Krätze: Ungebetener Besuch von Milben

Krätze
  • Krätze wird von Milben verursacht, die sich auf der Haut des Menschen ansiedeln.
  • Die Milben können jederzeit von Mensch zu Mensch übertragen werden, wobei hygienische Umstände keine größere Rolle spielen .
  • Sind Kinder und Babys von Krätze betroffen, muss abgewogen werden, ob eine Behandlung mit Cremes oder Medikamenten verträglicher ist.

Was ist das bloß? Plötzlich fängt die Haut an zu jucken und man denkt an einen Ausschlag. Aber eine weitere Ursache dafür kann die ansteckende Erkrankung Krätze (Scabies) sein. Erst nach Wochen bemerkt der Betroffene das Werk der kleinen Milben, die ihre Eier unter die oberste Hautschicht legen. Dann beginnt der Juckreiz und es liegt an den Betroffenen, dem Leiden schnellstmöglich ein Ende zu bereiten. Erfahren Sie hier, woher die Krätze stammt und wie Krätze bei Kindern und Babys zu behandeln ist.

1. Ursachen: Die Milbe sucht sich ihren Wirt selbst aus

Krätze Ursachen

Die weibliche Krätzmilbe ist bis zu 0,5 mm groß.

Krätze wird durch Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) verursacht, die über vielfältige Wege den Menschen befallen können. Die Milbe ist auf den Menschen als Wirt angewiesen und kann nur kurze Zeit in einer anderen Umgebung überleben. Eine Krätzmilbe ist bis zu 0,5 Millimeter groß und rundlich. Sie benötigt wie andere Milben Sauerstoff, weshalb sie sich immer auf der Haut bzw. nur in der ersten Hautschicht aufhält. Sie ernährt sich von Lymph- und Hautzellen.

Während die männlichen Krätzmilben auf der obersten Hautschicht siedeln, bohren die weiblichen Milben Gänge in die Hornschicht. Dort graben sie Gänge, an deren Ende sie ihre Eier ablegen. Die rötlichen Linien der Gänge sind bei genauer Betrachtung zu erkennen, manchmal fehlen sie auch. Sie schließen immer mit dem Milbenhügel ab, der auf den ersten Blick als rotes Knötchen zu erkennen ist. Der menschliche Körper reagiert auf den Milbenbefall mit kleinsten Entzündungen der Haut, die durch das Kratzen noch schlimmer werden. Krätzmilben vermehren sich sehr schnell, weshalb je nach Milbenart nach wenigen Wochen schon große Teile des Körpers betroffen sein können. Gefährlich ist Krätze jedoch nicht.

Krätze kann durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Deshalb zählt die Erkrankung zu den sexuell übertragbaren Krankheiten.

2. Symptome: Juckreiz und entzündete Knötchen

Die Krätze macht sich zumeist erst nach einigen Wochen bemerkbar, nachdem die weiblichen Milben sich in die oberste Hautschicht eingegraben haben, um dort ihre Eier abzulegen.

Dann können Betroffene die folgenden Symptome wahrnehmen:

  • extrem starker Juckreiz
  • schuppige Haut mit kleinen Knötchen und Pickeln, in denen die Milben ihre Eier legen
  • durch das Jucken kann die Haut stark gerötet bis blutig gekratzt sein
  • bei sehr genauem Hinsehen erkennt man zwischen den Knötchen die Gänge der Milben
  • sehr selten reagiert das Immunsystem auf den Befall mit einem Hautausschlag am ganzen Körper

Milben benötigen zur Fortbewegung ein warmes Klima. Deshalb tritt der Juckreiz vor allem nachts unter der warmen Bettdecke auf.

Neben der klassischen, gemeinen Krätze gibt es Sonderformen, die je nach Ausprägung leichtere oder schwerere Symptome mit sich bringen. Hier gibt es einen Überblick über die häufigsten Formen.

Art der Krätze Beschreibung
Gepflegte Krätze (Scabies incognita) Hier fehlen oft die Milbenhügel und der Juckreiz tritt vermeintlich ohne Ursache auf. Diese spezielle Form zeigt sich häufig bei Menschen, die oft baden.
Granulomatöse Krätze (Scabies granulomatosa) Hierbei bilden sich rote bis braune knotige Entzündungen, die bis in tiefere Hautschichten reichen. Sie bleiben oft noch lange nach dem Behandlungsende bestehen und sind vermutlich auf Milben zurückzuführen, die in tiefere Hautschichten gelangten.
Scabies crustosa Besonders schwere Form der Krätze, die vor allem bei immunschwachen Menschen (ältere Menschen, Babys und Kinder) auftritt. Der Befall ist sehr stark, auch die Kopfhaut kann betroffen sein. Es ist auch eine Übertragung über Gegenstände möglich. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung können einzelne juckende Stellen bestehen bleiben.

