Ein Kaiserschnitt sollte erfolgen, bevor eine Gefahr für Sie oder Ihr Baby besteht

Sectio
  • Bei einem Kaiserschnitt kommt Ihr Kind nicht auf natürlichem Weg auf die Welt, sondern durch einen operativen Eingriff.
  • Vor allem dann, wenn ein Risiko für Sie oder Ihr Baby vorliegt, wird ein Kaiserschnitt im Vorfeld empfohlen (geplanter Kaiserschnitt).
  • Auch während der Geburt können sich Ihre Werte oder die Ihres Babys schnell verändern und einen Kaiserschnitt nötig machen (Not-Kaiserschnitt).

Sich mit der Möglichkeit eines Kaiserschnitts auseinanderzusetzen, ist für jede werdende Mutter wichtig. Denn selbst wenn alle Zeichen während der Schwangerschaft auf eine natürliche Geburt hinweisen, so kann doch während der Geburt etwas Unvorhersehbares passieren, das einen Kaiserschnitt bedingt. Deswegen informieren wir Sie über mögliche Gründe für einen Kaiserschnitt und fegen direkt noch hartnäckige Irrtümer vom Tisch, die sich rund um den Kaiserschnitt ranken.

1. Der Grund für einen Kaiserschnitt ist absolut oder relativ

Kaiserschnitt

Im medizinischen Fachjargon wird der Kaiserschnitt als “Sectio” bezeichnet, also sogenannte Schnittentbindung, bei der der Chirurg das Baby operativ aus der Gebärmutter holt.

Rät Ihr Frauenarzt Ihnen zu einer Sectio, kann Vieles der Grund sein. Unterschieden wird grundsätzlich in:

  • Absolute Indikationen. Diese machen die Sectio zwingend nötig.
  • Relative Indikationen. Diese können eine Sectio bedingen.

Hinzu kommt die Unterscheidung in einen geplanten bzw. einen ungeplanten Kaiserschnitt. Auch hierfür ist der Grund von großer Bedeutung, denn: Vor allem medizinische Gründe machen eine operative Entbindung zwingend nötig, wohingegen andere Voraussetzungen nicht zwingend zur Sectio führen müssen, aber können.

1.1. Der Wunsch kommt immer häufiger vor

Einst galt die Form der Entbindung als Notfall-Eingriff, heute hat sie längst den Status einer Wunsch-Operation bekommen. Frauen fürchten sich vor den Schmerzen einer natürlichen Geburt, sorgen sich um Ihren Beckenboden, um Geburtsfolgen wie Inkontinenz und ein gestörtes Sexualleben oder hatten bereits im Vorfeld traumatische Geburten zu verkraften.

Der Wunsch, den Termin selbst bestimmen zu können, erfreut im Übrigen nicht nur die werdenden Eltern, sondern auch die Geburtskliniken. Sie erlangen mit jedem geplanten Eingriff auch ein Stück Planungssicherheit in ihrem Krankenhaus.

In dieser Privatklinik kommen 85 Prozent der Kinder per Sectio auf die Welt:

2. Bei akuter Gefahr für Baby und Mutter ist eine Sectio zwingend nötigt

Ein Grund, um einen operativen Eingriff einer normalen, natürlichen Geburt vorzuziehen, besteht immer dann, wenn Gefahr für das Baby oder Sie selbst besteht. Das kann bei einer Vergiftung während der Schwangerschaft der Fall sein oder aber aufgrund einer Risikoschwangerschaft. In diesen Fällen kann eine Operation unabwendbar sein.

Eine Sectio ist geplant, wenn bereits vor dem Geburtstermin die Geburtsbedingungen kritisch sind oder, wenn die Schwangerschaft bewusst verkürzt werden soll. Der Eingriff wird kurzfristig durchgeführt, wenn es während der Geburt zu Komplikationen kommt.

  • Droht ein Riss der Gebärmutter, bringen Sie Ihr Baby per Sectio auf die Welt. Auch wenn der Mutterkuchen sich zu früh von der Gebärmutter löst, den Geburtsweg versperrt oder die Nabelschnur vorfällt, ist eine Sectio erforderlich.
  • Ein Grund ist auch die Lage des Kindes im Bauch. Macht beispielsweise eine Querlage eine normale Geburt zu riskant oder gar unmöglich, führen Ärzte eine Sectio durch.
  • Ist absehbar, dass Ihre Körpermaße nicht zur Geburt des Kindes geeignet sind – beispielsweise weil der Kopf des Babys nicht durch Ihr Becken passt – wird ein operativer Eingriff durchgeführt.
  • Weitere Krankheitsbilder, die eine Sectio bedingen, sind: das Amnioninfektions-Syndrom, eine Präeklampsie, das HELLP-Syndrom sowie die Unterversorgung des Kindes.

Achtung: Ein Indiz für eines der Krankheitsbilder können von der Norm abweichende Werte (beispielsweise an Thrombozyten) sein.

3. Bei einigen medizinischen Befunden kann eine Sectio nötig werden, muss sie aber nicht

Kaiserschnitt wegen Vorerkrankung

Es gibt absolute und relative Gründe für einen Kaiserschnitt. Besprechen Sie die Notwendigkeit mit Ihrem Frauenarzt.

