Karies bei Kindern: Wenn die Zähne früh faulen

karies kinder
  • Karies, auch Zahnfäule genannt, wird durch Bakterien verursacht und kann Kinderzähne ernsthaft schädigen oder zerstören.
  • Bereits die Milchzähne der Babys und Kinder können Karies entwickeln und diese auf nachwachsende Zähne übertragen.
  • Der Zahnarzt kann die Karies bei Kindern zwar behandeln, dennoch ist die Vorbeugung das Ah und Oh für gesunde Zähne.


Karies bei Babys und Kindern ist eine schwerwiegende Gesundheitsstörung – besonders die frühkindliche Karies bis zum dritten Lebensjahr nimmt verstärkt zu. Sie als Eltern können Ihr Kind davor schützen und für gesunde Kinderzähne sorgen. Erfahren Sie, wie Karies entsteht, welche Ursachen und Behandlungen es gibt und was Sie tun können, um Karies bei Kindern vorzubeugen.

1. Zuckerliebende Bakterien zerstören Zahnschmelz und Zähne

was tun bei karies

Die Illustration zeigt den Querschnitt eines Zahnes mit Karies.

Karies bei Kindern entsteht, wenn bestimmte Bakterien den Zucker aus der Nahrung in schädliche Säuren umwandeln. Die Bakterien befinden sich im Zahnbelag, dem sogenannten Plaque.

Die entstandenen Säuren greifen die äußerste Schicht der Zähne an und lösen Mineralien aus dem Zahnschmelz heraus. Zwar werden mithilfe des Speichels immer wieder neue Mineralien gebildet und in den Zahnschmelz eingebaut.

Doch wenn die Zähne häufiger angegriffen werden, kommt es zum Ungleichgewicht, was sich zuerst durch kreidige Flächen und Verfärbungen auf den Zähnen zeigt.

Wird dies nicht sofort erkannt – was häufig vorkommt – geht die Karies immer tiefer in den Zahn. So kann auf Dauer auch der gesamte Zahnschmelz verschwinden und das darunter befindliche Zahnbein sowie der Nerv geschädigt werden.

Eine Selbstregeneration mithilfe des Speichels ist dann nicht mehr möglich und es entstehen die gefürchteten schmerzhaften Löcher – wie auf den Fotos zu sehen.

Ob es sich bei Karies um eine Infektionskrankheit handelt und diese auch ansteckend sein kann, darüber streiten die Mediziner. Sollte es eine Übertragung geben, dann findet diese durch Tröpfcheninfektion statt – beispielsweise beim Anhusten oder einem Küsschen beim Schmusen.

Ein weitaus größeres Kariesrisiko besteht allerdings noch durch die sogenannte MIH = Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. Bereits 10 % der deutschen Grundschulkinder sind davon betroffen. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung der Zahnhartsubstanz, bei der die Zähne porös und fleckig sind und der Zahnschmelz weniger widerstandsfähig ist.

Diese Zähne sind besonders anfällig für Kariesbakterien. So kann es also trotz putzen bei Kindern zu Karies kommen.

Achtung: Ein Säureangriff auf die Zähne dauert ca. 30 bis 60 Minuten. Der Zahnschmelz benötigt danach drei bis vier Stunden, um die verlorenen Substanzen wieder aufzubauen.

2. Karies durch Fehlernährung bereits in den Milchzähnen

baby mit karies

Auf dem Foto ist eine Nahaufnahme von Milchzähnen mit Karies zu sehen.

Als wesentliche Ursachen dafür, dass Kinder und Babys an Karies erkranken, werden zuckerhaltige Getränke genannt. Dazu zählen Fruchtsäfte, gesüßte Tees oder Erfrischungsgetränke. Auch eine ungesunde Ernährung mit vielen Süßigkeiten und viel  „verstecktem“ Zucker verursacht verstärkt bei Kindern Karies.

Bereits die Milchzähne können von Zahnfäule betroffen sein. Dabei ist es egal, ob Ihr Kind ein halbes, 1 Jahr oder 2 Jahre alt ist: Bereits ab dem ersten Zahn ist es möglich, dass das Baby Karies bekommt.

Denn werden die o.g. zuckerhaltigen Getränke in einer Saugflasche gegeben, sind die kleinen Zähnchen ständig von Zucker umspült. Der Zahnschmelz hat dann keine Chance, sich zu regenerieren. Es entsteht die sogenannte Nuckelflaschenkaries.

Sind bereits die Milchzähne beim Kind mit Karies befallen, kann dies quasi ansteckend auf die nachfolgenden Zähne wirken. Denn wenn die Zahnfäule auch in die untersten Zahnschichten hinabwandert, können dort sehr widerstandsfähige Bakterien entstehen. In der Folge kann es zu Infektionen in der Mundhöhle sowie zu erhöhtem Kariesrisiko bei den nachwachsenden Zähnen kommen.

Es gibt also durchaus eine Übertragung der Karieserreger von den Milchzähnen auf die Folgezähne.

