Zöliakie: Wenn Ihr Kind kein Gluten verträgt

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  • Erkrankte Babys zeigen Symptome einer Glutenunverträglichkeit spätestens ein halbes Jahr nach Gabe von glutenhaltiger Beikost.
  • Wird die Zöliakie beim Kind nicht behandelt, kann es zu körperlichen Entwicklungsstörungen kommen.
  • Eine glutenfreie Ernährung stoppt bei Kindern die Symptome und kann zudem sehr abwechslungsreich und lecker sein.


Eine Glutenunverträglichkeit beim Baby oder Kind äußert sich durch eine empfindliche Reaktion auf glutenhaltige Lebensmittel. Eine Zöliakie bei Ihrem Kind kann zu Mangelerscheinungen sowie Unterversorgung mit Nährstoffen führen, die es in seiner körperlichen Entwicklung bremsen. Wir erklären Ihnen, woran Sie eine Glutenunverträglichkeit bei Ihrem Kind erkennen und worauf Sie achten sollten.

1. Autoimmunreaktion mit Zöliakie Test feststellbar

Zöliakie bei Babys und Kindern:
Glutenunverträglichkeit zählt bei Kindern zu den häufigsten Darmerkrankungen. Als Grund für Zöliakie wird eine genetische Veranlagung vermutet. Zudem wird angenommen, dass diese genetische Veranlagung bei 1 von 500 Kindern auftritt. Allerdings zeigen sich letztlich nur bei jedem vierten Kind Symptome bzw. kann die Erkrankung viele Jahre symptomfrei verlaufen. Aufgrund der teilweise schwer einzuschätzenden Anzeichen kann es aber auch erst im Schulalter, in der Jugend oder bei Erwachsenen zur endgültigen Diagnose kommen.

Die Diagnose „Zöliakie beim Baby oder Kind“ bedeutet, dass es kein Gluten verträgt. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten enthalten ist. Der Körper verdaut es nicht als normalen Bestandteil der Nahrung, sondern sieht es als zu bekämpfenden Schadstoff an. Genauer gesagt reagiert das Immunsystem im Darm auf den Glutenbestandteil Gliadin abwehrend (=Autoimmunreaktion), wenn das Kind oder Baby glutenhaltige Lebensmittel verzehrt – deshalb wird die Erkrankung auch als Glutenunverträglichkeit bezeichnet.

Heute wird als Ursache einer Zöliakie die bereits erwähnte Autoimmunreaktion als ziemlich sicher angenommen, welche sich gegen die eigene Schleimhaut im Dünndarm richtet. Dadurch werden die Dünndarmzotten zerstört. Diese mikroskopisch winzigen Ausstülpungen in der Darmwand haben die Aufgabe, Nährstoffe im Darm aufzunehmen und in das Blut abzugeben. Ist diese Funktion beeinträchtigt, durchläuft die Nahrung den Darm zum großen Teil ungenutzt und es gelangen wichtige Nährstoffe nur noch unvollständig in den Körper.

Besteht die Annahme einer Glutenunverträglichkeit beim Baby oder Kind, wird der Kinderarzt einen Zöliakie-Test mithilfe einer Blutuntersuchung durchführen. So kann er einen Eisen- bzw. Vitaminmangel sowie bestimmte Antikörper im Blut feststellen. Da diese Untersuchung nicht zu 100 % aussagekräftig ist, muss eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm den Verdacht bestätigen.

Bei einer Autoimmunreaktion greift das Immunsystem den eigenen Körper an. Der Organismus ist – entgegen einer gesunden Abwehrreaktion – nicht mehr in der Lage, zwischen „körpereigen“ und „fremd“ zu unterscheiden. Deshalb hält das Immunsystem körpereigenes Gewebe für schädlich und will die vermeintlich fremden Eindringlinge zerstören.

