Schnuller: Ja oder Nein? Was es beim kleinen Beruhigungshelfer zu beachten gibt

Gaumenförmig oder klassisch, rot oder grün? Beim Schnuller können Sie aus vielen Merkmalen aussuchen.
  • Allgemein ist ein Schnuller die bessere Alternative zum Daumenlutschen und senkt beispielsweise das Risiko für SIDS.
  • Schnuller aus Naturkautschuk sind meistens gesünder als aus Silikon, können aber Allergien hervorrufen.
  • Der Schnuller sollte nicht bei Neugeborenen eingesetzt werden – frühestens nach dem ersten Lebensmonat. Sonst kann es zu Problemen beim Stillen kommen.

Keine Frage, am besten ist es, wenn Ihr Baby weder am Daumen lutscht, noch einen Schnuller braucht. Aber: Der Schnuller ist für Neugeborene definitiv die bessere Alternative zum Daumenlutschen. Und grundsätzlich ist ein Schnuller auch erst einmal nicht schädlich, wenn ein paar Regeln beachtet werden. Es gibt außerdem Vor- und Nachteile beim Schnuller, die Eltern kennen sollten. Dann lässt es sich etwas leichter entscheiden, ob der Schnuller, Ditzi, Duddu oder wie auch immer er bei Ihnen heißt, zum Einsatz kommen soll. Und: Nicht jedes Kind mag auch einen Schnuller. Die Realität sieht also vor allem so aus – individuell.

1. Unterschiede bei Schnullern: Material und Form haben verschiedene Vor- und Nachteile

Schnuller können unterschiedlich geformt sein und sind meistens entweder aus Naturkautschuk oder aus Silikon gefertigt. Naturkautschuk ist die gesündere Variante, auch wenn dieser nicht immer vertragen wird, wenn das Baby eine Latexallergie hat. Naturkautschuk finden auch nicht alle Babys richtig toll – da hilft nur, es erstmal auszuprobieren. Wenn Sie einen Schnuller aus Silikon wählen, achten Sie beim Kauf unbedingt auf die Zusatzbezeichnung „BPA frei“, da sich aus manchen Silikonen Stoffe lösen können.

Auch bei der Form haben Sie Auswahl. Fast alle Schnuller sind heutzutage anatomisch angepasst geformt. Manche Schnuller tragen die Bezeichnung „gaumenförmig“. Durch das Imitieren der Saugbewegung an der Mutterbrust soll mit diesen speziell geformten Schnullern ein besonders natürliches Saugen ermöglicht werden.
Übrigens gibt es auch Unterschiede in der Größe der Schnuller. Allgemein wird geraten, Größe 1 für zahnlose Babys zu verwenden und mit Zähnen auf Größe 2 zu wechseln. Die Frage, ab wann ein Schnuller gegeben werden darf, hängt vor allem mit dem Stillen zusammen. Wenn das richtig gut klappt, ist ein Schnuller in Ordnung – als Faustregel gilt, nicht vor dem zweiten Lebensmonat.
Verschiedene weitere Pro- und Contra-Punkte helfen Ihnen bei der Entscheidung, Ihrem Baby den Schnuller zu geben oder nicht. Auch Ihre Hebamme hilft Ihnen sicher gern weiter!

2. Vorteile des Schnullers: Er tröstet, hilft beim Schlafen und senkt verschiedene Risiken

Mit Schnuller schlafen viele Babys ruhiger und schneller ein. Wird der Schnulli im Schlaf verloren, nicht zurück in den Mund stecken.

Viele Babys schlafen mit Schnuller besser ein. Studien zeigen, dass ein Schnuller sogar das Risiko für SIDS senken kann.

  • Saugen beruhigt, wirkt sogar gegen Schmerzen und tröstet. Kein Wunder, dass der Saugreflex schon beim Ungeborenen entwickelt ist, wie 3D-Scans mit einem am Daumen nuckelnden Fötus eindrucksvoll zeigen. Als Neugeborenes wird der Saugreflex vor allem beim Trinken wichtig und dabei erfährt das Baby – neben dem Stillen der eigenen Bedürfnisse – auch Geborgenheit. Ein Schnuller hilft vielen Babys daher, leichter einzuschlafen oder sich nach Aufregung wieder zu beruhigen.
  • Nachweislich kann ein Schnuller sogar das Risiko für ein Baby, am Plötzlichen Kindstod (SIDS) zu versterben, senken – und zwar erheblich. In einer kontrollierten Studie, die im renommierten Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde, wurden die Eltern zu 185 kürzlich verstorbenen Kindern zu deren Schlafgewohnheiten und der Schlafumgebung befragt und mit 312 zufällig ausgesuchten, gesunden Babys verglichen. Im Ergebnis hatten die Babys, die zum Einschlafen einen Schnuller hatten, ein um 90 Prozent niedrigeres Risiko für SIDS. Nimmt Ihr Baby den Schnuller nicht, sollte er trotz dieser Vorteile keinesfalls aufgezwungen werden. Verliert ein Baby den Schnuller beim Schlafen, dann bitte auch nicht mehr zurück in den Mund stecken.
  • Bislang wurde meistens davon abgeraten, als Elternteil den Schnuller selbst kurz in den Mund zu nehmen um ihn zu reinigen, wenn er beispielsweise auf den Boden gefallen ist. Das Argument, dass der Kontakt mit den Bakterien aus der elterlichen Mundschleimhaut verstärkt zu Karies führen kann, wurde allerdings kürzlich in einer kleinen schwedischen Studie widerlegt. Stattdessen machte die Studie einen äußerst positiven Effekt aus: Die Kinder, deren Schnuller abgeleckt wurde, hatten ein deutlich niedrigeres Risiko, an einer Allergie zu erkranken.

