Keuchhusten beim Kind: Anzeichen erkennen und Symptome lindern

keuchhusten kind
  • Keuchhusten ist eine Infektionskrankheit, bei der eine hohe Gefahr der Ansteckung mittels Tröpfcheninfektion besteht.
  • Wenn Ihr Kind an Keuchhusten erkrankt ist, wird es in der Regel mit Antibiotika behandelt und benötigt zudem von Ihnen viel Geduld und Zuwendung.
  • Besonders für Babys kann Keuchhusten lebensgefährlich sein, so dass meist eine Behandlung im Krankenhaus unumgänglich ist.

Keuchhusten ist hoch ansteckend und kann sich über mehrere Wochen bis Monate hinziehen. Erfahren Sie hier, wie Sie bei Kind oder Baby die Symptome erkennen,  welche Behandlung möglich ist und was Sie selbst tun können.

1. Infektionskrankheit dauert mehrere Wochen bis Monate

kind symptome

Keuchhusten wird durch Tröpfcheninfektion übertragen – wie beispielsweise beim Niesen.

Keuchhusten beim Baby und Kind wird durch das Bakterium Bordatella pertussis ausgelöst und deshalb auch als „Pertussis“ bezeichnet. Die höchst ansteckende Erkrankung wird per Tröpfcheninfektion übertragen.

Die Symptome beim Kind mit Keuchhusten zeigen sich über mehrere Wochen und können sich auch in abgeschwächter Form noch bis zu 3 Monaten hinziehen. Meist heilt die Erkrankung völlig aus, allerdings kann es manchmal zu Komplikationen wie Mittelohr-, Lungen- oder Gehirnentzündung kommen. Beim Baby beispielsweise ist mit 4 oder 5 Monaten  Keuchhusten besonders gefährlich, weil es zu lebensbedrohlichen Atemstillständen kommen kann. Heute erkranken mit rund 80 % vor allem Erwachsene ab 18 Jahre an Keuchhusten. Somit handelt es sich bei Pertussis nicht um eine reine Kinderkrankheit.

Im Durchschnitt beträgt die Inkubationszeit zwei Wochen, kann aber auch zwischen 7 und 20 Tagen liegen. Wird Keuchhusten beim Kind oder Baby nicht behandelt, ist es bis ca. 6 Wochen nach Ausbruch der Erkrankung besonders ansteckend. Nach der Infektion sind die Erkrankten für ca. 4 bis 20 Jahre immun gegen die Erreger.

Auf Baby oder Kind wird Keuchhusten durch Tröpfcheninfektion übertragen. Verantwortlich sind winzige Speicheltröpfchen, die sich in der Luft beim Sprechen, Niesen oder Husten verteilen. Auch durch Küssen und – selten – durch gemeinsam benutztes Geschirr oder Besteck besteht Ansteckungsgefahr.

2. Drei Stadien mit unterschiedlichen Symptomen

In der Regel verläuft Keuchhusten bei Kindern in drei Stadien. Der Verlauf der Erkrankung ist umso schwerer, je jünger das Kind ist. Dabei zeigt das Kind verschiedene Symptome:

Bezeichnung Anzeichen
Stadium catarrhale – Katarrhstadium
  • unspezifische Symptome ähnlich einer Erkältung wie Schnupfen, zunehmender Husten, Halsschmerzen, Heiserkeit und Niesen
  • manchmal Bindehautentzündung
  • leicht erhöhte Temperatur
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • dauert ca. 2 Wochen
Stadium convulsivum – Krampfstadium
  • tagsüber und nachts bis zu 40 krampfartige Hustenanfälle (Stakkatohusten)
  • Husten beginnt mit harten, heftigen Hustenstößen
  • Einatmung keuchend und mühsam
  • hochrot bis blau verfärbtes Gesicht
  • gerötete Augen
  • Hochwürgen und manchmal Erbrechen von zähem, glasigem Schleim
  • Fieber klingt meist ab
  • relatives Wohlbefinden zwischen den Hustenanfällen
  • manchmal auch von Bauch- und Kopfschmerzen und/oder Muskelkater begleitet
  • dauert ungefähr drei bis manchmal sechs Wochen
Stadium decrementi – Lösungsstadium
  • Hustenanfälle werden immer seltener und auch deren Schwere wird geringer
  • Körper erholt sich langsam
  • für etwa sechs bis zwölf Wochen kann ein leichter Husten zurückbleiben
  • manchmal dauert vollständige Genesung mehrere Monate

