Körperliche Behinderungen: Herausforderungen und Hilfsmittel im Alltag

Ein süßes Kind mit farbigen Fingern
  • Babys können von körperlichen Behinderungen ebenso betroffen sein, wie Kinder oder Erwachsene, denn die Beeinträchtigungen können sowohl angeboren sein, als auch später im Leben auftreten.
  • Hilfsmittel erleichtern den Alltag, indem sie ein barrierefreies Zusammenleben unterstützen und dafür sorgen, dass das Handicap einen geringeren Stellenwert im Alltag einnimmt.
  • Ist der Stütz- und Bewegungsapparat des Körpers nicht vollständig intakt, leidet eine Person an einem „physiologischen Defizit”. Wirken sich die körperlichen Beeinträchtigungen auch auf das Sozialleben aus, handelt es sich um eine „körperliche Behinderung”.

Die körperliche Behinderung eines Familienmitglieds stellt jede Familie vor eine große Herausforderung. Besonders wenn Babys oder Kinder unter einer körperlichen Behinderung leiden, müssen Eltern einiges beachten und den Alltag behindertengerecht gestalten.

Wir haben das Thema für Sie aufbereitet und möchten Sie mit Tipps und Wissen unterstützen. Erfahren Sie im folgenden Artikel, welche Arten körperlicher Beeinträchtigungen existieren, was Sie als Eltern tun können, um Ihr Kind bestmöglich zu unterstützen und welche Hilfsmittel den Alltag Ihrer Familie entlasten.

1. Definition: körperliche Behinderung

Als körperliche Behinderung wird ein physiologisches Defizit oder „Handicap” bezeichnet, das sich auf das Sozialleben der betroffenen Person auswirkt. Gründe für die Beeinträchtigung sind meist chronische Erkrankungen oder Einschränkungen am Stütz- und Bewegungsapparat (z.B. in Folge eines Unfalls). Auch Organschäden können eine körperliche Behinderung nach sich ziehen.

1.1. Die Behinderung kann körperlich oder geistig sein

Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten der körperlichen Behinderung unterschieden: Zum einen gibt es den somatischen und zum anderen den sozialen Aspekt. Während beim somatischen Aspekt die körperlichen Behinderungen eines Menschen im Vordergrund stehen, rückt der soziale Aspekt andersartige Verhaltensweisen in den Fokus.

Somatischer Aspekt Sozialer Aspekt
  • Jegliche körperliche Auswirkungen der Behinderung
  • Cerebrale Bewegungsstörungen
  • Multiple Sklerose
  • Querschnittslähmungen
  • Bezieht sich auf erwartete Verhaltensweisen aufgrund der Beeinträchtigung
  • Abweichendes Verhalten und dessen Auswirkung auf die Betroffenen
Ein blindes Mädchen lernt lesen.

Die Schule muss passend für die körperliche Behinderung ausgesucht werden.

Körperliche Behinderungen können Kinder und Erwachsene aller Altersgruppen treffen. Die unterschiedlich ausgeprägten Symptome lassen sich aufgrund der Vielzahl an Arten von Behinderungen in diesem Ratgeber nicht vollständig erläutern. Angemerkt sei allerdings, dass eine körperliche Behinderung auch als Mehrfachbehinderung auftreten kann und in einigen Fällen körperliche und geistige Behinderungen gemeinsam auftreten.

1.2. Definition der Weltgesundheitsorganisation

Neue Perspektiven auf den Begriff „Behinderung”

Zunehmend wird auch der Einfluss der Umwelt auf Menschen mit Behinderungen in der Forschung mit einbezogen, worunter z.B. die Barrierefreiheit fällt. Ein suboptimales Umfeld kann eine verstärkte Ausgrenzung zur Folge haben, die zur psychischen Belastung geraten kann und therapeutisch begleitet werden muss.

Die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu “körperliche Behinderungen” basiert auf drei Begriffen:

  • Impairment: Dauerhafter gesundheitlicher Schaden, der angeboren oder die Folge einer Erkrankung oder eines Unfalls ist.
  • Disability: Fähigkeiten und Aktivitäten werden durch die körperliche Behinderung deutlich verringert.
  • Handicap: Die Beeinträchtigung wirkt sich auf das soziale Leben aus und äußert sich im persönlichen,familiären sowie im gesellschaftlichen Leben.

Mehr Informationen finden Sie in dem Ratgeber für Menschen mit Behinderungen vom Ministerium für Arbeit und Soziales.

2. Das Krankheitscodesystem der Ärzte gibt Aufschluss über die Behinderung

Ärzte nutzen ein Codesystem zur Verschlüsselung der Krankheitsdaten, das unter dem Begriff ICD-10 bekannt ist. Die Buchstaben ICD stehen für „International Classification of Diseases”. In der deutschen Ausführung besteht der Katalog aus 22 Kapiteln und zwei Abschnitten: dem systematischen Verzeichnis und dem alphabetischen Verzeichnis. Jeder Krankheit wird im ICD-10 Katalog ein Code zugeordnet, unter denen auch Behinderungen zu finden sind.

