Hirnhautentzündung bei Kind oder Baby erkennen und behandeln

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  • Hauptsächlich wird zwischen viraler und bakterieller Hirnhautentzündung unterschieden, es gibt aber auch andere Ursachen.
  • Eine von Bakterien verursachte Hirnhautentzündung gilt als Notfall, weshalb eine frühzeitige Erkennung enorm wichtig ist.
  • Beide Formen benötigen eine unterschiedliche Behandlung, die meist stationär durchgeführt wird.

Wenn Ihr Kind unter plötzlich hohem Fieber, Teilnahmslosigkeit und Nackensteifheit leidet, ist schnelles Reagieren wichtig. Denn sollte es sich dabei um eine Hirnhautentzündung handeln, muss diese schnell therapiert werden. Lesen Sie, woran Sie bei Ihrem Baby oder Kind eine Hirnhautentzündung erkennen, wie diese behandelt wird und wie Sie vorbeugen können.

1. Verursacher sind hauptsächlich Viren und Bakterien

uebersicht hirnhautentzuendung

In der Grafik sind der Aufbau der Hirnhaut sowie eine Hirnhautentzündung am Beispiel von Meningokokken abgebildet.

Hirnhautentzündung heißt im Fachbegriff Meningitis. Dies ist vom Wort „Meningen“ abgeleitet, welches die Haut bezeichnet, die jeweils Gehirn und Rückenmark umgibt. Liegt beim Baby oder Kind eine Hirnhautentzündung vor, sind diese Meningen entzündet.

Die Ursachen einer Hirnhautentzündung bei Baby oder Kind sind unterschiedlich. Hauptsächlich gibt es zwei Formen. Die häufigste ist eine Entzündung der Hirnhaut durch Viren, welche in den meisten Fällen relativ harmlos verläuft und auch vollständig ausheilt. Eine bakterielle Meningitis dagegen wird als Notfall betrachtet. Sie verläuft mit schwereren Symptomen und ist häufig lebensbedrohlich. Beide Formen bedürfen der ärztlichen Betreuung.

Gehirn und Rückenmark sind in drei Schichten von den Hirnhäuten umgeben. Diese dienen dazu, diese Organe zu schützen. Es gibt eine innere weiche Hirnhaut, die direkt an Gehirn und Rückenmark anliegt und eine mittlere Schicht, die so fein wie Spinnweben ist. Zwischen diesen beiden Schichten befindet sich die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit. Die äußerste Schicht wird als harte Hirnhaut bezeichnet und liegt direkt am Schädel.

Eine Hirnhautentzündung kann beispielsweise von diesen Bakterien ausgelöst werden:

Bezeichnung Häufigkeit
Pneumokokken
  • häufigste Ursache bakterieller Hirnhautentzündung
  • leben in den oberen Atemwegen auf der Schleimhaut
  • für ein intaktes Immunsystem keine Gefahr
Meningokokken
  • zweithäufigste Ursache bakterieller Hirnhautentzündung
  • häufig im Nasen-und-Rachen-Raum zu finden, ohne dass sie Beschwerden auslösen
Staphylokokken
  • zu ca. 10 % Ursache bakterieller Hirnhautentzündung
Escherichia coli
  • häufige Ursache bakterieller Hirnhautentzündung bei Babys
Streptococcus agalactiae
  • wie oben
Listeria monocytogenes
  • wie oben
Hämophilus influenzae Typ B
  • nur noch selten Ursache einer Meningitis

Als Folgen einer Krankheit können verschiedene Viren eine Meningitis auslösen:

Bezeichnung mögliche Erkrankung
Herpes-Simplex-Virus Lippenherpes
Enteroviren Infektionen der oberen Atemwege
FSME-Virus Frühsommer-Meningoenzephalitis
Varicella-Zoster-Virus Gürtelrose, Windpocken
Mumps-Virus Mumps
Masern-Virus Masern
Epstein-Barr-Virus Pfeiffersches Drüsenfieber

Weitere Auslöser können Pilze sein, Parasiten (z.B. Bandwurm) sowie – eher selten – bestimmte Medikamente oder verschiedene Krankheiten wie Multiple Sklerose, Leukämie, Krebs, Hirntumor oder Autoimmunerkrankungen.

