Hüftdysplasie beim Kind erkennen und behandeln

lachendes baby liegt auf dem rücken
  • Eine Hüftdysplasie ist entweder angeboren oder erworben und äußert sich durch eine nicht vollständig entwickelte Hüftgelenkpfanne.
  • Je früher die Fehlstellung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen und Spätfolgen können vermieden werden.
  • Eine leichte Hüftdysplasie bildet sich oft von alleine zurück, schwerere Fälle werden mit verschiedenen Maßnahmen und Hilfsmitteln meist erfolgreich behandelt.

Die Diagnose Hüftdysplasie beim Baby oder Kind muss Sie nicht erschrecken. Denn wenn der Arzt rechtzeitig mit der Behandlung beginnt und Sie sich an die Vorgaben halten, sind die Heilungschancen sehr gut. Erfahren Sie mehr über Risikofaktoren, Therapie und Behandlungsdauer der Erkrankung.

1. Angeborene oder erworbene Fehlbildung

schaubild hueftgelenksdysplasie

Bei einer Hüftdyplasie sitzt der Hüftkopf des Oberschenkels instabil in der Hüftgelenkpfanne und findet keinen Halt.

Bei einer Hüftdysplasie beim Baby und Kind handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Fehlbildung bzw. Reifungsstörung der Hüftgelenkpfanne. Deren Verknöcherung findet nur verzögert statt, wodurch der Hüftkopf des Oberschenkels keinen stabilen Halt findet. Dadurch wiederum wird die noch weiche Hüftgelenkpfanne geschädigt bzw. verformt.

Eine Hüftdysplasie kann nur an einem Hüftgelenk oder beidseitig auftreten. Etwa zwei bis drei von 100 Neugeborenen sind davon betroffen und dabei fünf Mal mehr Mädchen als Jungen.

Die Hüftluxation ist die schwerste Form der Hüftdysplasie – hierbei ist der Hüftkopf teilweise oder vollständig aus der Gelenkpfanne gerutscht. Eine Behandlung beider Formen ist unumgänglich, um Spätfolgen zu vermeiden. Als Folgeschäden können Gelenkpfanne oder Hüftkopf dauerhaft geschädigt werden, was zu vorzeitigen Abnutzungserscheinungen, Bewegungseinschränkungen, Schmerzen sowie einer späteren Gehbehinderung führen kann.

Die Hüfte ist ein Kugelgelenk und besteht aus der Hüftpfanne und dem knorpelig-weichen Hüftkopf. Dieser verbindet Hüfte und Oberschenkel. Er wird von der Pfanne überdacht und kann sich darin drehen. Ist nun das „Dach“ der Hüftpfanne (und manchmal auch der Hüftkopf) zu klein bzw. unterentwickelt oder befindet sich der Hüftkopf teilweise oder ganz außerhalb der Pfanne, funktioniert die Hüfte nicht richtig – es liegt eine Hüftdysplasie beim Kind oder Baby bzw. eine Hüftluxation vor.

2. Unklare Ursachen, aber bekannte Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die bei Kindern eine Hüftdysplasie begünstigen können:

  • maennlichen zwillinge in gleicher kleidung

    Bei Zwillingen besteht ein größeres Risiko, dass sich bereits im Mutterleib eine Hüftdysplasie entwickelt.

    Geburt des Kindes in Steiß- oder Beckenendlage – hierbei kommt es 25 Mal häufiger zur Hüftdysplasie als bei normaler Geburtslage

  • Geburtsrisiken – bei Frühgeburt, nach Kaiserschnitt oder zu wenig Fruchtwasser scheint das Risiko eines Babys mit Hüftdysplasie erhöht zu sein
  • enge Bedingungen im Mutterleib – beispielsweise in einer Zwillings- bzw. Mehrlingsschwangerschaft
  • genetische Veranlagung – z.B. wenn die Mutter oder ältere Geschwistern bereits Hüftdysplasie hatten
  • hormonelle Faktoren – Mädchen reagieren im Mutterleib empfindlicher auf das Schwangerschaftshormon Progesteron, wodurch sich die Hüftgelenkskapsel lockern kann
  • Missbildungen – vor allem im Bereich von Beinen, Füßen und Wirbelsäule
  • muskuläre oder neurologische Erkrankungen – beispielsweise offener Rücken
  • nach der Geburt durch Fehlhaltungen der Hüftgelenke – mit einem Tragetuch gespreizt getragene Kinder entwickeln SELTENER eine Hüftdysplasie

