Das Leben mit einem behinderten Kind

vater und behindertes kind lachen im krankenhaus
  • Das Leben mit einem behinderten Kind stellt alle Mitglieder einer Familie vor einige Herausforderungen.
  • Für die Bewältigung des Alltags können dabei unterschiedliche Hilfen in Anspruch genommen werden.
  • Die finanzielle Unterstützung reicht von Kindergeld über Pflegegeld bis zu weiteren Zuschüssen.

Das Leben mit einem behinderten Kind wartet an vielen Ecken im Alltag mit besonderen Herausforderungen auf. Neben der besonderen Freude berichten Eltern auch von vielen Hürden. Hierbei ist es für die Eltern und das beeinträchtigte Kind selber entscheidend, wie das Umfeld reagiert.

Denn nur mit viel Unterstützung und Verständnis kann man diesen besonderen Alltag wirklich gut meistern. Auf staatlicher Seite gibt es dabei einiges an finanzieller Unterstützung, die man beantragen kann.

Auch bei der Organisation des Alltags können die Eltern sich und das behinderte Kind durch Unterstützung entlasten. Denn nur mit der nötigen Entlastung auf vielen Ebenen bleibt am Ende auch Zeit für die eigentlich ganz normalen Momente im Familienleben.

1. Finanzielle Unterstützung

Neben dem Kindergeld gibt es weitere Zuschüsse, die man für sich und die Entlastung der Familie nutzen sollte. Hierbei sollte man sich nicht als Bittsteller fühlen, sondern klar sehen, dass man vor einer besonderen Herausforderung steht. Durch diese besondere Situation hat man ebenfalls ein Anrecht auf eine besondere Unterstützung.
Ob es dabei die höheren Kosten im Alltag durch besondere Kleidung, notwendige Umbaumaßnahmen, Fördermaßnahmen oder auch das notwendige berufliche Zurückstecken eines der Elternteile ist  die Finanzen einer Familie mit einem beeinträchtigten Kind sind mehrfach belastet.
Nutzen Sie aus dem Grund unbedingt die Möglichkeiten, die sich Ihnen in Deutschland bieten. Und diese sind neben Kindergeld und dem Absetzen der Betreuungskosten über die Steuer doch noch einige Möglichkeiten.

1.1. So beantragen Sie Pflegegeld

kind mit down-sydrom hat bunt bemalte haende

Unterstützung ist notwendig, damit man die positive Vielfalt und Freude im Alltag wieder sehen kann.

Unabhängig davon, ob Ihr Kind geistig oder körperlich beeinträchtigt ist, haben Sie in den meisten Fällen im Alltag einen höheren Pflegeaufwand. In vielen Fällen steht Ihnen aus diesem Grund Pflegegeld zu. Wie Sie dieses Geld verwenden, bleibt dabei Ihnen überlassen. Ob Sie es dabei beispielsweise für professionelle Hilfe nutzen oder zur anderweitigen Entlastung Ihrer Person oder der gesamten Familie, ist alleine Ihre Entscheidung.
Pflegebedürftig ist ein Kind dann, wenn es bei regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Alltag permanent auf fremde Hilfe angewiesen ist. Hierbei wird zwischen drei verschiedenen Stufen entschieden. Die Höhe des Pflegegeldes hängt dabei von der festgestellten Pflegebedürftigkeit Ihres Kindes ab. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (kurz MDK) stellt bei einem Besuch den Grad der Pflegebedürftigkeit fest.
Pflegestufe I: Als erheblich pflegebedürftig gilt ein Kind, wenn es bei der Körperhygiene, der Ernährung oder seiner Mobilität mindestens für zwei Verrichtungen aus einem dieser genannten Bereiche täglich mindestens einmal Hilfe benötigt. Des Weiteren benötigt ein solches Kind mehrfach in der Woche Unterstützung in seiner alltäglichen Grundversorgung.
Pflegestufe II: Als schwerpflegebedürftig gilt ein Kind, wenn es mindestens dreimal am Tag zu verschiedenen Zeiten Hilfe in den Bereichen der Körperhygiene, der Ernährung oder seiner Mobilität benötigt. Es benötigt ebenfalls mehrfach in der Woche Unterstützung in seiner alltäglichen Grundversorgung.
Pflegestufe III: Ein schwertpflegebedürftiges Kind benötigt rund um die Uhr Unterstützung in den Bereichen der Körperhygiene, der Ernährung sowie seiner Mobilität. Auch dieses Kind ist zusätzlich hierzu mehrfach in der Woche auf Unterstützung in seiner alltäglichen Grundversorgung angewiesen.