Tipp: Am gefährlichsten ist die septische Form der Meningitis. Diese entsteht, wenn es bei Kindern oder Babys mit bakterieller Hirnhautentzündung zusätzlich zu einer Blutvergiftung kommt. Erste Anzeichen dafür sind punktförmige Hauteinblutungen, die wie rötliche Nadelstiche aussehen. Mit einem Test können Sie erkennen, ob der Ausschlag durch eine Meningitis verursacht ist: Pressen Sie ein sauberes Wasserglas auf die Punkte. Bleiben diese nach einem kurzen Moment des Wartens trotz Druck sichtbar, sind sie höchstwahrscheinlich auf eine Hirnhautentzündung zurückzuführen. In dem Fall – aber auch bei Zweifeln – ist ein schneller Arztbesuch unbedingt erforderlich.

2. Symptome zeigen sich oft binnen weniger Stunden

junge steifer nacken

Nackensteifigkeit ist eine der Hauptanzeichen für eine Hirnhautentzündung.

Damit die Kinder und Babys mit Hirnhautentzündung schnell eine geeignete Behandlung erhalten, ist es wichtig, die Meningitis rechtzeitig zu erkennen. Dies können Sie anhand dieser Symptome, von denen einige, aber nicht alle auftreten können:

  • hohes Fieber mit gleichzeitig kalten Händen und Füßen
  • Nackensteifigkeit, so dass das Kind seinen Kopf gar nicht und kaum zu seinen angewinkelten Knien bewegen kann
  • Ausschlag bzw. fleckige oder bleiche Haut
  • starke Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Schlaffheit und teilnahmsloses Verhalten
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • empfindliche Reaktion auf Licht und/oder Berührungen
  • Nahrungsverweigerung
  • häufiges Weinen, Wimmern oder Stöhnen
  • flache und schnelle Atmung

Die Symptome entwickeln sich häufig innerhalb weniger Stunden. Sollte auch das Gehirn entzündet sein, kann es beim Baby oder Kind mit Hirnhautentzündung bis zum Koma kommen.

Achtung: Da ein Baby bzw. Kleinkind seine Beschwerden nicht mitteilen kann, sollten Sie zusätzlich auf folgende Anzeichen achten: gewölbte Fontanelle, überstreckte Körperhaltung, Trinkschwäche, Krampfanfälle oder Apathie. Beim Hochnehmen schreien die Säuglinge stark, vor allem, wenn die Gehirnhaut gedehnt wird. Zudem können die Symptome beim Kind oder Baby mit Hirnhautentzündung sehr unspezifisch bzw. unterschiedlich sein. Deshalb: Wenn sich der Allgemeinzustand Ihres Kindes rasch verschlechtert mit plötzlich hohem Fieber und Teilnahmslosigkeit, ist die Fahrt in eine Klinik angeraten.

3. Ansteckungsgefahr, Behandlung und Vorbeugung

Anfangs lässt sich eine virale nur schwer von einer bakteriellen Meningitis unterscheiden, so dass der Arzt Sie über die Krankheitsgeschichte des Kindes befragen und spezielle Untersuchungen vornehmen wird. Wenn er weiß, welche Form der Hirnhautentzündung bei Ihrem Baby bzw. Kind vorliegt, beginnt er mit der Behandlung. Empfohlen wird auf jeden Fall die Betreuung und Überwachung im Krankenhaus, um auf Krisen rechtzeitig reagieren zu können. Ansonsten unterscheidet sich die Therapie je nach Ursache der Meningitis.

