung in der Nase oder am Auge
  • wirkt vorbeugend
  • mehrere Tage vor der Pollensaison anwenden
  • allgemein gut verträglich
Kortikoide, z.B. in Nasensprays oder zum Inhalieren
  • bei schweren Beschwerden, z.B. chronischem Heuschnupfen, Asthma oder Nasennebenhöhlenentzündung
  • mit Wirkstoff Mometason für Kinder ab 3 Jahren
  • viele kortisonhaltige Präparate erst ab 6 oder 12 Jahren zugelassen
  • nebenwirkungsarm bei richtiger Anwendung und in sehr niedriger Dosierung

Achtung: Bei rund jedem dritten Kind mit Heuschnupfen bildet sich im Laufe der Zeit zusätzlich ein allergisches Asthma – zu erkennen an Anfällen mit Atemnot, Husten und pfeifender Atmung. Um zu verhindern, dass aus Heuschnupfen ein chronisches Asthma wird, ist die frühzeitige Behandlung durch einen Spezialisten unbedingt zu empfehlen.

3.2. Heuschnupfen natürlich behandeln

Es gibt einige Möglichkeiten, um den Heuschnupfen auf natürliche Weise zu therapieren. Drei davon stellen wir Ihnen kurz vor:

  1. Desensibilisierung bzw. Hyposensibilisierung: Diese bietet sich vor allem dann an, wenn der Heuschnupfen bei Kindern nur bei wenigen Pollen-Arten auftritt. Bei dieser Therapie wird das Allergen stark verdünnt und in ansteigender Dosis gespritzt. Ziel dabei ist die Entwicklung einer gewissen Toleranz gegen die jeweilige Pollen-Art. Die Desensibilisierung erfolgt über einen längeren Zeitraum und ist erst bei Kindern ab 5 Jahren geeignet.
  1. indisches Lungenkraut

    Das indische Lungenkraut stammt aus dem Himalaya-Gebiet. In der Medizin werden die Laubblätter der Pflanze eingesetzt.

    Homöopathisch behandeln: In der Homöopathie gibt es verschiedene Globuli gegen Heuschnupfen. Je nach speziellen Symptomen gehören dazu z.B. Sinapis nigra, Euphrasia, Galphimia glauca oder Arundo donax.

  1. Indisches Lungenkraut: Das Heilkraut wird in pflanzlichen Arzneimitteln eingesetzt, um typische Heuschnupfenbeschwerden zu behandeln wie beispielsweise Fließschnupfen oder Juck- bzw. Niesreiz sowie um die Selbstheilungskräfte zu stärken.

Hinweis: Ab wann ein Heuschnupfen beim Baby oder Kind auftritt, kann unterschiedlich sein. Während sich die Erkrankung früher etwa zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr entwickelt hat, zeigt sie sich heute immer häufiger auch bei Kleinkindern – beispielsweise im Alter von 4 Monaten, 6 Monaten oder 10 Monaten.

3.3. Den Heuschnupfensymptomen wirksam vorbeugen

Zum Abschluss noch einige Tipps, wie Sie die Pollenbelastung für Kinder bzw. Babys mit Heuschnupfen verringern können:

  • Kind mit shampoo im Haar

    Nach dem Spielen im Freien sollten Sie dem Kind am Abend die Haare waschen, damit keine Pollen auf dem Kopfkissen landen und den Schlaf stören.

    sich über Pollenflug informieren (siehe oben)

  • vorbeugende Medikamente geben (siehe Tabelle)
  • dem Kind nach dem Spielen an der frischen Luft abends die Haare waschen
  • bei Pollenflug sowie windigem und warmem Wetter Sport im Freien meiden
  • draußen getragene Kleidung außerhalb des Kinder-Schlafzimmers aufbewahren
  • bei starkem Pollenflug die Wohnräume nur kurz lüften – in der Stadt morgens und auf dem Land besser abends
  • keine Pflanzen sowie starke Staubfänger wie Teppiche im Kinderzimmer
  • zusätzliche Anbringung von Pollenschutz- oder Fliegengittern
  • öfter Staubsaugen mit speziellem Pollenfilter
  • Wiese im eigenen Garten kurz halten
  • zusätzliche Reizfaktoren meiden, z.B. Zigarettenrauch
  • Urlaub in Orten mit geringer Pollenbelastung verbringen, z.B. am Meer oder im Hochgebirge
  • spezielle Pollenfilter für die Lüftungsanlage ins Auto einbauen
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