Hinweis Je früher die Hüftdysplasie beim Kind behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass diese ohne Spätfolgen vollständig ausheilt. Denn je jünger das Kind, desto formbarer ist das Hüftgelenk. Aber auch, wenn die Behandlung erst später einsetzt, sind in der Regel gute Ergebnisse zu erwarten.

3. Äußere Anzeichen mit Ultraschall abklären

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Mithilfe von Ultraschall wird überprüft, ob eine Hüftdysplasie beim Baby vorliegt und um welchen Typ es sich handelt.

Babys mit Hüftdysplasie zeigen in der Regel keine offensichtlichen Symptome. Aus diesem Grund wird vom Kinderarzt im Rahmen der Vorsorge-Untersuchung U2 bereits am dritten bis zehnten Lebenstag untersucht, ob eine Hüftdysplasie beim Kind vorliegt. Folgende äußere Anzeichen können auf die Fehlbildung hinweisen:

  • unterschiedlich lange Beine
  • Bein lässt sich nicht so weit wie normal abspreizen
  • das Hüftgelenk ist instabil bzw. steif
  • die Hautfalten am Oberschenkelansatz sind asymmetrisch
  • Klickgeräusch beim nach außen Drehen der gebogenen Knie

All diese Symptome sind noch kein endgültiger Nachweis, dass Ihr Baby eine Hüftdysplasie hat. Deshalb wird dies in der 4. bis 6. Lebenswoche mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung der Hüfte abgeklärt. Diese ist für Ihren kleinen Liebling völlig schmerzfrei und unschädlich. Bei älteren Kindern mit Hüftdysplasie kann eine Röntgenuntersuchung notwendig werden, um die Fehlstellung eindeutig zu erkennen.

4. Einteilung der Hüftdysplasie in verschiedene Typen

Mithilfe einer Klassifikation anhand von zwei Messwinkeln kann der Zustand des Pfannendachs bewertet werden. Dazu wird beim Ultraschall das Verhältnis zwischen Hüftpfanne und Hüftkopf gemessen. Der alpha-Winkel (α) steht dabei für den Pfannendachwinkel und der beta-Winkel (β) für den Knorpeldachwinkel. Aus diesen Werten kann der Arzt zusammen mit dem Alter des Kindes den Grad der Hüftdysplasie einschätzen und die notwendige Behandlung einleiten:

Typ Alpha-Winkel Beta-Winkel Therapie
Ia
Hüfte ausgereift
> 60° < 55°
  • Therapie nicht erforderlich
Ib
Hüfte ausgereift
> 60° < 55°
  • Therapie nicht erforderlich
IIa
Reifungsverzögerung
50° – 59° > 55°
  • Therapie nicht erforderlich
  • regelmäßige Kontrolle notwendig
  • eventuell Spreizbehandlung
IIb
Verknöcherungsverzögerung
50° – 59° > 55°
  • Spreizbehandlung
IIc
gefährdete bzw. kritische Hüfte
43° – 49° < 77°
  • Behandlung mit Spreizhose oder Spreizschiene
D
beginnende Fehlstellung der Hüfte
43° – 49° > 77°
  • Spreizgips erforderlich
IIIa
mit Fehlstellung
ohne Strukturstörung im Knorpel
< 43° > 77°
  • Einrenkung
  • Ruhigstellung mit Gips
  • evtl. Krankenhausaufnahme
IIIb
mit Fehlstellung
mit Strukturstörung im Knorpel
< 43° > 77°
  • Einrenkung
  • Ruhigstellung mit Gips
  • Krankenhausaufenthalt
IV
vollständige Luxation
< 43° > 77°
  • Einrenkung
  • Ruhigstellung mit Gips
  • Krankenhausaufenthalt

Tipp: Je größer der Wert des alpha-Winkels, desto günstiger ist der Zustand des Hüftgelenks. So liegt beispielsweise bei 58 Grad im Alpha-Winkel entweder eine Reifungs- oder eine Verknöcherungsverzögerung vor, die je nach Typ regelmäßig kontrolliert oder mit einer Spreizbehandlung therapiert werden muss.