3.1. Ist Hirnhautentzündung ansteckend?

Ja – eine Meningitis kann ansteckend sein. Die Ansteckungszeit liegt zwischen 2 und 14 Tagen. Das Ansteckungsrisiko hängt allerdings vom Erreger ab. So werden bestimmte Viren mit Tröpfcheninfektion übertragen, beispielsweise durch Husten oder Niesen. Dadurch gilt diese Form der  Hirnhautentzündung als hochansteckend.

Wurde die Meningitis z.B. durch FSME-Viren ausgelöst, ist sie zwischen Menschen nicht übertragbar. Eine bakteriell durch Pneumokokken oder Meningokokken verursachte Hirnhautentzündung bei Kind oder Baby ist wiederum enorm ansteckend. In diesem Fall ist eine Übertragung durch engen Kontakt, Tröpfcheninfektion oder ähnliches möglich – beispielsweise zwischen Geschwistern im Elternhaus oder Spielkameraden im Kindergarten. Andere Erreger verbreiten sich beispielsweise durch Streuung über das Blut oder Ausbreitung einer Infektion.

3.2. Mit Breitbandantibiotika gegen bakterielle Meningitis

arm mit infusion

Bei einer bakteriellen Meningitis werden die Antibiotika meist per Infusion verabreicht.

Eine bakterielle Meningitis wird mit Antibiotika therapiert. Dazu muss vorher der genaue Erreger mittels Blutproben festgestellt werden, um diesen dann gezielt abtöten zu können. Häufig erfolgt die Gabe des Antibiotikums direkt als Infusion in die Vene, damit es schnell wirken kann. In manchen Fällen wird zusätzlich ein kortisonähnliches Medikament verordnet.

Sollte die Hirnhautentzündung durch Meningokokken ausgelöst sein, muss der kleine Patient isoliert untergebracht werden, da hohe Ansteckungsgefahr besteht. Auch Familienmitglieder, Kindergartenfreunde sowie Mitschüler werden vorbeugend mit einem Antibiotikum behandelt.

3.3. Bei einer viralen Meningitis die Beschwerden lindern

Da Antibiotika nur gegen Bakterien wirken, können sie bei einer viralen Hirnhautentzündung nicht eingesetzt werden. Da diese glücklicherweise in den meisten Fällen von alleine ausheilt, werden hauptsächlich die Beschwerden behandelt – beispielsweise mit fieber- und schmerzsenkenden Medikamenten sowie strenger Bettruhe.

Dennoch kommt es natürlich auf den Verlauf und die Erreger an. Hilfreich können zum Beispiel Virustatika sein, wenn der Verdacht einer Herpesinfektion besteht. In manchen Fällen muss auch einem epileptischen Anfall medikamentös vorgebeugt werden.

3.4. Wogegen geimpft werden und welche Folgen es geben kann

kleinkind impfung

Um einer Hirnhautentzündung vorzubeugen, kann eine Impfung sinnvoll sein.

Zur Vorbeugung wird allgemein zu einer Impfung geraten, die beim Baby bzw. Kleinkind vorgenommen wird. Es gibt u.a. Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken, Mumps, FSME sowie eine Hämophilus-influenzae-Imfpung (HiB). Eine Impfflicht besteht nicht. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Kinderarzt beraten.

Allgemein heilt eine rechtzeitig behandelte Hirnhautentzündung ohne bleibende Folgen ab. In einigen Fällen kann es allerdings zu bleibenden Schäden führen wie Lähmungserscheinungen, Bewegungsstörungen, Gehörschäden bis hin zur Taubheit oder einer beeinträchtigten geistigen Entwicklung. Besonders häufig treten Komplikationen auf, wenn die Meningitis auf das Gehirn übergreift.

Hinweis Wie gefährlich eine bakterielle Meningitis sein kann, zeigt sich an einigen Zahlen: So sind 10 bis 12 % der an von Meningokokken der Gruppe C erkrankten Kinder gestorben. Weitere 5 bis 15 % erlitten Spätfolgen.

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