Dreimonatskoliken: Wie Sie einem Schreibaby helfen können

Dreimonatskoliken
  • „Dreimonatskoliken“ ist ein veralteter Begriff für die Symptome eines Schreibabys.
  • Die Ursachen für anhaltendes Schreien liegen zumeist in einer Regulationsstörung in den ersten Lebensmonaten des Babys.
  • Ein fester Tagesrhythmus und das empathische Eingehen auf die Bedürfnisse des Kindes können das Schreien verringern.

Wenn das Baby tags wie nachts schreit, einen harten Bauch bekommt und sich nicht entspannen kann, spricht der Volksmund von Babys Dreimonatskoliken. Wir erklären Ihnen, was die Ursachen der Symptome sind und mit welchen Tricks und Tipps Sie Ihr Baby in den ersten Lebensmonaten unterstützen.

1. Symptome für Dreimonatskoliken bei Babys: Stundenlanges Schreien

Dreimonatskoliken Baby

Bei Dreimonatskoliken schreien Babys scheinbar ohne Grund.

Ab wann bei Babys von Dreimonatskoliken gesprochen wird, legt die Dauer des Schreiens fest: Wenn Säuglinge in den ersten drei Lebensmonaten über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen an mindestens drei Tagen in der Wochen mehr als drei Stunden durchgehend schreien, leiden sie unter Dreimonatskoliken.

Die Schreiphase beginnt bei Säuglingen oft am späten Nachmittag und frühen Abend. Sie können sich in schweren Fällen durch die ganze Nacht ziehen. Durch das starke Weinen schlucken Babys Luft, oft bläht sich der Bauch auf.

2. Die „echten“ Dreimonatskoliken gibt es nicht

ab wann können Dreimonatskoliken auftreten?

Nähe und Ruhe können bei Schreibabys Wunder bewirken.

Das Baby schreit, die Eltern schauen sich an und sagen bestimmt: „Klar, Dreimonatskoliken“. Wie der Name es suggeriert, sollen diese Schreiattacken nach den ersten drei Lebensmonaten relativ schnell verschwinden.

Jedoch ist diese Bezeichnung irreführend: Wie lange die Schreiphase anhält, hängt von der individuellen Entwicklung des Kindes ab. Sie können bis zu sechs Monate dauern.  Auch deshalb werden die Koliken im englischsprachigen Raum als „Säuglingskoliken“ bezeichnet.
Allgemein hat sich als Alternative die Bezeichnung „Schreibaby“ etabliert, auch, weil es sich bei den Schreiattacken um keine Koliken handelt. Nur in seltenen Fällen stecken wirklich Verdauungsschwierigkeiten hinter den Symptomen.

3. Die häufigsten Ursachen für Dreimonatskoliken

Warum ein Baby häufiger schreit als seine Altersgenossen kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Selten liegen ernsthafte, körperliche Ursachen vor. Sehr viel öfter ist das Schreien und die Unruhe des Babys ein Ausdruck von Unzufriedenheit. Fürsorgliche Eltern möchten alles für ihren kleinen Schatz machen und sind insbesondere beim ersten Kind unsicher, was das Baby braucht. Das ist vor allem Ruhe und Zeit zum Ankommen. Bekommt es das nicht, ist es überreizt und reagiert mit Schreien.

3.1. Ungesunder Wach-Schlaf-Rhythmus

Was tun bei Dreimonatskoliken?

Wenn Babys überreizt sind, reagieren sie oft mit Schreien.

Die ersten Lebenswochen sind für Babys eine aufregende Zeit – für Mama aber auch. Bei Problemen mit dem Stillen, dem ersten kleinen Schnupfen oder äußeren Einwirkungen wie ein Umzug kann der empfindliche Wach-Schlaf-Rhythmus durcheinander geraten.

Kommt Ihr Baby tagsüber nicht zum kleinen Nickerchen, kann es überreizt sein. Die Folge ist anhaltendes Weinen und Schreien. Kommt das Baby dann zur Ruhe und kann noch einmal etwas trinken, kann es sich relativ schnell wieder beruhigen.

Ist die Umgebung grundsätzlich zu reizend, können Babys langfristig aus dem gesunden Rhythmus kommen. Die Übermüdung, zu wenig Ruhepause und Probleme beim Trinken führen dann zu einem Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.

3.2. Bauchkrämpfe bei Stillbabys

Es können auch tatsächlich ganz herkömmliche Bauchschmerzen hinter dem Weinen stecken. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Babys gestillt werden. Dann nehmen Kinder durch die Muttermilch auch die Nahrung der Mutter auf.
Stillende Mütter können probeweise auf blähende Lebensmittel verzichten und beobachten, ob das Schreien nach Stillmahlzeiten dadurch weniger wird.

Tipp: Einige Babys reagieren auch empfindlich, wenn die Mutter Tomaten gegessen hat.

3.3. Notfall: Darmeinstülpung

Darmeinstülpung bei Babys

Akutes Schreien kann ein Anzeichen für einen Notfall sein.

Zu den gefährlichen Ursachen für anhaltendes Schreien gehört die Darmeinstülpung (Invagination). Dabei stülpt sich der Darm wortwörtlich ein, was zu einer lebensgefährlichen Situation führen kann. Plötzlich haben Babys große Schmerzen, ziehen die Beine an den Körper und schreien anhaltend.

Symptome für Darmeinstülpung:

  • Blut in der Windel
  • schleimig-blutiger Stuhl
  • apathisches Verhalten
  • Erbrechen
  • blasses Aussehen

Achtung: Gibt es den Verdacht auf eine Darmeinstülpung, sollte man umgehend einen Arzt konsultieren. Eine medizinische Behandlung ist hier dringend notwendig.