5. Therapie richtet sich am Schweregrad aus

Nachfolgend erläutern wir Ihnen die wichtigsten Therapiemöglichkeiten einer Hüftdysplasie etwas ausführlicher:

  1. Ausreifung: Diese kommt infrage, wenn das Hüftgelenk beim Kind oder Baby aufgrund einer Reifungsverzögerung nur leicht instabil ist. Bei normaler Entwicklung bildet sich diese Instabilität in 80 % aller Fälle in den nächsten zwei Monaten von selbst zurück.
  2. Breit wickeln: Dazu wird ein 15 cm breit gefaltetes Handtuch zwischen Strampler und Windel eingelegt. Das Breitwickeln kann auch mithilfe einer zusätzlichen Windel über der eigentlichen Windel durchgeführt werden. Es wird angewandt bei einer gering ausgeprägten Hüftdysplasie beim Baby und generell empfohlen, um die Entwicklung der Hüften zu fördern.
  3. Spreizhose: Liegt eine Hüftdysplasie höheren Grades vor, kann dem Baby eine Spreizhose oder -schiene angepasst werden. Mit diesen Hilfsmitteln wird das Bein des kleinen Patienten in der gewünschten Position gehalten. Sie werden über der Kleidung getragen und nur beim Baden oder Wickeln abgenommen. Die Behandlungsdauer kann einige Wochen bis Monate betragen.
  4. Einrenkung bzw. Reposition: Diese Maßnahme kommt bei einer Hüftluxation zum Einsatz. Dies geschieht bei bis neun Monate alten Kindern mithilfe einer Bandage, wodurch sich die Hüftgelenke beim Strampeln des Säuglings oftmals spontan wieder einrenken können und gleichzeitig durch die Bandage in der Position gehalten und stabilisiert werden. Die Behandlungsdauer liegt hier in der Regel bei einigen Tagen bzw. Wochen. Auch ein manuelles Einrenken des Hüftkopfes ist möglich.
  5. baby in bauchlage auf einer couch

    Liegt beim Baby lediglich eine Reifungsverzögerung vor, ist in den meisten Fällen keine Therapie erforderlich.

    Hüftgips: Wenn nach einer Hüftluxation die Hüfte wieder eingerenkt ist, muss sie ruhig gestellt werden. Dies geschieht in schweren Fällen mit einem Hüftgips. Dieser reicht meist vom unteren Rippenbogen bis zum Unterschenkel des Babys. Aber keine Sorge – die kleinen Patienten gewöhnen sich in der Regel schnell daran und kommen gut damit zurecht. Die Behandlungsdauer kann bei mehreren Wochen oder unter Umständen bei mehreren Monaten liegen.

  6. Operation: Diese kann notwendig werden, wenn andere Maßnahmen bei der Behandlung nicht helfen oder auch, wenn die Fehlstellung zu spät erkannt wurde – beispielsweise bei Kindern ab drei Jahren oder älter sowie Jugendlichen. Dabei gibt es verschiedene Operationsverfahren.

Die Hüftdysplasie bei Kind oder Baby kann auch mithilfe einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung therapiert werden. Mit Physiotherapie werden Gewebe und Muskulatur trainiert, um die Beweglichkeit zu fördern. Die Therapie unterscheidet sich stark je nach Alter des Kindes. Gute Erfahrungen gibt es zudem mit der Osteopathie. Laut einer Studie führte eine gründliche osteopathische Behandlung, verglichen mit einer konservativen orthopädischen Therapie, zu einer vollständigeren Beseitigung der Probleme.

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