Nasenpolypen beim Baby und beim Kind sind keine typische Kinderkrankheit

Nasenpolypen sind keine Kinderkrankheit
  • Nasenpolypen beim Baby oder beim Kind sind selten, außer das Kind leidet an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose.
  • In die Rubrik der klassischen Kinderkrankheiten fällt die Erkrankung der umgangssprachlich als „Polyp“ bezeichneten Rachenmandeln.
  • Vor allem die Atmung der Kinder kann durch Nasenpolypen behindert werden.

Nasenpolypen haben rein gar nichts mit den Rachenmandeln zu tun, die umgangssprachlich häufig als „Polyp“ bezeichnet werden. Der medizinische Fachbegriff für diese typische Ausprägung beim Kind und Baby heißt „Adenoid“ und gehört zum Lymphsystem.Nasenpolypen zeigen erste Anzeichen erst im Erwachsenenalter. Werden beim Baby oder Kind Nasenpolypen festgestellt, kann dies ein Hinweis auf die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose sein.

1. Vier Prozent der Gesamtbevölkerung leidet unter Nasenpolypen

Nasenpolypen sind per Definition des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte eine Gewebewucherung, die gutartig ist und aus der Nasenschleimhaut wächst (vgl. hno-aerzte-im-netz.de). Nasenpolypen wachsen von den Nebenhöhlen in die Haupthöhle.

So ist die Nase konstruiert: Die Stirnhöhle sitzt oberhalb der Augenpartie. Die Keilbeinhöhle sitzt an der Verbindung zwischen Stirn und Nasenrücken. Die Siebbeinhöhle sitzt zwischen Nasenseite und Auge. Und die Kieferhöhle befindet sich neben den Nasenflügeln zwischen Augen und Kiefer.

Vor allem die Siebbeinhöhle und die Keilbeinhöhle  sind häufige Entstehungsherde von Nasenpolypen. Diese zwei von vier Nasennebenhöhlen befinden sich im Gesichtsdreieck aus Augen, Nase und Kiefer.

1.1. Typische Symptome: Nasenpolypen treten immer im Duo auf

Nasenpolypen entstehen meist auf beiden Seiten gleichzeitig. Rein optisch betrachtet handelt es sich um eine Wucherung des Bindegewebes. Diese sind mit Flüssigkeit gefüllt. Nasenpolypen wachsen wie ein Tropfen aus der Schleimhaut und können glasig, rosa-gräulich oder gelb wie Honig sein.

Achtung: Der Antrochoanalpolyp ist eine gefährliche Besonderheit in der Gruppe der Nasenpolypen. Er hat seinen Ursprung in der Kieferhöhle und wächst nur auf einer Seite. Von dort wächst er bis in den Nasenrachenraum hinein. Die Folge: Das Atmen durch die Nase ist unmöglich. Der Betroffene bekommt eine Ohrenentzündung, weil die Tubenöffnungen dicht sind. Diese Form von Nasenpolyp muss zwingend operativ entfernt werden.

1.2. Je größer der Polyp ist, desto mehr behindert er die Atmung

Die Größe eines Nasenpolyps variiert. Ein Nasenpolyp kann sehr klein sein oder aber so groß werden, dass daraus Atembeschwerden erwachsen, wenn die Polypen die Nasennebenhöhlen verkleinern. Das ist eines der häufigsten Symptome. Verstopft der Polyp die Nase, schwenkt der menschliche Körper ganz automatisch auf eine andere Form der Atmung um – auf die Mundatmung. Wer durch den Mund atmet, lädt damit allerdings auch alle möglichen Erreger ein, im Bereich von Kehlkopf, Rachen und Bronchien Entzündungsherde zu entfachen.

2. Die Risikofaktoren: Nasenpolypen bilden sich meist bei Vorbelasteten

Nasenpolypen bildet sich bei der Mehrheit der Betroffen erst nach dem 30. Lebensjahr aus. Nasenpolypen beim Kind oder gar beim Baby sind damit überaus selten – außer das Kind leidet an der Krankheit Mukoviszidose.

2.1. Besonders gefährdet sind Menschen, die

Mukoviszidose bedingt Nasenpolypen beim Kind.

Leidet an Kind an Mukoviszidose, begünstigt diese Krankheit auch die Ausbildung von Nasenpolypen.

  • häufig (chronisch) unter einer Entzündung der Nebenhöhlen und der Nasenschleimhaut („chronischer Sinusitis“) leiden.
  • vorbelastet sind durch eine Asthma-Erkrankung, eine Allergie („allergischer Schnupfen“), eine Mukoviszidose-Erkrankung oder eine Intoleranz gegenüber Schmerzmitteln.
  • männlich sind, denn Männer sind mehr als doppelt so häufig von der Erkrankung betroffen wie Frauen.
  • eine verkrümmte Nasenscheidewand oder eine Verengung der Nebenhöhlenöffnungen haben. Das erhöht die Infektionsgefahr.
  • an der seltenen Krankheit “Ziliendyskinesie”, einer eingeschränkten Funktion der Flimmerhärchen, leiden.
  • permanent unter negativen äußeren Einflüssen stehen (Chemikalien in der Luft, trockene Luft, …).

