Inkontinenz nach der Geburt

inkontinenz.
  • Niesen, Joggen oder einfach nur Husten können den Beckenboden nach einer Geburt so belasten, dass sich der eine oder andere Tropfen Urin oder Stuhl unfreiwillig löst. Laut Statistiken geht es mehr Frauen nach der Geburt so, als Sie vielleicht denken.
  • Das Problem entsteht dadurch, dass sich Gewebe und Muskeln des Uterus, welche den Darm und die Blase stützen, über die Schwangerschaft dehnen. Das erschwert der Schwangeren, die Schließmuskeln wieder richtig anzuspannen.
  • Im Durchschnitt können aber bis 95 % der Betroffenen geholfen werden. Wenn Sie nach dem Wochenfluss Probleme damit haben, den Urin oder Stuhl zu halten, sollten Sie mit ihrem behandelnden Gynäkologen darüber sprechen.

1. Inkontinenz nach der Schwangerschaft ist kein seltenes Problem

Sie sind mit Ihrem Problem nicht alleine

Viele betroffene Frauen leiden stumm. Die meisten unter eine Blasenschwäche leidenden Frauen möchten nicht darüber sprechen. Dabei sind die Betroffenen keinesfalls allein mit ihrem Problem. Ungefähr 25 % aller Mütter, die ihr Kind auf natürlichem Wege zur Welt gebracht haben, leiden im 1. Jahr unter einer Inkontinenz.

Das unfreiwillige Urinieren, was oftmals durch Lachen, Niesen oder beim Sport im Allgemeinen auftritt, wird als Stressinkontinenz bezeichnet. Rund ein Drittel aller Frauen leidet nach der Geburt an diesem Problem.

Direkt nach der Geburt hat sogar fast jede Frau Probleme mit den Harnlassen, da sich das Gefühl im Bereich der Beckenbodenmuskulatur erst wieder einstellen muss. Um das Problem so schnell wie möglich wieder loszuwerden, können Sie in den meisten Entbindungseinrichtungen schon in der Wochenbettzeit an Beckenbodengymnastik-Kursen teilnehmen.

Hält sich die Inkontinenz länger als die Blutungen im Wochenfluss, empfiehlt sich das wechseln auf spezielle Binden für eine schwache Blase, um die Inkontinenz nach der Schwangerschaft wenigstens ein bisschen erträglicher zu machen.

2. Die Wahrscheinlichkeit, eine Stressinkontinenz zu bekommen, hängt vom Verlauf der Schwangerschaft ab

beckenbodenmuskulatur.

Auf dieser Darstellung sehen Sie, wo die Beckenbodenmuskulatur der Frau liegt.

Wenn bereits im ersten und zweiten Trimester der Schwangerschaft die Kontrolle über die Blase nicht immer gewährleistet ist, besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit dafür, nach der Geburt eine Stressinkontinenz zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit steigt ebenfalls, wenn die Austreibungsphase der Geburt sehr lange dauert oder sogar die Zange zur Geburtshilfe benutzt werden musste.

Wurde für die Geburt zur Unterstützung der Mutter eine Epiduralanästhesie oder eine Spinalanästhesie (lokale Betäubung) durchgeführt, ist es schwer, selbst festzustellen, wann ein Gang zur Toilette nötig ist. Denn die Empfindungen sind stark herabgesetzt und die behandelnde Hebamme oder Krankenschwester muss dabei Hilfestellung leisten. Hierbei handelt es sich jedoch um keine Stressinkontinenz, sondern um Nachwirkungen der Betäubung.

3. Eine Inkontinenz nach einer Schwangerschaft hat keine klar definierte Dauer

Wie lange sich eine Inkontinenz nach der Geburt hält, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Bei der einen kommt es zu gar keiner Inkontinenz und bei der anderen kann es eine Frage von Tagen, Wochen oder sogar Monaten sein. Sehr selten kommt es vor, dass es eine längerfristiges Problem ist.

