Gelbsucht bei Baby und Kind: Symptom statt Krankheit

schlafendes baby
  • Gelbsucht ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Anzeichen für unterschiedliche Krankheiten.
  • Um zu erfahren, was die Gelbsucht bei Ihrem Kind ausgelöst hat, sollten Sie die Ursache beim Arzt abklären lassen.
  • Während die Behandlung von der jeweiligen Grunderkrankung abhängt, können Sie mithilfe einer bestimmten Diät den Heilungsverlauf unterstützen.

Die Gelbsucht tritt als Symptom bei verschiedenen Erkrankungen auf und wird in drei Formen aufgeteilt. Bei Babys ist die sogenannte Neugeborenen-Gelbsucht relativ häufig, verläuft aber meist harmlos. Wir sagen Ihnen, woran Sie eine Gelbsucht bei Ihrem Kind erkennen, was Sie tun können, um die Heilung zu beschleunigen und wie Sie einer Gelbsucht vorbeugen können.

Tipp: Eine Gelbsucht ist zwar an sich nicht ansteckend. Bei verschiedenen Erkrankungen, welche die Gelbsucht bei Ihrem Baby bzw. Kind ausgelöst haben, besteht allerdings durchaus Ansteckungsgefahr. Deshalb ist es grundsätzlich ratsam, bei Kindern mit Gelbsucht die Ursachen vom Arzt abklären zu lassen.

1. Verschiedene Gelbsuchtformen durch erhöhten Bilirubinwert

Was ist Bilirubin?
Bei Bilirubin handelt es sich um eine gelbe Substanz, die beim Abbau des Blutfarbstoffs Hämoglobin entsteht. Im gesunden Körper wird Bilirubin von der Leber in wasserlösliche Formen umgewandelt und danach über Stuhl oder Harn ausgeschieden. Aufgrund verschiedener Erkrankung erhöht sich der Bilirubinwert entweder im Blut oder im Urin. Überschüssiges Bilirubin kann sich zudem in der Haut und in den Schleimhäuten ablagern.

Das Fachwort für Gelbsucht lautet Ikterus. Dabei handelt es sich nicht um eine spezifische Erkrankung, vielmehr ist Gelbsucht ein Symptom für verschiedene Krankheiten. Oftmals ist eine kranke Leber die Ursache – aber nicht immer. Das Hauptsymptom von Gelbsucht ist die gelbliche Verfärbung der Haut und Augen. Dies wiederum wird beeinflusst durch den Bilirubinwert: Je höher dieser ansteigt, desto stärker färbt die Haut sich gelb.

Grundsätzlich werden drei Formen von Gelbsucht unterschieden:

  1. Hepatitische Gelbsucht wird durch Funktionsstörungen der Leber ausgelöst – beispielsweise Hepatitis A bzw. B oder auch Leberzirrhosen.
  2. Hämolytische Gelbsucht entsteht, wenn die roten Blutkörperchen zu schnell bzw. vermehrt zerfallen, was auch als krankhafte Hämolyse bezeichnet wird.
  3. Cholestatische Gelbsucht tritt bei einem Defekt der Gallenwege auf, meist begleitet von Gallensteinen oder anderen Grunderkrankungen der Galle.

2. Gelbfärbung als erstes typisches Symptom

kind liegt krank auf sofa

Neben einer Gelbfärbung der Haut sind Bauchschmerzen eines der Symptome einer möglichen Gelbsucht.

