Kinderrheuma: Ursachen, Symptome und Behandlung

ärztliche untersuchung bei kinderrheuma
  • Von kindlichem Rheuma spricht man bei einer mindestens sechs Wochen andauernden, schmerzhaften entzündlichen Erkrankung der Gelenke von Kindern unter 16 Jahren.
  • Die Symptome der Krankheit sind schwer erkennbar und bedürfen einer umfangreichen Diagnose bei einem Spezialisten, dem Kinderrheumatologen.
  • Kinderheuma ist bisher nicht heilbar, Betroffene können bei der richtigen Therapie aber beschwerdefrei leben.

Die meisten Menschen denken im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen vorwiegend an Senioren. Dabei können bereits Kinder im Säuglingsalter Erkrankungen an den Gelenken vorweisen – nicht selten kommt es zu einem chronischen Krankheitsverlauf, bei dem die Betroffenen dauerhaft unter Schmerzen in den Gelenken sowie weiteren Folgen leiden. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von Kinderrheuma bzw. kindlichem Rheuma, wobei zwischen verschiedenen Formen und Abstufungen unterschieden wird.

Wir klären über Rheuma bei Kindern auf: Erfahren Sie, inwiefern genetische Faktoren bei der Entstehung von kindlichem Rheuma relevant sind und weshalb Infektionen ebenfalls eine Rolle spielen. Lernen Sie außerdem, wie Sie Rheuma bei Ihren Kindern früh erkennen, um die passende Behandlung schnell in Angriff nehmen zu können. Zudem liefern wir Informationen rund um die verschiedenen Therapieansätze und skizzieren, warum es nur bedingt hilfreich ist Rheuma bei Babys und Kindern homöopathisch zu behandeln.

1. Kinderrheuma: Eine entzündliche Erkrankung der Gelenke

Statistik

In Deutschland leben (Stand 2014) rund 1.5 Millionen Menschen, die unter einer rheumatischen Erkrankung leiden. Bei den juvenilen, sprich kindlichen Rheumaerkrankungen, sprechen Schätzungen von rund 20.000 Betroffenen. Darüber hinaus kann aufgrund der diffusen Symptome und der komplizierten Diagnostik von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Von Kinderrheuma ist immer dann die Rede, wenn es um entzündliche Erkrankungen der Gelenke geht, die über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen anhalten. Kinder- und Jugendrheuma betrifft Patienten vor dem 16. Lebensjahr und tritt bei Mädchen häufiger auf als bei Jungen. Die meisten Kinder leiden im Kindergarten- oder Grundschulalter oder beim Eintritt in die Pubertät das erste Mal unter rheumatischen Beschwerden. Selten kann es auch vorkommen, dass Säuglinge und Neugeborene bereits mit Rheuma zu kämpfen haben. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Arten von Rheuma, die Kinder und Jugendliche betreffen können:

    • JIA: juvenile idiopathische Arthritis
    • Kollagenosen: Rheuma des Bindegewebes
    • Vaskulitissyndrome: Rheuma der Blutgefäße
    • CRMO: Rheuma der Knochen
    • Reaktive Arthritis: infektionsbedingtes Rheuma

Die am häufigsten auftretende Form des Kinderrheumas, ist die juvenile idiopathische Arthritis. Vielen unterschiedlichen Formen der Erkrankung liegen überschießende Reaktionen des Immunsystems zugrunde. Diese richten sich zum Beispiel beim Gelenkrheuma gegen die Gelenkschleimhaut und damit gegen körpereigenes Gewebe. Im Verlauf der Krankheit können weitere körpereigene Systeme abgesehen vom Bewegungsapparat betroffen sein.

2. Die Ursachen für Kinderrheuma sind noch ungeklärt

Viele Eltern, deren Kind unter Rheuma leidet, fragen sich, was die Ursachen der Krankheit sein können. Häufig werden die Wurzeln in der Ernährung oder auch in der eigenen genetischen Disposition, also im Erbgut, gesucht. Die Medizin im Allgemeinen, sowie die Rheumatologie im Speziellen, sind sich mit Blick auf die Ursachen von Rheuma im Baby- und Kindesalter jedoch keinesfalls sicher. Es wird angenommen, dass gewisse genetische Voraussetzungen die Entstehung von kindlichem Rheuma begünstigen. Auf der anderen Seite weisen Forscher aber darauf hin, dass auch Infektionen oder andere Erkrankungen einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Herausbildung des Krankheitsbildes haben können. Wie bei vielen Krankheiten gilt, dass das Zusammenspiel der einzelnen ineinandergreifenden Mechanismen noch nicht vollkommen erforscht ist.

Info: Eltern, die ein Kind mit Rheuma großziehen, fragen sich häufig, wie sie bei der Planung von weiterem Nachwuchs gewissenhaft vorgehen. Oftmals steht die Befürchtung im Raum, dass weitere Geschwisterkinder ebenfalls unter der Krankheit leiden könnten. Das ist jedoch selten der Fall, weil die genetische Komponente bei der Entstehung von rheumatischen Beschwerden bei Kindern voraussichtlich keine rein dominante Rolle spielt.

3. Die Symptome bei Kinderrheuma sind häufig diffus

trauriges Kind

Rheuma bei Kindern kann zu Depressionen und Aggressionen führen.