3. Der Nasenpolyp wächst schmerzfrei, führt aber zu Folgeerkrankungen

Bis ein Nasenpolyp Probleme macht und Symptome zeigt, kann einige Zeit vergehen. Erst mit zunehmendem Wachstum des Polyps passiert das, was bereits skizziert wurde: Der Polyp wächst und behindert die Nasenatmung. Die Alternativlösung des menschlichen Körpers – die Atmung durch den Mund – birgt nicht nur ein erhöhtes Infektionsrisiko des Mund-, Rachen- und Bronchienraumes, sondern kann auch zu diesen Symptomen führen, die auch als erste Anzeichen für Nasenpolypen gehandelt werden:

  • Schnarchen
  • Schlafstörungen
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • eingeschränkter Geruchssinn (ggf. völliger Verlust)
  • nasaler Klang der Stimme

Während das Wachstum des Polyps schmerzfrei ist, sind es die Folgen des Polyps nicht. Eine schmerzhafte Nebenhöhlenentzündung kann die Folge des Verschlusses sein. Kopfschmerzen, eitriger Schnupfen, ein Räusperzwang sowie Halsschmerzen, Husten und Heiserkeit sind häufige Folgeerscheinungen und späte Anzeichen für Nasenpolypen.

Auch kann der Entzündungsherd auf angrenzendes Gewebe übergreifen und zur Entzündung der Augenhöhle, des Gehirn, oder der Hirnhaut führen. Neben der Schmerzen, die diese Folgeerkrankungen mit sich bringen, kann ein übermäßig anwachsender Polyp auch die Optik des Gesichts verändern.

4. Mittels Voruntersuchungen ist eine bösartige Geschwulst auszuschließen

Um einen Polyp operativ entfernen zu können, ist es wichtig, diesen auch eindeutig als Polyp identifizieren zu können. Besteht seitens des Hals-Nasen-Ohren-Arztes ein Zweifel daran, muss im Vorfeld ausgeschlossen werden, dass es sich um eine andersartige Geschwulst handelt.

In der Praxis werden vor allem jene polypenartige Geschwülste näher begutachtet, die einseitig auftreten oder die in der Form und Farbe vom regulären Nasenpolyp abweichen. Auch wenn die polypartige Wucherung zu bluten beginnt oder der Patient grundsätzlich zum Nasenbluten neigt, kann der vermeintlich harmlose Polyp ein Tumor sein und Krebs bedeuten.

Steht dieser Verdacht im Raum, wird Gewebe entnommen und histologisch untersucht.

5. Therapie: Nasenpolypen lassen sich medikamentös behandeln oder operativ entfernen

Ob es möglich ist, den Nasenpolyp medikamentös zu behandeln oder ob eine Operation zwingend erforderlich ist, entscheidet häufig die Größe des Nasenpolyps. Wer eine Chance sieht, Nasenpolypen ohne OP loswerden zu können, entgeht den OP Risiken, wählt aber die langwierigere Therapie. Die OP Dauer liegt bei etwa 30 Minuten und ist deutlich kürzer als die Behandlung mit Medikamenten und einem Spray.

Die folgende Tabelle stellt beide Varianten der Therapie gegenüber:

Wichtig nach der OP: Schnäuzen ist nach der operativen Entfernung tabu. Um den Druck auf die Nase so gering wie möglich zu halten, wird das Niesen mit offenem Mund empfohlen. Sportliche Aktivitäten, heiße Dämpfe und wilde Kopfbewegungen sind zu vermeiden.

medikamentöse Behandlung operative Entfernung
Geeignet für: Polypen in kleinerem Ausmaß Geeignet für: Polypen in größerem Ausmaß und, wenn die medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich war
Medikamente: Nasenspray und Tabletten mit Kortison Operation: Je nach Lage und Größe des Polyps lassen sich Nasenpolypen ambulant entfernen. Unter örtlicher Betäubung wird der Polyp mit Hilfe einer Schlinge entfernt. Alternativ ist eine Laserbehandlung möglich. Größere Polypen werden stationär mittels eines minimal-invasiven Eingriffs entfernt. Dabei können auch die Ursachen für die Bildung von Nasenpolypen behoben werden.
Wichtig im Vorfeld: Eine etwaige Entzündung muss im Vorfeld mit Antibiotikum behandelt werden, da Kortison das Immunsystem schwächt. Wichtig nach der OP: Schnäuzen ist nach der operativen Entfernung tabu. Um den Druck auf die Nase so gering wie möglich zu halten, wird das Niesen mit offenem Mund empfohlen. Sportliche Aktivitäten, heiße Dämpfe und wilde Kopfbewegungen sind zu vermeiden.
Dauer der Behandlung: circa sechs bis zwölf Monate Nachbehandlung: War ein operativer Eingriff nötig, sollte eine Nachbehandlung mit Nasenspray erfolgen. Präventiv hilfreich ist das Inhalieren oder die Anwendung einer Nasendusche.

5.1. Was hilft präventiv? Nasenhygiene!

Gegen die Entstehung von Nasenpolypen hilft die Nasendusche.

Eine regelmäßige Nasendusche kann Nasenpolypen vorbeugen.

Die Möglichkeiten, um Nasenpolypen alternativ zu behandeln, sind gering: Inhalationslösungen mit Thymian oder Salzsole optimieren den Feuchtigkeitsgehalt der Schleimhäute. Auch Nasenduschen mit Salzwasser reinigen die gefährdeten Wege in der Nase. Wer viel trinkt, agiert präventiv. Die Nasenschleimhaut bleibt feucht und das Sekret, das leicht verstopfen kann, wird deutlich dünner. Weitere Möglichkeiten aus der Homöopathie, Naturheilmittel oder Hausmittel, um Nasenpolypen natürlich behandeln zu können, gibt es nicht.

5.2. Die Rückfallquote liegt bei 50 Prozent

Wie hoch die Rückfallquote liegt, ist abhängig vom Auslöser, der für die Bildung des Nasenpolyps verantwortlich war. Bei Mukoviszidose (dem Grund, warum Nasenpolypen beim Baby und Kind auftreten können) oder einer Allergie als Auslöser liegt die Rückfallquote bei 50 Prozent. Das Nachwachsen eines Nasenpolyps ist hier durchaus wahrschienlich.

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