Kinderlähmung: Wie ein Virus zur Lähmung der Muskulatur führen kann

  • Kinderlähmung entsteht durch eine Übertragung eines Virus durch Tröpfcheninfektion oder fäkale Ausscheidungen.
  • Eine Impfung kann die Krankheit verhindern, muss aber mehrfach im ersten Kindesjahr erfolgen und sollte auch als Auffrischung nach rund 10 Jahren durchgeführt werden.
  • Die Kinderlähmung betrifft nicht nur Kinder. Auch Erwachsene können sich mit dem Virus infizieren. Erfolgte in jungen Jahren kein Ausbruch der Krankheit, können Spätfolgen oft noch nach Jahrzehnten auftreten.

Kinderlähmung ist die Folge einer Virus-Ansteckung. Die Kinderlähmung, die auch als Poliomyelitis (oder kurz: Polio) bezeichnet wird, ist dank der sehr guten Vorbeugung durch Impfungen in den meisten Teilen der Welt ausgestorben. Dennoch treten leider immer noch in einzelnen Ländern Fälle auf, in denen die Kinder (teils auch mangels Impfmöglichkeiten) an Polio erkranken.

In diesem Bericht verraten wir Ihnen, wie Sie Ihr Kind gegen Kinderlähmung schützen können, welche Symptome die Krankheit verursacht und ob es Behandlungsmöglichkeiten nach einer erfolgten Ansteckung gibt.

1. Kinderlähmung wird durch Tröpfcheninfektion übertragen

Wer die Erreger im Körper trägt, kann diese leider ganz leicht auf andere Menschen übertragen. Die Übertragung erfolgt durch eine Tröpfcheninfektion. Das bedeutet, dass bereits der Speichel, aber auch Ausscheidungen die Erreger in Kontakt mit anderen Menschen bringen können. Beim Stuhlgang kann dies bereits erfolgen, wenn die Eltern nach dem Windel wechseln die Hände nicht gründlich waschen und anschließend anderen Menschen die Hand geben. Die Tröpfcheninfektion erfolgt ähnlich wie eine Ansteckung der Grippe: Niesen, Husten und natürlich das reine Einatmen von Erregern reicht aus, um die Verbreitung zu ermöglichen. Vererbbar ist Kinderlähmung hingegen nicht.

Für Eltern von kleinen Kindern gilt daher: Waschen Sie sich gründlich die Hände, wenn Sie nach Hause kommen. Gleiches gilt nach jedem Windel wechseln oder nach Kontakt mit anderen Kindern.

2. Eine Schutzimpfung kann Kinder vor der schweren Erkrankung schützen

Wenn Sie Ihr Kind vor der Kinderlähmung schützen möchten, dann ist eine Impfung empfehlenswert. Darauf weisen bereits die Kinderärzte bei den Routine-Untersuchungen in den ersten Lebensmonaten hin. Früher wurde dieser Impfstoff für die Kinder als Schluckimpfung verabreicht, heute erfolgt die Impfung mittels Spritze in die Haut.

Die reine Schluckimpfung wird nur noch in Ländern durchgeführt, in denen die ärztliche Versorgung bzw. Impfung nicht anders dargestellt werden kann.
Impfung ist jedoch keine Garantie gegen Ansteckung. Leider kam es in den letzten Jahren im Kongo trotz Impfung zur Ansteckung. Die Ursache ist laut Ärzten ein mutierter Virus, gegen den der eigentliche Impfstoff nicht ausreichend wirkte. Dies zeigt, dass eine Impfung zwar grundsätzlich wichtig ist, auf eine ausreichende Hygiene dennoch nicht verzichtet werden kann!

2.1. Wie oft gegen Kinderlähmung impfen?

Nach der Impfung ist vor der Impfung. Im ersten Lebensjahr des Kindes wird 4x geimpft. Eine Auffrischung der Impfung wird dann nochmals als Jugendliche empfohlen.

Vor- und Nachteile einer Schutzimpfung

  • Kann trotz Übertragung der Erreger einen Ausbruch der Krankheit verhindern.
  • Nur eine Auffrischung der Impfung bietet den notwendigen Schutz.
  • Manche Kinder reagieren mit Nebenwirkungen auf den Impfstoff.
  • Nur eine Auffrischung der Impfung bietet den notwendigen Schutz.
  • Manche Kinder reagieren mit Nebenwirkungen auf den Impfstoff.

3. Das Krankheitsbild von Kinderlähmung ist nicht immer identisch

maedchen im rollstuhl

Ein schwerer Verlauf der Kinderlähmung kann dazu führen, dass Kinder den Rest ihres Lebens im Rollstuhl verbringen müssen.

