Stottern betrifft meistens Kinder

eine therapie hilft beim stotttern.
  • Stottern, auch Balbuties (vom lateinischen balbutire) genannt, ist eine Störung des Redeflusses. Dies ist durch häufiges Unterbrechen des Sprachablaufs, das Wiederholen von Lauten, Silben oder Wörtern erkennbar. Äußerst charakteristisch für dieses Krankheitsbild ist das situationsabhängige Auftreten der Symptomatik, dass es bei Aufregung schlimmer wird.
  • Nervosität gilt zwar nicht als Auslöser für das Stottern, kann aber durchaus der Grund für einen „Stotteranfall“ sein. Die Ursache für Stottern ist nach den neusten Erkenntnissen von Sprachwissenschaftlern aus der Purdue University (USA) nicht nur auf eine motorische Fehlfunktion zurückzuführen, sondern basiert eher auf einer veränderten Verarbeitungsstruktur des Gehirns.
  • Dieses Phänomen tritt meist erstmalig als Kleinkind auf und verliert sich bei einem Großteil der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter. Wobei Frauen jedoch wesentlich seltener von dieser Problematik betroffen sind als Männer. Stottern kann mit einer Therapie (Sprach-Übungen) in seinen Symptomen gelindert werden, jedoch können die Ursachen der Erkrankung nicht geheilt werden.

1. Wenn ein Kind stottert, können drei unterschiedliche Arten vorliegen

Die Verbreitung des Stotterns

Knapp 800.000 Erwachsene stottern in Deutschland, was fats ein Prozent der Erwachsenen entspricht. Im Kindesalter stottern etwa dreimal so viele Jungen wie Mädchen und im fortgeschrittenen Alter stottern auf eine Frau neun Männer.

Ein stotterndes Kind hat ein ganz Individuelles Problem, welches sich stark von der Symptomatik anderer betroffener Kinder unterscheiden kann. Grundsätzlich lässt sich Stottern in drei Arten unterteilen:

  • Wiederholung von Lauten, Silben sowie Wörtern wie zum Beispiel: w-w-w-warum?
  • Eine Art lautloses Pressen des Anfangsbuchstaben wie Beispielsweise: Ich heiße B——–ernd.
  • Das in die Länge ziehen von einzelnen Lauten wie etwa: Laaaaas mich doch iiiiiin Ruhe.

Stottern kann auch gemeinsam mit weiteren Auffälligkeiten wirken, was die Kommunikation zusätzlich erschwert. Dazu werden zum Beispiel sprachliche Phänomene wie die Verwendung von Füllwörtern gezählt und nicht sprachliche Erscheinungen wie zum Beispiel Schwitzen, Blinzeln, zitternde Lippen, unkontrollierbare Mimik sowie eine sich ständig verändernde Atmung.

2. Ein Kind, das stottert, leidet oft unter einer hoher seelischer Belastung

Dass ein stotterndes Kind durch seine Problematik unter einer erheblichen seelischen Belastung steht und gar nicht weiß, warum es dieses Problem hat, ist wahrscheinlich für niemanden verwunderlich. Viele der Betroffenen versuchen dabei, ihr Problem irgendwie zu kaschieren.

Oft wird versucht, besonders schwierige Anfangsbuchstaben zu meiden oder problematische Begriffe mit leichteren Wörtern auszutauschen, damit der Gesprächspartner keinen Verdacht schöpft.

Diese erhöhte Anstrengung und Angst führt immer mehr zu Vermeidungsstrategien. Bei einigen Betroffenen geht es sogar so weit, dass das Sprechen so weit wie es geht vermieden wird. Das führt natürlich zu einem Rückzug aus dem sozialen Leben, was der Grund für weiteren psychischen Druck ist.

Die momentane seelische Verfassung eines Stotterers ist maßgeblich dafür verantwortlich, wie stark das Stottern ausfällt. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass Stottern keine psychische Störung ist, sondern ein körperlich bedingter Zustand.

3. Stottern bei Kindern

Ohne ersichtliche Ursache und plötzlich beginnt das Stottern im Kindesalter. Ein 2-Jähriges bis 4 Jahre altes Kind durchläuft in seiner Sprachentwicklung eine Phase, bei der Denken und Reden sich öfters nicht auf einer Wellenlinie befinden. Dabei entsteht das entwicklungsbedingte Stottern.

Wenn ein Kind stottert, wird meist solange ein Wort wiederholt, bis der eigentlich gesuchte Begriff wieder einfällt. Diese Phase ist ganz normal, tritt am häufigsten mit drei Jahren auf und legt sich meist von alleine.

Allerdings kommt es bei ungefähr einen Viertel der Kinder vor, dass sich aus dieser Phase ein echtes Stottern bildet. Durch Frustration und Anstrengung kommt es häufig dazu, dass das betroffene Kind eine negative Einstellung zum Sprechen entwickelt. Besonders dann, wenn das Kind zusätzlich im Kindergarten dafür gehänselt wird.

