Fleisch in der Schwangerschaft: Nicht ganz verboten

schwanger Fleisch essen
  • Rohes Fleisch und Geflügel können Parasiten enthalten, die das ungeborene Kind bei einer Infektion durch die Mutter schädigen können.
  • Fleisch sollte vor dem Essen immer gut durchgebraten werden.
  • Auf Fleischzubereitungen, die roh gegessen werden, sollten Frauen in der Schwangerschaft verzichten.

Sobald eine Frau schwanger ist, trägt sie nicht mehr nur die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit, sondern auch für ein ungeborenes Leben. Deshalb sollten Schwangere einige wichtige Hinweise zur richtigen Ernährung während der Schwangerschaft kennen. Dazu gehören Informationen zum Umgang und der Zubereitung von Fleisch und Wurst.

Hier erfahren Sie, welches Fleisch Sie in der Schwangerschaft meiden und warum Sie Ihr Steak durchgebraten genießen sollten.

1. Fleisch frisch zubereiten: Das muss beachtet werden

schwangere frau bereitet in kueche essen zu

Schwangere Frauen sollten in der Küche vermehrt auf die Hygiene achten.

Der Verzehr von Fleisch während der Schwangerschaft ist nicht per se ungesund oder gefährlich. Es hängt ganz davon ab, welches Fleisch Verwendung findet und wie es verarbeitet wird. Grundsätzlich ist Fleisch ein guter Lieferant von Vitamin B12, Eisen und Proteinen.

Wird Fleisch und Geflügel selbst zu Gerichten verarbeitet, sollte auf eine akkurate Hygiene in der Küche geachtet werden. Dazu gehört, dass rohes und bereits zubereitetes Fleisch strikt voneinander getrennt werden und alle verwendeten Küchenutensilien- und Geräte nach dem Gebrauch gut gereinigt werden. Beim Zubereiten sollte Fleisch wie auch auch Geflügel immer gut durchgebraten werden. In Situationen, in denen das sichere Zubereiten des Fleisches nicht gewährleistet ist, beispielsweise beim Fondue Essen oder dem Steak in medium, sollte die Schwangere auf das Fleisch verzichten.

Gegartes Fleisch:

Fleisch, das beispielsweise zu Schnitzel, Gulasch oder einem Putenmedaillon verarbeitet wird, sollte gut durchgebraten werden. So wird sichergestellt, dass möglichst alle gesundheitsschädlichen Keime durch die hohe Temperatur abgetötet werden. Auch beim Steak sollte kein Blut zu sehen sein, Schwangere sollten auf rosa Steaks verzichten und lieber auf gut durchgebraten bestehen.

Gegrilltes Fleisch:

fleisch auf dem grill sollten schwangere vor dem essen kontrollieren

Auch schwanger können Frauen gegrilltes Fleisch essen.

Schwangere können ohne Probleme grillen. Es sollte jedoch verstärkt darauf geachtet werden, dass das Fleisch auf dem Grill voll durchgegart wird und nicht mit alkoholhaltiger Marinade vorbehandelt wurde. Da angebranntes Fleisch und Fett, das in die Kohle tropft, möglicherweise krebserregende Substanzen enthalten, sollten vor allem Schwangere kein verbranntes Fleisch essen. Unter dem Rost sollte außerdem zum Abtropfen des Fettes eine Alupfanne angebracht sein.

Gepökeltes Fleisch:

Gepökeltes Fleisch wird nicht gekocht, wodurch nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden kann, dass alle Keime abgetötet wurden. Deshalb sollten Schwangere im besten Fall keine gepökelten Fleisch- und Wurstwaren zu sich nehmen.

Getrocknetes Fleisch:

Auch Trockenfleisch besteht im Wesentlichen aus rohem Fleisch, weshalb es von schwangeren Frauen nicht gegessen werden sollte.

