Alleinerziehender Elternteil: Probleme, Rechte, Tipps

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  • Ein alleinerziehender Elternteil ist man, wenn man allein für die Pflege und Erziehung eines minderjährigen Kindes sorgt.
  • Sechs Prozent aller Menschen in Deutschland sind alleinerziehend.
  • Ein alleinerziehender Elternteil mit Kind wird inzwischen meist Ein-Eltern-Familie genannt.

Das traditionelle Familienbild – Mutter, Vater, Kind – gilt in vielerlei Hinsicht als überholt. Durch hohe Scheidungsraten und Trennungsraten kommt es immer häufiger vor, dass ein alleinerziehender Elternteil sein Kind allein großzieht.

Auch passiert es, dass ein alleinerziehender Elternteil einen neuen Partner findet. Eine neue Freundin oder in neuer Freund bringt möglicherweise auch eigene Kinder aus früheren Beziehungen mit: Die Patchworkfamilie entsteht.

Zu den kreativeren Modellen gehören auch gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder eines der Partner aus einer früheren Beziehung erziehen oder ein Kind adoptieren. Hinzu kommen Pflegefamilien, Großeltern, die sich um ihre Enkel kümmern und vieles andere.

Dieser Artikel widmet sich dem Thema alleinerziehender Elternteil. Hier erfahren Sie, was das eigentlich ist, welche Rechte ein alleinerziehender Elternteil hat und welche Probleme viele dieser Menschen kennen. Egal, ob mit 1 Kind, mit 2 Kindern, mit drei Kindern oder mehr: Die Probleme sind bei vielen Betroffenen ähnlich.

1. Alleinerziehender Elternteil

Ein alleinerziehender Elternteil ist eine Mutter oder ein Vater, die / der mit ihrem / seinem Kind oder ihren / seinen Kindern in einer Ein-Eltern-Familie lebt. Letzterer Begriff scheint sich zurzeit durchzusetzen, weil Viele die Bezeichnung alleinerziehender Elternteil als diskriminierend empfinden: Nicht selten wird er mit mangelnder elterlicher oder sozialer Kompetenz assoziiert. Manchmal muss sich ein alleinerziehender Elternteil herabwürdigende Sprüche anhören – obwohl man sich in dieser Lebenssituation sowieso nicht selten überfordert fühlt.

1.1. Definition des Begriffs „alleinerziehender Elternteil“

alleinerziehender elternteil mit töchtern

Zehn Prozent aller alleinerziehenden Elternteile sind Väter.

Das Kind hat eine Hauptbezugsperson, bei der sich sein Lebensmittelpunkt befindet. Ein alleinerziehender Elternteil lebt mit dem Kind in einer Haushaltgemeinschaft. Zu dem anderen Elternteil pflegt das Kind häufig Kontakte über Besuche, z. B. am Wochenende. Wenn Eltern sich nicht einig werden, bei wem das Kind leben soll, kann ein Gericht einem der beiden das Sorgerecht zusprechen. Lebt ein Kind bei der Mutter, können so auch die Rechte des Vaters festgelegt werden.

Tipp: Rechtlich wird ein alleinerziehender Elternteil so definiert: „Personen, die mit einem oder mehreren minderjährigen Kindern zusammenleben und allein für deren Pflege und Erziehung sorgen“ (§ 21 Absatz 3 SGB II).

1.2. Alleinerziehender Elternteil: Häufigkeit der Ein-Eltern-Familie

Immer mehr Menschen leben als alleinerziehender Elternteil, vor allem in den Industrieländern des Westens. Dabei gelten die Ein-Eltern-Familien als sozial und finanziell besonders gefährdet. Dementsprechend viele Menschen sehen die Politik in der Pflicht, sich der Probleme von Ein-Eltern-Familien anzunehmen.

Die Lebens- und Familienformen Deutschlands verteilen sich prozentual wie folgt:

Lebensform Häufigkeit
Ehepartnerschaft 44 Prozent
Lebenspartnerschaft 8 Prozent
Single 43 Prozent
Alleinerziehender Elternteil 6 Prozent
alleinerziehender elternteil sitzt mir unterlagen und taschenrechner ab schreibtisch

Nicht selten wird eine alleinerziehende Mutter von Geldsorgen geplagt.

Was die alleinerziehende Mutter betrifft, so waren mehr als 50 Prozent von ihnen im Jahre 2001 darauf angewiesen, mit weniger als 1.100 € monatlich auszukommen. Die alleinerziehende Mutter macht 90 Prozent unter den alleinerziehenden Elternteilen aus. Das Durchschnittseinkommen bei Alleinerziehenden liegt bei 2631 € brutto, wobei ein alleinerziehender Vater – statistisch gesehen – meist besser dasteht als eine alleinerziehende Mutter.

2. Alleinerziehender Elternteil: ein Thema mit sozialer Brisanz

Als alleinerziehender Elternteil ist man oft auf gesellschaftliche und finanzielle Unterstützung angewiesen. Dies beginnt bereits im privaten Bereich, wenn z. B. die Großeltern oder befreundetet Familien manchmal in der Kinderbetreuung einspringen. Ein alleinerziehender Elternteil braucht eine geeignete Wohnung, ausreichend Geld und passende Jobs.

2.1. Was der Arbeitgeber tun kann

alleinerziehender elternteil im gespräch mit dem arbeitgeber

Lassen Sie sich als alleinerziehender Elternteil von Ihrem Arbeitgeber beraten.