2. Zöliakie hemmt beim Kind die körperliche Entwicklung

Solange Sie Ihr Kind stillen oder mit dem Fläschchen ernähren, sind keine Anzeichen von Zöliakie beim Baby zu erkennen. Denn sowohl Muttermilch als auch künstliche Säuglingsmilch sind glutenfrei. Meist zeigt das Baby Symptome, wenn es mit Beikost gefüttert wird – das kann schon nach dem ersten Füttern passieren, meist aber etwa 3 bis 6 Monate nach deren Beginn – denn Getreidebrei, Zwieback oder Brot enthalten in der Regel Gluten. Deutliche Zeichen einer Glutenunverträglichkeit sind bei Kindern folgende Symptome:

  • Kind mit Keks

    Erhält das Kind zu früh glutenhaltige Beikost, besteht erhöhte Gefahr, eine Zöliakie zu entwickeln.

    Verdauungsstörungen wie Blähungen und Durchfälle

  • übel riechender und glänzend-fettiger Stuhlgang
  • Erbrechen
  • Verstopfung
  • Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit und/oder Müdigkeit
  • aufgetriebener Bauch und auffallend dünne Beine und Arme (vor allem bei Babys)
  • blasse Haut (bedingt durch Eisenmangel)
  • allgemeiner Nährstoffmangel
  • Missmutigkeit, Weinerlichkeit und Reizbarkeit
  • Depressionen
  • erhöhte Leberwerte
  • Kopfschmerzen
  • Defekte am Zahnschmelz
  • Minderwuchs bzw. deutliche Abweichungen von der Wachstumskurve
  • Gewichtsabnahme oder Gewichtsstillstand sowie Untergewicht

Äußerlich sind Entwicklungsstörungen beispielsweise sichtbar anhand von mageren Extremitäten und einer typischen Hautfalte am Gesäß. Der entstehende Vitaminmangel kann Gerinnungsstörungen und Rachitis hervorrufen. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann die Glutenunverträglichkeit beim Kind im jugendlichen Alter Knochenschmerzen und eine verzögerte Pubertät verursachen (z. B. ausbleibende Regelblutung bei Mädchen).

Ein juckender Hautausschlag an Gesäß, Knien und Ellbogen tritt vor allem bei Erwachsenen mit Zöliakie auf. Bei Kindern kommt es eher zu unklaren Hauterscheinungen.

Tipp: Wenn Sie einer Glutenunverträglichkeit bei Ihrem Baby vorbeugen wollen, sollten Sie es mindestens in den ersten sechs Lebensmonaten glutenfrei ernähren. Denn in dieser Zeit reagiert der Darm besonders empfindlich auf Eiweiß aus der Nahrung. Empfehlenswert sind Hirse- und Reisflocken.

3. Gluten in Getreide sowie in zahlreichen Fertigprodukten

Hirseflocken

Hirseflocken eignen sich gut für eine glutenfreie Ernährung Ihres Babys.

Wie sieht nun ein glutenfreies Leben aus? Zuerst einmal müssen Babys und Kinder mit Zöliakie sämtliche glutenhaltige Lebensmittel meiden. Dazu zählen in erster Linie Getreidesorten wie Dinkel, Weizen, Roggen, Kamut, Grünkern, Gerste, Hafer, Emmer, Couscous oder Einkorn. Diese können in folgenden Lebensmitteln enthalten sein:

  • Backwaren, z.B. Gebäck, Kuchen, Brot, Brötchen, Brezeln
  • Teigwaren, z.B. Nudeln, Pizza, Lasagne, Ravioli, Maultaschen
  • Süßigkeiten und Knabbereien, z.B. Salzstangen, Kekse, Müsliriegel, Schokolade mit Cerealien, Schokoküsse, Eiswaffeln
  • Joghurt mit Keksen und Getreide
  • Frühstückscerealien
  • paniertes Fleisch oder panierter Fisch
  • Hackbraten oder Frikadellen

Achtung: Die Symptome der Glutenunverträglichkeit werden beim Kind immer untypischer, je älter es wird. Wenn der schlechte Allgemeinzustand – verbunden mit häufigen Infekten, dauerhafter Abgeschlagenheit und/oder Symptomen mit unklarer Ursache – anhält, sollte ein Zöliakie Test durchgeführt werden.

glutenhaltige Teigwaren

Teigwaren aus glutenhaltigem Getreide dürfen Kinder mit Zöliakie nicht essen.

