Milchzähne: Mit Biss ins Leben starten

Baby mit ersten Zähnen
  • Das Durchbrechen der Milchzähne ist ein mehrjähriger Prozess.
  • Eltern können mit Hausmitteln wie Tees und Veilchenwurzel das Zahnen erleichtern.
  • Mit der richtigen Mundhygiene können Zahnkrankheiten bei Kindern vermieden werden. 

Die Entwicklung eines Kindes ist in den ersten zwei Lebensjahren rasant. Es gibt so vieles zu entdecken und zu lernen. Und ganz nebenbei wächst der kleine Körper heran und wird von Monat zu Monat um 20 Zähne reicher.

Das Durchbrechen der Milchzähne bei Babys ist ein wichtiges Thema für die Eltern, denn oft rauben die Begleiterscheinungen allen den Schlaf und die Ruhe. Es kann aber viel getan werden, damit das Zahnen möglichst nebenbei vonstatten geht und Kinder mit gesunden Zähnen in das Leben starten können. Hier erfahren Sie alles zum Zahnen und der optimalen Pflege von Milchzähnen bei Babys.

1. Die Milchzähne: Platzhalter für das Erwachsenengebiss

Milchzähne bei Babys

Milchzähne bei Babys: Die Finger sind beim Zahnen immer dabei.

Die Milchzähne bestehen aus einem Satz von 20 Zähnen. Dabei befinden sich jeweils zehn Zähne im Ober- und Unterkiefer. In jedem Kiefer wachsen etappenweise die Zähne heran: Zumeist kommen jeweils vier Milchschneidezähne, dann die zwei Milcheckzähne und zum Schluss die vier Milchbackenzähne.

Die Anzahl der gleichzeitig durchstoßenden Milchzähne variiert, doch brechen die Schneidezähne häufig im Doppelpack durch.

Zeitspanne Was passiert…
6 Monate Der Schneidezahn bricht durch.
9 Monate Es folgen die seitlichen Schneidezähne.
18 Monate Jetzt brechen die Backenzähne durch, die oft mit Schmerzen verbunden sind.
bis zu 24 Monate Nun folgen die Eckzähne und weitere Backenzähne.
3 Jahre Alle Milchzähne sind sichtbar.
6 Jahre Die ersten bleibenden Backenzähne brechen durch, bevor der erste Milchzahn durchbricht.

Die Milchzähne sind die Platzhalter für die eigentlichen, zweiten Zähne. Sie machen es möglich, dass Babys ab etwa sechs Monaten die erste feste Nahrung zu sich nehmen können. Außerdem sind die Zähne beim Spracherwerb unverzichtbar. Die Milchzähne sind im Gegensatz zum bleibenden Gebiss nicht für einen längeren Verbleib konstruiert.

Sie verfügen über einen etwa 1 mm dicken Zahnschmelz, der viel dünner als bei bleibenden Zähnen ist. Das und der geringere Mineralstoffgehalt macht die Zähne für Karies angreifbarer und erfordert eine Zahnpflege vom ersten Zahn an. Zudem sind die Milchzähne an sehr dünnen Zahnwurzeln befestigt. Die Wurzeln lösen sich mit der Zeit auf, was das Herausfallen der ersten Zähne bewirkt.

Tipp: Keine Sorge, die Milchzähne können je nach Zusammensetzung eine ganz unterschiedliche Färbung haben. Von einer reinweißen bis zu einer bläulichen Färbung ist alles möglich.

2. Zeitplan: Wann Sie mit den Milchzähnen rechnen können

Milchzähne bei Babys

Die Milchzähne bei Babys müssen von Beginn an gepflegt werden.

Die ersten Milchzähne werden zumeist zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat sichtbar. In aller Regel sind es die unteren Schneidezähne, die dem Baby mit deren Durchbruch zu einem verschmitzten Grinsen verhelfen. Bis zum 3. Lebensjahr folgen die weiteren Zähne. Ob die Zähne völlig unbemerkt durchstoßen oder mit wie viel Schmerzen das Zahnen verbunden ist, hängt vom Kind ab.

Ein Mythos ist, dass Kinder beim Zahnen krank werden. Vielmehr handelt es sich um eine Korrelation. Wenn mit durchschnittlich sechs Monaten der erste Zahn durchbricht, beginnen auch viele Eltern mit der Beikost-Ernährung. Wird es zu diesem Zeitpunkt abgestillt, verliert es seinen Nestschutz, was die ersten Infekte wahrscheinlicher macht.