Tipp: Sie können sich auf diesen Besuch ideal vorbereiten, indem Sie ein Pflegetagebuch führen. Halten Sie in diesem fest, bei welchen Tätigkeiten Ihr Kind besondere Hilfe benötigt. Zählen Sie auch unterschiedlichen Maßnahmen auf, die für Ihre Alltagsbewältigung notwendig sind.

1.2. Wie viel Unterhalt muss im Scheidungsfall gezahlt werden?

Viele Beziehungen sind der größeren Belastung, die ein behindertes Kind mit sich bringt, nicht auf lange Sicht gewachsen. An vielen Stellen müssen Entscheidungen getroffen werden und dies birgt zusätzliches Konfliktpotential.
Sollte die Beziehung hieran scheitern, bleibt die Frage, was steht mir zu? Die Unterhaltsberechnung unterscheidet sich erst einmal nicht von der gewöhnlichen Berechnung des Unterhalts. Allerdings gilt hierbei, dass der unterhaltspflichtige Elternteil sich aufgrund der höheren Unterhaltspflicht ausschließlich auf den notwendigen Selbstbehalt berufen kann.
Dieser Umstand ist wichtig, da gewöhnlich ein behinderungsbedingter Mehrbedarf festgestellt wird. Bei vielen nicht ganz offensichtlichen Behinderungen sind hierfür die entsprechenden ärztlichen Gutachten entscheidend.
Der Mehrbedarf sollte vorab konkret ermittelt werden. Die Mehrkosten können aus den folgenden Punkten bestehen:

  • durch eine behindertengerechte Ausstattung der Wohnung
  • durch Erziehung, Pflege sowie die tägliche Versorgung
  • für die fachgerechte Betreuung
  • für die besondere Kleidung sowie entsprechende Hygieneartikel
  • durch spezialärztliche Versorgung sowie besondere Fördermaßnahmen
  • im Bereich der Freizeit- und Urlaubsgestaltung

Unterschieden wird dabei ebenfalls zwischen einem sogenannten Mehrbedarf und einem Sonderbedarf.
Unter einem Mehrbedarf versteht man dabei den Teil des Lebensbedarfs, welcher regelmäßig innerhalb einer längeren Periode anfällt. Zudem übersteigt er dabei deutlich die üblichen Kosten, welche den Regelsätzen zugrunde liegen.
Unter den Begriff Sonderbedarf fallen all die Kosten, die unregelmäßig und nicht auf Dauer bestehen. Beispiele hierfür sind ein Behindertenfahrzeug, eine Brille, ein spezielles Fahrrad oder auch ein Rollstuhl.

2. Organisatorische Unterstützung

Neben den finanziellen Hilfen können Sie auf organisatorische Hilfen zurückgreifen. Auch hier gibt es einige Möglichkeiten, über die Sie sich zumindest informieren sollten. Denn manche dieser Möglichkeiten können in akuten Situationen wichtig sein.

2.1. Haushaltshilfe als weitere Unterstützung

In vielen Fällen haben Sie mit einem behinderten Kind einen Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Diesen Anspruch müssen Sie gewöhnlich mit Ihrer Krankenkasse klären. Sprechen Sie bei Interesse sowohl Ihren behandelnden Arzt als auch Ihre Krankenkasse an.
Eine Haushaltshilfe kann Sie in allen Bereichen des Haushaltes tatkräftig unterstützen. Ob es sich dabei um Einkäufe, Kochen, Waschen, Bügeln oder Aufräumen handelt, spielt dabei erst einmal keine Rolle.
Ihr Kind benötigt einen Hund aufgrund seiner Behinderung? Fragen Sie auch hier einmal konkret nach, was Ihnen im Fall eines behinderten Kindes und einem Hund an Unterstützung zur Verfügung steht.
Wünschen Sie hingegen jemanden, der mit Ihren anderen Kindern oder Ihrem anderen Kind zum Ausgleich besonders Zeit verbringt, sollten Sie sich im Bereich der Familienhilfe umhören. Dies kann Sie auf der einen Seite entlasten. Auf der anderen Seite fördert es die Zufriedenheit Ihrer anderen Kinder.

