Gehörlosigkeit beim Baby: Ursachen, Diagnose, Behandlung

gehoerlosigkeit beim baby-test
  • Gehörlosigkeit beim Baby ist meist angeboren und kann z. B. an Fehlbildungen im Ohr liegen.
  • Zur Vorbeugung sollten werdende Mütter in der Schwangerschaft auf Alkohol und Nikotin verzichten.
  • Es gibt zwei wesentliche Untersuchungsformen, um eine Gehörlosigkeit beim Baby zu diagnostizieren.

Ein taubes Baby zu haben, ist für viele Eltern eine schreckliche Diagnose. Sofort stellen sich Ängste und Sorgen ein, mit welchen Einschränkungen im Alltag Babys zurechtkommen müssen, wenn sie taub sind. Außerdem stellen sich viele Fragen. Beispielsweise wollen die Eltern wissen, wie Gehörlosigkeit beim Baby entsteht, wo die Ursachen liegen und wie sich die Sprache bei Gehörlosigkeit beim Baby entwickeln wird. Ferner erklärt dieser Artikel, wie Gehörlosigkeit beim Baby diagnostiziert und behandelt wird.

1. So entsteht eine Gehörlosigkeit beim Baby

Gehörlosigkeit beim Baby bedeutet meist, dass das taube Kind überhaupt keine Geräusche oder Sprache wahrnehmen kann. Es gibt aber auch die Schwerhörigkeit mit verschieden starker Ausprägung. Man unterscheidet als Definition zwei Arten von Taubheit, je nach Schweregrad:

  • Schwerhörigkeit beim Baby (bei der ein gewisses restliches Hörvermögen besteht)
  • Taubheit bzw. Gehörlosigkeit beim Baby (ohne restliches Hörvermögen)

Eine beidseitige Gehörlosigkeit beim Baby, sodass es völlig taub ist, liegt oft schon bei der Geburt vor. Die Schwerhörigkeit tritt hingegen meist erst im Laufe des Lebens auf, ist also häufig erworben.

Wenn Sie weitergehende Informationen oder den Kontakt zu Selbsthilfegruppen oder Fachverbänden suchen, finden Sie diese bei der Deutschen Gesellschaft der Hörbehinderten.

2. Die Ursachen für eine Gehörlosigkeit beim Baby

ohr baby taubstumm

Das Ohr beim Baby ist ein empfindliches Organ.

Es gibt einige mögliche Ursachen für angeborene Gehörlosigkeit beim Baby:

  • Fehlbildungen im Ohr, die angeboren sind und vererbbar
  • Schäden am Hörnerv, die angeboren sind
  • Unterschiedliche, meist genetisch bedingte Syndrome, bei denen mehrere Symptome zusammenkommen
  • Nachteilige Einflüsse, denen die Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt war, z. B: Infektionen mit Röteln oder dem Zytomegalievirus oder Konsum von Alkohol und Nikotin

Die Ursachen für eine erworbene Hörstörung sind:

  • Immer wieder aufgetretene Entzündungen des Mittelohrs, häufig bei Kindern zwischen 2 und 6 Jahren
  • Trauma durch einen lauten Knall (Knalltrauma) oder Druck (Barotrauma)
  • Entzündungen des Gehirns, der Gehirnhaut oder der Knochen (verursacht durch Pneumokokken, Meningokokken, Mumps, Masern, Tuberkulose etc.)

3. Die Entwicklung der Sprache bei tauben Kindern

gehoerlosigkeit beim baby cochlea-implantat

Ein Cochlear-Implantat kann oft schon bei Babys angewendet werden.

Das Sprechen und das Hören stehen beim Menschen in engem Zusammenhang. Sprache wird über das Hören erlernt, Sprechen über das Nachsagen des Gehörten.

Taubheit lässt sich nicht heilen. Es gibt aber mittlerweile viele Hilfsmittel, die dem Kind im Alltag vieles leichter machen. Dazu gehören

z. B. die Gebärdensprache, Hörgeräte im Ohr oder hinter dem Ohr oder das Cochlea-Implantat.

Besonders wichtig ist es für Babies, die taub sind, dass sie früh die Gebärdensprache lernen. Auch die Eltern sollten die Gebärdensprache beherrschen.

4. Einer Gehörlosigkeit beim Baby vorbeugen

In den meisten Fällen ist es nicht möglich, eine Gehörlosigkeit beim Baby zu verhindern. Was Sie aber tun können:

  1. Die Risikofaktoren so gering wie möglich zu halten.
  2. Die Gehörlosigkeit beim Baby so früh wie möglich zu erkennen.

Die Risikofaktoren in der Schwangerschaft sind:

Außerdem kann man Folgendes tun:

  • Wenn bei Ihrem Baby oder Kind Schmerzen in den Ohren, Hörprobleme oder gänzliche Hörverluste auftreten, sollte Sie sofort einen Arzt hinzuziehen.
  • Immer wieder sollten Sie mit einem Kind, das ein besonderes Risiko besitzt, taub zu werden, zum Hörtest gehen. Solche Risiken bestehen z. B. bei Babys mit einer Gaumenspalte oder wenn bei Babies oft Mittelohrentzündungen auftreten.

5. Die Diagnose der Gehörlosigkeit beim Baby

gehoerlosigkeit beim baby untersuchung

Schon der genaue Blick in das Ohr des Babys sagt dem Arzt viel.