3. Nachteile eines Schnullers: Er kann verwirren und zu Schäden an Kiefer und Gebiss führen

  • Die Verwendung eines Schnullers bei gleichzeitigem Stillen des Neugeborenen kann zu einer so genannten Saugverwirrung führen. Das Saugen an der Brust ist ein ganz anderes Saugen als am Schnuller, letzteres für das Baby meist einfacher. Wenn der Schnuller nicht lange nach der Geburt und in den ersten Lebenswochen zum Einsatz kommt, ist das problematisch. Wird das Baby an den Schnuller gewöhnt, bevor das Stillen richtig etabliert ist und wirklich gut klappt, kann es sein, dass das Baby die Brust verweigert oder nicht mehr so gut trinkt. Aber: Auch eine Saugverwirrung ist nicht von Dauer. Es ist nur deutlich mühsamer, bis wieder ohne Probleme gestillt werden kann. Daher ist es besser, den Schnuller erst nach einigen Wochen einzusetzen.
  • Permanentes Saugen am Schnuller führt dazu, dass ein Baby weniger häufig Sprach- und Schluckübungen macht. In der Folge kann es passieren, dass es beispielsweise erst später Sprechen lernt. Am besten ist es daher, wenn der Schnuller dem Baby nicht permanent, sondern nur bei Bedarf gegeben wird – beispielsweise wenn Trost nötig ist.
  • Kontinuierlicher und langer Einsatz des Schnullers kann zu Fehlstellungen von Kiefer und Gebiss des Babys führen. Genau wie häufiges Daumenlutschen kann ein Schnuller das Kieferwachstum beeinflussen und zu Zahnfehlstellungen führen. Im Extremfall entsteht ein offener Biss, eine Lücke der Schneidezähne zwischen Ober- und Unterkiefer, die das Abbeißen erschwert. Allerdings sind die heutigen Schnuller darauf schon abgestimmt und speziell geformt, so dass das Risiko gesenkt wird. Im besten Fall entwöhnen Sie Ihr Kind spätestens mit zwei Jahren vom Schnuller. Hierfür gibt es einige Tipps und Tricks.

4. Einen Schnuller entwöhnen: So geht’s

Welcher Schnulli bleibt, welcher muss gehen? Wenn der Schnuller gegen ein Geschenk getauscht wird, fällt der Abschied gar nicht so schwer.

Mit kleinen Tricks entwöhnen Sie Ihr Kind vom Schnuller, so dass er im besten Fall freiwillig abgegeben wird.

Ein Schnuller lässt sich relativ leicht wieder abgewöhnen. Ein bisschen Vorbereitung in Sachen Erziehung ist alles, denn idealerweise behalten Sie als Eltern dabei Ihr gutes Image. Selbst hartnäckige Schnullerfans lassen sich meistens mit einem der folgenden Tricks den Schnuller abtrainieren:

Klassisch: Die Schnullerfee tauscht den Schnuller gegen ein Geschenk
Wenn Ihre Kleine oder Ihr Kleiner bereit ist, den Schnuller gegen ein Geschenk zu tauschen, können Sie erzählen, dass die Schnullerfee nachts vorbeischaut, den bereit gelegten Schnuller mitnimmt und stattdessen ein Geschenk da lässt.

Trickreich: Nur noch der halbe Spaß mit einem Loch im Sauger
Wenn Sie mit einer Nadel ein oder zwei kleine Löcher in den Schnuller stechen, macht das Saugen längst nicht mehr so viel Spaß – es wird ziemlich anstrengend. Meistens geben die Kleinsten den Schnulli dann schnell ab und gewöhnen sich an den Alltag ohne Schnullerl, vor allem, wenn es sogar ein Geschenk im Austausch gibt.

International: Der Schnuller kann besucht werden. Ein dänischer Brauch sieht vor, den Schnuller an einen Schnullerbaum zu hängen. Hier kann ihn das Kind jederzeit besuchen, was beim Abschiednehmen hilft.

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