Tipp: Auch im Falle zwei behinderter Kinder ist die Familienhilfe gegebenenfalls eine interessante Möglichkeit der Entlastung.

2.2. Im Falle einer eigenen Krankheit

Bereits mit kleinen Kindern, die sich innerhalb der Norm entwickeln, ist es für Eltern eigentlich unmöglich, krank zu werden. Diese Situation verschärft sich im Falle eines Lebens mit einem behinderten Kind noch einmal deutlich. Denn wer übernimmt in dem Fall, wenn es Ihnen nicht gut genug geht?
Auch hier gibt es besondere regionale Angebote, die im Akutfall schnell verfügbar sind. Informieren Sie sich auch hier bei Ihrem Arzt sowie Ihrer Krankenkasse über die verschiedenen konkreten Möglichkeiten. Legen Sie sich am besten bereits für den Notfall entsprechende Nummern zurecht.

Tipp: Erkundigen Sie sich auch bei einer Gleichstellungsbeauftragten, ob Ihnen mehr Urlaub zusteht. Um Ihr Kind optimal in der Familie betreuen zu können, haben Sie in vielen Fällen einen Anspruch auf mehr Urlaub.

2.3. Förderprogramme im Kindergarten und in der Schulzeit nutzen

Ihr Kind hat einen Anspruch auf eine Teilhabe am sozialen Leben. Es soll ihm möglich sein, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten bestmöglich zu entwickeln und sich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben. Dies ist einer der Grundsätze der integrativen Bildung.
Damit dies ideal gelingt, sollten Sie die Angebote nutzen und sich aktiv schlau machen. Vielleicht steht Ihrem Kind eine persönliche Hilfe zu, die Ihr Kind besonders im Alltag begleitet? Sie unterstützt Ihr Kind beim Besuch des Kindergartens sowie in der Schule in den Bereichen, in welchen es Förderung benötigt.
Sprechen Sie hier mit den Erziehern, den Lehrern sowie der Leitung der Einrichtungen. Fragen Sie ebenfalls an höheren Stellen nach den unterschiedlichen Angeboten für Ihr Kind.

3. Ein Netzwerk bilden

zwei jungs in bibliothek, eine sitzt im rollstuhl, der andere schiebt ihn

Freunde und soziale Teilhabe sind für das menschliche Leben immer wichtig.

Der Spruch „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ gilt insbesondere für Kinder mit einem besonderen Bedarf. Für Sie als Eltern ist Ihr Netzwerk aus diesem Grund enorm wichtig. Gerade wenn die eigene Familie vielleicht nicht in der Nähe sind oder aufgrund ihres Alters oder eigenen Befindlichkeiten mit Ihrem Kind überfordert sind.
Arbeiten Sie an diesem kontinuierlich und aktiv. Hiermit helfen Sie nicht nur Ihrem Kind sondern auch sich selber. Denn Sie erhalten nicht nur tatkräftige Unterstützung sondern auch immer wieder neue Impulse durch die anderen Menschen.

3.1. Nachbarn und zugewandte andere Eltern am Leben teilhaben lassen

Schauen Sie sich aktiv in Ihrer Nachbarschaft um. Mit welchen Menschen fühlt sich Ihr Kind wohl? Wer zeigt positives Interesse an Ihnen und Ihrem Kind?
Besuchen Sie mit Ihrem Kind im Rahmen Ihrer Möglichkeiten offizielle Feste. Das können Straßenfeste, Umzüge oder auch Kindergarten- oder Schulfeste sein. Hierbei können Sie andere Eltern anders und ungezwungen kennenlernen.
Viele beeinträchtige Kinder können nicht ganz alleine Freundschaften entwickeln. Trotz dessen ist es für sie wichtig, auch Kinder um sich zu haben. Bieten Sie ihm besondere Gelegenheiten hierfür. Laden Sie Eltern mit Ihren Kindern ein und versuchen Sie Kontakte aufzubauen.

3.2. Selbsthilfegruppen

In vielen Regionen gibt es für einige Beeinträchtigungen Selbsthilfegruppen. Suchen Sie einmal gezielt hiernach in Ihrer Gegend. Suchen Sie den Kontakt mit Menschen, die einer vergleichbaren Situation sind oder waren. Einerseits profitieren Sie von dem Austausch der Erfahrungen. Andererseits können sich hieraus auch tolle Kontakte für Ihr Kind ergeben.

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