Zumeist tritt die Darmeinstülpung bei Kindern zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat auf. Deshalb ist die Invagination selten eine Ursache für ein vermeintliches Schreibaby-Verhalten.

3.4. Unverträglichkeiten/Allergien

Selten sind Allergien oder Intoleranzen, wie die Laktoseintoleranz, die Ursachen für Dreimonatskoliken bei Babys. Studien zeigen, dass Koliken genauso häufig bei gestillten wie nicht-gestillten Babys auftauchen, weshalb die Nahrung als Ursache zumeist ausgeschlossen werden kann.

Laktoseintoleranz

Hierbei vertragen die Betroffenen keinen Milchzucker (Laktose). Sie reagieren vor allem mit Bauchschmerzen und Durchfall auf den Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln.

Wenn Intoleranzen oder Allergien ursächlich sind, erkennen Eltern dies zumeist an Anzeichen wie einem schlechten Allgemeinzustand. Durch die gestörte Verarbeitung der Nahrung sind Babys nicht altersgerecht entwickelt.

Außerdem zeigen sich Symptome wie Durchfall, Erbrechen oder Blut im Stuhl. Ist die Verdauung dadurch ein schmerzhafter Vorgang, kann es insbesondere direkt nach dem Trinken zu Schreiphasen kommen. Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Baby eine Unverträglichkeit hat, sprechen Sie den behandelnden Kinderarzt darauf an.

3.5. Die Regulationsstörung als wichtigster Grund für Schreibabys

Was hilft wirklich bei Dreimonatskoliken?

In den meisten Fällen hilft Nähe.

In den meisten Fällen gibt es keine klar erkennbare Ursache für das Schreien von Babys, vielmehr ist es ein diffuses Krankheitsbild. Das Kind ist gesund, gut entwickelt und befindet sich in einer angenehmen Umgebung – also was ist das Problem?

Als ein Hauptgrund für anhaltendes Schreien wird heute eine Regulationsstörung vermutet.
In den ersten Lebenswochen wächst das Nervensystem. Dabei kommt es auch zu einem regen Austausch zwischen Hirn und Darm.

Spätestens seit dem Bestseller „Darm mit Charme“ wissen wir, dass der Darm auf Stress reagiert. Das gilt auch für Babys. Sie müssen erst lernen, alle Eindrücke, die sie über den Tag erhalten, zu verarbeiten. Das gilt insbesondere für Frühchen, deren Nervensystem noch unzureichend entwickelt ist. Bei einer Reizüberflutung kommt es zu einem Chaos an Botschaften, die von und an den Darm gesendet werden.

Dreimonatskoliken

Bei Massagen können Babys sich entspannen und die Darmaktivität wird angeregt.

Es ist kein Zufall, dass Schreibabys zumeist nach der letzten Mahlzeit am Abend mit dem Weinen beginnen. Durch die Regulationsstörung kann auch ein normaler Stuhlgang als schmerzhaft wahrgenommen werden, der Stress ist dem Baby „auf den Magen geschlagen“.

Kaum auf die Welt gekommen brauchen Babys jedoch Ruhe, eine gewohnte Umgebung und vor allem Nähe. So gewöhnen sie sich nach und nach an ihre Umwelt. Wann es mit dem Schreien vorbei ist, ist schwierig zu sagen. Mit dem nächsten Schritt, der ersten Entdeckerphase ab dem vierten Lebensmonat, enden die Schreiattacken aber oft plötzlich.

4. Was Sie tun können: Geduldig sein

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind regelmäßig schreit und weint, dann beobachten Sie die Umstände genau. Schreit es immer nach der letzten Trinkmahlzeit? Weint es nach besonders aufregenden Tagen?

Womöglich lässt sich die Ursache durch das Finden eines Musters ausmachen. Wann es am Schlimmsten ist und der Höhepunkt der Dreimonatskoliken erreicht ist, variiert von Fall zu Fall. Die Schreiphase ist zumeist ganz plötzlich zu Ende. Bis dahin können Sie Ihr Baby mit verschiedenen Maßnahmen unterstützen.

Dos  Don’ts
Körperkontakt: Finden Sie die Vorlieben Ihres Kindes heraus. Manche Kinder werden beim Kuscheln ruhiger, andere beruhigen sich beim Herumtragen. Stillen/Füttern: Wenn Babys Schmerzen beim Stuhlgang haben, wirkt der Fütterversuch nicht.
Tragetuch: Entlastend ist das Tragen im Tragetuch, in dem man das Baby sanft schaukeln kann. Schütteln: Auch wenn anhaltendes Schreien sehr anstrengend ist, sollte das Baby niemals geschüttelt oder unsanft angefasst werden.
Einreiben: Bei Verdauungsschwierigkeiten kann das Massieren mit einem Öl helfen. Dabei immer um den Bauchnabel im Uhrzeigersinn massieren. Strategiewechsel: Sie sollten nicht ständig zwischen den Strategien wechseln, weil das für das Baby zu noch mehr Stress führt.

Je nach der Schwere der Schreiphasen und der Belastung der jungen Eltern, können Hilfsmittel der Homöopathie genutzt werden: Eine Hebamme oder ein homöopathischer Berater empfiehlt Ihnen Globuli, die in Art und Dosierung exakt auf die Situation des Kindes abgestimmt sind.

Auch die Osteopathie gehört zu den beliebten Tipps. Medikamente müssen in den seltensten Fällen verschrieben werden. Wenn Sie sich Rat einholen möchten oder sich in einer akuten Phase befinden, können Sie eine der vielen Schreiambulanzen aufsuchen, die es bundesweit gibt.

Tipp: Haben Sie Geduld mit sich und Ihrem Kind. Je gelassener Sie reagieren, desto geborgener fühlt sich Ihr Baby.

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