Tipp: Auf jedem Krankenschein Ihres Arztes finden Sie den ICD Code Ihrer Krankheit. Damit wird Ihr Arbeitgeber zwar über Ihre Krankheit informiert, jedoch erhält er keine genauen Details zu Ihrer Erkrankung.

3. Behinderungen sind angeboren oder entstehen durch Unfälle

Kinder, die von Geburt an mit einer körperlichen Behinderungen leben, erhalten sofort nach der Diagnose die erforderliche Therapie. Die Ursachen für eine derartige Beeinträchtigung können vielfältig sein. Beispiele dafür sind:

  • Genetische Defekte
  • Schädigung von Organen
  • Chronische Erkrankungen
  • Schädigung des Bewegungs- und Stützapparates
Ein Kind im Rollstuhl schmust mit einem Hund.

Tiertherapien werden immer beliebter, da sie Kindern helfen, ihre Umwelt anders wahrzunehmen. Herby ( Herbert )

Körperliche Behinderungen bei Kindern können auch später z.B. nach einem Unfall auftreten, dessen Risiken nicht kalkulierbar sind. Erst nachdem eine körperliche Behinderung ärztlich diagnostiziert wurde, kann nach einer geeigneten Therapieform gesucht werden.

Die notwendige Therapie wird konkret mit dem Krankheitsbild des Betroffenen abgestimmt. So ist die Physiotherapie bei körperlichen Behinderungen bereits bei Babys und Kindern von enormer Wichtigkeit. Oft werden auch Möglichkeiten zum Sport angeboten oder eine Therapie mit Tieren in Betracht gezogen.

Achtung:Sportliche Aktivitäten sollten stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, um negative Konsequenzen zu vermeiden.

Neben der Physiotherapie sind auch Ergotherapie und Logopädie wichtig für die individuelle Förderung und Entwicklung des Kindes.

4. Kinder mit körperlichen Behinderungen lernen in integrativen Schulklassen

Eine integrative Schulklasse

In integrativen Schuklassen lernen Kinder mit körperlichen Behinderung zusammen mit Kindern ohne Einschränkungen.

Auch Kinder mit körperlicher Behinderung unterliegen der Schulpflicht. Die Frühförderung beginnt bereits lange vor dem Schulalter der Kinder. Bereits als Baby werden in entsprechenden Frühfördereinrichtungen die Sinne geschult und die Motorik trainiert.

Nach der Frühförderung muss entschieden werden, welche Schule die optimalen Bedingungen für Ihr Kind bieten kann. Es gibt Einrichtungen, in denen Kinder ohne Einschränkung gemeinsam mit behinderten Kindern lernen. In integrativen Klassen erleben sie zudem einen Alltag, der möglichst normal gestaltet ist.

Tipp: Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt oder Therapeuten. Dort bekommen Sie wichtige Informationen zu Förderangeboten in Ihrer Stadt.

In der Pubertät bekommen die Themen Liebe und Sexualität eine größere Bedeutung. Eltern und Kinder finden beratende Unterstützung beim behandelnden Therapeuten oder bei Einrichtungen wie Profamilia. Im Mittelpunkte stehen dabei Festlegung traditioneller Rollenbilder, Konfliktlösungen und die Hilfe zur Selbsthilfe.

5. Welche Hilfsmittel gibt es, die den Alltag erleichtern?

Mittlerweile gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die Defizite infolge einer körperlichen Behinderung ausgleichen oder zumindest reduzieren. Auch viele öffentliche Einrichtungen sind mittlerweile barrierefrei gestaltet, sodass die eigenständige Bewältigung des Alltags für Menschen mit körperlicher Behinderung ermöglicht wird. Wer in seiner Bewegung eingeschränkt ist, erfährt mit Hilfe von Rollstuhl, Rollator, Hebebühne und Treppenlift, dass viele Barrieren mit den entsprechenden Mitteln zu überwinden sind.

Bei motorischen Schwierigkeiten oder für Rollstuhlfahrer stellen beispielsweise Greifhilfen eine enorme Erleichterung dar.

Vor- und Nachteile des Einsatzes technischer Hilfsmittel im Alltag

  • Förderung der Unabhängigkeit
  • Verbesserte Mobilität
  • Selbstbestimmung
  • Barrierefreies Wohnen
  • Entlastung der Angehörigen
  • Unüberwindbare Hindernisse bei technischen Störungen
  • Abhängigkeit von Technik

Menschen mit körperlicher Behinderung erhalten einen Schwerbehindertenausweis, wenn sie ihn bei der zuständigen Gemeinde beantragen. Mit diesem Ausweis können öffentliche Verkehrsmittel kostenlos genutzt und Behindertenparkplätze in Anspruch genommen werden. Je nach Grad der Behinderung wird die Schwere aufgrund der ärztlichen Diagnose durch Prozente auf dem Ausweis vermerkt.

 

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