Enuresis – Wenn das Kinderbett nicht trocken bleibt

Enuresis bei Kindern
  • Bei der Enuresis handelt sich um eine Erkrankung, bei der Kinder (oder Erwachsene) nächtlich einnässen.
  • Die Ursachen können körperlich sein oder auf psychische Belastungen zurückgehen.
  • Oft reichen einfache verhaltenstherapeutische Maßnahmen, um die Symptome abzumildern.

Wenn Kinder im (Vor-)Schulalter immer wieder nachts einnässen, wird das schnell zur Belastungsprobe für das Kind und die Eltern. Warum nässt unser Kind ein? Was ist falsch gelaufen? Hat es psychische Probleme? In den meisten Fällen kann Entwarnung gegeben werden, manchmal steckt aber auch eine körperliche Erkrankung dahinter.

1. Definition des Begriffs

Vorlesen vor dem Schlafengehen kann einnässenden Kindern helfen.

Eine liebevolle Schlafbegleitung ist bei Enuresis wichtig.

Unter einer „Enuresis“ verstehen Mediziner das Symptom des unwillkürlichen Einnässens bei Kindern in einem Alter ab dem vollendeten 5. Lebensjahr.
Die Spannen zwischen einem gelegentlichen Einnässen und einer signifikanten Häufigkeit können jedoch fließend sein. Deshalb muss das Einnässen eine gewisse Zeit anhalten und verstärkt aufkommen, bevor Eltern einen Mediziner aufsuchen sollten.

2. Häufigkeit der Enuresis

Die Initiative Trockene Nacht gibt an, dass in Deutschland mehr als 640.000 Kinder von der Enuresis betroffen sind, womit die Erkrankung die zweithäufigste chronische Erkrankung bei Kindern darstellt.

Studien zeigen, dass Jungen häufiger von der Erkrankung betroffen sind. 

Häufigkeit nach Altersgruppen:

  • 16 Prozent der Fünfjährigen
  • 10 Prozent der Siebenjährigen
  • 7 Prozent der Achtjährigen
  • 2,5 Prozent der Zehnjährigen
  • ein bis zwei Prozent der Jugendlichen

Durch die Häufigkeit der Erkrankung wurde die Enuresis von der Weltgesundheitsorganisation als psychiatrische Diagnose nach ICD-10 eingestuft.

3. Wie Kinder lernen ihre Blase zu kontrollieren

Babys können ihre Blase noch nicht kontrollieren. Sie geben in den ersten Lebensmonaten etwa 30 Mal am Tag kleine Mengen von Urin ab. Die Blasenkontrolle ist ein Reifungsvorgang, der in einer ganz individuellen Geschwindigkeit vor sich geht. Deshalb ist ein Töpfchentraining im sehr jungem Alter nicht notwendig.

Manchmal brauchen Kinder mit Enuresis Windeln.

Das Nervensystem steuert das Trockenwerden.

  • Bis 2. Lebensjahr: Das Nervensystem hat sich soweit entwickelt, dass
    Kinder den Harndrang bei einer stark gefüllten Blase bewusst wahrnehmen können
  • Ende des 2. Lebensjahres bis ins 3. Lebensjahr: Die Kinder können den Blasenschließmuskel schon gut selbst kontrollieren und bemerken den Harndrang auch bei einer leicht gefüllten Blase.
  • Nach dem 4. Lebensjahr: Sie können die Urinabgabe bewusst über einen gewissen Zeitraum verzögern und kontrollieren, wann sie Harn abgeben wollen.

Tipp: Als trocken gelten Kinder, wenn sie nachts ohne Einnässen durchschlafen und von selbst erwachen, wenn sie auf Toilette müssen.

4. Die Arten von Enuresis

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die verschiedenen Formen der Enuresis zu kategorisieren. Bei der Unterscheidung zwischen der primären und sekundären Enuresis wird nach der Dauer des Bettnässens unterschieden, bei der monosymptomatischen und nicht- monosymptomatischen Enuresis nach dem Einnässen im Tagesverlauf.

4.1. Primäre und sekundäre Enuresis

Wird von Bettnässen gesprochen, wird darunter zumeist die primäre Enuresis verstanden. Darunter verstehen Mediziner, dass ein Kind über das 5. Lebensjahr hinaus noch nie trocken war, auch tagsüber nicht.

Bei der sekundären Enuresis ist ein Kind zumeist über einen längeren Zeitraum von etwa sechs Monaten trocken. Dann nässt es plötzlich wieder ein. Diese Form ist für Eltern besonders schwierig zu verstehen: Warum nässt mein Kind jetzt wieder ein? Hat es psychische Probleme? Die sekundäre Enuresis muss in jedem Fall mit einem Mediziner besprochen werden.

4.2. Monosymptomatische vs. nicht-monosymptomatische Enuresis

Bei der monosymptomatischen Enuresis nässt sich das Kind nur nachts – höchstens auch noch beim Mittagsschlaf – ein. Tagsüber ist das Kind bei dieser Form trocken und muss keine Windeln tragen.

Kinder mit Enuresis leiden oft darunter.

Die Scham beim Bettnässen kann die Symptome verstärken.

Bei der nicht-monosymptomatischen Enuresis nässen die Kinder tags- wie nachtsüber ein.
Die Initiative Trockene Nacht weist darauf hin, dass es sich eigentlich um zwei Diagnosen handelt. Das nächtliche Einnässen weist auf eine Enuresis hin, d.h. Einnässen ohne weitere Symptome. Das Einnässen am Tag ist ein Anzeichen für eine kindliche Inkontinenz, die zumeist organische Ursachen hat.