Das sind weitere mögliche Folgen von Karies bei Baby und Kindern:

  • starke Schmerzen
  • Fieber
  • lebensgefährliche Abszesse
  • Kauprobleme
  • Entwicklungsstörungen – das Kind nimmt nicht ausreichend an Gewicht zu
  • Sprechstörungen
  • kieferorthopädische Probleme

3. Behandlung reicht von Fluoridlack bis Zähne ziehen

In der Tabelle haben wir Ihnen in Kurzform die Entwicklung und mögliche Behandlung von Karies bei Kindern dargestellt:

Kariesstufen Bilder mögliche Behandlung
Karies im Zahnschmelz bilder kinder karies
  • Fluoridlack zum Aufbau des Zahnschmelz
Karies im Zahnbein kinder karies fotos
  • der Zahnarzt muss bohren und das Loch füllen
Entzündeter Zahnnerv wie entsteht karies
  • Entfernung des erkrankten Teils
  • Versorgung mit Krone bzw. Platzhalter

Je nach Stadium der Karies beim Baby oder Kind behandelt der Zahnarzt die Milchzähne bzw. nachgewachsenen Zähne. Wie in der Tabelle dargestellt, kann er den äußeren Zahnschmelz mit Fluoridlack behandeln, während er bei tiefergehender Karies bohren, die kariösen Teile entfernen und die Löcher füllen muss. Verwendet werden meist Zement- oder Kunststofffüllungen.

karies bei kindern behandeln

Lassen Sie die Zähne Ihres Kindes bitte regelmäßig vom Zahnarzt überprüfen – dann wird eine aufwändige Behandlung gar nicht erst nötig.

Bei einer Zahnnervbehandlung wird der erkrankte Teil des Zahnnervs aus der Zahnkrone entfernt. Danach kommt eine Art Überzug bzw. Krone über den Zahn.

Wurde ein Zahn gezogen, weil er nicht mehr zu retten war, muss dort häufig ein Platzhalter eingesetzt werden. Für die Zahnbehandlungen wird auf das Zahnfleisch des Kindes meist zuerst ein betäubendes Gel aufgetragen, um die darauffolgende Spritze schmerzfrei verabreichen zu können.

Manche Zahnärzte verwenden zudem ein beruhigendes Lachgas-Sauerstoff-Gemisch, das zugleich schmerzstillend und tiefenentspannend wirkt. Nur bei sehr kleinen Kindern mit größerer Behandlung kann auch eine Vollnarkose nötig werden.

Hinweis Weil sie noch einen sehr weichen Zahnschmelz besitzen, sind Milchzähne besonders anfällig für Karies. Vor allem die Frontzähne und die Furchen der Kauflächen der hinteren Backenzähne sind gefährdet.

4. Gründliche Mundhygiene und gesunde Ernährung

Wenn Eltern nicht aufpassen
Fast die Hälfte der Karies bei Kindern, die bei der Einschulung entdeckt wird, entstand bereits in den ersten drei Lebensjahren!

Doch bevor Sie Karies bei Ihrem Kind behandeln lassen müssen, sollten Sie etwas tun, um dem unbedingt vorzubeugen. Denn auch, wenn die heutigen Behandlungsmöglichkeiten von Karies bei Babys und Kindern sehr gut sind, sind gesunde Kinderzähne wesentlich erstrebenswerter. Sie als Eltern tragen hier einen großen Teil Verantwortung.

Hier nun unsere wichtigsten Tipps zur Kariesprophylaxe

… bei Babys:

  • Beginnen Sie bereits beim Durchbruch des ersten Zahns mit dem Putzen.
  • Verwenden Sie dazu spezielle Kinderzahnbürsten und -zahncremes mit Fluor.
  • Ganz am Anfang kann auch ein Wattestäbchen + Zahncreme ausreichen.
  • Geputzt wird zweimal täglich.
  • Gehen Sie mit dem Kind auch in den ersten Jahren regelmäßig zum Zahnarzt, um die Entwicklung der Zähne zu kontrollieren.
  • Möglich ist zudem eine Versiegelung der Milchzähne, was in erster Linie dem Erhalt der bleibenden Zähne dient.
  • Geben Sie dem Baby keine zuckerhaltigen Getränke in der Nuckelflasche, sondern verwenden Sie ungesüßte Tees oder Wasser.
  • Lassen Sie das Kind keinesfalls mit dem Fläschchen im Mund einschlafen.
  • Wenn Ihr Kind sitzen kann, sollte es schnellstmöglich lernen, aus der Tasse zu trinken.
kariesprophylaxe

Je früher und freudiger das Kind selbst anfängt Zähne zu putzen, desto besser – auch wenn Sie die ersten Jahre noch nachhelfen müssen.

… und größeren Kindern:

  • Sobald Ihr Kind es verstehen kann, erklärt ihm ein Elternteil die Wichtigkeit des Zähneputzens und natürlich auch, wie es richtig geht.
  • Kontrollieren Sie, ob Ihr Kind wirklich regelmäßig seine Zähne putzt.
  • Durch kindgerechte Utensilien können Sie das Kind besser zum Zähneputzen motivieren – z.B. bunte Zahncremes oder Zahnbürsten mit aufgedruckten Bildern, lustigen Formen oder in Lieblingsfarben.
  • Bis 8 Jahre sind Kinder motorisch außerstande, jeden Zahn korrekt zu putzen. Deshalb sollten Sie immer nachputzen.
  • Vermeiden Sie zu viele Süßigkeiten und sorgen Sie für eine ausgewogene gesunde Ernährung mit viel frischen und basischen Lebensmitteln.
  • Geben Sie ihrer kleinen Naschkatze bevorzugt zahnschonende Naschereien – diese erkennen Sie an dem Zahnmännchen mit Schirm.
  • Lesen Sie immer die Zutatenliste – in vielen Produkten ist Zucker in nicht geringen Mengen „versteckt“.
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