 

Dos  Don’ts
Steak durchgebraten Steak blutig
Brühwürste (Bierwurst, Fleischwurst, Mortadella) und Kochwürsten (z. B. Rotwurst, Leberwurst, Fleischkäse) Rohwurstsorten wie Mettwurst oder Teewurst
Gekochte Eier Speisezubereitungen mit rohen Eiern (Fleischsalat mit Mayonnaise, Tiramisu), Eischnee, Eigelb
Fleisch, das vorab tiefgefroren war Rohes Fleisch/Hack

2. Listerien und Toxoplasmose: Das macht Fleisch so gefährlich

In Deutschland herrscht ein strenges Hygienegesetz für fleischverarbeitende Betriebe und den Transport von Fleisch- und Wurstwaren. Trotzdem kann es immer wieder zu Fehlern in der Produktion, Lagerung oder der Verarbeitung im Haushalt kommen. Dann können sich gesundheitsschädigende Parasiten und Bakterien im Fleisch ausbreiten, die nicht nur die Gesundheit der Schwangeren angreifen, sondern auch zu ernsthaften Schwierigkeiten in der Schwangerschaft  führen können.

2.1. Toxoplasmose: Übertragung durch Katzen und Fleisch

Bei der Toxoplasmose handelt es sich um eine Infektion, die öfter vorkommt, als viele denken. Sie wird durch den Parasit Toxoplasma gondii ausgelöst, der sich unter anderem auf rohem oder nicht komplett durchgebratenem Fleisch befinden kann. Kommt es zu einer Infektion, treten zumeist nur leichte Beschwerden wie Fieber, Halsschmerzen oder Lymphknotenschwellungen auf. Deshalb ist die Toxoplasmose-Infektion auch leicht mit einer Erkältung zu verwechseln. Manchmal treten auch gar keine Symptome auf. Nach der einmaligen Infektion bildet der Körper Antikörper.

schwangere sitzt mit katze auf einem sofa

Toxoplasmose kann auch durch Katzen übertragen werden.

Direkt zu Beginn einer Schwangerschaft werden Frauen bei einer Untersuchung durch den Gynäkologen auf diese Antikörper getestet. Werden diese gefunden, besteht keine Gefahr, dass bei einer weiteren Infektion die Parasiten auf das ungeborene Kind übergehen – es sei denn, die Antikörper sind sehr frisch. Dann kann es sein, dass diese noch nicht für einen vollkommenen Schutz des ungeborenen Kindes ausreichen.

Gibt es keine Antikörper, muss während der kompletten Schwangerschaft sichergestellt werden, dass es zu keiner Infektion kommt. Wird der Fötus mit Toxoplasmose-Parasiten befallen, kann es zu Fehlbildungen und Entwicklungsverzögerungen kommen. Im schlimmsten Fall ist eine Fehlgeburt die Folge.

Die Toxoplasmose wird auch durch Katzen übertragen, weshalb viele Katzenhalter immun gegen die Parasiten sind.

2.2. Listeriose: Ansteckung über Milchprodukte und Fleisch

brett mit tartar, brot und rohem ei

Auf das Essen von rohem Fleisch sollten schwangere Frauen verzichten.

Wie bei einer Toxoplasmose-Infektion befinden sich auch die Listeriose-Erreger auf rohem Fleisch, aber auch in unpasteurisierten Milchprodukten, weshalb Schwangere auch darauf verzichten sollten. Das Bakterium  gelangt durch die Nahrungsaufnahme in den Körper, wo es zumeist grippeähnliche Symptome verursacht. Es sind aber bei Menschen mit einer schwächeren Immunabwehr, wozu auch schwangere Frauen gehören, schwerere Krankheitsverläufe möglich. Wird das ungeborene Kind angesteckt, kann es zu Fehlbildungen oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen kommen.

 

2.3. Salmonellen: Die Bakterien sitzen auf Geflügel und in Eiern

Weithin bekannt sind die Salmonellen. Die Bakterien mögen es warm, weshalb sie sich besonders im Sommer enorm vermehren können. Sie finden sich bevorzugt auf rohem Fleisch und auch in Eiern, weshalb schwangere Frauen auch hier Vorsicht walten lassen sollten.

Die Symptome einer Salmonellen-Infektion:

  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Schüttelfrost
  • Fieber

Bei einer Ansteckung besteht keine unmittelbare Gefahr für das ungeborene Kind. Was passiert, hängt oft auch von der verzehrten Menge des Lebensmittels ab, das mit Salmonellen kontaminiert ist. Auch wenn die Krankheitserscheinungen nur leicht sind, sollten betroffene Schwangere sich trotzdem an den behandelnden Arzt wenden. Problematisch kann es werden, wenn es bei durch anhaltendem Durchfall und Erbrechen zu einem enormen Flüssigkeitsverlust kommt. Dann kann womöglich das ungeborene Kind nicht optimal versorgt werden. Durch eine Flüssigkeitszugabe und eine temporäre medizinische Überwachung können nachhaltige Folgen jedoch verhindert werden.