Beim Baby sind die Symptome von Keuchhusten oft nicht so leicht zu erkennen bzw. nicht so stark ausgeprägt. Die Hustenanfälle verlaufen nicht so stark und stakkatomäßig. Vielmehr äußern sie sich eher durch ein Piepsen oder ein rot angelaufenes Gesichtchen. Lebensgefahr besteht durch die häufig auftretenden Atemaussetzer, bei denen das Kleine sekundenlang aufhört zu atmen.

Hinweis: In der Ansteckungsphase ist es wichtig, Ihr krankes Kind in keinen Kontakt mit Babys oder älteren Menschen kommen zu lassen.

3. Medikamente, Zuwendung und Hausmittel bei Pertussis

3.1. Antibiotika und Schleimlöser für Kinder mit Keuchhusten

kind mit keuchhusten kindergarten

Etwa 5 Tage nach Antibiotikagabe ist die Krankheit nicht mehr ansteckend und Ihr Kind kann nach Rücksprache mit dem Arzt wieder in den Kindergarten gehen.

Wenn Ihr Kind o.g. Symptome zeigt, sollten Sie mit ihm einen Arzt aufsuchen. Denn für die Behandlung von Keuchhusten bei Kindern werden häufig Antibiotika verschrieben – und je früher der kleine Patient diese Medikamente einnimmt, desto günstiger können sie den Verlauf der Krankheit beeinflussen, wenn auch die Hustenanfälle nicht verschwinden. Zudem sind die Kinder ca. 5 Tage nach Einnahmebeginn nicht mehr ansteckend und können wieder in Schule oder Kindergarten gehen. So kann eine Antibiotikagabe auch im späteren Stadium der Erkrankung sinnvoll sein.

Ansonsten wird im zweiten Stadium eine symptomatische Behandlung empfohlen. Zur Therapie werden dabei manchmal schleimlösende Medikamente eingesetzt. Auch die Homöopathie hält verschiedenste Mittel gegen Keuchhusten bereit.

Achtung: Bei Babys mit Keuchhusten ist in der Regel eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Denn Säuglinge können den entstehenden Schleim meist nicht selbst abhusten, so dass dieser aus den Atemwegen abgesaugt werden muss. Ansonsten besteht die Gefahr von gehirnschädigendem Sauerstoffmangel oder lebensbedrohlichen Atemstillständen. Auch bei älteren Kindern kann in schweren Fällen ein Klinikaufenthalt notwendig werden.

3.2. Beruhigen und aufpassen: Was Sie tun können

baby keuchhusten

Wenn das Baby einen Hustenanfall hat, kann es Erleichterung bringen, wenn Sie es herumtragen.

Es ist besonders wichtig, dass Sie Ihrem kranken Liebling mit viel Liebe, Aufmerksamkeit und Geduld beistehen. Bei einer Hustenattacke sollten Sie möglichst zur Stelle sein und Ihr Kind beruhigen, damit es bei den schweren Hustenanfällen und eventueller Atemnot nicht in Panik gerät. Bei Babys mit Keuchhusten – beispielsweise mit 8 Monaten oder 9 Monaten – kann es hilfreich sein, wenn Sie es bei einem Hustenanfall herumtragen. Sinnvoll ist auch, das Kind beim Hustenanfall in eine aufrechte Position mit leicht vorgebeugtem Kopf zu bringen. Größeren Kindern mit 2 Jahren, 3 Jahren und älter sollten Sie dabei helfen, sich entsprechend hinzusetzen, um ihnen das Husten zu erleichtern.

