Als Patchworkfamilie den Alltag meistern – So gelingt es!

Patchworkfamilie lacht
  • Eine zusammengewürfelte Patchworkfamilie braucht Zeit, um miteinander funktionieren und letztendlich auch harmonieren zu können. Erzwingen Sie daher nichts.
  • Spielen Sie sich nicht als neuen Elternteil auf. Sie sind der neue Partner der Mama/vom Papa – kein Elternersatz. Im besten Fall akzeptiert das Kind Sie nun als guten Freund und Familienmitglied – dies ist vollkommen ausreichend!
  • Stellen Sie gemeinsam als Patchworkfamilie vom ersten Tag an klare Regeln auf. So lassen sich viele Missverständnisse von Anfang an vermeiden und sorgen für klare Strukturen, aber auch Sicherheit!

In einer Patchworkfamilie bleiben Probleme nicht aus und ohne Regeln geht es schon einmal gar nicht. Dennoch kann es funktionieren, wenn sich alle zusammenraufen und aus zwei Familien eine neue Patchwork-Familie wird.

In diesem Ratgeber geben wir Tipps bei Problemen innerhalb einer Patchworkfamilie und zeigen, wie Kindererziehung, Probleme mit dem Ex und auch das Thema Finanzen ganz einfach gelöst werden können.

1. Konflikte als Patchworkfamilie bleiben nicht aus – und sind wichtig!

Mitspracherecht der Kinder

Bei allen Regeln – vergessen Sie die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder nicht. Auch ihnen muss es in der Familie gut gehen!

Streit wegen der Kindererziehung ist in einer normalen Familie schon oft genug ein Thema, wenn jedoch eine Familie im Patchwork-Stil zusammenziehen möchte, ist Stress automatisch erst einmal vorprogrammiert – und wichtig! Das Thema Eifersucht zwischen der Stiefmutter, dem Stiefvater oder den Stiefkindern bleibt nicht aus und ist auch erst einmal normal. Das Teilen der Aufmerksamkeit war bisher schließlich nie notwendig.

Daher gehen Sie Problemen als Patchwork-Familie nicht aus dem Weg, sondern klären Sie die Schwierigkeiten in einem vernünftigen Gespräch miteinander. Ohne Reden funktioniert es nicht und in den meisten Fällen handelt es sich nur um Missverständnisse. Die Kinder müssen lernen und auch erfahren, dass ihnen niemand die Mama/den Papa wegnehmen will. Auch die Erwachsenen müssen sich der Regeln einer Familie, die im Patchwork-Stil zusammenlebt, bewusst sein.

1.1. Regeln sind wichtig und notwendig in einer Patchworkfamilie

Daher gilt es spätestens nach dem Zusammenziehen, die folgenden Punkte gemeinsam anzugehen:

Mutter diskutiert mit Tochter

Diskussionen lassen sich vermeiden, wenn klare Regeln gelten.

  • Welche Regel gelten im Haushalt? Welche Aufgaben haben die Kinder (alle gleichermaßen behandelt) und worauf müssen die Eltern nun besonders achten?
  • Klären Sie auch das Thema Geld! Kein Kind sollte benachteiligt werden und wenn alle wissen, wie das Thema geregelt ist, wird es auch untereinander keine Probleme geben.
  • Was ist mit dem Ex-Partner bzw. dem anderen Elternteil des Kindes bzw. der Kinder? Gibt es Besuchszeiten? Verbringen die Kinder die Wochenenden beim anderen Partner? Und bei wem feiern die Kinder Weihnachten? Müssen alle zusammen in den Urlaub fahren oder ist es in Ordnung, wenn eines der Kinder mit dem anderen Elternteil verreist?
  • Ganz wichtig: Seien Sie ehrlich untereinander! Jedes Kind sollte wissen, dass es bei Problemen offen und ehrlich sagen darf, was es stört und auch Fragen stellen darf, wenn etwas unklar ist “Was ist das, was dich beruflich so stresst und weswegen wir daheim so oft streiten?” Nur so können Konflikte aus der Welt geräumt und in Zukunft vermieden werden!

Je mehr geregelt ist, desto sicherer fühlen sich die meisten Kinder auch. Regeln sind nämlich nicht nur da um Aufgaben zu erledigen oder Dinge zu unterlassen, sondern auch um Sicherheit zu geben – jeder weiß schließlich, was Sache ist!

2. Rechtliches zum Thema Patchworkfamilie sollte umgehend geklärt werden

Laut der Definition ist eine Patchwork-Familie eine Familie, die aus zwei getrennt lebenden Elternteilen und deren Kindern aus der ehemaligen Beziehung besteht. Doch die Definition hilft bei Problemen weder den Kindern, noch den Erwachsenen. Daher ist einer der wichtigsten Tipps: Klären Sie unmittelbar nach der Trennung vom Ex-Partner alles Rechtliche! Hierzu gehören auch die folgenden Punkte:

Absicherung der Kinder Was die Erwachsenen unter sich klären sollten
Das Erbe sollte in einem Testament festgehalten werden. Lassen Sie sich hierzu unbedingt von einem Anwalt beraten. Wer ist für das Finanzielle zuständig? Werden alle Kosten geteilt? Hat jeder die gleichen Rechte, wenn es um Entscheidungen in Bezug auf die Kinder geht? Wie wird die Zahlung von Unterhalt gehandhabt?
Über wen läuft die Krankenversicherung? Ein kurzes Beratungsgespräch mit der Krankenkasse kann schon zur schnellen Lösung führen. Können Versicherungen nun zusammengelegt werden? Lässt sich vielleicht dadurch noch Geld einsparen?
Auch das Kindergeld muss ggf. geändert werden. Wurde dieses bisher an beide Elternteile gleichermaßen ausgezahlt, muss hier nun eine Änderung erfolgen. Wer bleibt daheim, wenn eines der Kinder mal krank wird oder wer kümmert sich, wenn wichtige Termine anstehen? Vor allem solche Kleinigkeiten können schnell zu Streitereien untereinander führen!

