Kindesmisshandlung – was tun?

kleines maedchen sitzt traurig mit ihrem kuscheltier auf einer treppe
  • Kindesmisshandlung muss unverzüglich der Polizei gemeldet werden.
  • Auch bei Verdacht auch Kindermisshandlung in Ihrem Umfeld sollten Sie sofort handeln.
  • Misshandlung kann auch durch Erzieher oder andere Personen geschehen.

Es ist ein schreckliches Thema, aber dennoch sollten zum Wohle der Kinder alle Eltern gut darüber informiert sein. Kindesmissbrauch kommt laut Statistiken in Deutschland häufiger vor, als Sie vielleicht denken, und noch immer gibt es zu viele Fälle, die nicht gemeldet werden. Daher sollten Sie selbst bei einem Verdacht auch Misshandlung von Kindern sofort handeln, auch wenn dies nicht Ihre eigenen Kinder betrifft.
In diesem Ratgeber-Artikel erfahren Sie mehr darüber, welche Auswirkungen die Misshandlung von Kindern hat und wie Sie am besten handeln sollten, um die Kleinen zu schützen.

1. Psychische, körperliche und seelische Kindesmisshandlung

Obwohl Sie bei dem Wort Kindesmisshandlung wahrscheinlich zuerst schreckliche Bilder von Schlägen oder andere Formen des körperlichen Missbrauchs im Kopf haben, kann diese auch psychisch oder seelisch sein, etwa in Form von Vernachlässigung oder Beleidigungen. Selbst hoher psychischer Druck, den manche Eltern auf ihre Kinder ausüben, ist eine Form der Misshandlung.

Tipp: Sowohl Polizei als auch Jugendamt und der Elternnotruf sind gute Ansprechpartner in Missbrauchsfällen und können schnell helfen.

Misshandelte Kinder weisen häufig eines oder mehrere der folgenden Symptome auf:

  • Blaue Flecken oder Verletzungen
  • Lange Kleidung auch bei warmen Temperaturen
  • Ängstliches, verstörtes Verhalten
  • Fehlen in der Schule
  • Abbrechen von Freundschaften
  • Plötzliches Weinen
  • Außergewöhnliche, erschreckte Reaktion auf manche Gegenstände

Typischerweise ist die Form der Kindesmisshandlung durch Mutter oder Vater je nach Alter unterschiedlich. Während Babys, die viel schreien oder quengeln, manchmal von ihren Eltern geschüttelt werden, leiden ältere Kinder eher unter Schlägen oder gar sexuellem Missbrauch. Auch bei Verbrennungen oder Quetschungen erfragen Ärzte ganz genau, was passiert ist, um auszuschließen, dass die Eltern schuld an der Verletzung sind.
Zur psychischen Misshandlung von Kindern gehören Schuldgefühle, Herabsetzungen sowie die Beobachtung häuslicher Gewalt zwischen den Eltern. Dies kann schwerwiegende seelische Folgen auf das Kind haben.

1.1. Folgen für misshandelte Kinder

Misshandlung jeglicher Art ist traumatisch für Kinder und es gibt zahlreiche Fälle, in denen misshandelte Babys oder Kinder für ihr Leben von der Gewalt gezeichnet sind. Eher als körperliche Schäden entstehen seelische oder psychische Probleme für das misshandelte Kind. Anzeichen können zum Beispiel sein

  • Bettnässen
  • Panikattacken
  • Extreme Schüchternheit
  • Vertrauensprobleme sowie Bindungsangst
  • Unberechenbare Stimmungsschwankungen

Damit Sie misshandelte Kinder in Ihrem Umfeld, sei es bei den Nachbarn, in der Kita oder im Kindergarten, besser erkennen können, sehen Sie hier eine Übersicht über die verschiedenen Arten von Kindermisshandlung sowie deren Symptome:

Art der Kindesmisshandlung Symptome
Körperliche Misshandlung Blaue Flecken, Wunden, Quetschungen (oft an „versteckten“ Stellen am Körper)
Psychische Misshandlung Niedergeschlagene, extrem schüchterne, depressive Verhaltensweise
Seelische Misshandlung Verhaltensstörungen und -auffälligkeiten, Verstörtheit

Psychische und seelische Misshandlung haben dabei ähnliche Symptome, die nicht immer leicht zu erkennen sind. Bedenken Sie auch, dass die Eltern von misshandelten Kindern die Probleme häufig zu überspielen versuchen. Daher ist es oft nicht leicht, Fälle von Misshandlung zu erkennen, aber generell gilt, dass Sie bei einem Verdacht schnellstmöglich Jugendamt oder Polizei informieren sollten.

2. Misshandlung durch die Eltern

kind mit kapuze haelt die hand hoch auf der "stop" steht

Zur Definition von Kindesmisshandlung gehören nicht nur körperliche, sondern auch seelische und psychische Übergriffe, die das Kind traumatisieren.