3. Symptome und Hausmittel bei Zahnungsbeschwerden

Das Durchstoßen der ersten Zähne ist natürlich alles andere als angenehm. In den akuten Zahnungsphasen haben fast alle Kinder ihre Finger oder sogar das ganze Fäustchen im Mund, um dem Druckschmerz zu lindern.

Es drückt und tut weh, was Eltern durch verschiedene Symptome bemerken können:

  • Beißen
  • Mit den Fingern am Zahnfleisch reiben
  • Ohrreiben
  • starker Speichelfluss
  • erhöhte Reizbarkeit
  • schlechter Schlaf
  • Saugbedarf
  • Hautausschläge im Gesicht
  • verminderter Appetit
  • leichtes Fieber

Eltern können diese Symptome etwas lindern. Zunächst einmal sollten sie ihrem zahnenden Kind mit Nachsicht begegnen, wenn es über mehrere Tage unleidlich ist.

Außerdem gibt es einige Hausmittel und Hilfsmittel, die die Zahnungsschmerzen lindern:

  • Beißring: Er wird im Kühlschrank gekühlt und lindert die Schmerzen, die die geschwollenen Schleimhäute verursachen
  • Kalter Löffel oder kühler Waschlappen: Alles, was kühl ist, kann nun eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern.
  • Schmerzstillendes Gel oder Salbe: Haben die Kinder besonders große Schmerzen oder wollen sie keine kühlenden Hilfsmittel, kann ein Gel auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.
  • Veilchenwurzel: In der Apotheke bekommt man die getrocknete Wurzel, die schmerzstillend und desinfizierend wirkt.
  • Kamille und Salbei: Die Heilkräuter können als Tee zum Trinken verabreicht werden oder als Tinktur direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.

Gern werden auch Mohrrüben- und Apfelschnitze oder kühler Fenchel gereicht. Wenn die Kinder noch klein sind, sollte immer ein Erwachsener dabei sein, damit die Stücke nicht verschluckt werden.

4. Zahnwechsel: Die bleibenden Zähne bekommen ihren Platz

Milchzähne bei Babys

Der Verlust der ersten Milchzähne ist ein wichtiger Meilenstein.

Passend zum Schulanfang fallen bei vielen Sechs- und Siebenjährigen die ersten Milchzähne aus. Das verursacht immer viel Freude, denn es ist der Beginn einer neuen Zeit.

Im Gegensatz zum Durchstoßen der ersten Milchzähne ist das Ausfallen selten mit Schmerzen verbunden. Die Milchzähne verlieren ihre Wurzeln und so werden auch die Nervenkanäle durchtrennt. Deshalb laufen auch keine Tränen, sondern vielmehr werden die bleibenden Zähne sehnlichst erwartet.

Bevor der erste Schneide- oder Eckzahn sichtbar ausbricht, stoßen zumeist schon ein bis zwei Jahre zuvor die Backenzähne durch. Da sich dort keine Milchzähne befinden, muss kein Zahn ausfallen, damit der neue Backenzahn die Arbeit aufnehmen kann. So machen die 20 Milchzähne in einer bestimmten Reihenfolge nach und nach den 32 zweiten Zähnen Platz. Mit etwa elf bis zwölf Jahren bricht abschließend die zweite Reihe der Backenzähne durch. Erst im Erwachsenenalter werden die Zähne noch einmal ein wichtiges Thema, wenn die Weisheitszähne bei Vorhandensein durchbrechen.

5. Pflege von Milchzähnen: Vom ersten Zahn an

Milchzähne bei Babys

Beim regelmäßigen Zahnarztbesuch wird die Zahngesundheit kontrolliert.

Damit Kinder den besten Start ins Leben haben, sollte bereits das Putzen der Milchzähne selbstverständlich sein. So erlernen sie die Putztechnik von Beginn an und integrieren die Zahnpflege in den Alltag. Schon der erste Milchzahn sollte mit einer weichen Bürste und wenig Zahnpasta ein Mal am Tag geputzt werden. Dafür gibt es auch handliche Fingerzahnbürsten für Babys.