Bereits frühzeitig können Sie bei Kindern eine Gelbsucht anhand der Gelbfärbung von Haut und den Augen bzw. Augäpfeln erkennen. Auch andere Teile des Körpers sowie Mund und Schleimhäute können sich gelb verfärben. Zu den weiteren Symptomen gehören je nach verursachender Grunderkrankung:

  • Fieber, Gelenkschmerzen, Schüttelfrost etc. ähnlich einer Grippe
  • Appetitlosigkeit und/oder Gewichtsverlust
  • Erbrechen und Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Juckreiz auf der Haut
  • Urin dunkel gefärbt
  • Stuhl hell bis gelb
  • Müdigkeit und Apathie
  • im Mund ein bitterer Geschmack

Die Dauer der zugrunde liegenden Erkrankungen kann nur schwer vorhergesagt werden. Wichtig ist dabei, dass Ihr Kind bzw. Baby mit Gelbsucht unter ärztlicher Kontrolle steht. Manche Mütter machen sich auch über harmlosere Symptome Sorgen und fragen sich beispielsweise, wie lange ihr Baby gelbe Augen hat. Auch hierzu ist keine allgemeingültige Aussage möglich – es kann sein, dass dieses äußere Anzeichen zusammen mit den anderen Symptomen abklingt oder auch noch 8 Wochen später oder länger sichtbar ist. Im Zweifelsfall sprechen Sie bitte Ihren Arzt nochmal darauf an.

Achtung: Gefährlich wird eine Gelbsucht beim Baby oder Kind dann, wenn die gelbliche Verfärbung der Haut plötzlich und sehr stark auftritt. Dann sollten Sie sofort zum Arzt gehen, um die Ursache abzuklären.

3. Neugeborenen-Gelbsucht meist harmlos

Eine Sonderform der Gelbsucht tritt bei Neugeborenen auf. Zu den Symptomen der Gelbsucht beim Baby gehören neben der typischen Gelbfärbung von Haut und Augen auch bräunlicher Urin und heller Stuhl. Diese Art der Gelbsucht bei Babys ist in den meisten Fällen nicht gefährlich und ganz sicher nicht ansteckend – unter bestimmten Grenzwerten besteht kein Grund zur Besorgnis. Das sind die Normalwerte von Bilirubin bei Neugeborenen:

Lebenstag Normalwert Bilirubin
Erster Tag < 4,0 mg/dl
Zweiter Tag < 9,0 mg/dl
Dritter – Fünfter Tag < 13,5 mg/dl
neugeborenes wird gestilllt

Bei Neugeborenengelbsucht ist es hilfreich, das Baby häufiger und länger zu stillen, um die Bilirubinausscheidung zu fördern.

Um Spätfolgen beim Baby mit Gelbsucht zu vermeiden, müssen bei entsprechenden Anzeichen die Bilirubin-Werte regelmäßig kontrolliert werden. Sollten bei Ihrem Neugeborenen höhere Werte – beispielsweise Wert 15 oder Wert 17 – auftreten, besteht noch kein Behandlungsbedarf. Bei einem Wert 18 und darüber ab dem 3. Lebenstag wird eine Lichttherapie mit einer speziellen Lampe angewandt. Diese strahlt ein blaues Licht ab, wodurch das überschüssige Bilirubin in der Haut abgebaut wird.

Ihr Baby mit Gelbsucht können Sie bei der Heilung unterstützen, indem Sie es

  • häufiger und länger stillen, denn die Milchzufuhr fördert die Ausscheidung des Bilirubins
  • warm halten, um den Leberstoffwechsel anzuregen
  • ausreichend Tageslicht aussetzen, um den weiteren Bilirubinabbau zu unterstützen.

Rund 60 % aller Neugeborenen entwickeln am zweiten oder dritten Lebenstag eine Gelbsucht. Diese dauert eine bis maximal zwei Wochen. Bei Frühgeborenen tritt eine Gelbsucht in 80 % aller Fälle auf mit einer Dauer von ein bis zwei Monaten.

