Unfruchtbarkeit: Welche Gründe es gibt wenn eine Schwangerschaftschaft ausbleibt und was Sie tun können

frau mit fragezeichen vor dem bauch und einem schwangerschaftstest in der hand
  • Unfruchtbarkeit ist nicht selten. Bei etwa 15 bis 20 Prozent aller Paare klappt es mit der Erfüllung des Kinderwunsches nicht problemlos, zwischen 3 und 9 Prozent bleiben dauerhaft ungewollt kinderlos.
  • Die Gründe liegen in etwa gleich häufig bei der Frau und beim Mann (jeweils ca. 30%). In einem von fünf Fällen liegt es an beiden Partnern (20%) oder es kann keine konkrete Ursache ermittelt werden (20%).
  • Wenn ein Paar trotz Kinderwunsch nicht innerhalb eines Jahres schwanger wird, sollten mögliche Ursachen abgeklärt werden. Neben Stress als Fruchtbarkeitskiller geht die ungewollte Kinderlosigkeit in vielen Fällen auf Hormonstörungen zurück.

Jede dritte Frau wird erst nach mehr als einem Jahr schwanger – trotz Kinderwunsch, regelmäßigem Sex, keiner Verhütung und regelmäßigem Zyklus. Also keine Panik, wenn es nicht sofort klappt! Hier finden Sie Gründe für Unfruchtbarkeit beim Mann oder der Frau, ihre Häufigkeit und Tipps zur Therapie.

1. Unfruchtbarkeit kann ein vorübergehender Zustand sein

paar sitzt bei einem arzt, der eine checkliste ausfuellt

Gründe für Unfruchtbarkeit gibt es viele. Es ist sinnvoll, sie ärztlich abzuklären und sie ggf. heilen zu können.

Für die Unfruchtbarkeit gibt es viele unterschiedliche medizinische Definitionen. Das liegt vor allem daran, dass Unfruchtbarkeit ein vorübergehender Zustand sein kann. Nach der Weltgesundheitsorganisation (ICD 10) gilt ein Paar laut klinischer Definition dann als unfruchtbar, wenn die Frau innerhalb eines Jahres, in dem sie regelmäßig ungeschützten Sexualverkehr hatte, nicht schwanger geworden ist.

Weit verbreitet ist eine leichte Unfruchtbarkeit, wenn Paare mit Kinderwunsch und regelmäßigem, ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht innerhalb von sechs Monaten schwanger werden. Davon sind etwa 20 Prozent aller Paare betroffen. Bei der Hälfte davon stellt sich aber innerhalb weiterer sechs Monate eine Schwangerschaft ein.

Rund 5 Prozent der Paare werden trotz regelmäßigem, ungeschütztem Sex auch nach zwei Jahren nicht schwanger. Dies kann die Beziehung sehr belasten und zu einem Trennungsgrund werden.

1.2. Unfruchtbarkeit bei der Frau kann viele Gründe haben

Ursache bei der Frau Mögliche Gründe Behandlung
Kein Eisprung Fortgeschrittenes Alter, Unter- oder Übergewicht, Hormonstörung wie das PCO-Syndrom Hormone checken, Hormontherapie
Verklebte Eileiter mögliche Spätfolge einer unerkannten Chlamydieninfektion Chirurgischer Eingriff, künstliche Befruchtung
Veränderungen der Gebärmutter Myome, Endometriose, Verletzungen durch OP Chirurgischer Eingriff, künstliche Befruchtung
Sonstige Gründe Stress, bestimmte Medikamente (z. B. Ibuprofen), Krankheit (z. B. Schilddrüsenunterfunktion), Folge nach Chemotherapie Änderung der Lebenssituation, Absetzen von Medikamenten nach Rücksprache, künstliche Befruchtung

Etwa vier von fünf Fälle (80%) können mit einem der oben genannten Gründe erklärt werden. Es gibt aber auch Fälle, in denen überhaupt keine konkrete Ursache identifiziert werden kann. Allgemein wirken sich Stress, Nikotin (Rauchen), Alkohol, Drogen und Umweltgifte negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Daher ist eine gesunde Lebensweise und die Vermeidung von Stress eine wichtige Voraussetzung für einen Kinderwunsch. Auch alternative Heilmethoden wie z. B. Homöopathie können hierbei unterstützend wirken.