Da die Milben in der Regel nicht in tiefere Hautschichten eindringen und Sauerstoff zum Überleben benötigen, tritt Krätze vor allem an den folgenden, weicheren Hautstellen auf:

  • Hand und Handgelenke
  • zwischen den Fingern und Zehen
  • Bauchnabel
  • Brust- und Achselbereich
  • Genitalbereich

Tritt Krätze bei Kindern auf, kann diese auch an den Fußsohlen oder im Gesicht zu finden sein, da die Hornhaut bei Kindern noch dünner ist.

3. Übertragung: Langer Körperkontakt ist notwendig

Krätze Symptome

Krätzmilben mögen es warm, weshalb der Juckreiz vor allem nachts im Bett auftritt.

Die Krätzmilben werden von Mensch zu Mensch übertragen. Dazu benötigt es einen engen Hautkontakt, der einige Minuten anhält. Bei der Krätze siedeln sich im Normalfall nur wenige Milben auf dem Körper an, denn bevor es zu einer enormen Besiedelung kommen könnte, wird zumeist die Behandlung eingeleitet. Es reicht jedoch nur eine einzige weibliche Milbe zur Übertragung der Krätze auf einen Menschen als neuen Wirt.

Die Ansteckung ist in allen Altersgruppen und unabhängig von den hygienischen Maßnahmen möglich. Die Krätze bei Babys und Kindern kann beispielsweise beim Kuscheln mit den Eltern übertragen werden. Auch eine Ansteckung im Kindergarten ist grundsätzlich möglich. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist die Übertragung beim Reinigen und Pflegen von Patienten möglich. Nicht zuletzt kann Krätze auch über den Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Die Übertragung der gewöhnlichen Krätze über Kleidung oder Bettdecken ist hingegen sehr selten. Die Milben können nur wenige Stunden außerhalb ihres Wirtes überleben und sie bewegen sich nur sehr langsam fort.

4. Verlauf und Diagnose: Schnelle Erfolge möglich

Krätze bei Kindern

Die Krätze kann sich durch entzündliche Knoten zeigen.

Befallen Krätzmilben die Haut, wird es von den Betroffenen zunächst gar nicht bemerkt. Es dauert in der Regel zwischen drei und sechs Wochen, bis unser Immunsystem den Eindringling registriert und mit den typischen Symptomen reagiert. Eine Ausnahme gilt, wenn übermäßig viele Krätzmilben die Haut besiedeln. Die Immunreaktion kann dann nach wenigen Tagen eintreten.

Sobald die Symptome auftreten, sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Manchmal ist es möglich, beim Blick auf die Haut umgehend eine Diagnose zu stellen. In der Regel wir der Mediziner jedoch eine der folgenden Möglichkeiten nutzen, um die Krätze-Diagnose zu stellen:

Pyrethrine

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte die US-Marine ein Insektizid aus gemahlenen Chrysanthemenblüten und Petroleum. Es wurde gegen Stechmücken und Fliegen eingesetzt. Heute wird der Naturstoff Pyrethrine auch in Hautsalben gegen Krätze benutzt.

  • Auflichtmikroskop: Hierbei wird die Haut des Betroffenen direkt untersucht. Unter dem Auflichtmikroskop erkennt der Mediziner die für Krätze typischen Bilder von Milbenhügeln und ggfs. die Milbengänge. Manchmal sind auch die Milben selbst zu sehen.
  • Tintenmethode: Auf eines der Knötchen auf der Haut wird etwas wasserlösliche Tinte geträufelt. Danach wird die Tinte mit einem alkoholhaltigen Pad vorsichtig abgerieben. So werden die Gänge sichtbar, die von der Tinte eingefärbt sind.
  • Tesafilmabriss: Einer der intakten Milbenhügel auf der Haut des Erkrankten wird etwas eingefettet. Anschließend klebt der Mediziner einen Klebestreifen auf die betroffene Haut und reißt den Klebestreifen mit einem Ruck ab. So bleiben Milben oder die Larven kleben. Unter dem Mikroskop untersucht der behandelnde Arzt den Klebestreifen und kann schließlich die Krätze diagnostizieren.
  • Mikroskopische Untersuchung: Der Arzt öffnet eines der Knötchen, in dem die weibliche Milbe mit ihren Eiern und Larven sitzt. Er schabt den Milbenhügel aus und untersucht das Material unter einem Mikroskop.