Solange sie noch Babys sind, ist es nicht einfach, das Hörvermögen von Kindern zu untersuchen. Sie sind nicht in der Lage, aktiv an einem Hörtest mitzuwirken.

Es gibt aber zwei Verfahren, die eine Gehörlosigkeit beim Baby erweisen:

  • Messung der otoakustischen Emissionen
  • Hirnstammaudiometrie

Beide Verfahren verursachen keine Schmerzen. Am besten das Baby schläft dabei. Die Ärzte wählen für beide Verfahren eine ruhige Umgebung.

5.1 Die otoakustische Emissionsmessung

Dieses Verfahren beruht im Wesentlichen auf dem Echo. Zunächst führt der Diagnostiker eine Sonde in den Gehörgang ein. Diese Sonde gibt leise, klickende Töne von sich. Die Schallwellen werden in das Innenohr übertragen, bis sie die Hörschnecke erreichen. Die feinen Haarzellen auf der Hörschnecke reagieren darauf mit Schwingungen, die Schallwellen erzeugen. Diese erreichen dann wieder das äußere Ohr. Ein Mikrofon an der Sonde nimmt diese Schallwellen auf. Wenn das Tonsignal hier schwach ist oder ganz unterbleibt, liegt Gehörlosigkeit beim Baby vor.

Achtung: Manchmal fällt das Messergebnis falsch aus, weil z. B. das Kind unruhig ist oder sich Flüssigkeit im Ohr befindet. Dann geben die weiteren Untersuchungen genaueren Aufschluss.

5.2 Die Hirnstammaudiometrie

taubes baby untersuchung

Umfassende Tests machen es möglich, Gehörlosigkeit beim Baby zu erkennen.

Bei der Hirnstammaudiometrie wird überprüft, ob der Transport von Schall bzw. der entsprechenden Signale an das Gehirn korrekt abläuft. Sie ist eine spezielle Form des EEG (also der Elektroenzephalografie). Die Hirnstammaudiometrie erfasst die elektronischen Impulse des Gehirns.

Der Mediziner klebt kleine Plättchen hinter den Ohren auf die Haut. Dann bekommt das Kind spezielle Kopfhörer, der klickende Töne in das Innenohr sendet. Die Elektroden zeigen dann an, ob der Schall als elektronischer Impuls das Gehirn erreicht. Ist dies nicht der Fall, ist Gehörlosigkeit beim Baby höchst wahrscheinlich.

Ein Screening aller Neugeborenen hinsichtlich des Hörvermögens wird routinemäßig in jedem Krankenhaus durchgeführt.

6. Die Behandlung von Gehörlosigkeit beim Baby

Die Symptome von Gehörlosigkeit beim Baby zeigen sich schnell. Oft fällt den Eltern auf, dass das Baby nicht auf Geräusche oder Zurufe reagiert. Weitere Symptome sind:

  • Der Spracherwerb setzt nicht wie gewöhnlich ein.
  • Das kindliche prälinguale Brabbeln unterbleibt irgendwann.

Wer diese Zeichen und Symptome bei Kindern beobachtet, sollte einen Arzt hinzuziehen.

Die Gehörlosigkeit beim Baby wird ein dauerhaftes Problem werden, wenn keine Behandlung erfolgt. Bleibt das Kind taubstumm, wird es ohne ausreichendes Sprachvermögen in der Schule Probleme haben. Außerdem haben taube Kinder auch Schwierigkeiten im Straßenverkehr bei der Einschätzung möglicher Gefahren.

Der Gehörlosigkeit kann aber abgeholfen werden. Wenn der Hörnerv intakt ist, kann ein Cochlea-Implantat infrage kommen.

Eine solche Hörprothese übernimmt die Rolle des beschädigten Innenohrs. Der äußere Teil des Cochlea-Implantats hat einen Sprachprozessor mit Batterie und ein Mikrofon. Er liegt hinter dem Ohr. Den inneren Teil pflanzen Ärzte in den Knochen an der Schläfe ein. Hier sind eine Spule für den Empfang und Elektroden verborgen. Die Elektroden führen bis in die Hörschnecke im Innenohr. Ein Magnet versorgt den inneren Teil mit Strom. Radiowellen übertragen die Signale des Schalls. Der Ablauf des Hörens sieht dann so aus:

  1. Das eingebaute Mikrofon empfängt Schall.
  2. Der Sprachprozessor erkennt diejenigen Schallsignale, die für den Hörer wichtig sind.
  3. Der Sprachprozessor sendet diese Signale an den Empfänger.
  4. Die Spule für den Empfang überträgt die Radiowellen in elektronische Signale.
  5. Die elektronischen Signale regen den Hörnerv an.
  6. Der Hörnerv leitet die Signale weiter ins Gehirn.
  7. Das Gehirn interpretiert und versteht das Gehörte.

Der Spracherwerb findet in erster Linie etwa bis zum vierten Geburtstag statt. Er kann in seiner spezifischen Ausprägung nicht einfach später nachgeholt werden. Daher bekommen oft schon taube Babys im ersten Jahr ihres Lebens ein Cochlea-Implantat. Dann kann einer Rehabilitation erfolgen, die vorrangig die Sprache zum Ziel hat.

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