1.2. Das Alter der Frau ist für die Fortfplanzungsfähigkeit wichtig

Während ein Mann theoretisch auch im höheren Alter Spermien mit guter Qualität produzieren kann, ist die Anzahl der Eizellen, die eine Frau hat, erblich bedingt. Sie können nicht nachproduziert werden, sondern sind bereits bei der Geburt angelegt. Allerdings herrscht kein Mangel – eine Frau besitzt etwa eine Million Eizellen, von denen bei Beginn der Pubertät noch etwa 300.000 vorhanden sind. Das Problem ist, dass während des Lebens einer Frau nur etwa 300 dieser Eizellen “springen” und sich der Rest mit der Zeit zurückbildet.

Mit 30 nehmen sowohl Anzahl als auch Qualität der Eizellen ab, ab Mitte 30 schreitet dieser Prozess rapide voran. Dann sind drei bis fünf „taube“ Zyklen pro Jahr die Regel, also Zyklen, in denen überhaupt kein Eisprung stattgefunden hat. Die Zahl der Eizellen verringert sich übrigens unabhängig davon, ob die Antibabypille zum Einsatz kommt, bereits eine Schwangerschaft besteht oder gerade eine Hormonbehandlung durchgeführt wird. Auch eine gesunde Lebensweise und Ernährung können daran leider nichts ändern!

Tipp: Mit der Kombination zweier Tests lässt sich in etwa berechnen, wie viele Eizellen noch verfügbar sind und wie viele „fruchtbaren Jahre“ Ihnen also noch bleiben. Mit einem Ovarscore lässt sich mittels Ultraschall und einer Untersuchung der Eierstöcke die Anzahl der Follikel feststellen, also die angelegten Bläschen, die noch zu Eizellen reifen können. Mit einem Bluttest testen Ärzte in speziellen Kliniken außerdem den Spiegel des Anti-Müller-Hormons (AMH), der ebenfalls Aufschluss über die Fruchtbarkeit gibt. Eine sichere Aussage können allerdings auch diese Tests nicht machen, weshalb sie auch unter Reproduktionsmedizinern kritisch bewertet werden.

1.3. Chlamydien: Sie verursachen eine Infektion, die zu Unfruchtbarkeit führen kann

Chlamydien sind Bakterien aus der Familie der Chlamydiaceae. Die Geschlechtskrankheit, die gemeint ist, geht auf den Typ Chlamydia trachomatis Serotyp D-K zurück und wird bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr weitergegeben. Sie zählt in Deutschland und weltweit zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Da Chlamydien über die Schleimhäute in den Körper gelangen, sind potenziell (aber selten) auch Schmierinfektionen möglich. Bei der Geburt können sie von der Mutter an ihr Baby weitergegeben werden und zu Bindehaut- oder Lungenentzündungen führen.

Als typische Geschlechtskrankheit befallen die Bakterien Harnwege und Geschlechtsorgane und können unerkannt zu schwerwiegenden Komplikationen während einer Schwangerschaft führen oder eine Schwangerschaft gänzlich verhindern, da bei chronischem Verlauf die Eileiter verkleben.

1.4. Unfruchtbarkeit beim Mann

Ursache beim Mann Mögliche Gründe Behandlung
Verminderte Spermienqualität Äußere Einflüsse und Gründe, die in der Familie liegen (Genetik) Änderung der Lebensumstände
Erkrankungen der Prostata Fortgeschrittenes Alter, Entzündung, Krebs Chirurgischer Eingriff
Verschluss der Samenleiter Vasektomie, erblich bedingter Defekt, Entzündung Chirurgischer Eingriff
Spermiogramm

Die Spermienqualität kann durch zahlreiche Faktoren vermindert sein. Anzeichen dafür sind nur unter dem Mikroskop erkennbar: Ein Spermiogramm, eine Analyse der Ejakulatsqualität, gibt Aufschluss über Anzahl und Geschwindigkeit der Spermien.