Tipp: Ist es bis zum ersten Gesundheitscheck nach circa 6 bis 8 Wochen noch zu keiner Besserung gekommen, sollten Sie den behandelnden Arzt auf dieses Problem ansprechen. Diese Stressinkontinenz kann im Normalfall gut behandelt werden und muss kein Teil ihrer Mutterschaft werden, mit dem Sie langfristig zu kämpfen haben.

4. Es gibt einige Möglichkeiten, um Ihren Beckenboden wieder unter Kontrolle zu bringen

beckenbodengymnastik

Durch Beckenbodengymnastik können Sie eine Stressinkontinenz lindern oder dieser vorbeugen.

Regelmäßige Beckenbodengymnastik-Übungen sind die beste Möglichkeit, wieder die Kontrolle über die Blase zu erlangen. Auch als vorbeugende Maßnahme sind diese Übungen gut geeignet, was durch verschiedene Studien bereits belegt wurde.

Um maximale Erfolge mit den Beckenboden-Übungen zu erzielen, sollte diese regelmäßig zwei- bis dreimal pro Tag über einen Zeitraum von Mindestens drei Monaten durchgezogen werden. Diese Übungen können jederzeit und überall durchgeführt werden. Sollten die Beckenbodenübungen vorzeitig abgebrochen werden, kann die Blasenschwäche erneut auftreten.

Die Beckenboden-Übungen unterstützen den Körper dabei, sich wieder richtig zu regenerieren. Zudem erlangen Sie das Gefühl über Ihren Beckenboden zurück und haben wieder die volle Kontrolle über Ihre Blase. Desto eher Sie also mit diesen Übungen anfangen, desto besser stehen die Chancen auf schnellen Erfolg.

Beckenbodenübungen sind wichtig, um Probleme und sogar Operationen zu vermeiden. Hier eine kurze Anleitung, wie Sie eine solche Übung durchführen können:

  • entspannte Atmung in den Bauch
  • Beim Ausatmen senkt sich der Bauch und dabei müssen Sie die Beckenbodenmuskeln anspannen, indem Sie so tun, als würden Sie einen Harnstrahl unterbrechen oder eine Blähung zurückhalten.
  • Dadurch sollte es zu einer Straffung des analen Bereichs und der Vagina kommen.
  • Dabei sollte weder der Atem angehalten noch der Bauch eingezogen werden.

Diese leichte Übung sollten Sie dreimal am Tag mit acht bis zehn Wiederholungen durchführen. Hier finden Sie eine umfangreiche Anleitung zur Beckenbodengymnastik.

Die Krankenkasse übernimmt bei jeder Frau nach der Schwangerschaft die Kosten für Rückbildungsgymnastik-Kurse. Kann die Muskulatur zu Beginn nicht lange angespannt werden, sollten Sie sich nicht verrückt machen. Eine langsame Steigerung der Zeiten ist ohnehin eher zu empfehlen. Beginnen Sie mit zwei bis drei Sekunden Anspannung und steigern Sie sich langsam.

5. Die Blase kann auch auf anderen Wegen trainiert werden

Viel trinken kann dazu beitragen, die Blase, welche während der Schwangerschaft zusammengequetscht wurde, wieder auf ein Normales Niveau zu bringen. Es wird empfohlen, mindestens zwei Liter Wasser zu trinken.

Versuchen Sie dabei, dem ersten Harndrang so lange wie möglich standzuhalten. Am Anfang fällt das natürlich schwer und es geht nur eine kurze Zeit, doch eine Verbesserung wird sich schnell einstellen. So können Sie der Blase beibringen, dass sie erst geleert werden muss, wenn sie wirklich komplett voll ist.

Koffeinhaltige Getränke sollten Sie während dieser Zeit gänzlich vermeiden. Diese verwirren die Blase und erschweren es der Muskulatur, sich anzuspannen. Bekommen Sie den Harndrang gar nicht unter Kontrolle, liegt vielleicht eine Infektion der Harnwege vor. Eine solche Infektion können Sie an den folgenden Symptomen erkennen:

  • Schmerzen beim Urinieren
  • Trübung des Urin
  • unangenehmer Geruch des Urins
  • Fieber
  • auffällig häufiger Besuch der Toilette
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