Daraus kann ein Teufelskreis aus Furcht und Vermeidung entstehen. Das Stottern kommt immer wieder, es schleift sich ein. Um so länger die Problematik besteht, desto schwieriger ist sie zu beheben.

4. Die Ursachen für ein stotterndes Kind sind sehr vielfältig

Bei Stotternden ist das Zusammenspiel zwischen Atmung, Stimmgebung und Artikulation, was in wenigen Sekundenbruchteilen stattfinden muss, gestört. Eine 100 % sichere Ursache für das Stottern konnte bis jetzt noch nicht gefunden werden. Es gibt Zahlreiche Faktoren, die für eine Entstehung und Aufrechterhaltung des Stotterns stehen und sich dabei gegenseitig beeinflussen.

Vermutungen zufolge, ist das Stottern auf eine Störung der zu verarbeitenden Nervensignale zurückzuführen und eine motorische Störung der am Reden beteiligten Organe.

Weil Stottern oftmals familiär auftritt, wird vermutet, dass es dafür eine genetische Veranlagung gibt. Dafür, dass es erbliche Komponenten gibt, spricht auch die Tatsache, dass Jungen und Männer wesentlich häufiger stottern. Eine direkte Vererbung findet jedoch nicht statt.

Stottern kann auf einmal durch posttraumatische Ereignisse auftreten, jedoch kann dadurch auch vorhandenes Stottern gefestigt  werden. Je mehr Spott oder Aufmerksamkeit dem Stottern zuteil wird, desto mehr verfestigt sich es und eine erfolgreiches Bewältigen wird erschwert.

5. Je nach Schweregrad beim Stottern des Kindes ist ein Arztbesuch hilfreich

mädchen beim arzt

Der Arzt kann helfen, einen Sprachfehler zu beheben.

Wird die seelische Belastung zu groß und Vermeidungsstrategien immer häufiger angewandt, ist der Besuch beim Arzt zu empfehlen.

Der Arzt wird im Rahmen eines Gesprächs ermitteln, ob eine Therapie mittels Übungen der Sprache sinnvoll ist und dementsprechend ein Rezept ausschreiben.

Sprachtherapeuten und Logopäden, Sprachheilpädagogen sowie Sprechlehrer stellen die genaue Diagnose und therapieren den Patienten. Der Sprachtherapeut benötigt bei der Untersuchung sowohl Beobachtungen des Betroffenen, als auch der Eltern.

Danach werden ganz individuell je nach Berufsgruppe verschiedene Ansätze verwendet, um das Stottern zu behandeln. Die Konzepte der Behandlung richten sich nach dem Alter des Stotternden (z. B. im Vorschulalter anders als im Grundschulalter) sowie nach dem Härtegrad und der Art des Stotterns.

Ziele der Therapie sind:

  • die Angst des Stotternden aufzulösen
  • flüssiges Sprechen
  • leichtere Sprechweisen für den Alltag
  • Entwicklung eines Gefühls für Sprech- und Atemrhythmus

5.5 Es gibt einen direkten und einen indirekten Ansatz der Therapie bei Kindern

übungen mit der zunge beim sprachtherapeuten

Mit dem Sprachtherapeuten werden Betroffene viele unterschiedliche Übungen absolvieren, um die Sprachprobleme so weit wie möglich zu beheben.

Im indirekten Ansatz geht es weniger um das Sprechproblem an sich, als viel mehr darum, Ängste ab- und die Lust am Sprechen aufzubauen. Hierbei wird eng mit den Eltern zusammengearbeitet. Durch Sprach- und Bewegungsspiele soll die Sprechfreude angefeuert werden.

Beim direkten Ansatz geht es um das Sprechproblem selber. Hierbei soll gelernt werden, das Stottern zu kontrollieren und Blockaden zu vermeiden. Es wird gelernt, Gespräche ruhig zu absolvieren. Des weiteren soll ein offenerer Umgang mit dem Stottern und das Selbstbewusstsein gefördert werden. Homöopathie findet in beiden Fällen nur selten einen Platz.

6. Helfen Sie den Betroffenen bei ihrem Problem

Vor den Reaktionen ihrer Umwelt besteht oft eine Große Angst bei Stotterern. Sind sie entspannt fällt, ihnen das Sprechen auch leichter. Im folgenden Abschnitt finden Sie einen kurzen Ratgeber, was Sie beachten sollten, damit ein Stotterer nicht zu sehr unter Druck gerät:

  • Nehmen Sie ihn im Gespräch ernst.
  • Seien Sie geduldig und ruhig beim Zuhören.
  • Aus Ungeduld sollten Sie nicht für ihn weitersprechen oder ihn unterbrechen.
  • Selbst gut gemeinter Zuspruch wie etwa „immer mit der Ruhe“ oder „ganz entspannt“ sorgen dafür, dass der Betroffene verunsichert wird.
  • Und das Wichtigste: Machen Sie sich nicht über ihn lustig.

Tipp:
Eine weitere Anlaufstelle für Stotterer ist die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.. Hier geht es zur Webseite.

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