Kindesmisshandlung findet am häufigsten durch die eigene Familie statt und die Ursachen sind vielfältig: Ob soziale Probleme in der Familie, psychische Krankheiten oder Drogenabhängigkeit – in vielen Fällen sind die Eltern schuldig. Gerade bei Babys sind viele Mütter und Väter überfordert und halten es nicht mehr aus, dass das Baby schreit oder gewickelt werden muss. Wenn Sie sehen, dass eine junge Familie in Ihrer Umgebung Schwierigkeiten mit dem Neugeborenen hat, sollten Sie genau beobachten, was geschieht.
Bei psychischem oder seelischem Missbrauch sind sich viele Eltern gar nicht bewusst, dass auch dies als Kindesmisshandlung gezählt wird und strafbar ist. Natürlich ist dies keine Entschuldigung. Häufig sind Lehrer oder Erzieher hier in der Position, die Verhaltensänderung beim Kind zu bemerken und das Gespräch mit den Eltern zu suchen, um eine Verbesserung der Lage herbeizuwirken.
Die Prävention von Misshandlung ist essentiell, weshalb gerade neue Eltern darüber informiert werden sollten, wo die Grenzen liegen und wie sie in Missbrauchsfällen handeln können. Sprechen auch Sie selbst bei Elternabenden oder ähnlichen Anlässen das Thema mutig an, sobald nur der geringste Bedarf besteht. Zudem können Sie fordern, dass eine Pflichtveranstaltung zur Aufklärung über Kindesmisshandlung für alle Eltern durchgeführt wird.

2.1. Misshandlung durch Erzieher oder andere Personen

Es sind aber nicht immer die Eltern, die dem Kind schreckliche Dinge antun. Auch Erzieher, Lehrer, Ärzte, Trainer und andere Erwachsene, die in einer Machtposition stehen, nutzen diese leider manchmal aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Erfahrungen und ermutigen Sie es, offen und ehrlich über Erfahrungen und auch über Beobachtungen zu sprechen. Wenn Sie eine plötzliche Veränderung an Ihrem Kind bemerken, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass etwas Schlimmes passiert ist. Versuchen Sie, mittels von Geschichten oder Beispielen vorsichtig nachzuspüren, aber setzen Sie Ihr Kind auf keinen Fall unter Druck.
Psychologen, Spezialisten vom Jugendamt und andere speziell ausgebildete Fachpersonen sind in vielen Fällen ein besserer Ansprechpartner für von Dritten misshandelte Kinder als die eigenen Eltern, auch wenn Ihnen das schwerfallen mag.

2.2. Strafen für Kindesmissbrauch

teddybaer haelt sich die augen zu

Kindesmissbrauch wird strengstens verfolgt und geahndet.

Das Strafmaß für Kindesmissbrauch wird in Deutschland streng geahndet. Vor allem sexueller Missbrauch wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren geahndet. Im Strafgesetzbuch (StGB) §176 ist dies genau geregelt. Aber auch andere Arten der Misshandlung werden in vielen Fällen mit Gefängnisstrafe sowie einer hohen Geldstrafe bestraft. Hinzu kommt die öffentliche Demütigung, denn Medien berichtet über Kindesmissbrauch.  Aufgrund der Beschreibungen der Täter erkennen Freunde und Familie die betreffende Person häufig.

Eine Verjährung von Kindesmissbrauch wird meist nicht zugelassen, da dies eine der schlimmsten Straftaten überhaupt ist. Hinzu kommt, dass viele Richter selbst Eltern sind und daher in diesen Fällen verständlicherweise sehr streng und etwas emotional reagieren. Es besteht eine Meldepflicht für die Beobachtung von Kindesmissbrauch, weshalb Sie nicht zögern sollten, Taten zu ergreifen, wenn Sie einen Fall beobachten. Ob dies gemäß der entsprechenden Paragraphen ein Straffall war, sollten dann die zuständigen Behörden entscheiden, aber es ist immer besser, einmal zu viel einzugreifen.

3. Was tun bei Kindesmisshandlung

Unter der Nummer 0848 35 45 55 erreichen Sie rund um die Uhr den Elternnotruf, der Sie telefonisch berät – egal, ob Sie sich beim misshandelten Kind befinden oder nur Zeuge einer Gewalttat wurden. In konkreten Fällen sollten Sie sofort die Polizei anrufen, beispielsweise, wenn Sie Übergriffe bei Ihren Nachbarn beobachten. Bei einem schwelenden Verdacht ist das Jugendamt der richtige Ansprechpartner und oft hat es die betreffende Familie bereits unter Beobachtung.
Manche Eltern wenden sich auch an die Kirche. Sogar hier werden Sie schnell an geeignete Psychologen oder Sozialarbeiter verwiesen, die dem Kind helfen können. Generell gilt: Fragen Sie das eventuell traumatisierte Kind nicht zu sehr aus, sondern überlassen Sie dies den Experten. Ihre Aufgabe besteht darin, Hilfe zu rufen.
Abschließend sehen Sie hier noch einmal, dass es nur Vorteile hat, im Fall der Misshandlung von Kindern sofort Unterstützung anzufordern:

  • Sie schützen das Kind
  • Fachpersonal kümmert sich um Kind um Familie
  • Das Jugendamt greift häufig ein, um ähnliche Fälle zu verhindern
  • Sie erfüllen Ihre Meldepflicht
  • Zudem schützen Sie Ihr eigenes Kind vor Missbrauch durch den gleichen Täter
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