Wenn Eltern die Anzeichen für Rheuma bei ihren Kindern frühzeitig erkennen, kann eine zeitnah umgesetzte Therapie dabei helfen langfristigen Schädigungen des kindlichen Bewegungsapparates vorzubeugen. Die Symptome bei kindlichem Rheuma sind allerdings schwer zu deuten, weshalb Mediziner bei den vielseitigen Krankheitsanzeichen nach dem Ausschlussprinzip vorgehen müssen. Unter diesem Aspekt sollten Eltern, bei deren Kindern ein Verdacht auf Rheuma vorliegt, vorzugsweise einen Spezialisten aus dem Bereich der Rheumatologie bzw. der Kinderrheumatologie aufsuchen.

Gelenkschmerzen sind meist die ersten Symptome, mit denen Kinder und Eltern bei einer kindlichen Rheumaerkrankung konfrontiert werden. Da diese Schmerzen sich für Kinder aber häufig diffus anfühlen, werden diese selten kommuniziert. Stattdessen nehmen die Kleinen meist Schonhaltungen an, die Eltern, Lehrern oder Medizinern ins Auge stechen können. Plötzliches Humpeln, verkrampftes Sitzen oder sehr langsame Bewegungen zum Beispiel beim morgendlichen Ankleiden können erste Hinweise sein. Darüber hinaus können weitere Symptome und Anzeichen sichtbar werden:

  • unruhiger Schlaf
  • depressive Verstimmung
  • aggressives Verhalten
  • Hautausschläge oder Hautveränderungen
  • Fieber oder erhöhte Temperatur

4. Die Behandlung von Kinderrheuma ist aussichtsreich

behandlung von kinderrheuma

Physiotherapie kann Kindern mit Rheuma helfen.

Viele Betroffene Eltern fragen sich, ob Rheuma bei Kindern lang- oder kurzfristig heilbar ist. Nach derzeitigem medizinischen Stand gibt es kein Medikament und auch keine Therapie, die eine vollständige Heilung im Sinne eines Verschwindens der Krankheit garantieren können. Weil die Ursachen von Rheuma im Baby- und Kindesalter nicht geklärt sind, können diese nicht aus dem Weg geräumt werden. Fakt ist jedoch, dass die Folgen der Krankheit für Betroffene mit der richtigen Behandlung so stark eingedämmt werden können, dass Patienten (fast) vollkommen beschwerdefrei durchs Leben gehen.

Nach der Diagnose setzt in der Regel eine vielseitige Behandlung ein, die sich am individuellen Krankheitsstatus orientiert. Verschiedene Therapiebereiche werden miteinander kombiniert, um eine möglichst ganzheitliche Beschwerdefreiheit zu erreichen. Teilweise können eine Klinik für Kinder oder eine Mutter-Kind-Kur als Einstiegslösungen hilfreich sein. Neben der medikamentösen Behandlung werden verschiedene ergo- sowie auch physiotherapeutische Maßnahmen umgesetzt. Diese zielen darauf ab den Körper sowie den Bewegungsapparat Betroffener zu stärken und bei der (Wieder-)Eingliederung in ein “normales” Leben zu helfen. In diesem Zusammenhang werden häufig auch eine psychologische und eine sozialpädagogische Betreuung relevant.

Tipp:Wenn Sie denken, dass Ihr Kind von einer rheumatischen Erkrankung betroffen sein könnte, helfen verschiedene Einrichtungen wie etwa die spezialisierte Rheumastiftung Deutsche Kinderrheuma-Stiftung oder auch der Bundesverband Kinderrheuma e.V. weiter.

5. FAQs rund um Kinderrheuma: Die 3 wichtigsten Fragen

5.1. Wie sieht die Lebenserwartung bei Kindern mit Rheuma aus?

Wie hoch die Lebenserwartung von Kindern mit Rheuma ist, unterscheidet sich von Kind zu Kind. Der individuelle Krankheitsverlauf sowie die geschädigten Körpersysteme spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Grundsätzlich ist es aber möglich, dass Kinder mit der richtigen Therapie über viele Jahre hinweg beschwerdefrei leben können.

5.2. Wie steht es um die richtige Ernährung bei Kinderrheuma?

Diätische Kost oder sogenannte Schonkost werden im Zusammenhang mit kindlichem Rheuma nur sehr selten verordnet. Einseitige Ernährung kann zu Mangelerscheinungen führen, die sich nicht nur in Laborwerten äußern, sondern auch die Erkrankung begünstigen können. Allgemein gelten fette Fleischsorten als schlechter verträglich und sollten deshalb nur selten auf dem Speiseplan stehen.

5.3. Wie gut sind alternative Behandlungsmethoden bei Kinderrheuma?

Klassische Medikamente, wie etwa MTX, die bei Rheuma häufig eingesetzt werden, können verschiedene Nebenwirkungen mit sich bringen. Viele Eltern würden deshalb gern auf alternative Behandlungsmethoden und/oder homöopathische Mittel setzen. Diese werden laut Fachmedizinern aber in erster Linie als begleitende Therapiemethoden empfohlen und sollten die spezialisierte Rheuma-Therapie aufgrund der fehlenden Forschung zur Wirksamkeit nicht ersetzen.

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