Eine weitere Unterscheidungsform ist die zwischen Enuresis diurna und Enuresis nocturna. Dabei handelt es sich auch um veraltete Begriffe für Einnässen am Tag (Enuresis diurna) und Einnässen in der Nacht (Enuresis nocturna). Von einer Enuresis wird heute nur noch bei nächtlichem Einnässen gesprochen, die Enuresis diruna ist eine (Tages-)Inkontinenz.

 

Art der Enuresis Symptome Ursache
Primäre Enuresis Kind war von Geburt an noch nie trocken Körperliche Ursachen, Vererbung
Sekundäre Enuresis Kind war trocken und fängt plötzlich wieder an einzunässen psychische Belastungen
Monosymptomatischen Enuresis Kind nässt nur nachts ein Entwicklungsverzögerung, körperliche Ursachen
Nicht-Monosymptomatischen Enuresis Kind nässt tagsüber wie nachts ein Kindliche Inkontinenz und weitere körperliche Ursachen

5. Ursachen für Enuresis

Kindliche Harninkontinenz

Bei der Harninkontinenz ist das Einässen nur eines von weiteren Symptomen. Sie geht auf körperliche oder neurologische Ursachen oder Anomalien des Harntrakts zurück.

Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Enuresis, die durch Beobachtung des Kindes und medizinische Untersuchungen festgestellt werden können. In vielen Fällen handelt es sich um eine Entwicklungsverzögerung. Hier dauert es vor allem bei Jungen einfach etwas länger, bis die Grundlage für eine nächtliche Harnkontrolle besteht. Eltern können diese Entwicklung mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen unterstützen, ein medizinisches Eingreifen ist aber nicht notwendig.

5.1. Körperliche Ursachen

  • Hormonstörung: Das Hormon ADH (Vasopressin) steuert u.a. die nächtliche Blasenfüllung. Nachts wird mehr Vasopressin ausgeschüttet, wodurch der Harndrang nachts zurückgeht.
  • Kleine Blase: Ob eine zu geringe Blasenkapazität eine Ursache sein kann, wird unter Medizinern kontrovers diskutiert.
  • Schlafapnoe: Bei einer Schlafapnoe (Atemaussetzer) mit starkem Schnarchen spielt ein Hormon eine Rolle, das auch für eine verstärkte Urinansammlung verantwortlich ist.
  • Reifestörung im zentralen Nervensystem: Bei dieser Störung ist die Enuresis eines von mehreren Symptomen.

5.2. Seelische Ursachen

Eine Reha kann in härteren Fällen helfen das Selbstbewusstsein zu stärken.

In schwierigen Situationen können Kinder mit Bettnässen reagieren.

Bei der sekundären Enuresis liegen oft psychische Ursachen vor: Die Scheidung der Eltern, die Geburt eines Geschwisterchens oder andere Belastungen können zu dem erneuten Einnässen führen.

Je nachdem, wie stark die Belastung ist, kann die sekundäre Enuresis wieder von alleine verschwinden oder behandlungsbedürftig sein. Oft verstärkt die psychische Belastung bei Bettnässern, die durch Scham entsteht, die Enuresis. Dann kann eine Reha notwendig werden, um den Kindern neue Stärke zu geben.

Der Stuhlgang kündigt sich mit einem Drücken in der Bauchgegend rechtzeitig an. Deshalb können Kinder die Kotabgabe früher einschätzen und kontrollieren als die Urinabgabe. 

5.3. Enuresis scheint vererbbar zu sein

Die medizinische Forschung zeigt, dass eine Enuresis nicht selten vererbt wird. Etwa 60 bis 80 Prozent der betroffenen Kinder haben auch nahe Verwandte, die unter der Erkrankung leiden. Sind die Eltern betroffen, liegt für die Kinder die Wahrscheinlichkeit bei 44 Prozent, selbst betroffen zu sein. Haben beide Elternteile als Kind eine Enuresis gehabt, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 77 Prozent.

6. Behandlung der Enuresis

Eltern sind natürlich besorgt, wenn ihre Kinder auch in einem fortgeschrittenen Alter einnässen. Zunächst sollten sie aber Ruhe bewahren und ihr Kind unterstützen. Oft reicht die Befolgung einfacher verhaltenstherapeutischer Leitlinien, damit das Kind trocken wird.

  • Blasentraining: Tagsüber lernen die Kinder durch bewusstes Urinieren, ihre Blase zu kontrollieren
  • Flüssigkeitsrestriktion am Tag: Zum Abend hin trinken die Kinder weniger, damit die Blase sich nachts nicht so schnell füllt
  • Nächtliches Wecken zum Wasserlassen
  • Belohnungen für nächtliches Trockenbleiben.
Weniger Wasser am Abend hilft gegen Enuresis.

Das abendliche Einschränken der Wasserzufuhr kann gegen Bettnässen helfen.

In einer Untersuchung des Children‘s Hospital at Westmead Clinical School der Universität Sydney und Partnern, wurden Studienergebnisse zu möglichen Behandlungswegen einer Enuresis analysiert. Es zeigte sich, dass die oben genannten Maßnahmen eher zu einer Verbesserung der Erkrankungen führen.

Sie stellten sich auch im Vergleich zu der Gabe von Medikamenten und der Alarmtherapie mit Klingelhose als effektiver heraus. Zu der Wirkung von Therapien mittels Homöopathie und Osteopathie gibt es keine positiven Hinweise.

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