Tipp: Fleisch und Geflügel sollte bei mindestens 70 Grad Celsius durchgebraten werden, um sicherzustellen, dass alle Erreger abgetötet wurden.

3. Vorsicht bei vakuumverpackten Fleisch- und Wurstwaren

schwangere mit morgenuebelkeit haelt sich die hand vor den mund

Fleisch kann auch eine Schwangerschaftsübelkeit auslösen.

Besondere Vorsicht sollten schwangere Frauen beim Kauf und Verzehr von Wurstwaren aus dem Supermarkt walten lassen. Die gekaufte Salami oder Teewurst wird vakuumverpackt und verschweißt, damit sie möglichst lange haltbar ist und keine Keime eindringen können. Kurz nach der Herstellung der Wurst- und Fleischwaren sind diese zumeist auch tatsächlich frei von gefährlichen Keimen und Bakterien wie etwa Listerien. Wenn es jedoch Hygienemängel in der Herstellung oder dem Transport gab, können sich neue Listerien bilden und vor allem bei zu hohen Temperaturen schnell vermehren.

Deshalb wird insbesondere Schwangeren geraten, beim Kauf und dem Verzehr von vakuumverpackten Fleisch- und Wurstwaren auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu achten. Je frischer die Ware ist bzw. je länger das Mindesthaltbarkeitsdatum in der Zukunft liegt, desto unwahrscheinlicher ist ein Befall von Listerien. Ist die Verpackung geöffnet, sollte die Wurst möglichst schnell, in der Regel in den nächsten zwei bis drei Tagen aufgebraucht werden.

4. Ursachen für Ekel vor Fleisch in der Schwangerschaft

steak in verschiedenen graden von roh bis gut durch gebraten

Das Steak von Schwangeren sollte well done sein.

Einige Wurstsorten und rohes Fleisch sollten in der Schwangerschaft gemieden werden. Für manche Frauen ist das gar kein Problem, denn sie reagieren auf den Geruch von Fleisch oder anderen speziellen Gerüchen mit Übelkeit und Brechreiz und haben gar keine Lust auf Fleisch.
Im ersten Trimester leiden viele Frauen unter einer Schwangerschaftsübelkeit, die sich oft verstärkt am morgen zeigt, in manchen Fällen aber auch den ganzen Tag anhält. Die Ursachen für die Schwangerschaftsübelkeit sind noch nicht restlos geklärt, aber wahrscheinlich spielt der erhöhte hCG- und Prostaglandin-Spiegel eine besonders wichtige Rolle.

Hyperemesis gravidarum

Bei einer übermäßigen Schwangerschaftsübelkeit leidet die Schwangere an anhaltendem Erbrechen, das tagsüber wie auch nachts auch bei leerem Magen anhält. Die Betroffenen müssen in akuten Fällen stationär aufgenommen und über einen Tropf mit Flüssigkeit versorgt werden.

Der Brechreiz wird beispielsweise besonders häufig von Lebens- und Genussmitteln wie Milch, Eier, Käse, Wurst oder dem Geruch von Kaffee ausgelöst. So manche Frau mag kein Fleisch mehr, anderen wird beim Geruch von Spülmittel übel. Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich darin, dass verdorbene Lebensmittel dieser Art die Entwicklung des Babys  beeinträchtigen oder zu Krankheiten bei der werdenden Mutter führen können. Der Körper schützt sich mit dem besonders sensiblen Geruchssinn also vor potentiell gefährlichen Lebensmitteln.

In besonders schweren Fällen können Schwangere keine Nahrung bei sich behalten, erbrechen also mehrmals täglich und müssen deshalb mit Medikamenten behandelt werden.
Zumeist ist die Schwangerschaftsübelkeit jedoch mit einfachen Hausmitteln und dem Einhalten von einigen wenigen Regeln aushaltbar. Schwangere können sich auch ohne Fleisch vollwertig ernähren, wenn sie notwendige Nährstoffe über andere Lebensmittel zu sich nehmen.

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