Bitte bedenken Sie, dass auch in vielen Fertigprodukten bzw. im Restaurant- oder Kindergartenessen Gluten versteckt sein kann. So erhalten beispielsweise Kroketten oder Pommes frites häufig keine glutenfreie Panade, das gilt auch für in Mehl gewendetes Gemüse. In Ketchup oder Senf wird Gluten häufig als Füllstoff oder Stabilisator verwendet und auch in Wurst findet sich das Klebereiweiß nicht selten. In Tütensuppen und Fertigsoßen dient Gluten oft als Bindemittel und in Fruchtjoghurts bzw. Puddings erfüllt es die Funktion eines Emulgators.

Wir stoppen an dieser Stelle mit der Aufzählung, denn diese könnte noch lange so weitergehen. Hieran können Sie erkennen, dass Sie bei jedem Produkt unbedingt die Zutatenliste genau studieren sollten. Im Kindergarten sollten Sie erklären, worauf bei der Ernährung Ihres Kindes zu achten ist und im Restaurant ebenfalls nach den verwendeten Zutaten fragen. Das gilt natürlich auch, wenn Ihr Kind anderweitig „auswärts“ isst – beispielsweise bei Oma oder auf einem Kindergeburtstag.

Hinweis: Auf einer Mutter-Kind-Kur können Sie mit anderen betroffenen Eltern Erfahrungen austauschen und sich vom geschulten Fachpersonal erklären lassen, wie Sie das Leben mit einem Zöliakie erkranktem Kind am besten meistern. Zudem erhalten Sie viele Tipps über die Zubereitung glutenfreier Kost inklusive zahlreicher Rezepte sowie Informationen über Bezugsquellen entsprechender Lebensmittel.

4. Reichhaltige, leckere und abwechslungsreiche Kost

Nach dieser langen Aufzählung der „verbotenen“ Lebensmittel sollten Sie bitte keinen Schreck bekommen. Die Erfahrung zeigt, dass sich auch bei einer Zöliakie Ihr Kind abwechslungsreich und schmackhaft ernähren kann. Wir haben hier einmal einiges für Sie zusammengetragen:

Oberbegriff Abbildung Beispiele
glutenfreies Getreide und das Mehl daraus  glutenfreies Getreide Mais, Reis, Hirse, Teff
Pseudogetreide und das Mehl daraus Amaranth, Quinoa, Buchweizen
Obst und Gemüse  anzeichen zöliakie Äpfel, Birnen, Bananen, Tomaten, Brokkoli etc.
Kartoffeln und Hülsenfrüchte Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, grüne Bohnen, Soja
Salate und Kräuter  Salate und Kräuter Feldsalat, Kopfsalat, Petersilie, Basilikum
Samen Chia, Leinsamen, Kürbis- und Sonnenblumenkerne
Nüsse und Kokosnussmehl  Nüsse Hasel-, Wal- und Kokosnuss, Chashewkerne
unbehandelte tierische Produkte Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier

Zum Abschluss noch drei Tipps:

  1. Verzichten Sie möglichst auf Fertigprodukte oder greifen Sie auf Bio-Ware zurück, denn hier dürfen viele Zusatzstoffe nicht verwendet werden. Dennoch bitte immer die Zutatenliste anschauen.
  2. Achten Sie auf eine abwechslungsreiche Kost mit viel gesunden Ballaststoffen und weiteren wertvollen Nährstoffen.
  3. Bereiten Sie viele Speisen selbst zu aus möglichst frischen Zutaten. Dazu zählt auch das Backen mit glutenfreiem Mehl u.ä.
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