4. Bettruhe, Diät und Medikamente für Kinder mit Gelbsucht

4.1. Leichte Kost aus frischen Lebensmitteln

Kinder mit Gelbsucht benötigen vor allen Dingen viel Ruhe und sollten außerdem ausreichend trinken. Denn mithilfe von Flüssigkeit unterstützen Sie die Ausspülung des überschüssigen Bilirubins aus dem Körper. Was Sie zudem tun können ist – in Absprache mit dem Arzt – die Einhaltung einer speziellen Diät, bis sämtliche Symptome der Gelbsucht bei Ihrem Kind abgeklungen sind. Das kann auch dann sinnvoll sein, wenn der kleine Patient sich während der Gelbsucht heikel beim Essen verhält. Dazu einige Tipps:

  • feste Lebensmittel mit frischen Obst- und Gemüsesäften ersetzen – beispielsweise aus Orangen, Äpfeln, Roter Beete, Karotten, Spinat und Feldsalat
  • frische saefte

    Obst- und Gemüsesäfte können in der Zeit der Erkrankung feste Lebensmittel teilweise ersetzen.

    Rohkost in Verbindung mit Müsli oder Haferflocken, z.B. geriebener Apfel

  • als Getränke eignen sich u.a. Kräutertee (gesüßt mit Honig oder Traubenzucker) sowie Kokoswasser
  • Einschränkung von proteinreichen Speisen wie Fleisch, Wurst, Butter, Käse und Milch
  • fettarme, leichte und kohlenhydratreichere Kost wie beispielsweise Gemüsesuppen, Vollkornmehle, Naturreis, Haferflocken, Vollkornnudeln, Grieß, Maismehl
  • lieber häufigere, kleinere Mahlzeiten, wenn das Kind Appetit hat, statt feste Essenszeiten
  • frische, gesunde und hausgemachte Speisen statt Fertiggerichte

Hinweis: Verfärbt sich die Haut des Kindes gelb, muss es sich nicht unbedingt um Gelbsucht handeln. Dahinter kann auch eine sogenannte Karotinämie stecken. Sie ist völlig harmlos und beruht auf dem häufigen Verzehr von Lebensmitteln mit gelben Pigmenten wie Möhren, Pfirsiche, Aprikosen, Spinat oder Brokkoli. Diese enthalten den orangefarbenen Pflanzenstoff Karotin und sorgen für eine Gelbfärbung der Haut – allerdings nicht der Augen.

4.2. Behandlung mit Medikamenten oder Operationen

Die Gelbsucht beim Kind bzw. Baby bedarf in bestimmten Fällen – je nach Schwere und Art der Grunderkrankung – weiterer Behandlung durch den Therapeuten. Hier eine Übersicht mit einigen Beispielen, was Sie bzw. die Ärzte tun können:

Grunderkrankungen bzw. Ursachen Therapiemöglichkeiten
Hepatitis Medikamente gegen Viren
Verstopfung der Gallenwege Operation zur Beseitigung der Blockade
Leberanämie Eisenpräparate und eisenhaltige Kost
dauerhafter Leberschaden spezielle Diät
Ggnetische Blutkrankheit kompletter Blutzellenersatz
Neugeborenen-Gelbsucht Lichttherapie

5. Gelbsucht vorbeugen mit Hygiene und gesunder Ernährung

kinder mit gelbsucht

Um die Aufnahme von Krankheitskeimen beim Trinken zu vermeiden, sollten Kinder dafür sensibilisiert werden, auf sauberes Wasser zu achten.

Mit einigen Verhaltensweisen können Sie eine Gelbsucht bei Ihrem Kind oder Baby vermeiden, indem Sie den Ausbruch von ursächlichen Krankheiten vorbeugen:

  • frische und gesunde Kost mit viel Vollkorn, Obst und Gemüse
  • reduzieren von tierischem Fett, Weißmehl und Haushaltszucker in der Ernährung
  • unhygienisches Umfeld meiden
  • dem Kind persönliche Hygiene beibringen
  • nur sauberes Wasser in hygienischer Umgebung trinken
  • mögliche Impfungen, beispielsweise gegen Hepatitis B oder Malaria (vor Reisen)
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