Tritt die Krätze zum wiederholten Male auf, reagiert das Immunsystem schneller und der Juckreiz tritt nach wenigen Tagen ein.

5. Behandlung und Vorbeugung: Krätzmilben mit Salben loswerden

Krätze Übertragung

Zur Übertragung der Krätze braucht es Körperkontakt über mehrere Minuten.

Sobald die Krätze diagnostiziert ist, kann mit den Maßnahmen zur Bekämpfung begonnen werden. Im Normalfall reicht die ambulante Behandlung. Nur bei schweren Fällen, beispielsweise bei Scabies crustosa, ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Haben Babys Krätze, muss abgewogen werden, ob eine Therapie zu Hause möglich ist.

Zur Behandlung der Krätze können Medikamente (systemische Therapie) oder Salben (örtliche Therapie) angewendet werden. Das Ziel ist dabei immer, dass die Krätzmilben mit Eiern und Larven abgetötet werden. Besonders häufig kommt hierbei das Insektizid Permethrin zum Einsatz.

Die Hautcreme wird großflächig auf die betroffenen Haustellen aufgetragen und je nach ärztlicher Anweisung nach acht bis zwölf Stunden abgewaschen. Im besten Fall sind nach der einmaligen Behandlung alle Erreger abgetötet und eine vollständige Heilung ist eingetreten. Geht die Krätze nicht weg, kann die Behandlung nach 14 Tagen wiederholt werden. Kommt die Krätze immer wieder, kann die medikamentöse Behandlung eingeleitet werden.

Tipp: In Deutschland besteht für Krätze keine Meldepflicht.

Unterstützend zur schulmedizinischen Behandlung kann Babyöl und Teebaumöl als Hausmittel eingesetzt werden, um die strapazierte Haut zu pflegen und den Juckreiz zu senken. Es gibt wohl auch einige Versuche, in denen das Teebaumöl durch das Einreiben der betroffenen Stellen die Milben abtötete.

5.1. Krätze bei Schwangeren und in der Stillzeit behandeln

Krätze Therapie

Unter dem Mikroskop zeigen sich die Krätzmilben und ihre Larven.

Tritt die Krätze während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit auf, gibt es bisher keine offizielle Therapie. Die gängigen Medikamente und Salben sind in hohen Dosen giftig und gelangen durch die Einnahme bzw. die Haut in den Organismus. Es kann also passieren, dass die Wirkstoffe über die Muttermilch bzw. die Plazenta zum Baby gelangen. Untersuchungen zu den Folgen gibt es bisher nicht. Mit dem behandelnden Arzt muss deshalb gemeinsam abgewogen werden, welche Behandlung möglich ist.

5.2. Krätze bei Babys und Kindern

Bei Kindern und Babys ist die Krätze besonders schwierig zu behandeln, denn die Kleinen leiden unter dem Juckreiz enorm. Ein Kind kratzt sich ungehemmt, wodurch die Entzündungen sich verstärken können. Zwischen dem Feststellen der Erkrankung und dem Behandlungsbeginn darf das betroffene Kind nicht in der Schule sein oder in den Kindergarten gehen. Wurde das Kind gegen Krätze behandelt, darf es die Einrichtung wieder besuchen.

5.3. Vorsicht vor weiterer Ansteckung

Krätze

Zur Behandlung werden die betroffenen Stellen mit einer Salbe eingecremt.

Da die Inkubationszeit sehr lang ist, kann eine Ansteckung mit Krätze sehr spät sichtbar werden. Tritt die Krätze nun in der Familie auf und wird diese behandelt, sollten sich deshalb alle Familienmitglieder auch vorsorglich behandeln lassen. Sie können sich bereits unwissentlich angesteckt haben. Um alle Übertragungswege zu verhindern, sollten Bettbezüge, Tagesdecken etc. gründlich durchgewaschen werden.

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