Normalerweise muss ein Kind mit Keuchhusten keine strenge Bettruhe halten. Sie sollten aber dafür sorgen, dass körperliche Anstrengung, Toben und sogar heftiges Lachen gemieden werden, um keinen Hustenanfall auszulösen. Ruhiges Spielen und Spaziergänge an der frischen Luft dagegen sind sogar sinnvoll. Achten Sie dabei auf eine reizarme Umgebung.

3.3. Hausmittel für Kind und Baby bei Keuchhusten

hausmittel kind keuchhusten

Eine Inhalation unter Aufsicht eines Elternteils kann die Symptome des Keuchhustens lindern.

Auch bestimmte Hausmittel können Sie nutzen, um die Symptome beim Säugling oder Kind mit Keuchhusten zu lindern:

  • Der kleine Patient benötigt ausreichend Flüssigkeit, um den Schleim zu verflüssigen. Geeignet sind milde Kräutertees und Wasser.
  • Außerdem sollten Sie Ihrem Kind bevorzugt flüssige bzw. breiige Speisen anbieten und mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen.
  • Ältere Kinder können mit heißem Wasser und Meersalz inhalieren, für Kleinkinder gibt es entsprechende Inhalationsgeräte in der Apotheke. Lassen Sie ihr Kind aber bei der Inhalation niemals alleine.
  • Warme, aber nicht zu heiße Brustwickel vor dem Schlafengehen sind wohltuend und können die krampfartigen Beschwerden etwas lindern. Verwenden Sie dafür beispielsweise Zitronensaft oder weich gekochte Kartoffeln.
  • Halten Sie die Raumluft mit regelmäßigem Stoßlüften feucht und kühl. Auch einige feuchte Handtücher oder eine Schüssel mit Wasser auf der Heizung können hilfreich sein.

4. Vier Teil- und mehrere Auffrischungsimpfungen

Sterberate bei Keuchhusten
Im Jahr 2016 wurden in Deutschland mehr als 22.000 Keuchhustenfälle registriert, wobei drei Babys an der Infektion starben. Das sind untypisch hohe Zahlen.

Gegen Keuchhusten werden vier Teilimpfungen empfohlen:

  1. Impfdosis ab der 9. Woche
  2. Impfung mit vollendetem 3. Lebensmonat
  3. Teilimpfung ab vollendetem 4. Lebensmonat
  4. Impfdosis zwischen 11. und 14. Lebensmonat

Wann die Impfung aufgefrischt werden sollte:

  • im Alter von 5 bis 6 Jahren und
  • im Alter von 9 bis 17 Jahren und
  • im Erwachsenenalter in Kombination mit Tetanus- und Diphtherie-Auffrischung
impfung baby gegen keuchhusten

Eine Impfung gegen Keuchhusten bzw. Pertussis wird nach wie vor als wichtigste Schutzmaßnahme vor der Erkrankung angesehen.

Empfohlen wird eine Impfung gegen Keuchhusten auch Frauen mit Kinderwunsch sowie sämtlichen Kontaktpersonen von Schwangeren, Neugeborenen und erkrankten Kindern. In seltenen Fällen können auch geimpfte Menschen trotz Impfung den Erreger übertragen.

Zu Impfreaktionen zählen eine Schwellung oder Rötung sowie Schmerzen an der Einstichstelle. Manchmal schwellen die Lymphknoten an oder es kann zu Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Frösteln oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Häufig treten hohes Fieber sowie Infektionen der oberen Atemwege auf. Diese Impfreaktionen klingen meist spätestens drei Tage nach der Impfung wieder ab.

Sehr selten kann die Impfung Nebenwirkungen wie Fieberkrämpfe oder einen kurzzeitigen schock ähnlichen Zustand des Kindes hervorrufen. Allergische Reaktionen auf Komponenten im Impfstoff sind ebenfalls möglich.

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