Es sind diese Kann-Gründe, die häufig in der Diskussion stehen. Grundsätzlich wird Ihr Frauenarzt Sie über die Vor- und Nachteile einer Sectio aufklären, wenn sich während der Schwangerschaft abzeichnet, dass diese Form der Entbindung für Sie und Ihr Kind besser wäre als eine natürliche Geburt.

Das kann unter diesen Voraussetzungen während der Schwangerschaft oder während der Geburt der Fall sein:

  • eine ungünstige Lage des Kindes (z.B. Beckenendlage)
  • eine Mehrlingsgeburt
  • ein Myom, das den Geburtskanal verengt
  • ein Kaiserschnitt oder mehrere in der Vergangenheit (z.B. bei der 2. Schwangerschaft, nach zwei Kaiserschnitten oder auch nach drei Kaiserschnitten)
  • Stillstand im Geburtsverlauf (beispielsweise nach Wehen-Tropf oder Einleitung)
  • Größenmissverhältnis zwischen dem Kopf des Babys und Ihrem Becken
  • Auffälligkeiten bei Mutter und Kind (z.B. mit Blick auf die Herztöne und den Grad der Erschöpfung bei langwierigen Geburten)

Hinweis: Denkbar ist eine Sectio auch dann, wenn direkt in derselben Operation nicht nur das Baby auf die Welt kommt, sondern auch ein Nabelbruch oder ein Leistenbruch operativ behoben werden soll.

4. Der Kaiserschnitt ist mit vielen Irrtümern belegt

Wer aus medizinischen Gründen keine Wahl hat, als das Baby per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen, setzt sich in aller Regel auch nicht mit dem Für und Wider auseinander. Wer jedoch mit relativen Indikationen konfrontiert wird, muss abwägen, was eine Sectio bedeutet. Der Ablauf der Operation lässt sich hier im Detail nachlesen. Welche Irrtümer Sie jedoch schnell aus Ihrem Kopf verbannen sollten, darüber verraten die folgenden Zeilen mehr.

4.1. Der Kaiserschnitt ist weniger schmerzhaft als eine normale Geburt

Die Geburt, also der Moment in dem das Baby Ihren Bauch verlässt, ist bei einer Schnittentbindung schmerzfrei. Allerdings spüren Sie – trotz Betäubung durch eine PDA – sehr deutlich den Eingriff des Operateurs. Zudem müssen Sie sich der Tatsache bewusst sein, dass Sie auf einem Operationstisch liegen, die komplette Operation mitbekommen, aber durch die Betäubung Ihres Unterleibs unfähig sind, sich zu rühren. Das ist vor allem eine große Herausforderung für Ihr Nervenkostüm.

4.2. Die Schmerzen nach dem Kaiserschnitt sind schneller vorbei als bei einer normalen Geburt

Kaiserschnitt nicht ohne Schmerzen

Nach einem Kaiserschnitt sind die Schmerzen anders als nach einer normalen Geburt. Es handelt sich um Operationsschmerzen, die auch die Versorgung des Neugeborenen erschweren können.

Bei einer Schnittentbindung werden nicht nur Hautschichten Ihres Bauches durchtrennt, sondern auch diverse Nerven. Das bedeutet, dass Sie nach dem Kaiserschnitt Schmerzen haben werden – wie nach jedem anderen operativen Eingriff. Beim ersten Aufstehen werden Sie das Gefühl haben, dass Sie wie ein Klappmesser in der Mitte zusammenklappen.

Auch werden Sie sich deutlich länger schonen müssen, was beispielsweise das Tragen der Babyschale angeht. Eine schmerzfreie Stillposition einzunehmen, gestaltet sich häufig schwierig. Um eine Thrombose zu vermeiden, werden Sie Thrombose-Spritzen bekommen, wenn Sie für lange Zeit im Bett bleiben.

4.3. Der Wunsch-Kaiserschnitt macht den Geburtstermin planbar

Gibt es eine medizinische Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt, werden Sie ein Stück weit den Termin mitbestimmen können. Ansonsten sollten Sie sich von der Idee verabschieden, alles „organisieren“ zu können. Sie werden – als frischgebackene Eltern – viel organisieren müssen, doch Ihr Nachwuchs wird dafür sorgen, Ihnen regelmäßig diese Organisation zunichte zu machen. Gewöhnen Sie sich dran.

4.4. Ein Kaiserschnitt ist entspannter fürs Kind

Der weibliche Körper ist dafür ausgelegt, Kinder zu bekommen. Und auch das Neugeborene ist dazu gemacht, auf natürlichem Weg auf die Welt zu kommen. Deswegen ist eine natürliche Geburt in aller Regel vielleicht anstrengender für das Kind, weil es sich durch den Geburtskanal vorarbeiten muss, allerdings leiden vor allem Kaiserschnittkinder häufig unter Problemen, die beim Atmen auftreten. Der Grund dafür ist die Flüssigkeit, die sich in ihrer Lunge befindet. Bei einer normalen Geburt wird diese beim Pressen durch den Geburtskanal aus der Lunge gepresst.

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