Mit etwa zwei Jahren sollte das morgendliche und abendliche Zähneputzen zur Routine werden. Erst mit etwa acht Jahren, wenn die Kinder auch die Schreibschrift einwandfrei beherrschen, sind sie selbstständig in der Lage, sich die Zähne zu putzen. Bis dahin sollte ein Elternteil immer nachputzen.

6. Krankheiten der Milchzähne: Süßes und Nuckelflaschen meiden

Nursing-Bottle-Syndrome

Kinder sollten nach dem 12. Lebensmonat nicht mehr aus Nuckelflaschen trinken. Desweiteren sollte es vermieden werden, dass Babys nachts mit der Flasche einschlafen.

Auch wenn die Milchzähne nur wenige Jahre ihren Dienst leisten, so müssen sie doch gut gepflegt werden. Gesunde Milchzähne sind wichtig für eine optimale Gebissentwicklung: Fehlt ein Milchzahn vorzeitig, können andere Zähne in ihrem Wachstum beeinflusst werden.

Ist wiederum ein Milchzahn von Karies betroffen, können sich die Kariesbakterien festsetzen und später auf die bleibenden Zähne übergehen. Eine zunehmende Erkrankung der Milchzähne ist die sogenannte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH).

6.1. Milchzahnkaries: Falsches Trinkverhalten oft die Ursache

Milchzähne bei Babys

Babys sollten nicht mit der Nuckelflasche einschlafen.

Milchzahnkaries entsteht zum einen bei unzureichender Zahnpflege, andererseits verursachen auch Babyflaschen die Erkrankung. Wenn bereits Babys und Kleinkinder überwiegend Getränke mit der Nuckelflasche, mit Schnabeltassen oder Trinklerntassen zu trinken bekommen, die Zucker, viele Kohlenhydrate und Fruchtsäure enthalten, dann können sie an Nuckelflaschenkaries (Nursing-Bottle-Syndrome) erkranken.

Der dünne Zahnschmelz wird zerstört, es kann zu einer völligen Zerstörung der Milchzähne kommen, was wiederum zu großen Einschränkungen für das Kind führt. So erlernen die Kinder durch die fehlenden Zähne schlechter das Sprechen und haben Schwierigkeiten beim Kauen. Fehlende Zähne beeinflussen außerdem das Wachstum der nebenstehenden Zähne, die dadurch schief wachsen können.

6.2. Neue Volkskrankheit: Kreidezähne

Milchzähne bei Babys

Die Kreidezähne lösen Karies als wichtigste Kinderzahnkrankheit ab.

Sie sind abgebrochen, haben unschöne braune und gelbe Flecken und jeder Biss auf Kaltes oder Heißes schmerzt. Mittlerweile ist die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, im Volksmund auch “Kreidezähne” genannt, keine Seltenheit mehr. Fast ein Drittel der 12-Jährigen leidet an der Erkrankung, bei deren leichtem Verlauf nur weiße Flecken auf den Frontzähnen zu sehen sind.

In schweren Fällen bröckeln die Zähne weg und ein Aufbau der Zähne gestaltet sich sehr schwierig. Der wegfallende Schutz des Zahnschmelzes macht die Zähne sehr angreifbar, weshalb Karies und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit die Folgen sind. Experten warnen vor einer weiteren Zunahme der Fälle von MIH. Als Ursache hat sich in den vergangenen Jahren Bisphenol A herauskristallisiert. Der Weichmacher steckt in vielen Plastikgegenständen unseres Alltags. Wird er über die Mutter in der Schwangerschaft aufgenommen, scheint er das normale Wachstum der Zähne bzw. das Anlegen der Zahnknospen bereits vor der Geburt zu stören. Eine ursächliche Behandlung ist noch nicht möglich.

7. Speziell: Hexenzahn zur Geburt

Es gibt Babys, die bereits mit einem Schneidezahn zur Welt kommen. Das befremdliche Aussehen dieses prälaktalen Zahnes hat ihm den Beinamen „Hexenzahn“ gegeben. Bei diesem handelt es sich entweder um einen Milchzahn, der viel zu früh durchgebrochen ist oder eine Fehlbildung. Da ein Säugling noch keine Zahnwurzeln hat, fällt der Zahn nach kurzer Zeit aus.

Etwa eines von 10.000 Babys kommt mit einem Hexenzahn zur Welt.

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