Die Besonderheiten der Kinderlähmung sind die Symptome, die in vielen Fällen gar nicht erst auftreten. Der Krankheitsverlauf bei infizierten Menschen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Einige stecken sich mit Polio an, entwickeln aber selbst Antikörper gegen den Virus und immunisieren sich quasi selbst. Doch wenn der eigene Körper dem Virus nicht standhalten kann, dann müssen Sie beispielsweise mit folgenden Komplikationen rechnen:

  • Fieber
  • muskuläre Schmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Entzündung des Magen-Darm-Trakts

Klingen diese Symptome nicht wieder ab, weil der Körper länger für die Abwehrreaktion gebraucht hat oder hat der Virus bereits die Nerven befallen, sind Lähmungen der Muskulatur die Folge. Im Zweifel sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen werden. Nicht nur, dass der Virus Arme- oder Beine lähmt, sondern auch eine Lähmung der Muskulatur in den Atemwegen verursachen kann.

4. Eine Therapie bei Kinderlähmung ist manchmal möglich

maedchen mit physiotherapeutin

Eine intensive Physiotherapie kann die Beweglichkeit und den Erhalt der Muskulatur fördern.

Haben sich Kinder mit Polio angesteckt und der Krankheitsverlauf führt tatsächlich zur Lähmung der Muskulatur, kann die Behandlung in einigen Fällen mit Hilfe der Physiotherapie erfolgen. Die Muskulatur wird gestärkt und so kann in manchen Fällen eine Verbesserung der Bewegung erzielt werden.

Vergessen darf man dabei nicht, dass dies über viele Jahre andauern kann. Spätfolgen bis ins Erwachsenenalter sind keine Seltenheit. Die Lebenserwartung wird hiervon nur indirekt beeinflusst. Erhalten die Betroffenen im Laufe Ihres Lebens die benötigte Hilfe in alltäglichen Situationen, können Personen mit Kinderlähmung genauso alt werden wie gesunde Menschen. In einigen Fällen können jedoch weitere Spätfolgen auftreten wie bspw. ein erhöhtes Risiko für Muskelschwund oder Muskelkrämpfe.

5. Wichtige Fragen und Antworten

5.1. Ist Kinderlähmung ansteckend?

Kinderlähmung ist ansteckend, darüber sollte man sich nicht nur bei einem gesunden, sondern auch bei einem erkrankten Kind bewusst sein. Trägt ein Kind die Erreger in sich, ist die Übertragung laut Netdoktor bis zu 6 Wochen lang möglich

5.2. Welche Nebenwirkungen kann eine Impfung gegen Kinderlähmung verursachen?

baby bei der impfung

Die Impfung gegen Kinderlähmung muss im ersten Lebensjahr mehrfach erfolgen.

Grundsätzlich ist jede Impfung eine Belastung für den Körper. Bei Kindern können nach einer Impfung gegen Kinderlähmung folgende Symptome auftreten:

  • Grippeähnliche Symptome wie Fieber und Gliederschmerzen
  • Bauchschmerzen (Krämpfe, Durchfall)
  • Schwellungen im Bereich der Impfstelle

Wenn eines dieser Symptome bei Ihrem Kind auftritt, sollte zur Sicherheit ein Arzt konsultiert werden.

Achtung: Auch Erwachsene können an Kinderlähmung erkranken, wenn im Kindesalter keine Impfung durchgeführt wurde!

5.3. Kinderlähmung gibt es in Deutschland seit Jahren nicht mehr, warum also impfen?

Der letzte offizielle Fall der Kinderlähmung in Deutschland hat in den 90er-Jahren stattgefunden. Somit ist das Risiko einer Ansteckung grundsätzlich nicht ganz so hoch. Leider ist es jedoch so, dass auch Urlauber den Erreger ins Land bringen können. Beispielsweise gibt es im Bereich des Kongos immer noch Fälle von Kinderlähmung. Wer bei seiner Einreise das Virus mitbringt, kann es durch die Tröpfcheninfektion in wenigen Stunden an viele Menschen verteilen.

5.4. Zerebrale Kinderlähmung: Was ist das?

Wer sich mit dem Thema Krankheiten bei Kindern beschäftigt, wird auf den Begriff “zerebrale Kinderlähmung” treffen. Die Ursache einer zerebrale Kinderlähmung ist jedoch eine Schädigung der Nervenzellen im Gehirn, wie sie beispielsweise durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff (beispielsweise bei der Geburt) oder Komplikationen während der Schwangerschaft verursacht werden kann. Diese Krankheit, die auch als Cerebralparese bekannt ist, hat nichts mit der Virusinfektion Polio zu tun. Zwar ähneln sich die Symptome beider Lähmungserkrankungen, dennoch handelt es sich um zwei unterschiedliche Erkrankungen. Die Zerebralparese ist zudem nicht ansteckend.

Polio-Kinderlähmung Zerebrale Kinderlähmung
Übertragung erfolgt durch Virus Erkrankung erfolgt durch Schädigung der Nervenzellen
Impfung kann als Vorbeugung gegen eine Krankheit schützen Kann durch Sauerstoffmangel oder Aufnahme während der Schwangerschaft von schädlichen Konsumgütern (Drogen, Alkohol ect.) entstehen
Kann zu körperlichen (muskulären) Behinderungen führen Kann neben muskulären Beschwerden auch Störungen der Sinnesorgane oder Epilepsie verursachen.

 

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