Von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern wird gefordert, dass sie durch flexible Arbeitszeiten und andere Angebote die Rechte der alleinerziehenden Arbeitnehmer stärken, auch dann, wenn man Vollzeit arbeiten will. Ein alleinerziehender Elternteil in Ausbildung kann ebenfalls Hilfe bekommen, damit auch die spätere Karriere nicht gefährdet wird. Dies äußert sich, z. B. in einer firmeneigenen Kinderbetreuung, Gleitarbeitszeiten, Arbeiten im Homeoffice, flexible Zeiten für Schultermine etc.

Tipp: Ein alleinerziehender Elternteil gehört zur Steuerklasse 2. Dies bringt durch den sogenannten Alleinerziehendenentlastungsbetrag Steuervorteile mit sich.

2.2. Staatliche Zuschüsse und kompetente Beratung

Und dann gibt es noch die Hilfe oder Förderung vom Staat. Aber was steht Ihnen zu? Welche Zuschüsse und Ansprüche sind möglich?

Als finanzielle Unterstützung gibt es nicht nur das Kindergeld. Auch gilt es, gegenüber dem anderen Elternteil – in der Regel dem Vater – das Recht auf Unterhalt durchzusetzen. Dabei kann der Staat mit einem Unterhaltsvorschuss einspringen. Das Jugendamt berät zu Ihrem Unterhaltsanspruch kostenlos.

Außerdem gibt es, wenn der Lebensunterhalt nicht ausreicht, folgende Zuschüsse:

  • Sozialgeld
  • Sozialhilfe
  • Kinderzuschlag
  • Wohngeld

Für kranke Väter und Mütter – oder auch bei kranken Kindern – hilft oft eine Haushaltshilfe weiter, die bei der Krankenkasse beantragt werden kann.

Tipp: Um in dem Wust von Pflichten und Anträgen den Überblick zu bewahren, empfehlen sich von Anfang an einfache Hilfsmittel, z. B. ein guter Kalender, Ordner für Anträge und Behördendokumente, die eine Registratur haben und einen Haushaltsplaner. Planen Sie auch Ihren Tagesablauf.

Sie können inzwischen auch zahlreiche kostenlose Haushaltsplaner online finden.

2.3. Alleinerziehend und arbeitslos

Wenn Sie als alleinerziehende Mutter oder alleinerziehender Vater nicht neben der Kindererziehung und Haushaltsführung arbeiten können oder keinen Job finden, können sie ALG I oder ALG II beziehen:

  • elternteil stuetzt kopf in die haende, kind sitzt daneben

    Ein alleinerziehender Elternteil muss sich manchmal arbeitslos melden.

    Arbeitslosengeld I:
    Schon drei Monate vor dem Ende des letzten Arbeitsverhältnisses sollte man sich beim Arbeitsamt (Jobcenter) arbeitssuchend melden. Das heißt, dass man sich um Arbeit bemühen und Stellenangebote suchen muss. Wenn aber das Arbeitsverhältnis kürzer ist oder ein kurze Kündigungszeit hat, drei Tage vorher. Sie müssen für den Bezug von Arbeitslosengeld I in den letzten zwei Jahren mindestens 12 Monate lang Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben. Ist das Kind krank, kann der Bezug von Arbeitslosengeld I verlängert werden.

  • Arbeitslosengeld II:
    Wenn ein alleinerziehender Elternteil Arbeitslosegeld II (Hartz IV) bezieht, kann sie oder er den sogenannten Mehrbedarf für Alleinerziehende bekommen. Dieser beträgt 12 bis 60 Prozent vom Regelbedarf.

Tipp: Lassen Sie sich bei Ihrem Weg durch den Paragrafendschungel helfen. Außer dem Arbeitsamt und dem Jugendamt gibt es zahlreiche kirchliche oder gemeinnützige Organisationen, die hier beratend tätig sind, z. B. die Caritas, auch als Online-Beratung. Hier gibt es auch Beratung und Hilfe für soziale und gesundheitliche Problemfälle, beispielsweise für eine Mutter, die Alkoholikerin ist.

2.4. Bei der Wohnungssuche als alleinerziehender Hartz-IV-Empfänger gibt es Einiges zu beachten

Wenn Sie arbeitslos und alleinerziehend sind und einen Umzug planen oder eine geeignete Wohnung gesucht werden muss, sollten sie ein paar Dinge wissen, z. B. wie viel Geld steht Ihnen zu und wie groß darf die Wohnung sein.

  • Auch wenn man Arbeitslosengeld bekommt, darf man wegziehen. Außerdem: Wer das Sorgerecht hat, bestimmt auch den Aufenthaltsort des Kindes.
  • Wie viel qm² Wohnfläche Ihnen zustehen, hängt natürlich von der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen ab.
  • Die Wohnungsgröße bei ALG 2 staffelt sich wie folgt:
Anzahl Personen Wohnungsgröße
2 Maximal 60 qm²
3 Maximal 75 qm²
4 Maximal 85 qm²
5 Maximal 97 qm²
Jede weitere Person Maximal 12 qm² zusätzlich

Ob Sie vom Staat Wohngeld bekommen können, hängt von drei Aspekten ab:

  • Zahl der im Haushalt lebenden Personen
  • Höhe des gesamten Einkommens pro Monat
  • Höhe der fraglichen Miete oder der Belastung für eine Eigentumswohnung
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