3. Nicht jedes Kind verkraftet die Trennung der Eltern und das neue Leben in einer Patchworkfamilie

eltern streiten vor kind

Eine Trennung ist für Kinder nie einfach. Sorgen Sie daher dafür, dass Ihr Kind trotz der Situation nicht leidet.

Wenn eine Beziehung zerbricht, leiden am meisten die Kinder darunter. Auch wenn die Trennung seine Bedeutung hatte und es für die Eltern einfach nicht mehr möglich ist, miteinander zu leben, so sollten die Kinder immer an erster Stelle stehen – und hier muss man sich als Erwachsene zusammenraufen, egal wie!

Eine Erklärung bringt die Kinder selten weiter und oft kommen heftige Trotzreaktionen, die es nun zu bewältigen gilt. Ganz klar sei dabei gesagt: Wenn es notwendig ist, sollten Sie (gemeinsam) eine Therapie mit Ihrem Kind machen. In Deutschland sind bei großen Problemen auch die Jugendämter Ansprechpartner und können geeignete Stellen oder Therapeuten vermitteln.

Achtung: Auch wenn es schwer ist, aber wägen Sie die Trennung als Eltern nicht mit Pro und Contra ab. Ein Kind merkt, wenn es nicht mehr zwischen den Eltern passt. Dann so zu tun als sei alles in Ordnung und es damit allen schwer zu machen, bringt Sie alle nicht weiter.

Geben Sie Ihrem Kind zudem immer ausreichend Zeit, sich an die neue Situation als Mitglied einer Patchworkfamilie zu gewöhnen. Vielleicht ist es jetzt nicht nur der Stiefpapa, den es zu akzeptieren gilt, sondern auch neue Geschwister? Erwarten Sie trotz aller Tipps von Außenstehenden nicht, dass nach wenigen Tagen alles reibungslos läuft. Jeder muss seinen Platz in der Familie erst einmal finden – geben Sie sich allen daher die Zeit und erzwingen Sie nichts.

4. Wichtige Fragen und Antworten

Das Kind meines Partners akzeptiert mich nicht als Stiefmutter/Stiefpapa. Wie kann ich es ändern?

Trotziges Kind mit Mutter

Die Stiefmutter soll und darf die echte Mama nicht ersetzen – machen Sie sich das bewusst.

Atmen Sie erst einmal durch und schieben Sie den Stress beiseite. Sie müssen erst einmal für sich akzeptieren, dass Sie nicht der Mama-/Papa-Ersatz sind, sondern “nur” die neue Partnerin/der neue Partner vom Elternteil des Kindes. Versuchen Sie es auf die spielerische, freundschaftliche Art und finden Sie gemeinsam mit dem Elternteil Lösungen. Das Kind muss Sie nicht mit “Mama” oder “Papa” ansprechen, gewisse Ansagen aber befolgen.

Daher gilt es von Anfang an klare Regeln aufzustellen, so dass es gar nicht erst zu großen Unstimmigkeiten kommt. Denken Sie zudem immer daran: Das Kind muss Sie nicht lieben, sondern Sie lediglich als neuen Partner an Mamas/Papas Seite akzeptieren!

Was können wir tun, um uns als Patchworkfamilie so richtig zusammenzuraufen?

Nur weil Sie laut Definition zusammenleben, müssen sich nicht alle blind untereinander verstehen. Dennoch ist ein wenig gemeinsamer Spaß und ein Gefühl der Sicherheit bzw. des Vertrauens nicht unwichtig. Unternehmen Sie daher ab und zu etwas gemeinsam. Dies kann ein Besuch im Freizeitpark oder auch ein Ausflug an den Badesee sein. Wägen Sie dabei aber bitte die Vor- und Nachteile für jedes Familienmitglied ab, um eine Situation nicht für irgendwen unangenehm werden zu lassen (beispielsweise wenn die eigene Tochter und der Stiefsohn in der Pubertät sind und es ihnen unangenehm wäre, miteinander schwimmen zu gehen).

Vor- und Nachteile von gemeinsamen Ausflügen als Patchworfamilie in der Anfangsphase

  • Sie lernen sich untereinander besser kennen und haben etwas, über das Sie anschließend reden können.
  • Kann Vertrauen untereinander stärken, wenn die Kinder merken, dass die Stiefmama/der Stiefpapa locker drauf sind und nicht den Spaß erzwingen wollen.
  • Kann manchmal nach hinten losgehen, wenn es solche Ausflüge in der “alten” Familie nicht gab. Die Kinder verstehen so etwas oft nicht und geben dann vielleicht dem Ex-Partner die Schuld, dass man auch damals gemeinsam etwas hätte unternehmen können.
  • Ist mehr als ein Kind da, sollte man die Interessen der Kinder gut abwägen. Der 8-jährige Sohn findet den Dinopark vielleicht toll, die 16-jährige Tochter langweilt sich dort eventuell nur.
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