Die Spermienqualität, also die Anzahl an Spermien und ihre Bewegungsfähigkeit, kann sowohl durch äußere Umstände als auch genetische Ursachen beeinflusst werden. Ärzte gehen davon aus, dass Nikotin einen relativ großen Einfluss auf die Qualität der Spermien hat. Rauchen ist daher als Risikofaktor anzusehen. Nicht zu unterschätzen ist Handystrahlung. Studien haben gezeigt, dass das nahe Tragen des Handys am Körper beziehungsweise Hoden zu einer abnormen Abnahme der Spermienanzahl und Qualität führt. Allerdings kann die schlechte Spermienqualität auch auf einen so genannten Hodenhochstand in der Kindheit zurückgehen.

Dabei ist der Hoden nicht im Hodensack, sondern im Bauchraum oder im Leistenkanal (Leistenhoden) angelegt. Eine Korrektur innerhalb des ersten Lebensjahres ist unbedingt nötig, da sich der Hoden ansonsten nicht richtig entwickeln kann und das Risiko einer Unfruchtbarkeit steigt.

gezeichnete spermien werden durch radiergummer von einem blatt entfernt

Die Spermienqualität kann genetisch oder durch äußere Bedingungen beeinflusst sein.

Ein weiteres Problem sind veränderte Gefäße im Hoden, die – ähnlich wie Krampfadern – zu einer veränderten Umgebungstemperatur im Hoden führen und die Spermienqualität damit ebenfalls negativ beeinflussen. Übrigens: Auch sehr eng sitzende Hosen wie zum Beispiel Radlerhosen können sich auf die Spermienproduktion und damit die Qualität auswirken. Grund ist: Normalerweise haben Hoden eine um ca. 3 Grad reduzierte Temperatur (im Vergleich zum restlichen Körper. Durch den engen Sitz der Hosen werden sie jedoch zu sehr an den Körper gedrückt und bekommen dabei zu viel Körperwärme ab.

2. Das sind in der Regel keine Gründe für Unfruchtbarkeit

  • Genitalherpes: Herpes genitalis ist zwar durchaus schmerzhaft, lästig und sieht nicht schön aus, hat auf die Fruchtbarkeit aber keinen negativen Einfluss. Problematisch ist jedoch, dass dadurch oft das Scheidenmilieu gestört ist und sich somit Bakterien leichter ansiedeln können – diese (wie z. B. Chlamydien) können für Unfruchtbarkeit mitverantwortlich sein.
  • Antibabypille: Auch durch die Pille entsteht keine Unfruchtbarkeit. Wenn der Zyklus allerdings vor Einnahme der Pille bereits unregelmäßig war, wird dieser Umstand nach dem Absetzen möglicherweise wieder eintreten – das kann das Schwangerwerden erschweren und auch eine mögliche Diagnostik, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Problematisch ist das vor allem dann, wenn die Zeit drängt. Übrigens: Auch durch die Spirale entsteht keine Unfruchtbarkeit – die Modelle sind inzwischen so ausgereift, dass Infektionen nahezu ausgeschlossen werden können.
  • Abtreibung: Durch die modernen und sicheren Methoden, mit denen heutzutage Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden, ist das Risiko einer Unfruchtbarkeit nach einer Abtreibung oder durch eine Ausschabung verschwindend gering. Wird dabei allerdings die Gebärmutter verletzt oder treten während des Heilungsprozesses Komplikationen auf, kann das zu Unfruchtbarkeit führen.
  • Kaiserschnitt: Auch wenn Studien belegen, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt weniger Kinder bekommen als Frauen, die natürlich entbunden haben, ist ein Zusammenhang von Kaiserschnitt und darauffolgender Unfruchtbarkeit nicht gegeben. Oft ist z. B. der Stress mit der Geburt ein Grund, der dazu führt, dass kein weiterer Kinderwunsch besteht.
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